Eine Stellenbeschreibung für ehrenamtliche Älteste

Sie empfanden Demut – und etwas Überraschung –, als der Pastor Sie bat, als Ältester zu dienen. Sie beteten darüber, sprachen mit Ihrer Frau und holten sich die Meinungen einiger vertrauenswürdiger Gemeindeglieder ein. Mit einer Mischung aus Beklommenheit und Aufregung nahmen Sie die Ernennung an, und einige Wochen später wurden Sie ins Amt berufen.

Nun sitzen Sie bei Ihrem ersten Ältestentreffen und warten darauf, dass es losgeht. Da kommt ein quälender Gedanke auf: „Also schön, ich bin nun Ältester. Was muss ich jetzt aber tun?“

Mit guten Absichten, aber schlecht informiert

Ehrenamtliche Älteste sind oft gottesfürchtige Männer mit guten Absichten. Sie lieben den Herrn und dienen treu ihrer Gemeinde. Manchmal aber fehlt es ihnen an einem abgerundeten Verständnis der biblischen Stellenbeschreibung für Älteste. Leider teilen oft die bezahlten Pastoren unter uns ihre Verwirrung!

Deswegen füllen ehrenamtliche Älteste die Lücken in ihrem Verständnis oft mit Erfahrungen aus ihrem Leben auf. Sie nehmen an, dass Ältester zu sein gleichbedeutend ist mit dem Dienst im Aufsichtsgremium einer karitativen Organisation, der Leitung einer Firma, dem Managen eines Projekts, der Befehlsgewalt über ein Kriegsschiff oder der Beaufsichtigung von Unterauftragnehmern. Während einzelne Aspekte dieser Fähigkeiten und Erfahrungen sich sicher als nützlich erweisen werden, kommt keine von ihnen der Aufgabe eines Ältesten auch nur annähernd gleich.

Wie sieht also eine Stellenbeschreibung für ehrenamtliche Älteste aus? Was sollen sie tun? An Sitzungen teilnehmen? Etats genehmigen? Das Abendmahl austeilen?

Die Herde Gottes hüten

Die kurze Antwort – vom Apostel Petrus – lautet: „Die Ältesten, die unter euch sind, ermahne ich …: hütet die Herde Gottes bei euch“ (1Petr 5,2; s. a. Joh 21,15-16 und Apg 20,28). Älteste dienen dem Guten Hirten, indem sie seine örtliche Herde geistlich beaufsichtigen. Älteste füttern, führen, schützen und fördern ihre Gemeindeglieder wie Hirten ihre Schafe.

Werden wir nun konkreter! Während das Hüten eine aussagekräftige Metapher als Rahmen für die Stellenbeschreibung des Ältesten bietet, braucht unser neuer Ältester spezifische Anweisungen. Er braucht eine Antwort auf seine Frage „Was soll ich jetzt tun?“ Glücklicherweise listet Gottes Wort sehr spezifische Aufgaben auf, die Ältesten helfen, das Bild vom Hüten in die Tat umzusetzen.

Vier Hauptaufgaben

Es folgen nun vier Aufgaben, die für die Stellenbeschreibung „Ältester“ zentral sind. Diese Liste ist zwar nicht vollständig, aber ich glaube, dass Älteste, wenn sie sich diesen vier Bereichen widmeten, zu ausgezeichneten Hirten würden.

1. Lehren

Ein Ältester muss „fähig zu lehren“ sein (1Tim 3,2; s. a. 5,17). Er muss sich „an das zuverlässige Wort halten, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Wiedersprechenden zu überführen“ (Tit 1,9). Jesu Unterhirten füttern Jesu Schafe mit Jesu Wort.

Wenn Sie Ältester sind, suchen Sie Möglichkeiten, die Bibel regelmäßig zu lehren. Unterrichten Sie in der Sonntagsschule, leiten Sie einen Hauskreis, halten Sie eine Stunde bei der Jugendgruppe oder studieren Sie mal die Schrift mit einem Gemeindeglied beim Kaffee. Und wenn sich Ihnen die Gelegenheit zum Predigen bietet, ergreifen Sie sie.

Und weiter: Machen Sie sich mit dem vertraut, was in der Gemeinde insgesamt gelehrt wird. Halten Sie den Finger auf dem Puls dessen, was in Liedern oder im Lehrplan der Sonntagsschule gelehrt wird. Hören Sie genau zu, wenn Gemeindeglieder über das reden, was sie lesen, und entwickeln Sie einen Riecher für faule Kost in ihrer geistlichen Speise.

Bedenken Sie schließlich, dass Lehren das Weiterbilden von anderen mit beinhaltet, damit der Lehrdienst der Gemeinde weitergetragen wird. Wie Paulus dem Timotheus schrieb: „Was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren“ (2Tim 2,2). Bringen Sie also einen Lehrling mit, wann immer es möglich ist.

2. Führen

Genauso wie Hirten ihre Herden führen, so führen Älteste ihre örtlichen Gemeinden. Die biblischen Autoren nennen Älteste auch „Aufseher“, eine Bezeichnung, die ihre Rolle als Führer unterstreicht (Apg 20,28; 1Tim 3,1; Tit 1,5, 7). Der Hebräerbrief ermahnt Christen: „Gehorcht euren Führern und fügt euch ihnen; denn sie wachen über eure Seelen als solche, die einmal Rechenschaft ablegen werden“ (Heb 13,17).

Älteste: Seien Sie mutig und führen Sie Ihre Gemeinden. Verstecken Sie sich nicht bei den Geräten wie König Saul. Wenn Sie in Ihrer Gemeinde Herausforderungen aufziehen sehen, treten Sie ihnen aktiv entgegen und entwerfen Sie einen vorwärts gerichteten Plan.

Mutige Führung könnte bedeuten, ein frustriertes Gemeindeglied, das nicht mehr kommt, die Hand zu reichen. Oder ein unbußfertiges Mitglied durch Gemeindezucht zur Ordnung zu rufen. Oder sich durch Personalstrategien, budgetäre Herausforderungen oder wichtige Maßnahmen, die die geistliche Identität der Gemeinde beeinflussen, zu kämpfen.

Während Sie führen, verlieren Sie nie das Ziel aus den Augen. Das Ziel ist nämlich nicht, die Gemeinde so zu führen, dass aus ihr eine effiziente Organisation wird, so wichtig das auch sein mag. Vielmehr sollten Älteste ihre Gemeindeglieder zur Reife in Christus führen. Jesus gab der Gemeinde lehrende Hirten, „zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus“ (Eph 4,12-13).

Älteste bringen ihre Herden zu grünen Auen und stillen Wassern, wenn sie Gemeindeglieder dazu helfen, Jesus näher zu kennen und zusammen seine Herrlichkeit immer mehr widerzuspiegeln.

3. Vorbild sein

Am wichtigsten: Älteste führen durch ihr Vorbild. „Hütet die Herde Gottes … nicht als solche, die über das ihnen Zugewiesene herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid“ (1Petr 5,3). Von daher ist es nicht erstaunlich, dass die neutestamentlichen Listen der Qualifikationen für Älteste hauptsächlich charakterfokussiert sind (1Tim 3,1-7, Tit 1,5-9, 1Petr 5,1-4). Die grundlegendste Aufgabe eines Ältesten ist es, zu sagen: Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich Nachahmer des Christus bin! (1Kor 11,1).

Der Befehl zur Reife als Vorbild beinhaltet zwei entscheidende Folgen. Erstens: Vorbild sein bedeutet, auf die Gottesfurcht zu achten: „Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre” (1Tim 4,16). Leben Sie weiter in enger Gemeinschaft mit dem Herrn, fördern Sie Ihre Frau und Ihre Kinder gut, widerstehen Sie der Sünde und lieben Sie die Leute. Legen Sie Ihr Leben zur liebevollen Beurteilung durch Ihre Mitältesten offen, denn ein Vorbild in der Reife zu sein ist ein Teamprojekt.

Das bringt uns zur zweiten Folge: Um Vorbilder zu sein, müssen Älteste sich unters Volk mischen. Vorbild werden Sie nur dann, wenn die Leute Sie sehen. Öffnen Sie also den Gemeindegliedern Ihr Leben, Ihre Hobbys und Ihren Dienst. Die Menschen müssen aus erster Hand erleben, wie Sie mit Stress umgehen, Ihre Frau behandeln, auf schwierige Leute reagieren – und es demütig zugeben, wenn Sie es mal vermasseln.

4. Beten

Schließlich sollten Älteste den apostolischen Hirtenmantel aufnehmen und sagen: „Wir wollen beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben” (Apg 6,4). Letzten Endes sind Älteste allein machtlos, wenn es darum geht, überhaupt jemanden zur Reife in Christus zu führen; nur der Heilige Geist kann das durch Gottes Wort tun. Je eher ein Ältester das erkennt, desto schneller wird er auf die Knie gehen und um ein ständiges Werk der Gnade unter den Gemeindegliedern und auch in seinem eigenen Leben flehen.

Wenn Sie also ehrenamtlicher Ältester (oder meinetwegen bezahlter Ältester!) sind, streben Sie danach, ein Mann des Gebets zu sein. Bauen Sie regelmäßiges Gebet in Ihre täglichen Routinen ein. Beten Sie über die Liste der Gemeindeglieder beim täglichen Pendeln oder beim Spaziergang mit dem Hund. Nehmen Sie sich als Ältestenschaft die Zeit, zusammen zu beten. Und wenn Sie mit einem Gemeindeglied reden, gehen Sie nicht weg, ohne für sie oder ihn gleich gebetet zu haben.

Seien Sie ein Hirte wie Jesus

Vielleicht könnten wir die Stellenbeschreibung „Ältester” wie folgt zusammenfassen: Hüten Sie die Gemeindeglieder, wie Jesus seine Jünger hütet.

Machen Sie wie Jesus das Lehren zum zentralen Aspekt Ihres Dienstes, und machen Sie Jesus und das Evangelium zum wichtigsten Inhalt Ihres Lehrens. Führen Sie bei jeder Entscheidung Ihre Leute dahin, Jesus immer näher zu erkennen und Ihm zu vertrauen. Lassen Sie sie den Charakter Jesu in Ihrem Leben ausgeformt sehen. Und so wie Jesus oft am Wegesrand anhielt, um zu beten, so sollten Sie als Ältester gemeinsam mit Jesus für sein Volk eintreten.

Jesu Unterhirten sind dann am besten, wenn sie Jesus, den Oberhirten, widerspiegeln.


Jeramie Rinne ist Autor und leitender Pastor der South Shore Baptist Church in Hingham, Massachusetts (USA). Der Artikel erschien zuerst bei 9Marks. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.