Hat der Glaube an Gott den wissenschaftlichen Fortschritt aufgehalten?

Atheisten behaupten, dass der Glaube an Gott den wissenschaftlichen Fortschritt aufgehalten hat

Die Position des klassischen Atheismus, besonders vertreten von Richard Dawkins, ist, dass die Wissenschaft Gott widerlegt habe. Jeder, der darauf beharrt, an einem Glauben an Gott festzuhalten, sei ein abergläubischer Reaktionär, ein religiöser Fundamentalist, der den Fortschritt der Wissenschaft völlig ignoriere, denn Atheismus sei die einzig verfügbare Option für fortgeschrittene Denker.

Die Wissenschaft sei das einzig verlässliche Werkzeug, um an Wissen zu gelangen und nur sie habe Offenbarungskraft. Ferner hätten sich Gläubige an Gott schon immer vom Fortschritt der Wissenschaft bedroht gefühlt, denn sie verstünden intuitiv, dass die Wissenschaft den silbernen Pfahl enthielte, mit dem man den blutrünstigen Vampir des Glaubens an Gott aufspießen könne.

Eine christliche Antwort

Erstens, lasst uns das Argument beantworten, dass Gläubige an Gott (und insbesondere christliche Gläubige) historisch gesehen der Wissenschaft gegenüber feindselig gewesen wären und alles getan hätten, um den Fortschritt der Wissenschaft aufzuhalten. In Wirklichkeit trifft das Gegenteil zu.

Christliche Gläubige haben eine lange und ausgezeichnete Geschichte der Teilnahme an dem wissenschaftlichen Unterfangen, was auf der Überzeugung gegründet ist, dass das Universums einen rationalen und intelligenten Schöpfer widerspiegelt und dass Intelligenz in das Universum eingewoben wurde. Der Ursprung der modernen Wissenschaft, so Alfred North Whitehead, verlangte ein Bestehen auf der Rationalität Gottes, was eine Vergöttlichung der Natur (wie im Pantheismus des Aristoteles) nie erreichen konnte, genauso wenig wie östliche Religionen, denn sie erachten die Natur als vollkommen zufällig und einer objektiven Untersuchung für unfähig.

Die Liste der ernsthaften christlichen Gläubigen, die sich am wissenschaftlichen Unterfangen beteiligten, ist zutiefst beeindruckend und umfasst Kopernikus (der die heliostatische Theorie entwickelte), Tycho Brahe (der einen neuen Kometen entdeckte und eine Sternwarte baute), Roger Bacon (ein hauptsächlicher Entwickler der induktiven Methode), Kepler (der die elliptische Bewegung der Planeten beschrieb und drei astronomische Gesetze entwickelte und bestätigte), Galileo (der Erste, der ein Teleskop benutzte, um das Universum zu studieren), Pascal (der entdeckte, dass die barometrischen Drücke mit unterschiedlicher Höhe variieren), Newton (der das Gesetz der Schwerkraft entdeckte und die höhere Mathematik erfand), Faraday (der die elektromagnetische Induktion entdeckte), Pasteur (der Gründer der Mikrobiologie) und Gregor Mendel (der die Grundlagen für die moderne Genetik legte). In unserer Zeit wird dem Wissenschaftler Dr. Francis Collins, Leiter des Menschlichen Genomprojekts und früherer Atheist, der sich nun zu einem evangelikalen Glauben bekehrt hat, zugeschrieben, das ganze menschliche Genom abgebildet und sequenziert zu haben.

Und bezüglich des Arguments, dass das Christentum die Wissenschaft fürchte, muss man sicherstellen, gleich zu Beginn genau zu definieren, wie der Begriff „Wissenschaft“ gebraucht wird. Das Christentum hat weder Angst vor der wissenschaftlichen Methode noch fürchtet es sachliche Daten. Das Problem entsteht, wenn die Wissenschaft Philosophie durch die Hintertür einführt und den anderen Hausgästen nicht vorstellt.

Das geschieht, wenn Wissenschaftler mit philosophischen Ausgangspunkten arbeiten, die Kontakt mit Daten ausschließen (oder komplizierte Erklärungen verlangen, damit um jeden Preis eine nicht-materielle Interpretation der Daten vermieden wird). Diese Vermeidungsstrategie wird benötigt, um tiefgeschätzte naturalistische Annahmen über das Universum zu schützen und zu verteidigen. Ein Beispiel ist die a priori Annahme, dass die Natur alles sei, was existiere, und dass nur natürliche Erklärungen sinnvoll seien, egal welche Akrobatik man mit dem Datenmaterial vollführen muss.

Man muss unmittelbar an die Argumente gegen die sogenannte Intelligent-Design-Bewegung denken, die versuchen, Datensammlung und begründete wissenschaftliche Theoriebildung zu verhindern, rein auf der philosophischen Grundlage, die behauptet, dass die Intelligent-Design-Bewegung bloß eine Theologie oder Religion sei, die sich als Wissenschaft ausgebe.

In Wirklichkeit bestätigen die Ergebnisse der modernen Wissenschaft das biblische Material, in dem Komplexität und Intelligenz die grundlegenden Bauteile des Universums sind. Professor Michael Behe hat gezeigt, dass Darwin nicht die Werkzeuge hatte, um das zu beobachten, was wir heute auf der biochemischen Ebene beobachten können. Und das, was wir beobachten, bestätigt, dass die fundamentalen Überzeugungen der darwinschen Evolution (d.h. zufällige Mutationen über lange Zeitperioden hinweg) nicht ausreichen, um auch nur die „einfache“ Komplexität hervorzubringen, die in den meisten simplen Lebensformen gesehen werden kann.

Zum weiterem Studium

Alfred North Whitehead, Science and the Modern World (New York: Macmillan Press, 1926), Seite 18.

Dr. Francis Collings, The Language of God: A Scientist Presents Evidence for Belief (Old Tappan, New Jersey: Free Press, 2006).

Michael J. Behe, Darwin’s Black Box: The Biochemical Challenge to Evolution (New York: Simon & Schuster, 1996).


Craig A. Parton ist Rechtsanwalt in Santa Barbara, Kalifornien. Er ist auch Leiter der Internationalen Akademie für Apologetik, Evangelisation und Menschenrechte, die sich jeden Sommer in Straßburg, Frankreich, trifft, um Training in Apologetik anzubieten (siehe apologeticsacademy.edu). Er ist auch Autor des Buchs Religion on Trail. Dieser Artikel erschien zuerst bei Core Christianity. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.