Singlesein in der modernen Kultur

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Einer der vielen kulturellen Umschwünge, die die Kirche vorher nicht erwartet hat – und der wahrscheinlich ganz oben auf der Liste steht – ist das Wachstum der Anzahl von Singles. Viele Gemeinden und Christen gehen mit Ehelosigkeit gnädig um. Andere nicht. Nicke einfach mit deinem Kopf, wenn dir irgendetwas von dem Folgendem bekannt vorkommt:

Gutmeinende ältere Damen fragen jüngere Damen, warum sie immer noch unverheiratet sind. Singles erscheinen zu einem Treffen mit einer „Gruppe von Freunden“, nur um festzustellen, dass sie die einzige alleinstehende Person inmitten eines Meeres von Pärchen sind, ohne geahnt zu haben, dass sie das dritte, fünfte, siebte oder neunte Rad am Wagen sind. Der Pastor predigt die Ehe in den Himmel, während er scheinbar vergisst, dass etwa 30 Prozent der Gemeinde tatsächlich unverheiratet sind.

Die Liste kann fortgesetzt werden. Wir beginnen hier nicht damit, Grupppenumarmungen anzubieten, sondern eine harte Realität festzustellen: Die Kirche hat alleinstehende Männer und Frauen nicht immer gut behandelt. Es ist trotzdem wichtig, das zu tun, da dem The Atlantic zufolge das Durchschnittsalter für die erste Ehe in den Vereinigten Staaten für Frauen 27 Jahre ist und für Männer 29 Jahre. Das Alter ist innerhalb kürzester Zeit nach oben geschossen: 1990 lag das Durchschnittsalter der ersten Ehe für Frauen bei 23 und für Männer bei 26 Jahren; 1960 war es 20 Jahre für Frauen und 22 für Männer. Dies ist eine richtungsweisende Veränderung und eine, die in kürzester Zeit aufgetreten ist.

Die Gründe für diesen Kulturwandel sind zahlreich. Die sexuelle Revolution hat unbestritten eine Auswirkung auf die Art und Weise, wie junge Leute ihre Zukunft sehen. Sexualität ist heutzutage in den Augen vieler nicht-evangelikaler Menschen abgekoppelt von Ehe. Lisa Wades erschreckendes Buch American Hookup (dt. „Amerikanisches Abschleppen”) hat diesen Wandel dokumentiert. Die Verjugendlichung der amerikanischen Gesellschaft hat in diesem Trend auch eine Rolle gespielt. Wie der Soziologe Jean Twenge berühmterweise angemerkt hat, ist es das Zeitalter der „Generation Me“. Die Urbanisierung hat Möglichkeiten für Lebenswandel, Aufstiegschancen und Selbstentdeckung eröffnet, von denen frühere Generationen nichts ahnen konnten.

Wir könnten die Liste fortsetzen, doch der Punkt ist klar: Unsere Kultur hat sich gewandelt und das hat auch einen Einfluss auf viele gottesfürchtige Männer und Frauen. Pastoren können diese Veränderungen anprangern, doch sie haben eine weitaus wichtigere Aufgabe: Singles gut zu begegnen.

Ich habe drei kurze Vorschläge dafür, wie sie das tun können.

1. Pastoren können Singles gut begegnen, indem sie beide Geschlechter herausfordern, weise die Ehe zu verfolgen.

Viele der Männer und Frauen, die momentan alleinstehend sind, werden in nicht allzu ferner Zukunft verheiratet sein. Die genaue Anzahl ist nur schwierig auszumachen, aber etwa 80 Prozent der momentan unverheirateten Leute werden irgendwann heiraten.

Allerdings bleibt die Frage: Wie kommt man dahin? Für Christen, die die Schrift lieben, muss die Antwort beinhalten, zum Drehbuch der Bibel zurückzukehren. Das Drehbuch für die meisten Männer und Frauen ist genauso klar wie es alt ist. Nach 1.Mose 2,24 wird ein Junge zum Mann; danach zeigt ein Mann sein Erwachsensein teilweise dadurch, dass er seinen Vater und seine Mutter verlässt; wenn er sie verlässt, strebt er an, eine Frau zu heiraten. Das ist nicht wirklich komplex, doch das Ausleben dieses Plans kann es sein – ganz sicher. Pastoren können nicht alle alleinstehenden Männer und Frauen, die zur Ehe berufen sind, blitzschnell verheiraten. Sie können aber die Ehe in der Predigt preisen und auf eine ernsthafte und direkte Art und Weise junge Männer herausfordern, ihre Männlichkeit anzunehmen. Für viele Männer heißt das, um eine gottesfürchtige Frau zu werben, Schritte zu gehen, um für eine Familie zu sorgen und sich durch Gottes Gnade zu einem geistlichen Leiter zu entwickeln.  

In unserer unverbindlichen „Tu, was du willst“-Welt sollten Pastoren nicht voraussetzen, dass scherzhafte oder vereinzelte Randkommentare die ganze Arbeit erledigen werden. Ich denke, dass Pastoren gut daran täten, wenn sie in einer Reihe von Treffen junge Männer dafür ausrüsten. Das Ziel ist nicht, jungen alleinstehenden Männern eine Moralpredigt zu halten. Das Ziel ist es, ihnen liebend und nachdrücklich zu helfen. Lieber Pastor, die Kultur verkauft jungen Menschen eine Sicht von Singlesein, die auf Freiheit und Unabhängigkeit gründet. Du hast etwas erheblich Besseres anzubieten: eine bezaubernde Sicht von menschlichem Wohlergehen für die Geschlechter, die verwurzelt ist in dem biblischen Plan Gottes. Biete es ihnen an.

Den Männern nachzugehen, nur nebenbei angemerkt, wird auch die gottesfürchtigen Frauen in deiner Fürsorge unterstützen. Viele von ihnen wollen verheiratet sein, doch sie wissen, weil sie Gottes Wort lesen, dass Männer, als Zeichen ihrer lebenslangen Rolle als Ehemann, den Anfang machen sollten, wenn es darum geht, eine Beziehung einzugehen.

Wenn du willst, dass Frauen in der tiefen Freude der Ehe aufblühen, fordere Männer zu biblischer Männlichkeit auf und hilf Frauen zu erkennen, dass die Kultur ihnen eine Lüge verkaufen will. Feminismus hat viele Frauen gelehrt, dass sie keinen Mann brauchen, auch wenn viele von ihnen von Gott für die Ehe gemacht wurden. Frauen scheinen in der Regel weniger anfällig für ein verantwortungsloses und zielloses Leben zu sein als Männer, doch alleinstehende Frauen werden auch enorm davon profitieren, über die Schönheit der Ehe belehrt zu werden.

2. Pastoren können Singles gut begegnen, indem sie das ungebundene Leben preisen.

Unsere Arbeit in der Gemeinde ist damit nicht getan. Wir müssen weitergehen als bis dahin. Wir müssen deutlich machen, dass Paulus das ungebundene Leben, ohne die Sorgen und Verstrickungen der Ehe, als eine gute Option ansieht, vielleicht sogar als die Beste (1Kor 7,25­­–35). Er beobachtet, dass ein großer Teil des Dienstes im Reich Gottes von ungebundenen Singles geleistet wird. Wir müssen uns darum bemühen, diese Art eines unverheirateten Lebens von einer hedonistischen kulturellen Version zu unterscheiden, damit wir in unserem Zeitalter des niemals endenden Studentenlebens nicht falsch verstanden werden.

Eine Art, wie wir dies tun können, ist, indem wir in unseren Predigten Jesu Beispiel preisen. Jesus richtete sich auf den Willen Gottes aus. Er wurde von seinem Vater hinein in diese Welt gesandt und er lebte, um den Willen seines Vaters zu tun. Er nannte den Willen seines Vaters sogar seine „Speise“ (Joh 4,34). Der alleinstehende Mann und die alleinstehende Frau, die Jesus lieben, können dem Vater nicht in einer perfekten Weise gehorchen, doch er oder sie kann viel Gutes durch die Kraft der Gnade im Evangelium bewirken. Gottesfürchtige Singles können viel Freude daran haben, Gott zu dienen. Sie kennen den fröhlichsten und heiligsten Mann, der jemals gelebt hat, der Gott-Mensch, der niemals die Haare seines Sohnes zerzaust hat, niemals ein Kaffeekränzchen mit seiner kleinen Tochter hatte und auch niemals über einen Insiderwitz mit seiner Frau lachen konnte. Jesus war sein ganzes Leben lang auf der Erde Single und war unvergleichlich zufrieden in Gott.

Wir sollten das Leben preisen, das Jesus geführt hat und deutlich machen, dass sein Leben ein realistischer und sogar beispielhafterer Weg für alleinstehende Männer und Frauen ist.

3. Pastoren können Singles gut begegnen, indem sie eine reiche Lehre von Berufung und Dienst predigen.

Egal ob Singles zur Ehe oder zur lebenslangen Ehelosigkeit berufen sind, haben sie Arbeit zu tun. Für eine Reihe von Gemeindemitgliedern mag es eine Zeitspanne geben – vielleicht ist sie auch sehr lang ­– in der sie ihre genaue Berufung nicht kennen. Für diese Personen, so wie für die gesamte Gemeinde, sollten die Pastoren eine reiche Lehre der Berufung entwickeln, um der Gemeinde zu helfen, zu sehen, dass es Gott ehrt, für ihn in den verschiedenen Berufen und Berufungen zu arbeiten (1Kor 10,31; Kol 3,23-24). Wenn Singles nicht genau wissen, was sie tun sollen, sollten sie von ihren Leitern hören, dass ihre Arbeit für Gott von Bedeutung ist und ihnen die Möglichkeit gibt, ihren Begabungen und Interessen nachzugehen.

Pastoren können Singles auch helfen, die Schönheit des Dienstes in der Gemeinde zu sehen. Das Leben jedes Gläubigen dreht sich nicht um sich selbst; es dreht sich um Gott und ein auf Gott ausgerichtetes Leben beinhaltet notwendigerweise Gemeindemitgliedschaft. Der Dienst in der Gemeinde sieht nicht besonders spektakulär aus; er kann beinhalten, dass man in der Kinderbetreuung hilft, eine Sonntagsschule unterrichtet, den Bürgersteig vor dem Morgengottesdienst freischaufelt und viele andere Dienste tut. Doch all diese Dienste, in der tiefen Beziehung zu Jesus getan, sind von Bedeutung. Sie verherrlichen Gott, passen zu dem aufopferungsvollen Leben als Christ und machen uns menschlich.

Berufung und Dienst: zwei hauptsächliche Bereiche, die oft in Predigten vernachlässigt werden, doch die dem Volk Gottes helfen, Ziel und Hoffnung in dieser gefallenen und oft einsamen Welt zu finden.

Fazit

In einer Gemeindekultur, in der Singlesein wie eine Seuche behandelt oder ganz ignoriert wird, können Pastoren alleinstehenden Männern und Frauen viel Kraft schenken, indem sie diese als Personen behandeln. Die Mittel, wie sie ihnen begegnen können, die ich vorgeschlagen habe, sind nicht ausgefallen oder komplex. Sie erfordern einfache Aufmerksamkeit für die Realität des Singleseins, der weitverbreiteten Art des Singleseins heute und dem biblischen Aufruf zu einem Leben zur Ehre Gottes.

Vielleicht sind wir nicht in der Lage unsere geliebten älteren Leute davor zu stoppen, unser momentan alleinstehendes Gemeindemitglied abschätzend zu fragen, was in seinem oder ihrem Leben falsch läuft. Was wir aber in unserer Gemeindekultur tun können ist, sie als Personen zu behandeln, nicht als Probleme. Wir können ihnen biblische Wahrheit, Weisheit und Hoffnung anbieten. Wir können die Gemeinde von ihnen und für sie sein – egal, was dieses Leben bringen wird, als Teil des Volkes Gottes, sind sie mit Christus verheiratet und werden es auch sein; mit dem, der sein Leben für seine Braut hingegeben hat. 


Owen Strachan ist Dozent für Theologie am Midwestern Baptist Theological Seminary und Mitautor des Buches „The Grand Design: Male and Female He Made Them”. Der Artikel erschien zuerst bei 9Marks. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.