Fünf Gründe, warum du über die letzten Tage Jesu nachdenken solltest

Das Buch The Final Days of Jesus zu schreiben (Andreas J. Köstenberger u. Justin Taylor, The Final Days of Jesus, Crossway, 2014), war für mich lebensverändernd. Sich in die letzte Woche von Jesu irdischem Leben zu vertiefen, welches in seinem Tod und seiner Auferstehung gipfelte, verleiht eine völlig neue Wertschätzung dafür, wie wichtig diese Woche in der Menschheitsgeschichte ist. In diesem kurzen Artikel möchte ich fünf wichtige Gründe anführen, warum auch du über die letzten Tage Jesu nachdenken solltest – zu dieser oder im Prinzip jeder Zeit des Jahres!

1. Das ist die wichtigste Woche im Leben der wichtigsten Person, die je gelebt hat!

Selbst der agnostische Schauspieler Hugh Bonneville, am meisten bekannt für seine Rolle als Lord Grantham in Downton Abbey, stimmt dem zu: „Ob du ein Mensch des Glaubens bist oder nicht, du kannst der Tatsache nicht entkommen, dass die letzten sechs Tage des Lebens dieses Menschen und sein Tod, die Welt verändert haben.“ Bonneville spricht von seiner neuen einstündigen Dokumentation Jesus: Countdown to Calvary, wobei er sich bei den „letzten sechs Tagen von Jesus“ auf die Zeit zwischen Palmsonntag und Karfreitag bezieht – dem ich Ostersonntag hinzufügen würde.

Die vier biblischen Evangelien widmen sich ausführlich der letzten Woche Jesu, sogar so sehr, dass der bekannte deutsche Gelehrte Ernst Käsemann einmal schrieb, dass das Markusevangelium „eine Passionsgeschichte mit einer erweiterten Einleitung“ ist. Das Leben und der irdische Dienst von Jesus gipfelten in den Ereignissen um seinen Tod, seinem Begräbnis und seiner Auferstehung; historische Ereignisse, die am Herzen des christlichen Evangeliums liegen, welches unbestreitbar die Welt beeinflusst hat.

2. In unserem geschäftigen Leben, wo wir von vielen Dingen eingenommen sind – viele davon gut, manche vielleicht nicht so gut oder wesentlich – hilft uns das Nachdenken über die letzte Woche Jesu, um unser Leben neu auf das auszurichten, was zentral für unseren Glauben ist.

Paulus schrieb an die Gemeinde in Korinth, einer wohlhabenden Hafenstadt, dass er sich vorgenommen hatte, nichts zu predigen als allein Christus, und zwar als Gekreuzigten (1Kor 2,2). Er erklärte, dass das Wort vom Kreuz eine Torheit für diejenigen sei , die verlorengehen, aber Leben für diejenigen, die glauben (1Kor 1,18). Wenn ich über so gut wie jedes Thema rede oder lehre, liegt die beständige Berufung darin, das Kreuz zu verkündigen. Wenn ich es versäumt habe, die Aufmerksamkeit auf dieses wichtigste Element der Evangeliumsbotschaft zu lenken – der wesentlichste Bestandteil der Errettung und Sündenvergebung, die in niemand anderem als in Jesus gefunden werden kann – habe ich den wichtigsten Punkt verpasst.

3. Wenn du über die letzte Woche Jesu nachdenkst, wirst du die biblischen Evangelien besser verstehen.

Es gibt in Wirklichkeit nur ein Evangelium, das vierfältige Evangelium entsprechend von vier Zeugen: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Bedenke, dass das 5. Buch Mose festlegt, dass jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruhen soll (5Mo 19,15). Denke darüber nach, dass Gott uns in seiner Vorsehung vier Evangelien gegeben hat – eine reiche Bezeugung der Geschichte und Historie von Jesus! Obwohl Gelehrte manchmal die Beziehung zwischen Matthäus, Markus und Lukas als das „synoptische Problem“ identifizieren, wodurch sie eine kritische Voreingenommenheit bezüglich der Verlässlichkeit dieser Schriften offenbaren, sollte stattdessen der „synoptische Segen“ oder die „synoptische Möglichkeit“ wertgeschätzt werden. Es ist doch so, dass die Tatsache, dass wir vier Evangelien haben, die sich gegenseitig komplettieren und stützen, einen Gewinn und keine Last bedeutet .

Nimm zum Beispiel die Erscheinungen Jesu als Auferstandenem, die in den verschiedenen Evangelien verstreut sind, die zusammen die ganze Geschichte offenbaren. Die Evangelien (und die Briefe des Paulus) berichten von fast einem Dutzend dieser Erscheinungen Jesu bei seinen Nachfolgern. Niemand hat alle von ihnen, aber jeder (außer Markus, der einen Schluss bietet, der zu weiterem Nachdenken anregt) berichtet von mindestens einer, wenn nicht gar zwei oder mehr dieser Manifestationen. Zusammengenommen bieten die neutestamentlichen Schriften einen außerordentlich gründlichen Bericht von Jesu sehr geschäftigem ersten Tag – und erster Woche – nach seiner Auferstehung. An einer Stelle, so berichtet Paulus, erschien Jesus sogar 500 Menschen auf einmal (1Kor 15,6)!

Bemerke auch, dass die Synoptiker (Matthäus, Markus und Lukas) sich auf den jüdischen Prozess Jesu vor dem Sanhedrin konzentrieren, während Johannes diesen Prozess nur kurz in einem einzelnen Vers erwähnt (Joh 18,28). Stattdessen konzentriert sich Johannes auf das informelle Verhör vor Hannas, dem hohepriesterlichen Patriarchen, und Jesu römischen Prozess vor dem Statthalter Pontius Pilatus. Hier sehen wir, wie Johannes die Existenz der synoptischen Berichte voraussetzt und bewusst ergänzt. Demnach können wir zwar die Geschichte von Jesu letzten Tagen in jedem der vier neutestamentlichen Evangelien finden, aber um das ganze Bild von Jesu letzten Tagen zu bekommen, müssen wir alle Evangelien lesen.

4. Über die letzten Tage Jesu nachzudenken, ist eine wertvolle Übung an jedem Tag des Jahres, aber sie ist besonders nützlich zu einer Zeit, wenn das ganze Christentum Ostern feiert, während der Rest der Welt noch nicht einmal in den Nachrichten oder im Fernsehen darauf eingeht.

Über die Bedeutung der letzten Tage Jesu während der Wochen vor Ostern nachzudenken, kann uns helfen, wenn wir mit unseren entkirchlichten Nachbarn, Freunden oder Verwandten sprechen, die nur ein- oder zweimal im Jahr in die Kirche gehen – zu Weihnachten und am Ostersonntag. Während wir die Ereignisse von Jesu letzter Woche nicht so rekapitulieren müssen, wie es Katholiken mit ihren Kreuzstationen auf der Via Dolorosa machen, tun wir gut daran, über den Schmerz nachzudenken, den Jesus erlitt, und was er alles auf sich nahm, um uns zu retten. Über diese Wahrheiten nachzusinnen, kann für unser geistliches Leben eine zutiefst transformative Erfahrung sein. Es kann uns auch dabei helfen, andere zum Glauben zu führen, oder sie zumindest auf Jesus hinzuweisen, indem wir die Möglichkeit nutzen, ihnen die wahre Bedeutung des Kreuzes zu erklären.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als noch Ungläubiger auf das Kruzifix in der Römisch-katholischen Kirche blickte, die ich als Kind besuchte, und mir einfach nicht erklären konnte, warum Jesus dort hing. Ich dachte damals: „Warum ist er hier? Was tut er?“ Ich hatte keine Ahnung, warum Jesus als der Gottmensch, als sündloser Stellvertreter am Kreuz sterben musste, damit mir vergeben und ich mit Gott versöhnt werden kann. Es war am Kreuz, wo Jesus den Zorn Gottes ablenkte, der auf mir lag, nicht nur, weil ich Fehler gemacht habe, sondern weil ich ein Sünder war (und es immer noch bin). Aber nun hat Jesus für all meine vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Sünden bezahlt. Ich verstehe nun und schätze die unglaubliche Hoffnung, die Ewigkeit mit Gott im Himmel zu verbringen.

Ich schließe mit dem wichtigsten Grund ab.

5. Im Kern ist der wahre christliche Glaube nicht nur eine Menge abstrakter Glaubenssätze oder eine Liste von Dogmen, denen zugestimmt werden muss. Stattdessen ist er eine Kette von Ereignissen, die historisch im Leben Jesu stattgefunden haben: seine Kreuzigung, sein Begräbnis und seine Auferstehung. Die große Erzählung der Schrift gipfelt in der historischen Darstellung von Jesus und der Errettung, die er erworben hat.

Ja, das Christentum dreht sich wesentlich um eine Person – den Herrn und Retter Jesus Christus, den Messias und das fleischgewordene Wort Gottes. Der christliche Glaube ist ein zutiefst persönlicher Glaube. Im Herzen ist das Christentum Jesus. Und die Geschichte von Jesus ist mehr als nur eine Geschichte – sie ist wahre Historie. Jesus lebte, wurde begraben und erstand von den Toten auf im historischen Sinn (nicht nur textlich, wie einer meiner Studenten einmal behauptete!). Paulus bekräftigt rechtermaßen, dass wir immer noch in unseren Sünden sind und unser Glaube nichtig ist, wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist (1Kor 15,14.17).

Darüber hinaus sind Jesu Kreuzigung, Begräbnis und Auferstehung untrennbar miteinander verbunden. Wenn Jesus lediglich gestorben und begraben worden wäre, aber nicht von den Toten auferstanden wäre, würde sein Tod uns dann retten? Natürlich ist das nur ein hypothetisches Szenario, weil Jesus ja in der Tat von den Toten auferstanden ist. Aber wenn nicht, glaube ich, dass es nicht ausgereicht hätte, weil Jesus durch seine Auferstehung von Gott beglaubigt wurde, indem er siegreich vom Grab auferstand und für uns die Möglichkeit eröffnete, sein neues Leben zu teilen.

Wie Paulus bekräftigt, war Jesus der Erstgeborene aus den Toten (Kol 1,18). Seine Auferstehung ist wesentlich für unseren Glauben. Deshalb haben die ersten Christen nicht aufgehört, die Auferstehung zu verkünden. Alle drei Ereignisse – Kreuz, Begräbnis und Auferstehung – sind wesentlich und gehören zusammen.

Das Kreuz ist, wo Jesus wirkmächtig für unsere Erlösung starb. Das Begräbnis beweist, dass Jesus wirklich tot war – dass sein Tod ein echter Tod für uns war, statt nur ein Phantom oder eine Erscheinung. Und seine Auferstehung ist das endgültige Ausrufezeichen in der Geschichte. Die Auferstehung ist das, was der Evangelist Johannes als Jesu „Verherrlichung“ bezeichnet – sein erstaunlicher Sieg über den Tod, das größte aller Wunder, das absolut einzigartig ist in der Menschheitsgeschichte ist.

Du bist eingeladen

Hugh Bonneville hat Recht, wenn er sagt: „Ob du ein Mensch des Glaubens bist oder nicht, du kannst der Tatsache nicht entkommen, dass die letzten sechs [mach daraus acht] Tage des Lebens dieses Menschen, und sein Tod, die Welt verändert haben.“ Keiner kann berechtigterweise leugnen, dass die Ereignisse in Jesu Leben von Palmsonntag bis Ostersonntag die Welt verändert haben. Sie haben auch mein Leben für immer verändert.

Aber was ist mit dir? Vielleicht wirst du dieses Osterfest erkennen, dass Jesus mehr war als nur ein Mensch – dass er Gott im Fleisch war, der deine Sünden auf sich nahm, und dass du unbedingt brauchst, was er dir anzubieten hat: Erlösung von Sünde und ewiges Leben.

Wie die frühen Christen verkündigten: „Und es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen!“ (Apg 4,12).


Andreas J. Köstenberger ist Gründer von Biblical Foundations, Autor, Herausgeber und Übersetzer von circa 50 Büchern über eine Vielzahl biblischer und theologischer Themen, und Herausgeber des Journal of the Evangelical Theological Society. Er dient zurzeit als Senior Research Professor für Neues Testament und Biblische Theologie am Southeastern Baptist Theological Seminary in Wake Forest, North Carolina. Dieser Artikel erschien zuerst bei Credo Magazine. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.