Sieben Gründe, warum Gebetstreffen scheitern

Es ist noch nicht so lange her, dass die meisten Gemeinden ein Gebetstreffen als Teil ihrer wöchentlichen Veranstaltungen vorsahen. Vielleicht Sonntag- oder Mittwochabend oder früh am Morgen vor Sonnenaufgang.

Obwohl die Bibel nicht ausdrücklich befiehlt, dass eine Gemeinde ein wöchentliches Gebetstreffen haben muss, gibt es doch viele Bibelstellen, die den Christen auftragen, dass sie regelmäßig miteinander beten sollen. Egal ob nun das „Gebetstreffen“ zum Wochenkalender gehört oder regelmäßig in einer Kleingruppe, einem Mitarbeiter- und Ältestentreffen gebetet wird, und natürlich im Gottesdienst, es sollte viele regelmäßige Möglichkeiten geben, dass die Gemeindemitglieder miteinander beten können.

Und doch ringen viele von uns mit dem Beten. Oft fühlen sich gemeinschaftliche Gebetstreffen noch schwieriger an als unsere persönliche Andachtszeit.

Warum also scheitern Gebetstreffen? Lass mich sieben Gründe vorschlagen.

  1. Wir nehmen uns kaum Zeit zum Beten. Ich habe schon einstündige „Gebetstreffen“ besucht, bei denen vier Lobpreislieder gesungen wurden, eine 25-Minuten-Andacht vorgetragen wurde und die Leute ausführlich über ihre Gebetsanliegen redeten, nur um am Ende kaum zehn Minuten gemeinschaftlich zu beten. Ich bin mir sicher, dass wir alle schon Kleingruppen gesehen haben, die vorgeben, dem Gebet gewidmet zu sein, nur um dann ein dreißigsekündiges Abschlussgebet anzufügen. Selbst wenn wir uns vornehmen, zu beten, können wir viel Zeit damit verbringen, uns auf das Gebet vorzubereiten, darüber zu lehren, ein Podium für das Gebet zu schaffen, wenn viele dieser Dinge auch durch geschickte Führung der Gebetszeit erledigt werden könnten.
  2. Die individuellen Gebete sind zu lang. Wenn du in einer Gruppe von fünf anderen hingegebenen Betern bist, könnte sich ein langes Gebet an das andere reihen. Aber die meisten Christen haben Probleme mit langen Gebeten – ihnen fällt es schwer, selber lange zu beten, aber auch, langen Gebeten aufmerksam zuzuhören. Gebetstreffen ermüden, wenn jeder den Eindruck hat, einen dreiminütigen Monolog vortragen zu müssen. Deswegen ermutige ich Menschen beim gemeinschaftlichen Gebet oft so: „Hab keine Angst, nur ein bis zwei Sätze zu beten“. Weniger ist oft mehr.
  3. Es beteiligen sich zu wenige. Wenn lange Gebete gesprochen werden, dann beten weniger Menschen. Das ist nicht nur eine Frage reiner Mathematik; es gehört zur menschlichen Psyche. „Wenn Beteiligung am Gebetstreffen bedeutet, dass ich so lange und so gut beten muss wie Frau McGillicudy“, so denken wir oft, „dann sollte ich besser meinen Mund halten“. Halte die Dinge am Laufen. Halte die Gebete kurz und knapp. Die Leute werden aufmerksamer bleiben und mehr Menschen werden sich beteiligen.
  4. Niemand hat sich für die Leitung vorbereitet. Nach meiner Erfahrung ist das der größte praktische Hinderungsgrund für gemeinschaftliches Gebet. Natürlich ist es möglich, ein dynamisches Gebetstreffen ohne jedwede Planung zu haben. Die Geschichte ist voll von Beispielen, wo Christen spontan zusammenkamen und die Pforten der Hölle durch ihr Gebet erschütterten. Aber in den meisten Gemeinden, die meiste Zeit über und an den meisten Orten brauchen wir Hilfe, um gut zu beten. Das bedeutet, dass jemand darüber nachgedacht hat, worüber wir beten. Jemand ist bereit, die Gruppe durch verschiedene Themen zu führen. Jemand ist bereit, ein neues Thema anzugeben oder eine neue Bibelstelle vorzuschlagen. Es ist erstaunlich, wie sich zwanzig Minuten strukturlosen Gebets wie eine Ewigkeit anfühlen können, während eine Stunde von sorgsam geplantem Gebet wie im Flug vergehen kann.
  5. Es gibt beim Gebet keine Abwechslung. Zu viele Gebetstreffen verbringen die Hälfte der Zeit mit dem Anhören von Gebetsanliegen und die andere Hälfte mit dem unstrukturierten Gebet für diese Anliegen. Mit diesem Ansatz ist nichts falsch. Ich habe ihn viele Male eingesetzt. Aber Gebet wird langweilig und träge, wenn das alles ist, was wir tun. Wir sollten die Bibel, Lieder, gemeinschaftliches Lesen, Gebetsbücher, alte Liturgien und andere Formen in unser Gebet einbinden. Sorge für Abwechslung. Lerne von den Heiligen, die uns vorausgegangen sind.
  6. Wir halten uns nicht an die festgesetzte Zeit. Nochmal, ich bin mir sicher, dass manche Christen es lieben, stundenlang ohne feste Struktur und ohne ein Ende in Sicht zu beten. Und doch, wenn wir ehrlich sind, gilt das für die meisten von uns nicht, besonders in der westlichen Kultur. Als ich vor Jahren ein Gebetstreffen um 7 Uhr ankündigte, legte ich auch klare Regeln fest. Wir würden punkt um 7 anfangen. Keiner würde Essen oder Kaffee mitbringen. Dann würden wir beten und pünktlich um 7:30 Uhr abschließen. Funktioniert das in jeder Kultur? Vielleicht nicht. Aber es half meiner Gemeinde, zu wissen, was sie erwartete und wann sie wahrscheinlich wieder zu Hause bei den Kindern oder auf dem Weg zur Arbeit sein konnten.
  7. Wir vergessen, dass wir beten. Das passiert immer wieder. Ich höre Gebeten zu, oder bete selbst, und mir fällt plötzlich auf: „Wir sprechen gerade mit dem Gott des Universums“. Wenn wir nicht aufpassen, wird gemeinschaftliches Gebet zu einer Übung im Vortragen kurzer religiöser Reden. Wir vergessen, dass wir mit jemandem reden – nicht nur mit irgendjemandem, sondern mit dem allmächtigen Gott, unserem heiligen und liebenden himmlischen Vater. Gott liebt es, wenn wir beten und er hört zu, wenn wir beten. Der Geist hilft uns. Der Sohn tritt für uns ein. Vergiss nicht, was du tust, wenn du betest.

Dieser Artikel von Kevin DeYoung erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.