Der Sommerurlaub ist kein Sabbat

An einem Tiefpunkt überquerte mein Ehemann die Stromschnellen, um von dem Lärm wegzukommen.

Ich wandte mich zu den Kindern, um sie auseinanderzubringen, nachdem sie sich wieder um einen Stein zankten, den einer aus dem Schlamm gegraben hatte. Als ich aufblickte, hatte er uns verlassen. Mit einem Angesicht hart wie ein Kieselstein navigierte er über die glatten Felsen und den aufströmenden Schaum zur gegenüberliegenden Seite. Er ließ sich auf einem vermoosten Felsen nieder und starrte den Strom hinunter. Seine Augen spiegelten Gedanken wider, die so turbulent waren wie das Wasser.

Später in unserer Hütte, als wir die Kinder endlich zu Bett gerungen hatten, fragte ich ihn zu diesem Moment im Wald.

„Geht es dir gut, Liebling?“

Er rieb seine Stirn. Sein Ausdruck schien verloren, seine Augen ermattet.

„Ich brauche nur wirklich mal Ruhe“, sagte er.

Wenn Urlaub nicht ruhebringend ist

Ruhe war nicht gerade der Grund, warum wir in die Berge gereist waren. Wir hatten drei Jahre keinen Urlaub gemacht und als wir diese Reise in den Kalender eintrugen, hat uns die Erwartung durch die langen Wintermonate getragen. Während endloser Tage gefüllt mit knappen Budgets, schreienden Kindern und Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern, blickten wir uns gegenseitig an und träumten von unserem Ausflug in die Hütte.

Der Ausflugsort bot einiges an Magie. Blitze leuchteten gespenstisch an den Holzwänden und der Donner verschmolz mit dem Poltern des Wildwassers von draußen. Es gab ineinander verschlungene Eichen- und Kiefernwurzeln, die sich über die klamme Erde austreckten und für uns eine Stiege durch den nebligtrüben Wald formten. Es gab Hotdogs und Marshmallows, die über dem Feuer geröstet wurden und Abende gefüllt mit Büchern und warm eingewickelten Kindern, die sich mit uns ins Bett schmiegten, um Geschichten zuzuhören.

Aber diese Momente setzten sich kaum durch gegen das permanente Gezänk launischer Kinder und Abweichungen von unseren penibel vorbereiteten Plänen. Es fing mit einem späten Start an, dann wurden wir geblitzt und schließlich hat unser Kleinkind für zwei Stunden im Auto geschrien. Dem folgten dreckige Windeln im Wald, ein Kind, das auf einen toten Maulwurf trat und Orangensaft, der sich über einen handgeschnitzten Tisch ergoss.

Kinder stritten über Bücher und brüllten „Meins!“, während sie sich mit Tannenzapfen bewarfen. Als wir in einem Kanu gerade an einer Ente mit ihren Entlein vorbeipaddelten und unsere Augen auf die Berge richteten, die hinter dem Nebel auftauchten, störte das ständige Mantra „Lasst uns umkehren; ich mag dieses Boot nicht!“ die Beschaulichkeit. Nach vier Tagen mühten wir uns zurück nach Hause mit Schlafentzug, schmuddeligen Sachen und ausgelaugter als an dem Tag, an dem wir losgefahren waren.

Unser Fiasko ähnelte Szenen aus dem Film National Lampoon, wo ein übereifriger Chevy Chase auf der Suche nach dem perfekten Urlaub ist und seine Familie in eine Katastrophe nach der anderen führt. Solch eine Komödie gründet sich auf ihre Universalität. Wer hat sich nicht schon nach einem perfekten Ausflug gesehnt, nur um in eine Kette von Katastrophen verwickelt zu werden? Wer hat sich nicht schon vorgenommen, sich im Sommer mal richtig zu erholen, mit Grillen, Wassermelonen und Baden, nur damit der Regen die Grillkohle auslöscht?

Ein wirkliches Bedürfnis nach Ruhe

Während solche Szenarien Enttäuschung hervorrufen (oder Gelächter im Fall von Chevy Chase), deuten sie doch auch an, dass wir in unserem Streben vom Weg abgekommen sind. Unser Bedürfnis nach wirklicher Ruhe ist real und dringend. In einer zerbrochenen Welt ertränkt uns das Leben in seinen Tiefen. Unter den Gezeiten von Trauer, Zweifel, Bedauern, Traurigkeit, Furcht und Verzweiflung kämpfen wir, ringen nach Luft und sehnen uns nach Erleichterung.

Unser Bedürfnis nach Ruhe hat seinen Ursprung in der Schöpfung: „Und Gott hatte am siebten Tag sein Werk vollendet, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, das er gemacht hatte“ (1Mose 2,2). Wir brauchen Ruhe, weil wir das Bild Gottes tragen (1Mose 1,27). Diese Ruhe war für Gottes vollkommene Ordnung so wichtig, dass er Israel in den Zehn Geboten auftrug, den Sabbat streng zu halten (2Mose 20,8-11; 31,16-18).

Aber allzu oft verwechseln wir Ruhe mit Amüsement. Wenn die Mühen der Welt uns niederdrücken, jagen wir funkelnden Momenten nach, die es wert sind, als Selfie oder Facebook-Update festgehalten zu werden. Wir jagen den Cocktails am Rand eines Pools oder Wandern durch photogene Landschaften nach, alles in der Hoffnung, dass solche Dinge den Schmerz in unseren Knochen und die Brüche in unseren Herzen heilen können.

Ruhebringende Anbetung

Dass uns langersehnte Urlaube enttäuscht und leer zurücklassen, sollte uns nicht überraschen. Sabbatruhe beinhaltet nicht nur Rast, sondern auch Anbetung (3Mose 23,1-3a). Wir sollen nicht nur von unserer Arbeit ruhen, sondern uns auch an Gott erfreuen. Der einzige Psalm, der dem Sabbat gewidmet ist, erhebt den Herrn in Anbetung: „Du aber, HERR, bist auf ewig erhaben! (Ps 92,9). Psalm 92 schließt mit einer Zusage über den Charakter Gottes, ein Versprechen, das die Herausforderungen des Lebens überdauert: „Der HERR ist gerecht. Er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm!“ (Ps 92,16).

Gott hat uns Süßigkeiten, Wassermelonen und Hüttenausflüge geschenkt. Aber wenn wir nach diesen Segnungen streben, ohne unseren Sinn und unser Herz auf unseren Schöpfer zu richten, dann haschen wir nach Wind (Pred 2,11). Ruhe kommt nicht von einer Destination, sondern von täglicher Gemeinschaft mit dem allwissenden, liebenden Gott, der uns die ultimative Erfrischung durch seinen Sohn anbietet:

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! (Mt 11,28-29)

Durch sein Opfer für uns bietet uns Christus tiefe, durchdringende Ruhe an, der keine Reise zu den Bergen jemals nahekommen kann. Während wir uns durch das Leben mühen und kämpfen, lasst uns tief von dem lebendigen Wasser trinken, das er uns anbietet (Joh 4,13-14). Sein Friede soll unsere Momente erfüllen und uns durch die Herausforderungen tragen, die uns in Beschlag nehmen. Wenn das Leben uns überschwemmt – und wir von Stränden und Bächen träumen – lasst uns nach ihm trachten. Lasst uns uns an ihn wenden im Gebet und, egal ob wir an einem Bach oder einem Ozean sind, nach ihm suchen und seinen Namen preisen.


Kathryn Butler (Doktor der Medizin vom Columbia University College of Physicians and Surgeons) ist Chirurgin für Unfallpatienten und arbeitet auch auf der Intensivstation. Sie hat vor kurzem ihre Arbeit in der Klinik aufgegeben, um ihre Kinder zuhause zu unterrichten. Sie schreibt für Desiring God und Christianity Today. Ihr Buch über palliative Fürsorge und Hospizarbeit aus christlicher Sicht wird voraussichtlich 2019 bei Crossway erscheinen. Sie hat einen Blog namens Oceans Rise. Dieser Artikel erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.