Die Reformation und die Herrlichkeit Gottes

Die protestantische Reformation war im Grunde eine Kontroverse mit der römisch-katholischen Kirche über die Frage, wie hilflos wir wirklich sind in unserer geistlichen Leblosigkeit und Schuld. Die Reformatoren glaubten, dass nur Gnade uns von den Toten auferwecken kann und dass nur Christus unsere Strafe tragen und das Gesetz für uns erfüllen kann. Diese zwei Wunder – Leben aus den Toten und die Beseitigung des Zorns – können nur als Geschenk durch Glauben empfangen werden. Sie können niemals verdient werden, sodass die ganze Erlösung soli Deo gloria geschieht – zur Ehre (Verherrlichung) Gottes allein.

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1. Was ist die Herrlichkeit Gottes?

Die grundlegende Bedeutung von heilig ist „abgesondert“ zu sein von dem Gemeinen. Wenn man diese Definition auf das unendliche „Abgesondertsein“ Gottes von allem, was gemein ist, ausdehnt, dann ist der Effekt, dass man Gott zu etwas unendlich „Einzigartigem“ macht – so wie der seltenste und vollkommenste Diamant der Welt.

Von Anfang bis Ende ist die große, beherrschende Wirklichkeit der Bibel, dass diese unendlich wertvolle, unendlich reine und schöne göttliche Einzigartigkeit in der Schöpfung und in allen Handlungen Gottes in der Geschichte und der Erlösung als die Herrlichkeit Gottes erstrahlt, das heißt die Ausstrahlung des intrinsischen Wertes, der Schönheit und der Größe seiner mannigfaltigen Perfektionen.

Ich spreche von der Ausstrahlung der Schönheit seiner „mannigfaltigen Perfektionen“, weil die Bibel von der Herrlichkeit von Gottes Kraft (2Thess 1,9), der Herrlichkeit von Gottes Gnade (Eph 1,6) usw. sprechen kann. Jede Eigenschaft Gottes ist eine Facette des Diamanten, der die Herrlichkeit Gottes ist. Wenn Gott eines seiner Eigenschaften verlieren würde, dann wäre er weniger herrlich. Tatsächlich wäre er nicht Gott.

Wenn ich also von der Herrlichkeit Gottes spreche, dann behandle ich sie nicht als etwas, das Gott besitzt, als ob sie anders als sein Wesen ist. Nein, Gottes Herrlichkeit ist die Ausstrahlung des Wertes, der Schönheit und der Größe Gottes selbst, die geistlich von seinem erlösten Volk gesehen, genossen und dargestellt werden soll.

2. Wieso ist die Herrlichkeit Gottes das Ziel von allem?

Gott wollte es so. Das war sein Plan von Ewigkeit her. Dies war sein Vorsatz und Ziel für die ganze Schöpfung, die ganze Geschichte und die ganze Erlösung. Gott schuf, erhält, regiert und rettet auf eine Weise, um seine Herrlichkeit zu offenbaren.

Es begann mit seinem Vorsatz in der Schöpfung: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes“ (Ps 19,2). Deshalb sind sie geschaffen. „Bringe meine Söhne aus der Ferne herbei und meine Töchter vom Ende der Welt, einen jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen habe, den ich gebildet und gemacht habe“ (Jes 43,6-7).

Dieser Vorsatz erstreckt sich auf alles, was Gott tut: „Gott wirkt alles nach dem Ratschluss seines Willens, damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit dienten, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben“ (Eph 1,11-12). „Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen“ (Röm 11,36).

Wieso gibt es solch eine unermessliche Weite von unbewohnten Galaxien und nur einen winzigen Punkt menschlicher Existenz? Dieses Universum dient nicht dazu, die Wichtigkeit des Menschen oder sogar der Schöpfung zu zeigen. Gott bezweckt, dass uns alles eine leise Ahnung seiner Erhabenheit und Majestät vermittelt. Und das Universum ist noch eine Untertreibung.

Gott schuf, erhält, regiert und rechtfertigt die Gottlosen soli Deo gloria.

3. Wie wird Gott durch sein gerechtfertigtes Volk am vollkommensten verherrlicht?

Ich bin ein christlicher Hedonist. Ich glaube, dass Gott am meisten durch sein gerechtfertigtes Volk verherrlicht wird, wenn diese gerechtfertigten Menschen am zufriedensten in ihm sind. Und ich glaube, dass die Pastoren und Theologen, die die großartige Zusammenfassung der Lehre der Reformation im Westminster Bekenntnis niederschrieben, das gleiche aussagten, als sie schrieben: „Das höchste Ziel des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und ihn für immer zu genießen.“

Sie sagten nicht nur, dass unser Ziel sei, Gott zu verherrlichen, sondern Gott zu verherrlichen und ihn zu genießen. Und sie nannten verherrlichen und genießen nicht zwei Ziele, sondern ein einziges Ziel. Sie erkannten, was Paulus meinte, als er sagte: „Das Sterben ist ein Gewinn“ (Phil 1,21). Die Weise, wie Christi absolute Schönheit und Wert am hellsten erstrahlt, ist, wenn Paulus am zufriedensten in ihm ist – sogar in Leid und Tod.

Gott plante, dass wir seine Herrlichkeit als vollkommen zufriedenstellend entdecken, nicht, weil unsere Zufriedenheit das höchste Ziel des Universums ist, sondern weil der allherrliche Gott – das höchste Gut im Universum – als größter Schatz gezeigt wird, wenn er zum größten Schatz seines Volkes wird.

4. Wenn Gott allein die Ehre bekommt, was wird dann aus unserer Verherrlichung?

Wenn wir sagen „soli Deo gloria“ – „Gott allein die Ehre“ – sollten wir damit aussagen wollen: Welche Herrlichkeit auch immer der Mensch mit Gott teilt, ist eine Herrlichkeit, die das Augenmerk letztendlich auf die Quelle und das Ziel von allen Dingen richten sollte – die Herrlichkeit von Gott allein.

Die Bibel ist erstaunlich klar, dass die Kinder Gottes mit der Herrlichkeit Gottes verherrlicht werden:

Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn. (2Kor 3,18)

Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass wir ihm gleichgestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. (1Joh 3,2)

Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. (Röm 8,30)

Wieso will Gott uns mit seiner eigenen Herrlichkeit ausstatten? Der Grund dafür ist nicht schwer zu erkennen. Jesus sagte, dass sein Ziel für uns ist, dass seine Freude – seine göttliche Freude – in uns bleibe und unser Freude völlig werde (Joh 15,11; 17,13). Aber man kann nicht den Jetantrieb einer 747 in ein winziges Smartauto einbauen. Man kann nicht den Vulkan der Freude Gottes in das Teeglas meiner unverherrlichten Seele pressen. Man kann nicht allherrliche Freude in unherrliche Menschen füllen. Wir werden verherrlicht werden, weil dies der einzige Weg ist, um vollkommen zufrieden in Gott zu sein, damit Gott vollkommen in uns verherrlicht werde (Joh 17,24-26).

Ich hoffe, dass du dich zu Jesus hingezogen fühlst – ihn im Glauben zu ergreifen. Denn jeder von uns, der auf ihn vertraut, egal wie sündig wir waren, wird jetzt durch Gnade allein gerechtfertigt, ohne jeglichen Verdienst, auf Basis von Christus allein, ohne ein anderes Opfer oder Gerechtigkeit als Grundlage, durch Glauben allein, nicht durch irgendein menschliches Werk, damit wir am Ende Gott allein als den größten Schatz unseres Lebens genießen können und dadurch zur Schau stellen, dass alle Ehre letztlich ihm allein gebührt.


John Piper ist Gründer und Lehrer von desiringGod.org und Rektor des Bethlehem College & Seminary. Für 33 Jahre diente er als Pastor der Bethlehem Baptist Church, Minneapolis. Man kann ihm auf Twitter unter @JohnPiper folgen.