Die Psalmen drehen sich völlig um Jesus: Psalm 1

Bemerke, wie der erste Vers von Psalm 1 beginnt. Er sagt: Wohl dem [Mann]. Das Wort Mann steht im Hebräischen im Singular und im Maskulinum. Wer ist eigentlich dieser rechtschaffene Mann? Auf wen bezieht sich dieses Wort? Oft ist unser erster Instinkt, an uns selbst als den rechtschaffenen Mann zu denken, und den Psalm wie eine Liste zum Abhaken zu lesen: Ich wandle nicht nach gottlosem Rat, abgehakt. Ich fliehe von Sündern und von der Sünde, abgehakt. Ich spotte nie, abgehakt. Ich habe immer meine Lust am Gesetz des Herrn, abgehakt. Ich lese meine Bibel jeden Tag, jeden Morgen und jeden Abend, abgehakt. Ich halte Familienandachten, abgehakt. Ist das eine Reaktion auf diesen Psalm?

Wenn wir diesen Psalm wie eine Liste zum Abhaken lesen oder so danach leben, dann haben wir die Bedeutung des Psalms völlig verpasst! Der Mann in Psalm 1 ist nicht nur irgendein Mann. Es ist ein sehr besonderer Mann. Dieser Mann bezieht sich auf den einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mann Christus Jesus. Gottes Gesetz, an dem wir Tag und Nacht unsere Lust haben sollen, findet seine Bedeutung nur in Jesus.

Auf den ersten Blick sieht Psalm 1 nicht wie ein messianischer Psalm aus. Es wird kein König oder Königreich erwähnt wie in Psalm 2 oder Psalm 110. Es gibt nichts, was diesen Psalm direkt mit dem Leidensweg Jesu Christi verbindet wie in Psalm 22. Psalm 1 sieht aus, als ob er über jeden beliebigen Israeliten redet, der die grundlegende Aufforderung erhält, der Thora (dem Gesetz) zu folgen. Aber wenn wir ihn uns nochmal ansehen, erkennen wir etwas Anderes. Auf dem Weg nach Emmaus lehrte Jesus seinen Jüngern, wie sie die Bibel zu lesen hatten. In Lukas 24,44 nahm er für sich in Anspruch, dass sich die ganze Bibel um ihn dreht. Das bedeutet, dass selbst die ganzen Psalmen sich letztlich um Jesus drehen.

In der Struktur des Psalters hat Buch 1 (Psalme 1-41) einen starken davidischen Fokus. Alle Psalmen, außer ein paar wenigen, werden dem König David zugeschrieben. Psalm 2 ist ein königlicher Psalm. Es gibt also guten Grund zu denken, dass der Mann in Psalm 1,1 sich auf einen davidischen König bezieht. Ferner wissen wir von 5. Mose 17,19, dass, wenn Israel einen König haben sollte,  dieser König eine Abschrift des Gesetzes behalten und darin lesen musste alle Tage seines Lebens. Das wird von einem König über Israel verlangt. Und natürlich hat kein König über Israel jemals diese Bedingung erfüllt: weder Saul noch David noch Salomo. Kein König hat jemals das ganze Gesetz Gottes vollkommen erfüllt. Es gab sogar zahlreiche Könige vor den Reformen Hosias, die das Buch des Gesetzes verloren hatten (2Kö 22,8-13). Wie hätten sie es befolgen, geschweige denn bewahren können, wenn sie es noch nicht einmal lesen konnten!?

Aber Jesus erfüllte es. Der einzige König, der alle Gerechtigkeit erfüllte, war Jesus Christus. Er ist der Mann aus Psalm 1,1. Es war Jesus, der weder wandelte, noch trat, noch saß, wo die Spötter sitzen. Es war Jesus, der über das Gesetz Tag und Nacht nachsann, wobei er sich oft von der Menge und von seinen Jünger zurückzog, um zu beten. Es war Jesu Speise, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hatte. Er hatte immer seine Lust am Gesetz des Herrn. Und Jesus, obwohl vollkommen rechtschaffen, wurde als ein Gottloser gerechnet, damit wir als Gerechte gerechnet werden können, wenn wir ihn im Glauben allein empfangen.


Nicholas Davis ist der Hauptpastor der Redemption Church (PCA) in San Diego, Kalifornien. Er hat mehrere Jahre für den White Horse Inn gearbeitet und für Modern Reformation und Core Christianity geschrieben. Er und seine Frau Gina haben drei Söhne. Er bloggt unter nicholasmartindavis.com. Du kannst ihm auf Twitter folgen. Dieser Artikel erschien zuerst bei Core Christianity. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.