Wie man Arroganz gegenüber der Kirchengeschichte vermeidet

Kirchengeschichte sieht wie ein trostloses Unterfangen aus

Wieso sollte sich jemand dafür interessieren, alte Autoren oder etwas über die Vergangenheit zu lesen? Es gibt heute so viel zu tun, wie kann jemand da etwas aus der Vergangenheit lesen? Niemand hat dafür Zeit.

Wir befinden uns in einer Welt, die mit sehr praxisorientierten Menschen gefüllt ist; Menschen, die viel zu beschäftigt sind für die Traditionen ihrer Vorväter, zu aufgeklärt für Menschen und Vorstellungen aus der Vergangenheit, die mit so vielen moralischen Flecken überzogen sind. Aber wir brauchen die Vergangenheit, um unsere Seelen zu retten.

Viele Menschen haben nur ein geringes Interesse daran, alte Bücher zu lesen oder Bücher über die Vergangenheit. Wir sehen in unseren Tagen eine wirkliche Antipathie gegenüber klassischer Literatur, eine Antipathie, die über Jahrzehnte langsam zugenommen hat. In einer Welt gefüllt mit Spezialisten in Medizin, Wissenschaft und Technologie fragen wir uns, wie irgendjemand verstehen kann, was solche Menschen aus der Vergangenheit reden. Wie kann es mir helfen, ein besseres Leben im 21. Jahrhundert zu führen?

Wissen bedeutet heute Fakten statt Weisheit. Das ist besonders sichtbar in der Welt von Wikipedia und Google. Statt Tugend und Liebe als wesentlich für Erkenntnis zu erachten, halten wir Fakten und Wissen für Macht.

Wir haben die Schule in eine technische Berufsfabrik verwandelt, die Menschen auspumpt, welche bessere Arbeiter in einer großen Gesellschaft sind. Eine Gesellschaft voller Klischees und Tweets hat keine lebensspendende Weisheit oder Verkörperung von Liebe. Welch eine traurige Ironie, dass mehr Wissen uns weniger liebend und weniger fähig gemacht hat, mit anderen zusammenzuleben, die eine andere Meinung haben als wir.

C.S. Lewis schrieb über ähnliche Probleme in seiner Zeit. Er drückte das moralische Problem aus, nur zeitgenössische Literatur zu lesen. Diese Gewohnheit blendet einen Menschen für die moralischen Annahmen (und das Böse) seiner Zeit. Von der Vergangenheit zu lesen (nicht nur Bücher über Platon, sondern Platon selbst) ist eine wichtige Aufgabe, um die Seele und Tugend zu formen.

Von der Vergangenheit lernen

Alte Autoren, die verschiedene philosophische und theologische Positionen vertraten, haben uns heute viel zu lehren. Wir müssen den Seelen vieler Autoren begegnen und verstehen, wie sie mit dem Glauben in ihrer Zeit rangen. Der christliche Glaube umfasst ein Erbe, das bis zu den Tagen Abrahams, Isaaks und Jakobs zurückreicht, bis hin zu Adam und Eva.

Aber es gibt einen noch größeren Grund, zu lesen. Bücher (echte, solide Bücher) sind buchstäblich ein Monument, ein Erbe, eine Gabe Gottes! Bücher sind Tore zu unbekannten Ländern, zu Menschen mit Problemen, Menschen, die großen Mut haben, und die Siege und Niederlagen kennen. Wenn wir wirklich Menschen von Gottes Buch werden wollen, müssen wir Menschen vieler Bücher werden. Das heißt nicht, dass wir Spezialisten sein müssen. Stattdessen müssen wir Menschen sein, deren Seelen anderen Seelen begegnen, auf ihrem Gebiet und in ihrer Zeit.

Wir müssen ein Volk sein, das die Größe von Gottes Gnade in der ganzen Geschichte sieht, im Leben und im Tod anderer Menschen. Es gibt keinen besseren Weg das zu tun, als ein Buch aufzunehmen und über die Schönheit und das Geheimnis Gottes in der Geschichte nachzudenken. Wir brauchen diese Sünder, die gleichzeitig Heilige waren, wenn wir, wie sie, einen Weg zu einem gnädigen Gott finden werden, der uns aus unseren eigenen Torheiten und unserem Versagen errettet. Das ist unsere einzige Hoffnung.


Dieser Artikel von Timothy Massaro erschien zuerst bei Core Christianity. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.