Vergessene Orte in Erinnerung rufen – Teil 2

Unser Vorzeigemissionar

Lasst uns einen Moment innehalten, um den Vorzeigemissionar schlechthin zu betrachten, nämlich Paulus, einen Apostel Gottes und des Herrn Jesus Christus. Er tötete viele der ersten Christen und schrieb den Großteil des Neuen Testamentes. Wow! Was für eine Geschichte. Und es gibt noch so viel mehr über sein Leben und seine von Gott inspirierten Schriftstücke zu berichten. Er ist der erste große Missionar. Viele von uns erwähnen gerne Paulus' Ziel, das Evangelium dort zu predigen, wo Jesu Name noch nicht gehört wurde. Dies fördert die Überbetonung, zu unerreichten Menschengruppen zu gehen und dabei die „erreichten Gruppen“ zu vernachlässigen.

Ich denke, die Heidenmission ist eine großartige Zielsetzung, die Paulus ganz klar von Gott gegeben wurde. Und genau das ist der Punkt. Das Leben von Paulus ist ein einzigartiger Moment in der Erlösungsgeschichte. Gott hat ihn in besonderer Weise zur damaligen Zeit und am damaligen Ort gebraucht, um hauptsächlich Heiden im Römischen Reich zu erreichen. Wenn wir die Briefe von Paulus und die Apostelgeschichte lesen, möchten wir möglichst viel von seinem Missionseifer und seinen Methoden lernen. Aber möglicherweise zwingen wir Paulus dazu, mehr Strategie zu benutzen, als er tatsächlich getan hat. Wenn es etwas gibt, das Paulus uns ganz deutlich macht, dann ist es das Evangelium und seine Auswirkungen auf unser Leben.

Wir sollten mehr von Paulus’ Evangelium als von seinen Strategien lernen (wofür auch P.T. O’Brien in Gospel and Mission in the Writings of Paul argumentiert). Paulus zeigt uns das ausgezeichnete Vorbild eines guten Missionars. Paulus spricht davon, alles ihm nur Mögliche zu tun, um mehr Menschen zu erreichen: „Das Ziel von Paulus war die Errettung von Männern und Frauen (1Kor 9,19-23). Es war sein tiefes Verlangen, Juden, Heiden und schwache Christen zu gewinnen; das heißt, sie vollkommen zu retten, sodass sie zu Jesu zweiter Wiederkunft rein und tadellos sein würden“ (O’Brien, S. 137). Das ist wirklich befreiend. Paulus zeigt uns, dass es nicht darum geht, was wir tun können, sondern demjenigen zu folgen, der alles zu tun vermag. Es geht darum, unseren Herrn und seine rettende Gnade zu lieben. Wir müssen nicht alle so sein wie Paulus, William Carey oder Adoniram Judson. Das wissen wir zwar, aber ich glaube, wir neigen dazu, die Geschichten anderer kopieren zu wollen. Wir sehen ihren Erfolg und versuchen, sie möglichst genau nachzuahmen. Wir lesen das Buch. Lass uns das tun, was sie getan haben. Er hatte keine Unterstützung. Lasst es uns ohne Unterstützung machen. Er ist mit dem Fallschirm abgesprungen. Lasst uns mit dem Fallschirm abspringen und tausende Traktate regnen lassen. Wir wollen ihre Schritte zurückverfolgen und versuchen, ihr Leben nachzuleben. Einer meiner Pastoren sagt regelmäßig: „Lebe dein Drehbuch“. Du bist Teil von Gottes Geschichte und seine Geschichte hat ein gutes Ende. Es lautet so: „… und sie waren treu und fruchtbar unter allen Völkern für immer und ewig, weil … Jesus“. Es ist seine Geschichte. Er vergisst das nie.

Gott ist überall, schließt euch jetzt an

Vielleicht haben wir den Eindruck, dass es Gottes Reichweite einschränken würde, uns in seine Plan miteinzubeziehen (unsere Berufung, unseren Zeitplan und unsere Begabung), aber tatsächlich lässt er unsere Reichweite bis zu den Enden der Erde vordringen (seine fortwährende Mission). Genauso wie bei Paulus schließt Gottes Erlösungsplan uns mit ein, sodass unsere Berufung speziell uns gilt. Unsere ganzen Strategien fallen zwar mit Gottes Plan zusammen, verdrängen aber niemals sein Ziel. Er beruft Individuen für spezielle Menschengruppen und Aufgaben. Er beruft einzelne Kirchen für spezielle Menschengruppen und Aufgaben. Er beruft Netzwerke und Bewegungen für spezielle Menschengruppen und Aufgaben. In jedem Fall tut er dies mit seinem Wort durch seinen Geist innerhalb des Leibes Christi zu einer speziellen Zeit und an einem speziellen Ort.

Die Zeit, in der wir gerade leben, ist genau das: unser Moment. Auf der ganzen Welt beobachtet das Volk Gottes, dass, auf welche Art auch immer, zwei Dinge auf jedem Kontinent passieren: Internationalisierung und Globalisierung. Internationalisierung bezieht sich auf das Verhältnis oder die Auswirkung, die internationale Organisationen auf jemanden oder etwas haben. Globalisierung bezieht sich auf die Verfügbarkeit von Gütern und Dienstleistungen von einem Teil der Welt in einen anderen. Das bedeutet für uns, die wir die Mission auf dem Herzen haben, dass es einfacher ist als jemals zuvor, das Evangelium mit allen Menschen überall zu teilen. Der Großteil der Bevölkerung zieht in die Stadt. Wir brauchen Menschen nicht mehr mit einer Veranstaltung oder Werbung zusammenzutrommeln. Sie sind bereits zusammen. Außerdem leben wir im Informationszeitalter. Social Media und weltweite Netzwerke ermöglichen es uns, einen schnellen und weitreichenden Einfluss auszuüben. Der Zugang, den wir heute zum Rest der Welt haben, ist so noch nie dagewesen; sei es ein Flüchtling, mit dem wir zusammen am Tisch sitzen oder seien es alle die Orte, zu denen wir mit unsererem Reisepass reisen können.

Gott hat jedem von uns Begabungen geschenkt. Vielleicht ist es dein Unternehmergeist und Können oder deine medizinische Expertise und Erfahrung, die dir eine Türe öffnet. Wir haben mehr Geld und Ressourcen zur Verfügung als wir einsetzen können. Uns bieten sich überall Möglichkeiten. Der Bedarf ist größer denn je. Jedes elektronische Gerät muss erreicht werden, damit es auf die Bibel anstatt auf Pornographie zugreift. Wir leben in der reichsten und zugleich notleidendsten Zeit. Einige haben alles und andere müssen jeden Tag für Wasser kilometerweit laufen. Menschen und Bevölkerungen sind niemals statisch, sondern immer im Wandel begriffen. So lange Babys geboren werden, aufwachsen und sterben, gehen wir zu allen Menschen, denn Gott hat sie nicht vergessen. Und jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr geschehen Dinge um uns herum, die wir niemals erwartet hätten. Gott ändert sich nicht. Er ist treu. Er vergisst niemals. Solange wir leben ist die Zeit reif, überall den Samen des Evangeliums zu pflanzen.

Wir können nicht überall gleichzeitig sein und auch ein ganzes Leben reicht nicht aus, an jedem Ort der Erde einmal gewesen zu sein. Wie können wir Gott also in seiner weltweiten Mission zu allen Menschen folgen? Gott ist überall zu jeder Zeit. Daher geht seine Mission grundsätzlich immer voran. Du und ich, wir sind nicht gleichzeitig überall. Daher verfolgt er sein Ziel in einem jeden von uns auf spezielle und einzigartige Weise in bestimmten Momenten und an bestimmten Orten. Jeder von uns wurde von Gott dazu begabt, derjenige zu sein, der er in Christus ist. Jeder von uns kennt sich aus (oder kann sich weiterbilden) in einer Wissenschaft, einer Fähigkeit oder einem Handwerk. Jeder von uns möchte, dass sein Leben und Handeln darauf basiert, dass unsere Geschichte in Gottes Geschichte eingebettet ist. Unsere Geschichte beinhaltet unseren familiären Hintergrund, unsere vergangenen Erfahrungen, Persönlichkeit und Fähigkeiten, Beziehungen, Wünsche und Träume, und Gottes Weisheit durch sein Wort inmitten seines Volkes. Wir kennen das Evangelium, seine Auswirkungen und seine verändernde Kraft in unserem Leben. Ohne Unterschiede zu machen, gehen wir mit Gott zu allen Menschen überall hin (eine allgemeine Mission). Und während wir dies tun, wissen wir, dass jeder von uns genau für eben diese Zeit geschaffen und mit eben diesen Gaben beschenkt wurde (spezielle Zielsetzung). Und so wie Paulus, predigen wir das Evangelium allen Menschen überall und gehen wir hierhin oder dorthin mit dieser oder jener Absicht zu genau der rechten Zeit (Eph 3,8–9); allerdings gilt unsere Mission, im Gegensatz zu Paulus, nicht ausdrücklich den Heiden im Römischen Reich des ersten Jahrhunderts. Wenn wir uns als erstes Gottes Mission anschließen, dann werden die Einzelheiten unserer Mission mit Sicherheit alle Menschen überall erreichen. Genauso wie Gott vergessen wir niemanden.

Gott ist grenzenlos

Für ihn gibt es keine vergessenen Orte. Alles ist ihm offenbar. Wir sind begrenzt, und viele von uns haben vergessen, dass „die Dynamik des Evangeliums uns dazu auffordert, dass wir uns für seine fortlaufende Ausbreitung einsetzen, egal welche Form das annehmen mag“ (O’Brien, S. 139). Wir brauchen uns nicht auf die unerreichten Menschengruppen und Orte zu beschränken. Gott möchte, dass alle Menschen überall Jesus kennenlernen und in der Gnade, die er bereithält, zu ihm zu kommen. Durch die Grenzen von Menschen und dieser Welt ist unsere Mission eingeschränkt, aber Gottes Mission ist Jesus und den hellen Ufern des Himmels hingegeben. Die Reichweite seines Königreiches hat kein Ende. Alles gehört ihm. Die Reichweite seines Kreuzes hat kein Ende. Unsere Rechtfertigung ist vollkommen. Die Reichweite seiner Gnade hat kein Ende. Sie überströmt alles in grenzenloser Herrlichkeit. Und die Reichweite seines Namens und Ruhmes hat kein Ende. Eines Tages werden alle Menschen überall ihre Knie beugen und mit ihren Zungen bekennen. Sie werden ihn als Herrn und Retter erkennen oder nicht. Ferne sei es von uns, dass wir jemanden vergessen und uns um Gottes Mission willen beschränken. Gott vergisst niemals. Genauso wenig sollten wir es tun.


Patterson

Josh Baylor ist als Gemeindegründer von der Sojourn Community Church (Louisville, KY) für das International Mission Board (SBC) in das Rhein-Ruhr-Gebiet ausgesandt wurden. Er ist seit 15 Jahren glücklich mit Meghan verheiratet. Sie wohnen in Düsseldorf mit ihren zwei Söhnen und Töchtern. Der Artikel erschien zuerst unter: www.theupstreamcollective.org. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.