Wieso die Seligpreisungen keine Gebote sind

Die Segnungen, die traditionell die Seligpreisungen genannt werden, stehen am Beginn der Bergpredigt Jesu. Es ist leicht, diese wunderbaren Aussagen als Ermahnungen aufzufassen, gewisse Eigenschaften zu zeigen. Aber die Liste wirkt komisch, wenn man sie als Gebote versteht. Sollen wir aktiv nach Verfolgung Ausschau halten? Sollen wir vorsätzlich trauern? Wie können wir reinen Herzens sein, wenn unser Herz durch Sünde verdorben ist?

Obwohl diese Predigt viele Gebote von Jesus enthält, kommen diese jedoch, nachdem Jesus die Segnungen ausgesprochen hat. Die Segnung enthalten keine imperativen Verbformen, sondern indikative Aussageverben. Als solches kommen die Seligpreisungen zu Gottes Volk als göttliche Verheißungen, die Jesu Autorität und das Wesen des Reiches Gottes zur Schau stellen. Während Jesus Eigenschaften von Gottes Volk beschreibt, um ihnen zu zeigen, was sie in diesem Leben erfahren werden, spricht er auch Gottes Wohlgefallen über seinem Volk aus, den Bürgern seines Reichs. Was sind also die Segnungen von Gottes Wohlgefallen?

1. Das Reich Gottes (Matthäus 5,3.10)

Jesus segnet die geistlich Armen mit dem größten Erbe, das irgendjemand haben kann: ein eigenes Königreich. Geistlich arm zu sein bedeutet nicht, immer niedergeschlagen und bedrückt zu sein, sondern auf Gott allein für die Errettung zu trauen. Allen, die ihre Armut anerkennen und in Demut zu ihm kommen, gewährt er das Reich als ein Erbe (Jak 2,5). Das ist kein Menschenwerk, sondern ein Werk Gottes, denn nur Gott kann Menschen, die tot in ihren Sünden sind, Leben geben (Eph 2,1-2). Jesus sagt uns auch, dass wir in diesem Leben verfolgt werden dafür, dass wir Jesus nachfolgen, aber das Reich Gottes und ewiges Leben ist der Lohn für das Ausharren in den Kämpfen dieses Lebens, denn der Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die geistlichen Mächte der Bosheit (Röm 8,17; Eph 6,12; Joh 16,33; 1Joh 4,4).

2. Trost (Matthäus 5,4)

Leider gehören Trauer und Betrübnis zu diesem Leben; aber Jesus gewährt seinem Volk eine Zukunft ewiger Freude und Trosts, wo Trauer und Betrübnis nicht länger existieren werden (Offb 21,4). Obwohl Christus uns viel Trost und Frieden selbst hier in diesem Leben schenkt, werden wir letztlich getröstet werden in dem neuen Himmel und der neuen Erde, wo Sünde, Tod und das Böse für immer verbannt sein werden.

3. Eine Heimat (Matthäus 5,5)

Während sie hier auf der Erde leben, werden Christen als Gäste beschrieben, die weg von ihrem Zuhause sind. Also solche gehört uns nicht der Erfolg und die Macht dieser Welt. Das heißt jedoch nicht, dass wir keine Heimat haben. Während wir in diesem Leben gewöhnliche, demütige Knechte sind, werden wir im nächsten Leben mit Christus über ein neues Land herrschen (2Tim 2,12).

4. Befriedigung (Matthäus 5,6)

Bürger von Gottes Reich erfreuen sich an Gottes Gesetz, weil sie wissen, dass das Gesetz gut ist. Wie Paulus ausrief: „Das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht“ (Röm 7,18). Wenn Christus uns in die neue Schöpfung bringt, werden wir endlich von Sünde gereinigt sein und in Vollkommenheit leben können. Nicht nur das, sondern wir werden auch niemals wieder den Schmerz und die Zerstörung der Sünde erfahren (1Kor 15).

5. Barmherzigkeit (Matthäus 5,7)

Barmherzigkeit von Gott zu empfangen ist nur möglich wegen Christi Opfer. Im Alten Testament gab es einen Stuhl in der Stiftshütte genannt Gnadenstuhl, der den Thron Gottes repräsentierte. Im himmlischen Tempel gibt es auch einen Gnadenstuhl, den Thron Gottes. Gott gibt reichlich Barmherzigkeit durch seinen Sohn Christus Jesus. Diese Barmherzigkeit wird schließlich im neuen Himmel und der neuen Erde gegeben.

6. Gott schauen (Matthäus 5,8)

Eine weitere Verheißung ist, dass die, die reinen Herzens sind, Gott schauen werden. Verbunden mit Christus in seiner Gerechtigkeit wird den Gläubigen gesagt, dass sie nun heilig sind. Im Alten Testament konnte nur der Hohepriester in das Allerheiligste gehen, um in der wahrhaftigen Gegenwart Gottes zu sein. Die Gläubigen haben eine noch bessere Verheißung, denn eines Tages werden sie Gott von Angesicht zu Angesicht sehen (Offb 21,3). Die Sünde wird uns nicht länger von Gott trennen, und wir werden in der Gegenwart Gottes leben.

7. Söhne Gottes heißen (Matthäus 5,9)

Verbunden mit Christus sind die Gläubigen verbunden mit Christi Sohnschaft und erhalten einen Geist der Sohnschaft. Alle, die Gottes Frieden in Christus empfangen, werden in Gottes Familie adoptiert und zu Erben gemacht (Röm 8,12-17). Derjenige, der überwindet, wird dieses Erbe erlangen und Gott wird sein Gott sein und er wird sein Sohn sein (Offb 21,7). Die Gläubigen wissen, dass die Weisheit von oben erstens rein, sodann friedfertig, gütig ist; sie lässt sich etwas sagen, ist voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch und frei von Heuchelei. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften (Jak 3,17-18). Diese Weisheit ist ein Familiengut, denn sie kommt von der Weisheit des himmlischen Vaters. Wenn ein Sünder gerettet wird, wird er oder sie zu einem Sohn Gottes gemacht, und als Sohn zu einem Erben des Reichs, welcher die Gunst Gottes hat und Gott als seinen eigenen Vater anrufen kann (Röm 8,15).


Leah Baugh ist ein Autor bei Core Christianity und Mitherausgeber von Bibelstudien bei White Horse Inn. Sie hat einen Bachelor of Arts in Chemie, bevor sie sich der Theologie zuwendete und einen Master of Arts in Biblischer Lehre und einen Master of Arts in Theologischen Studien erwarb. Man kann ihr auf Twitter folgen. Dieser Artikel erschien zuerst bei Core Christianity. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.