Du bist der Verkehr

Einem der besten Werbesprüche begegnete ich an einem der schlimmsten Orte. In den gefurchten Arterien rund um Belfast ist eine Straßenkreuzung besonders vollgestopft während des Morgen- und Feierabendverkehrs. An den Ampeln, wo viele verzweifeln, ob sie jemals zur Arbeit kommen, hat unser öffentlicher Nahverkehr ein Schild angebracht mit den einfachen Worten: „Du steckst nicht im Verkehr, sondern du bist der Verkehr“. Mitten unter den angespannten Gemütern, lauten Hupen, beschlagenen Fenstern und müden Leuten durchstößt eine einfache Aussage die Frustration, die so viele verspüren – wir erleben nicht nur das Problem, sondern wir sind ein Teil davon.

In den Jahren, seitdem ich diese Worte der Weisheit kennengelernt habe, habe ich darüber nachgesonnen, wie psychologisch mächtig sie sind in so vielen Bereichen des Lebens – wie sie einen wesentlichen Perspektivwechsel bewirken über viele Fallstricke und Probleme, die uns jeden Tag begegnen. Hier sind drei, über die ich in Bezug auf mich selbst nachdenke:

1. Pastor, du bist der Verkehr: Eines der einfachsten Gebiete, wo man eine Einstellung von „wir gegen sie“ entwickeln und sich abseits der gemeinschaftlichen Niederlagen und Rückgange fühlen kann, ist der pastorale Dienst. Pastoren sind dazu aufgerufen, das Volk Gottes zu lehren, sie zu erbauen und auszurüsten für Werke des Dienstes sowie für Christen zu sorgen und sie auszubilden, damit sie durch die Phasen und Stürme des Lebens hindurch wachsen. Bei dieser Art von Arbeit ist es leicht sich einzubilden, dass wir irgendwie nicht unter dem Einfluss der Sünde stehen, dass wir nur heilen, statt selbst zum Problem gehören zu können, wenn geistlicher Niedergang eintritt.

In solchen Situationen muss ich mich daran erinnern, dass ich der Verkehr bin, dass ich meinen Teil gefallener Menschheit zur Gemeinschaft des Volkes Gottes beitrage, wodurch der Weg zur Heiligkeit und zum Himmel behindert wird. Ich bin nicht nur ein Akteur, der Veränderung herbeibringt, sondern ein Subjekt, für das Veränderung selbst notwendig ist. Meine entstellten Perspektiven und umgekehrten Prioritäten, meine lässige Akzeptanz der eigenen Fehler, meine Bereitschaft, zu ignorieren, was Gott sagt, und zu übertreten, was Gott verbietet, mein Trotz gegen das, was Gott deutlich in seinem Wort sagt, sind Teil des Problems, dem wir alle als Fremdlinge in dieser Welt gegenüberstehen. Jede andere Sicht über mich wird zu Einbildung, nicht eingestandener Sünde, pastoraler Gefühlslosigkeit und zu einem pharisäischen Ansatz gegenüber dem Leben führen, der für andere tödlich ist. Das Anerkennen, dass ich der Verkehr bin, wird zu wahrer Herzensprüfung und einer Lebendigkeit in meinem Wandel mit Gott unter seinem Volk führen, wofür es keinen Ersatz gibt.

2. Gemeindemitglied, du bist der Verkehr: Eines der verbreitetsten Themen, über die Christen kritisch sein können, ist die Ortsgemeinde. Ein wahrgenommener Mangel in der Gemeinde, fehlende Evangelisation oder Kälte im Herzen der Liebe können schnell Fragen und Sorgen bei vielen anregen. Diese wichtigen Bereiche müssen angesprochen und diskutiert werden, aber nur in einem Kontext, bei dem wir anerkennen, dass wir der Verkehr sind. Eine Frage, die der Aussage über das Problem mit meiner Gemeinde folgen muss, ist die Frage, ob ich Teil dieses Problems bin. Sprichst du dieses Problem an? Versuchst du den Mangel zu beheben, den du identifiziert hast? Unternimmst du aktive Schritte, um das zu sein, wozu du andere in der Gemeinde aufforderst? Die Antwort auf diese Fragen kann der Schlüssel zu wahrer und bleibender Veränderung in uns und in der Gemeinschaft von Gottes Volk sein.

3. Kinder, ihr seid der Verkehr: Ein abschließendes Gebiet, in dem dieser Aphorismus zutrifft, ist das Aufziehen von Kindern. Wir hören in den Medien viel von „Schneeflocken“, und „Millennials“ werden von der vorhergehenden Generation oft mit Verachtung behandelt. Als Elternteil muss ich die tiefen Kategorien anerkennen, die ich meinen Kindern beibringe, und die ihr Leben als Erwachsene bestimmen werden. Meine Kinder müssen nicht hören, dass die Welt gebrochen ist, dass das Leben grausam sein kann und dass Menschen uns enttäuschen können – sie werden diese Dinge selbst erfahren und haben es schon zu einem gewissen Maß. Was sie brauchen, ist, zu erkennen, wie sie selbst zu diesen Werten und Lastern beitragen und was ihre Verantwortung dabei ist, positivere Verhaltensweisen, die vom Evangelium bestimmt sind, einzubringen und auch ihre Fähigkeit, einen negativen Beitrag zu ihrer Welt zu leisten, wenn ihre Einstellung und Instinkte ungeheiligt bleiben.

Ich bin der Verkehr. Genauso wie du. Wir können hinter der Windschutzscheibe toben oder wir können unseren eigenen Anteil bei den Problemen unseres Lebens anerkennen und dann Gott um Hilfe bitten, positive Schritt zu unternehmen und Veränderungen herbeizuführen, und das bei uns selbst, bevor wir sie bei anderen suchen.


Dieser Artikel von Andrew Roycroft erschien zuerst bei Thinking Pastorally. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.