Das Fleisch ist schwach: Pastorale Gedanken zum Thema Selbstkontrolle

Bild: Pexels, via Pixabay CC0
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Ich bin im Schatten von Nike aufgewachsen (des Schuhunternehmens, nicht der griechischen Göttin). Die erste Gemeinde, die ich regelmäßig besuchte, lag neben dem Nike-Hauptsitz in Beaverton, Oregon. In der Highschool habe ich gemeinsam mit dem Sohn des Unternehmensgründers Phil Knight Tennis gespielt. Obendrein lag meine Studentenwohnung während meiner Collegezeit auf der anderen Straßenseite des Stadions Hayward Field, in dem Knight und sein Leichtathletiktrainer Bill Bowerman, das berühmte erste Paar Laufschuhe von Nike ausprobierten, dessen Sohlen in einem Waffeleisen geformt wurden. Als Nike 1998 anfing mit „Just Do It“ (dt. „Mach es einfach“) Werbung zu machen, war ich total überzeugt von diesem Slogan. Wenn man nur hart genug arbeitet und genug Zeit investiert, kann man alles erreichen – so dachte ich zumindest.

Schon bald lehrte mich meine Erfahrung, dass das Leben mehr ist als nur Schweiß, Blut und Tränen. Alles Training der Welt bringt mich – mit meinem 175 cm Körper – nicht in das College Basketball Team. Es spielt auch keine Rolle, wie viele Nächte ich durchmache, Gott hat mein Gehirn nicht dazu gestaltet, Quantitative Makroökonomie zu beherrschen. Frag einfach Professor Ellis, der unter meine erste Arbeit sehr einprägsam schrieb: „Wenn diese Arbeit Ihr Können zeigt, dann zweifle ich sehr daran, ob Sie diesen Kurs schaffen werden.“ Aua!

Als Christen ringen wir mit derselben Spannung. Einerseits gibt es Arbeit, die gemacht werden muss. Wir brauchen Selbstkontrolle. Andererseits gibt es Arbeit, die wir nicht leisten können. Egal wie sehr wir es versuchen, es spielt keine Rolle, wie groß, stark, schnell oder intelligent wir sind: In unserem Fleisch fehlt uns einfach die Selbstkontrolle, die wir brauchen, um in einer Weise zu leben, die unserer Berufung würdig wäre (Eph 4,1).

Doch es gibt Hoffnung. Gott sei Dank, selbst wenn das Fleisch schwach ist, bleibt Selbstkontrolle eine Frucht, die der Heilige Geist uns schenkt.

Was ist Selbstkontrolle?

Selbstkontrolle – um es einfach zu sagen – ist die Fähigkeit auf ein Stück Schokoladenkuchen zu schauen und es nicht zu essen; aus Versehen auf einen Link zu expliziten Inhalten zu klicken und sofort das Fenster zu schließen; einen Leckerbissen an anzüglichem Klatsch zu hören und das Gespräch zu beenden. Wenn die Verführerin den jungen selbstbeherrschten Mann mit den Worten lockt: „Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt“ (Spr 7,17), flieht er wie Josef (1Mo 39,12). Selbstkontrolle ist die Ablehnung der Versuchung und die Absage an die innewohnende Sünde, damit sie nicht die Überhand gewinnt.

Wir dürfen Selbstkontrolle nicht ablehnen, auch wenn einige fälschlicherweise das Christentum auf eine Liste von Geboten und Verboten reduzieren. Während Paulus verhört wurde, sprach er mit Felix über das Evangelium: „Er redete aber über Gerechtigkeit und Selbstkontrolle und das kommende Gericht“ (Apg 24,25). Der Versuchung zu widerstehen ist nicht das Evangelium, doch es ist ein Zeichen derer, die es wirklich angenommen haben. Paulus verlangt von Christen manchmal, ihre Freiheit aufzugeben, wenn sie dadurch andere für Christus gewinnen können. Solch eine Güte verlangt Selbstkontrolle (vgl. 1Kor 9,25). Petrus stimmt dem zu. Wahre Gläubige haben nicht nur Kopfwissen. Sie werden von einer aus dem Glauben fließenden Selbstkontrolle charakterisiert, die Gott ihnen gegeben hat (2Petr 1,5–6).

Es sollte uns nicht überraschen, dass Paulus seine Liste der Frucht des Geistes mit Selbstkontrolle abschließt. Nachdem Paulus Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und Sanftmut genannt hat, will Paulus, dass wir uns an die Arbeit machen. Was auch immer uns davon abhält, andere zu lieben oder freundlich zu sein, muss abgetötet werden. Doch die Begierden des Fleisches werden nicht ohne einen Kampf nachlassen. In Liebe und Freude zu leben wird nicht einfach sein. Wir brauchen Selbstkontrolle. Paulus formuliert es in dieser Weise: „Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden“ (Gal 5,24). Wenn Selbstkontrolle sichtbar wird, bezeugt sie, dass man zu Jesus gehört.

Der Kampf um Selbstkontrolle

Die Frucht des Geistes wächst in unserem Leben nicht widerstandslos. Nicht ohne Grund erklärte Jesus: „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach“ (Lk 9,23). Das Leben als Christ ist hart. Es gibt keinen breiten Weg, keine weite Pforte. Immer wieder werden wir uns im Kampf mit der Sünde wiederfinden, blutig und verletzt, bevor die letzte Schlacht gewonnen ist und die Tränen der Vergangenheit angehören (Off 21,4).

Als die Werbeleute von Nike auf den Slogan „Just Do It“ (dt. „Mach es einfach“) kamen, erschlossen sie eine Wahrheit, die instinktiv sogar ungläubigen Köpfen bekannt ist: Nichts was sich zu haben lohnt, fällt dir in den Schoß. Das trifft zu auf Olympialäufer, Nobelpreisträger, herausragende Väter und normale Christen. Pastor Kevin DeYoung erklärt, dass „Wachstum in der Gottesfurcht Anstrengung auf der Seite des Christen erfordert“.1 Der alte Puritaner Thomas Watson gebrauchte Kriegsmetaphorik, um dasselbe zu sagen, als er Gläubige dazu aufforderte, „das Herzblut jeder Sünde zu vergießen“.2

Ich bin nicht der Erste, der davor warnt, dass wir in der Gefahr stehen, der Versuchung nachzugeben, bevor der Kampf überhaupt begonnen hat. Wir gleiten in Sünde, ohne jemals unser Schwert gezückt zu haben, um der Sünde an die Kehle zu gehen. Wir diskutieren sie weg: „Ich schaue ja nur“. Wir finden Ausreden: „Ich habe das Gespräch nicht angefangen“. Wir halten Gottes Gnade für völlig selbstverständlich: „Ich weiß, dass er mir vergeben wird, er ist schließlich Gott.“

Vor einigen Jahren saß ein junger Mann in meinem Büro und erzählte mir sein Glaubenszeugnis. Es war für ihn eine äußerst ungewohnte Situation, über seinen Glauben zu sprechen. Ich versuchte mehr über sein Leben herauszufinden und woran er glaubte (1Tim 4,16). Ich wollte nicht nur herausfinden, was er glaubte, sondern auch, wie diese Glaubensinhalte seine Lebensführung prägen. Er sprach über seine Beziehung zu seiner Freundin und gestand schnell ein, dass er in der Beziehung Grenzen überschritten hatte. Er schien keine Gewissensbisse zu haben und als ich ihn fragte, wie er seine Handlungen mit dem biblischen Aufruf zur Reinheit zusammenbringe, lächelte er und sagte: „Jesus versteht das – er wusste wie hart es ist, Single zu sein.“

Sehr schnell rolle ich die Augen darüber, sogar während ich aus dem Gedächtnis schreibe. Dieser Mann war unreif –  vielleicht war er auch kein Christ! Und doch, traurigerweise weiß ich, was es bedeutet, Gottes Gnade für völlig selbstverständlich zu halten: Ich lasse meine Augen und meine Gedanken an Orte wandern, die das Ehebett verunreinigen (Heb 13,4). Ich lasse meinen Mund einfach laufen, ohne über das Feuer nachzudenken, das ich in Brand setze (Jak 3,6). Ich lasse meine Ohren einfach den Klatsch aufsaugen, ohne Liebe für den Bruder oder die Schwester, die durch kritische Worte diskreditiert werden. In jedem dieser Fälle bin ich den Weg des geringsten Widerstands gegangen und habe Gottes Gnade für völlig selbstverständlich gehalten. Statt zu versuchen, „das Herzblut jeder Sünde zu vergießen“, habe ich es getrunken.

Selbstkontrolle aufzubringen bedeutet, gegen die Versuchung zu kämpfen und Sünde zu töten. Nicht nur an einem Tag, sondern jeden Tag. Nicht nur eine Stunde lang, sondern jede Stunde.

Selbstkontrolle ist eine Frucht des Geistes

Es ist gut, sich an den Kampf um Selbstkontrolle zu erinnern. Ich muss mehr kämpfen. Der Kampf ist nicht alles. Selbstkontrolle ist sowohl ein Aufruf zum Handeln als auch ein Geschenk, das angenommen werden muss. Selbstkontrolle ist ein Teil der Frucht des Heiligen Geistes. Bis diese Tatsache nicht verstanden wird - und zwar tief verstanden wird -, werden wir niemals bei Gott um Hilfe bitten. Wir werden auch niemals in der Zuversicht leben können, die er anbietet.

Zu Beginn der Reformation hielt Martin Luther eine Predigt über die Gerechtigkeit Christi. Er nannte sie „fremde Gerechtigkeit“, weil sie nicht von Natur aus Christen zu eigen ist. Es ist Christi Gerechtigkeit. Sie gehört zu ihm. Gnade bedeutet, dass diese Gerechtigkeit zu unserer werden kann, durch den Glauben an Christus allein. „All sein Besitz wird zu unserem“, sagt Luther und nicht nur das, sondern „er selbst wird zu unserem Besitz“.3 Durch den Glauben gibt Christus sich selbst. Und mit sich selbst gibt er uns die Kraft, Sünde in unserem Leben zu besiegen.

Durch diese theologische Brille hat Luther die Frucht des Geistes verstanden. Nur wegen Christi Gerechtigkeit allein, die unserem Konto angerechnet wird, können wir „ein Leben reich an guten Werken führen… in dem wir das Fleisch töten und die selbstsüchtigen Begierden kreuzigen“.4

Kurz gesagt, wollen wir Selbstkontrolle? Schau auf Christus. Vertraue auf seinen Tod und seine Auferstehung. Die Selbstkontrolle, die wir ausüben – manchmal allzu schmerzlich und unzulänglich – ist in Wirklichkeit „die Frucht und Konsequenz“ von Christi Werk an unserer Stelle.  

Das ist eine frohe Botschaft. Selbstkontrolle ist ein Geschenk und eine Verheißung an jedes einzelne Kind Gottes. Gott tut mehr, als uns einfach nur zum Gehorsam aufzufordern; er gibt uns, was wir dazu brauchen. Er tut mehr, als uns einfach nur den Weg zu weisen, den wir gehen sollen; er trägt uns. Gott tut mehr, als uns sein Wort zu geben, das uns leiten soll; er erfüllt uns mit seinem Geist und leitet uns.

Ich kenne meine eigene Seele und einer der Gründe, warum ich manchmal der Versuchung nachgebe, bevor der Kampf überhaupt erst begonnen hat, ist, dass ich die Kraft des Geistes in meinem Leben vergesse. Selbstkontrolle wirkt bedrohlich, wie ein viel zu hoher Berg, den ich nie erklimmen könnte, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich daran erinnere, dass Christus diesen bereits für mich hochgeklettert ist. Heiligkeit erscheint wie ein Raum, der zu sauber ist als dass ich ihn betreten dürfte, bis ich mich daran erinnere, dass Christus bereits für mich gestorben ist, um mich von meiner Sünde zu reinigen.

Selbstkontrolle ist möglich, da der Geist Kraft hat

Schon vor langer Zeit habe ich gelernt, dass „Just do it“ (dt. „Mach es einfach“) ein großartiger Slogan für den weltgrößten Schuhhersteller ist, aber ein furchtbares Motto für das Leben als Christ. Dennoch muss ich mich immer noch täglich daran erinnern. Mein Leben als Christ begann nicht mit meiner eigenen Anstrengung und ganz sicher kann ich nicht in der Kraft meiner eigenen Stärke im Geist leben. Selbstkontrolle kommt nicht einfach nur durch Zähne zusammenbeißen, sondern sie ist Teil der Frucht des Geistes.

Ich kann genauso wenig Selbstkontrolle auf mich allein gestellt ausüben, wie ich mich alleine bekehren kann. Charles Spurgeon, der Fürst der Prediger, sagte treffend:

„Hast du jemals versucht umzukehren? Wenn ja und wenn du es ohne den Geist Gottes versucht hast, weißt du nur zu genau, dass, einen Menschen zur Umkehr aufzufordern, ohne die Verheißung der Hilfe des Geistes, bedeutet, von ihm das Unmögliche zu verlangen. Berge könnten anfangen zu weinen und Wüsten blühten auf, falls ein Sünder tatsächlich aus eigenem Antrieb umkehren sollte. Wenn Gott Menschen den Himmel einfach nur durch die Vergebung der Sünden anböte, wäre der Himmel genauso unmöglich zu erreichen, wie er es durch gute Werke ist; denn Menschen können genauso wenig von selbst umkehren, wie sie Gottes Gesetz vollkommen halten können; denn Umkehr beinhaltet perfekten Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz. Mir scheint es, als sei in der Umkehr das ganze Gesetz bekräftigt und zusammengefasst; denn wenn ein Mensch tatsächlich von selbst umkehren könnte, wäre kein Retter mehr notwendig. Er könnte auch direkt die steilen Hänge des Sinais zum Himmel aufsteigen.“5

Lies nun Spurgeons Worte noch einmal, doch ersetze das Verb „umkehren“ mit „selbstbeherrscht sein“. Die Aussage ist dieselbe. Ohne den Geist Gottes, können wir es nicht tun. Selbstkontrolle wird verlangt; sie ist ein Muss. Doch nur diejenigen, die den Geist in sich haben, können selbstbeherrscht leben.

Was nun?

Willst du die Frucht des Geistes in deinem Leben sehen? Willst du in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und Sanftmut wachsen? Ich weiß, dass ich es will! Wie können wir auf diese Weise wachsen? Wie können wir mehr Selbstkontrolle üben?

  • Denk an das Kreuz. Wenn die Sünden des Hasses und der Furcht, der Härte und der Ungeduld ihre hässlichen Häupter gegen uns erheben, müssen wir bereit sein, das Schwert zu zücken, um „das Herzblut jeder Sünde zu vergießen“. Das ist nur möglich, wenn wir uns bewusst daran erinnern, dass Christus sein eigenes Blut vergossen hat, damit wir der Sünde sterben und für die Gerechtigkeit leben können. Ohne unsere Gedanken auf das Kreuz zu richten, wird unsere Selbstkontrolle nichts weiter als eine Art von Selbsthilfe sein und nicht lange andauern.
  • Gehe den Kampf an. Tappe nicht in die Falle zu denken, dass ein Leben der Selbstkontrolle – oder irgendeinem anderen Teil der Geistesfrucht – einfach sein wird. Es wird nicht einfach. Wir finden in der Bibel zu viele Abschnitte, die uns daran erinnern, dass das Leben als Christ ein schmerzvoller Kampf ist (Röm 8,13; Kol 3,5; 1Kor 9,24–25; um nur einige zu nennen)
  • Bring die heftigsten Kämpfe ans Licht. Obwohl es stimmt, dass alle unsere Versuchungen weitverbreitet sind (1Kor 10,13), ist zugleich wahr, dass jeder von uns spezifische Kämpfe hat. Einige kämpfen mit Völlerei, andere mit Lästerung. Einige kämpfen mit Pornographie, andere mit Videospielen. In welchem Bereich musst du gerade einen intensiven Kampf um Selbstkontrolle führen? Du solltest mit einem gottesfürchtigen Freund darüber sprechen, dem du vertraust. Bring es ans Licht und du wirst erleben, wie deine Glaubensgeschwister mit und für dich kämpfen werden.
  • Flehe den Geist an. Du brauchst Gottes Hilfe, um die Sünde zu hassen, über ihre Gegenwart in deinem Leben zu klagen, dich von ihrem Griff zu lösen und dich dafür auszurüsten, ohne sie zu leben. Dies ist ein Gebet, das Gott erhören will. Bete mit Nachdruck (Lk 18,1-8). Bete zuversichtlich (Röm 8,32). Bete täglich (Lk 5,16). Wenn es dir an Selbstkontrolle fehlt, kann es vielleicht sein, dass es dir auch an Gebet fehlt? „Wacht und betet“, sagt Jesus, „dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach“ (Mt 26,41).

Von allen Teilen der Geistesfrucht will ich mich auf diese konzentrieren. Nicht, weil es die wichtigste ist – jede ist gleich wichtig. Genau genommen gehören sie alle zusammen, wie ein wunderschöner Flickenteppich. Und doch, Selbstkontrolle ist der Faden, der sie alle zusammenknüpft. Wenn man einen Christen trifft, der überfließt von Selbstkontrolle, trifft man eine Person voll von Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und Sanftmut.

Pastoren brauchen Selbstkontrolle

Über Selbstkontrolle zu predigen ist so viel einfacher als sie auszuüben. Liebe Pastoren, lasst uns nicht vergessen, wie sehr wir Heiligung nötig haben und nicht nur, weil wir als gute Beispiele der Herde vorangehen müssen (Lk 6,40), sondern weil wir ohne Heiligung nicht den Herrn sehen werden (Heb 12,14). In dem Moment, in dem wir mehr um unseren Ruf besorgt sind als um unsere Seele, haben wir die Schlacht verloren und sind auf dem Weg, den Kampf zu verlieren.

Gott ist unbesiegbar, ich aber nicht (1Kor 10,12). Ich kann immer noch fallen und im Glauben Schiffbruch erleiden (1Tim 1,19). Ich weiß, dass der Heilige Geist in mir ist, und ich ruhe in der Tatsache, dass ich mit Gottes Hilfe stark bin. Doch in dieser Wahrheit zu ruhen, sollte nicht dazu führen, weniger zu kämpfen; sie spornt mich an, mehr zu kämpfen.

Aus diesem Grund fühle ich mich verpflichtet, ein offenes Buch für alle meine Mitältesten zu sein. Einfach nur die Offenheit, wenn sie nachfragen, ist nicht genug – zumindest nicht für mich. Deswegen ergreife ich die Initiative, um meine Sünden insbesondere einem der Ältesten zu bekennen. Er ist weder mein Priester noch mein Mittler; er gewährt nicht die Vergebung meiner Sünde. Trotzdem weiß ich, dass Pastoren auf besondere Weise in der Versuchung stehen, Dinge zu verbergen. Sehr häufig will ich, dass Leute denken, dass es mir niemals an Selbstkontrolle fehlt. Das ist ein gefährlicher Wunsch, den ich dadurch töte, dass ich mich überwinde, einem Bruder, den ich respektiere, davon zu erzählen. Er wird mir helfen, aufmerksam auf jegliches Zeichen eines „bösen und ungläubigen Herzens“ (Heb 3,12) zu achten.

Liebe Pastoren, schiebt das reine Nachdenken über die Frucht des Geistes nicht als faule Ausrede vor, um nicht die harte Arbeit zu leisten, die „Werke des Fleisches“ auszureißen (Gal 5,18). Mache es um deiner Familie und Gemeinde willen. Doch letztendlich, verfolge die Heiligung um deiner eigenen Seele willen.


[1] Kevin DeYoung, The Hole In Our Holiness: Filling the Gap Between Gospel Passion and the Pursuit of Godliness, (Wheaton: Crossway, 2012), 88 (übers.).

[2] Thomas Watson, The Godly Man’s Picture (Carlisle, Penn.: Banner of Truth, 1992), 153 (übers.).

[3] Martin Luther: Selections from His Writings, ed. John Dillenberger (New York: Anchor Books, 1962), 87. From a sermon preached c. 1519 (übers.).

[4] Ebd. 88 (übers.).

[5] C. H. Spurgeon, “The Necessity of the Spirit’s Work” in The New Park Street Pulpit, vol. V (London: Passmore & Alabaster, 1859), 215 (übers.).


Aaron Menikoff ist leitender Pastor der Mt. Vernon Baptist Church in Sandy Springs, Georgia. Der Artikel erschien zuerst bei 9Marks. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.