Sechs Prinzipien für Teenager- und Jugendarbeit

Bild: StockSnap, via Pixabay CCO

„Was macht eure Gemeinde für Teenager und Jugendliche?“ Diese Frage hat mir vor kurzem ein befreundeter Pastor gestellt. Ich habe keine besondere Expertise für Teenager und Jugendliche und ich denke, dass es einen Grad von Freiheit in der Gestaltung geben sollte. Gibt es ein wöchentliches Treffen? Für wen ist es? Was wird unternommen? Spezielle Projekte oder Ausflüge? Ich überlasse das jedem selbst, darüber zu entscheiden.

Doch ich will einige biblische Prinzipien vorstellen, die wir auf jeden Fall beachten sollten und mein Eindruck ist, dass viele Teenager- und Jugendgruppen sich nicht daran halten. 

1. Egal was man macht, es ist wichtig eine klare Grenze zwischen der Gemeinde und der Welt zu behalten.

Jesus, Paulus und Petrus vertraten hartnäckig die Position, dass wir die Linie zwischen der Gemeinde und der Welt klar ziehen, egal ob eine Person 14 oder 84 Jahre alt ist (z.B. Mt 18,15-20; 2Kor 6,14-7,1; 1Petr 2,9-12). Sehr unmodern! Doch wie es Gott schon im Alten Testament wichtig war, wer sich mit seinem Namen identifiziert, so ist es Jesus im Neuen Testament wichtig, wer sich öffentlich mit seinem Namen bezeichnet (z.B. Hes 36,20-27.36; Mt 18,20; 28,19; 1Kor 5,4). Die Versuchung in der Teenager- und Jugendarbeit ist, wenn ich es salopp formuliere, diese Linie zu „verschludern“. Man hat eine gemischte Gruppe von Gemeindekindern und Kindern von außen. Einige sagen, sie seien Christen, andere wiederum nicht. Doch wer kann das schon so genau wissen, nicht wahr? Das ist der Grund, warum einige Gemeinden auch keine Teenager taufen. Das ist eine Möglichkeit, wie man damit umgehen kann. Ob man diese Position teilt oder nicht, so sollte man doch sicherstellen, dass die Worte, Programme und Methoden den jungen Leuten helfen, Folgendes zu verstehen: „Es gibt einen Unterschied zwischen der Gemeinde und der Welt. Punkt.“ Man liebt die Teenager besser, wenn man ihnen hilft zu verstehen, dass die wichtigste Entscheidung, die sie treffen werden, ist, auf welcher Seite der Linie sie stehen wollen. Zu wem gehörst du? Verstehe die Teenager- und Jugendarbeit nicht als einen von der Gemeinde getrennten Flügel, in dem normale Regeln, Erwartungen und das Verständnis der Gemeindemitgliedschaft nicht zählen. Stattdessen…

2. Wenn man Heranwachsende tauft, sollte man sie wie Erwachsene behandeln. 

Wie ich bereits angedeutet habe, empfehle ich nicht unbedingt, Heranwachsende zu taufen. Ich bin mir nicht sicher, ob man es machen sollte. Doch wenn man es tut – und ich weiß, dass viele es praktizieren – sollte man sie wie erwachsene Christen behandeln. Sie wurden auf den Familiennamen getauft (Mt 28,19). Deswegen sind sie gemeinsam mit der ganzen Gemeinde verantwortlich für den Namen der Familie (Mt 18,20; 1Kor 5,4-5). Sie sind Teil des Leibes und sollten sich für den Aufbau der Gemeinde verantwortlich fühlen (1Kor 12,21-25; 2Kor 2,6). Sie sollten, wenn nötig, unter Gemeindezucht gestellt werden, wenn sie eingeholt werden von der Partyszene in der Schule oder der Ausbildung und anfangen, in Sünde zu leben und nicht umkehren. Sie sollten die Kernveranstaltungen der Gemeinde besuchen und für die Gemeinde beten. Sie sollten versuchen, sich bei zerbrochenen Beziehungen zu versöhnen, bevor sie am Abendmahl teilnehmen. Sie müssen unter die Aufsicht der Ältesten. Und so weiter und so fort. 

Schließlich bedeutet auf die volle Verantwortung der Mitgliedschaft zu beharren, auf die grundlegenden Verantwortungen eines Christen zu beharren. Jesus will von all seinen Schafen, dass sie sich um den Namen der Familie sorgen, auf einander achtgeben, einander in Liebe aufbauen und Friedensstifter sind. Man sollte den Heranwachsenden nicht beibringen, es anders zu handhaben, indem man es anders praktiziert. 

Wenn man Heranwachsende in der Gemeinde tauft, gibt man der Gemeinde eine Art Autorität über das Glaubensbekenntnis eines Teenagers, die die Eltern nicht besitzen. Gemeindeleiter sollten ohne Frage immer die Eltern in der Teenager- und Jugendarbeit mit einbinden. Doch letztlich entscheidet die Gemeinde und nicht die Eltern bei der Frage, ob jemand in der Gemeinde getauft wird oder auch ausgeschlossen wird.  Die Kirche besitzt die Schlüsselautorität und nicht die Eltern (Mt 16,18-19).

Sollte das alles uns etwas zögerlicher machen, bevor wir jemanden taufen? Ja!

3. Egal ob Heranwachsende getauft oder nicht getauft sind – man sollte sie in das Gemeindeleben miteinbinden.

Westliche Unternehmen und Medien geben jedes Jahr Millionen für Marktforschung aus, um Teenager und Jugendliche immer mehr zu Konsumenten zu machen: „Hey Leute, ihr könnt sofort bekommen, was auch immer ihr wollt zu euren Konditionen.“ Die Teenager und Jugendlichen kommen nicht in die Gemeinde und erwarten in einer erwachsenen Welt zu leben, wie es vor 100 Jahren noch war. Sie erwarten, Zeit mit Leuten zu verbringen, die genauso wie sie sind – gleichaltrig. 

Ich ermutige, sehr vorsichtig damit zu sein, diese Instinkte durch Programme für Heranwachsende zu füttern, da dieses Konsumverhalten dem Wachstum in Selbstlosigkeit entgegenwirkt.

Was auch immer man tut, es ist wichtig zu verstehen, dass man echte Jünger am besten ausbildet, indem man Heranwachsende in das reiche Gemeindeleben von unterschiedlichen Altersgruppen stellt. Sie sollen den ganzen Leib bei der Arbeit sehen, um zu verstehen, wofür das Christentum insgesamt steht. Sie müssen sehen, wie Ältere Jüngere im Glauben begleiten und Jüngere von Älteren lernen (z.B. 1Tim 5,1; Tit 2,2-6; 1Petr 5,5). Der Weg des Christentums ist der Weg der Einheit von Jung und Alt in einem Leib und wenn man will, dass Heranwachsende dies lernen, muss man ihnen diesen Weg weisen. 

4. Bereite Eltern darauf vor, sich um ihre Teenager und Jugendlichen zu kümmern. 

Die Bibel fordert Eltern dazu auf – nicht Jugendpastoren – ihre Kinder darin zu unterweisen, welche Wege sie gehen sollten (z.B. Eph 4,11; 6,4). Ich meine nicht, dass wir Jugendpastoren abschaffen sollten. Sondern Jugendpastoren sollten sicherstellen, dass ihre Arbeit und ihre Programme Eltern keine Ausreden geben, der Bibel ungehorsam zu sein, sondern die Arbeit der Eltern erleichtert, der Bibel zu gehorchen.

5. Nutze die besonderen evangelistischen Möglichkeiten dieses Alters. 

Als einer der Gemeindeältesten lese ich jede Bewerbung auf Gemeindemitgliedschaft und deswegen auch alle Zeugnisse von Leuten, die sich unserer Gemeinde anschließen wollen. (Es erfüllt mich immer wieder mit Freude!) Was auffällt ist, wie viele Leute in der Teenager- oder Jugendzeit zum Glauben gekommen sind, sowohl aus christlichen als auch nichtchristlichen Familien. Es ist eine Zeit mit vielen Möglichkeiten, mit jungen Leuten über das Evangelium zu reden. Wie sieht das programmatisch aus? Ich weiß es nicht. Doch unternimm was!

6. Egal, wie man das Programm in den Punkten 1 bis 5 gestaltet, ist es wichtig, dass die von Menschen gemachten Pläne nicht den biblischen Prinzipien im Wege stehen. Fördere sie. 

Stelle sicher, dass die Struktur oder die Gruppen nicht die Teilnahme der jungen Leute am Gemeindeleben verhindern, oder die Grenze zwischen Gemeinde und der Welt verwischen. Es ist wichtig für sie, nicht nur von Gleichaltrigen im Glauben begleitet zu werden, sondern auch von älteren Mitgliedern. Ich weiß nicht genau, wie man es programmatisch umsetzen kann, doch mein Gefühl ist, dass hier ein bisschen Brainstorming an der Tafel hilfreich sein könnte. Warum erleben so viele Eltern, dass ihre „christlichen“ Jugendlichen an die Uni gehen und dann ihren Glauben aufgeben? Meine Vermutung ist, dass es in vielen Umständen vor allem zwei Gründe dafür gibt: Versagen in der Jüngerschaft und ein Versagen in der Weisheit, die Fragen der Taufe, der Mitgliedschaft und der Gemeindezucht umzusetzen. Wie kann man also beides erreichen; sowohl eine klare Linie zwischen der Gemeinde und der Welt für die Gemeindekinder zu ziehen als auch ihnen zu helfen, evangelistisch zu sein? Das ist eine Frage, die in aller Weisheit entschieden werden muss.


Jonathan Leeman ist der Redaktionsleiter von 9Marks und Ältester in der Cheverly Baptist Church in Cheverly, Maryland. Der Artikel erschien zuerst bei 9Marks. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.