Wie man eine Gemeinde verändert

Häufig werde ich gefragt: „Wie kann man Veränderung in unsere Gemeinden bringen?“ Viel zu viele Pastoren haben Unruhe in ihre Gemeinden gebracht bei dem Versuch, sie zu verändern. Einige wurden in diesem Zuge auch gekündigt. 

Doch als Hirten haben wir die Aufgabe, unsere Gemeinden zur Veränderung zu führen, auch wenn diese sehr oft schwierig sein wird. Einige kurze Empfehlungen von meiner Seite aus: Lehre, bleibe und liebe. 

1. Lehre, um zu verändern

Zunächst sollten unsere Ideen für unsere Gemeinde aus der Schrift kommen. Das macht die Predigt zu dem wirkungsvollsten Instrument der Gemeindeveränderung. Die regelmäßige Auslegungspredigt der Schrift ist die Art und Weise, wie Gottes Geist normalerweise in Menschenherzen wirkt. 

Bete, dass durch deine Predigt Gott deine Gemeinde lehren wird, wie sie sich verändern muss. Es ist erstaunlich, wie oft wir als Pastoren Probleme lösen wollen, bevor wir überhaupt erklärt haben, was die Probleme sind!

Zu viele Pastoren versuchen in ihren Gemeinden Veränderungen mit aller Kraft zu erzwingen – entschuldigen das mit guter Leiterschaft – wobei sie zunächst die Gemeinde belehren sollten. Brüder, wir sollten die uns anvertraute Herde geistlich ernähren und sie nicht erschlagen. Lehre sie.

Auch wenn die Veränderung, die du dir vorstellst, richtig ist, bleibt noch immer die Frage, ob jetzt gerade der richtige Zeitpunkt ist. Recht zu haben ist keine Lizenz für sofortiges Handeln, was mich zu meinem zweiten Punkt bringt.

2. Bleibe, um zu verändern

Die Idee, sich an einen Ort zu binden, verschwindet immer mehr, sowohl auf dem Arbeitsplatz als auch privat. Das Beispiel für die jüngere Generation ist keine vorgefertigte Karriereleiter, sondern das Mosaik des World Wide Web mit unzähligen Alternativen und Optionen. 

Uns wird vermittelt, ganz verschiedene Erfahrungen wertzuschätzen, die einander bereichern. Wir als Pastoren müssen unseren Gemeinden ein anderes Vorbild vorleben. Wir müssen sie lehren, dass Verbindlichkeit etwas Gutes ist, sowohl in unserer Ehe und Familie, in Freundschaften und in unserem Glauben als auch in der Gemeinde und Nachbarschaft. Im Licht von Verbindlichkeit über einen langen Zeitraum (nicht nur Monate, sondern Jahrzehnte) können wir unseren Gemeinden helfen, ihre Prioritäten richtig zu setzen. 

Für Pastoren ist das wirkungsvollste Instrument, um eine Gemeinde zu verändern, nicht eine dominante Persönlichkeit, sondern Jahre des treuen und geduldigen Lehrens. Veränderung, die heute noch nicht geschieht, mag in einem Jahr kommen oder auch erst in zehn Jahren. 

Um dieses Ziel zu erreichen, sollte man seine Kämpfe weise wählen und sehr sorgfältig notwendige Veränderungen priorisieren. Welche wichtige Veränderung ist jetzt gerade am notwendigsten? Welche kann warten? Allgemein gesagt, müssen Pastoren lernen, wie sie erwachsen denken können und die langfristige Perspektive im Blick behalten. 

Eine längere Dienstzeit hilft auch dem Pastor. Sie hält ihn davon ab, in seine Trickkiste zu greifen, für zwei oder drei Jahre seine Show abzuziehen und dann weiterzuziehen. Im Allgemeinen lässt sich sagen: Je länger wir bleiben, desto echter müssen wir sein – und das ist gut für unsere eigenen Seelen und für diejenigen, denen wir dienen. 

Der Schlüssel zur Veränderung ist es, lang genug in einer Gemeinde zu bleiben, um sie zu lehren. Wenn du nicht planst zu bleiben, dann solltest du vorsichtig damit sein, etwas zu beginnen, was jemand anderes ausbaden muss. Verlasse die Gemeinde nicht dir gegenüber oder deinem Nachfolger oder sogar gegenüber Veränderung an sich verhärtet. 

Als junger Theologiestudent nahm ich mir drei anglikanische Geistliche aus Cambridge zum Vorbild. Alle waren Ausleger der Schrift an Schlüsselorten über mehrere Jahre hinweg – Richard Sibbes (in Cambridge und London für über 30 Jahre), Charles Simeon (in Cambridge für mehr als 50 Jahre) und John Stott (in London für mehr als 50 Jahre). Durch Gottes Gnade erbauten diese Männer die Gemeinden, denen sie dienten und hatten große Wirkung auf die heranwachsende Generation von Pastoren durch ihre Treue. 

3. Liebe, um zu verändern

Wenn man sich die richtigen Veränderungen wünscht, sollte man darüber lehren, lang genug bleiben und lieben. Man muss den Herrn lieben und die Leute lieben, die der Herr einem anvertraut hat. 

Clemens von Rom sagte: „Christus gehört den demütigen Herzens und nicht denen, die sich über die Herde erheben.“ Die Liebe führt zu geduldiger Fürsorge, die immer und immer wieder die Gemeinde hin zu Gottes Wort lenkt.

Jonathan Edwards war kein untreuer Pastor, weil seine Gemeinde ihn entließ. Einige von uns haben kurze und treue Dienstzeiten gehabt. Doch darum geht es mir hier nicht. In diesem kurzen Artikel geht es mir darum, einige Vorstellungen darüber zu geben, wie man – durch lehren, bleiben und lieben – eine Gemeinde zu einer biblischen Veränderung führen kann.


​Mark Dever ist der leitende Pastor der Capitol Hill Baptist Church in Washington, D. C. und der Vorsitzende von 9Marks. Der Artikel erschien zuerst bei 9Marks. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.