Biblische Theologie und gemeinsame Anbetung

Was genau tun wir, wenn wir uns als Gemeinde zum Gottesdienst versammeln? Und woher sollten wir wissen, was wir in diesen wöchentlichen Treffen zu tun haben?

Natürlicherweise schlagen bibeltreue Christen die Bibel auf, um Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Doch wo in der Schrift sollten wir suchen? Es gibt viele Stellen über die Anbetung im Alten Testament – über Gebete, Opfer, Chöre und Zimbeln und vieles mehr. Doch kann man das überhaupt auf die Versammlung der Gläubigen des Neuen Bundes anwenden?  

Was wir brauchen, um diese Fragen beantworten zu können, ist eine biblische Theologie der Anbetung.Biblische Theologie ist die Disziplin, die uns dabei hilft, die fortschreitende Geschichte der Schrift sowohl in ihrer Einheit als auch in ihrer Vielfalt, in ihrer Kontinuität als auch in ihrer Diskontinuität zu verstehen. 

In diesem Artikel will ich eine biblische Theologie der gemeinsamen Anbetung skizzieren. Dies will ich in vier Schritten tun: 1. Gemeinsame Anbetung im Alten Testament; 2. Erfüllung in Christus; 3. Gemeinsame Anbetung im Neuen Testament; 4. Die ganze Bibel für die gemeinsame Anbetung

1. Gemeinsame Anbetung im Alten Testament

Seitdem Gottes Volk nach dem Sündenfall in 1. Mose 2 aus der Gegenwart Gottes vertrieben wurde, hat Gott angefangen, es wieder um sich zu versammeln.Als Israel unter den schweren Ketten Ägyptens litt, hat Gott es nicht nur erlöst, damit sie  von der Unterdrückung frei seien, sondern damit sie ihn in seiner Gegenwart anbeten (2.Mo 3,12.18). Gott führte sein Volk aus Ägypten und führte es zu seiner eigenen Wohnstätte (2.Mo 15,13.17).

Wo ist diese Wohnstätte? Zunächst ist es die Stiftshütte, das aufwendige Zelt, in dem die Priester Opfer für die Sünden und die Unreinheit des Volkes brachten. In 2. Mose 29,44-46 lesen wir: 

So werde ich das Zelt der Begegnung und den Altar heiligen. Und Aaron und seine Söhne werde ich heiligen, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. Und ich werde mitten unter den Söhnen Israel wohnen und ihr Gott sein. Und sie werden erkennen, dass ich, der HERR, ihr Gott bin, der ich sie aus dem Land Ägypten herausgeführt habe, um mitten unter ihnen zu wohnen, ich, der HERR, ihr Gott.

Das Ziel des Auszugs war, dass Gott unter seinem Volk wohnen sollte, und er tut es durch den heiligen Ort (Stiftshütte) und die heiligen Leute (Priesterschaft), die er dazu abgesondert hat. 

Als Gott Israel aus Ägypten führte, nahm er es sich selbst zum Volk. Die Art und Weise, wie er diese neue Beziehung mit Israel bestätigte, war ein Bundesschluss mit ihnen, der oft der „Mosaische Bund“ genannt wird. In 2. Mose 19 erinnert der Herr das Volk daran, wie er sie aus Ägypten befreit hat und verheißt ihnen, dass sie sein kostbarer Besitz sein sollten, wenn sie die Bundesbestimmungen hielten (2.Mo 19,1-6).

Der Herr bestätigte diesen Bund mit seinem Volk in 2. Mose 24, und alle Gesetze in 2. Mose bis 5. Mose konkretisieren die Bundesvorschriften. All diese Details führen näher aus, wie Gottes Volk mit Gott und untereinander innerhalb dieses Bundes leben soll, den Gott mit ihnen geschlossen hat. 

Die detaillierten Opfer- und Reinigungsrituale in 3. Mose dienen der Wiederherstellung der Bundesbeziehung bei Verstößen. Der Kult hält die Bundesbeziehung aufrecht. 

Einige Male im Jahr sollte Israel sich gemeinsam vor dem Herrn an der Stiftshütte versammeln – für das Passafest, für das Erstlingsfest und so weiter (3.Mo 23). Abgesehen von diesen Festen, brachten Priester regemäßige Opfer, und einzelne Israeliten kamen nur dann zur Stiftshütte (und später zum Tempel), wenn sie ein spezielles Opfer für ihre Sünde oder Unreinheit bringen mussten. 

Mit anderen Worten kam es nur bei besonderen Anlässen einige Male im Jahr zur gemeinsamen Anbetung. Anbetung, verstanden als exklusive Hingabe an Gott, war etwas, zu dem die Israeliten rund um die Uhr berufen waren (5.Mo 6,13-15). Doch in dem Sinn eines persönlichen Zugangs zur Gegenwart Gottes, war Anbetung auf einige Personen, Orte und Anlässe beschränkt. Gott wohnte zwar unter seinem Volk, aber diese Gegenwart war beschränkt auf die Stiftshütte, und Priester bewachten diese.

2. Erfüllung in Christus

Der Wendepunkt in der Geschichte der Schrift ist die Menschwerdung des Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesus Christus. Alle Verheißungen Gottes sind in ihm erfüllt (2.Kor 1,20). Alle Typologien des Alten Testaments – die Ordnung des Priestertums, des Tempels und des Königtums, die Ereignisse des Auszugs, des Exils und der Rückkehr – finden ihre Erfüllung in ihm. Um also die ganze biblische Theologie der Anbetung nachzuzeichnen, müssen wir verstehen, wie Jesus die Anbetung des mosaischen Bundes erfüllt und verändert.  

Die Stiftshütte und später auch der Tempel waren der Ort, an dem Gott seine Gegenwart unter seinem Volk manifestiert hat; Jesus erfüllt die Strukturen des alttestamentlichen Bundes und ersetzt sie damit auch. Johannes erzählt uns davon, dass das Wort Fleisch wurde und – wörtlich – unter uns zeltete (Joh 1,14). Jesus verhieß: „Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten“ (Joh 2,20). Anders gesagt ist Jesu Körper jetzt der Tempel, der Ort, an dem Gott seinem Volk begegnet, seine Gegenwart manifestiert und ihre Sünden vergibt (Joh 2,21-22). Das ist der Grund, warum Jesus sagen kann, dass die Stunde kommen wird, in der die wahren Anbeter nicht länger in Jerusalem anbeten, sondern im Geist und in der Wahrheit anbeten werden (Joh 4,21-24). 

Jesus erfüllt und ersetzt den irdischen Tempel in Jerusalem. Er ist nun der „Ort“, an dem wahre Anbeter Gott anbeten.3

Jesus erfüllt und ersetzt auch das komplette Opfersystem des mosaischen Bundes und seiner Stiftshütte und seines Tempels. Der Hebräerbrief erklärt uns, dass Jesus nicht wie die Priester täglich für die Sünden des Volkes Opfer bringen muss, sondern für sie „ein für alle Mal“ gesühnt hat, „als er sich selbst opferte“ (Hebr 7,27). Jesu einmaliges Opfer seiner eigenen Person reinigt nicht nur das Fleisch – wie die Opfer des Alten Bundes – sondern reinigt stattdessen das Gewissen und reinigt uns innerlich (Hebr 9,13-14). Weil Jesus sein Volk durch ein einmaliges Opfer vollendet, gibt es keinen Grund oder Anlass mehr zur Opferung von Stieren oder Ziegen (Hebr 10,1-4.10.11-18).

Jesus erfüllt und ersetzt die levitischen Opfer. Sein Blut sichert nun unsere ewige Erlösung (Hebr 9,12). 

Ich könnte diese Liste noch lange fortsetzen. Die Sache ist klar, dass Jesu rettendes Werk eine grundlegende Veränderung in der Art und Weise einleitet, wie Gott seinem Volk begegnet. Der Neue Bund, den Jesus einleitet, macht den Alten Bund – den Gott am Sinai durch Moses schloss – überholt (Hebr 8,6-7.13). Nun werden die Sünden des Volkes Gottes durch den Glauben an Jesu Opfer vergeben. Nun erlebt Gottes Volk seine gnädige Gegenwart durch den Glauben an Christus und durch den innewohnenden Geist. Nun hat das ganze Volk Gottes persönlichen Zugang zu Gott (Hebr 4,16; 10,19-22) statt nur einer kleinen Anzahl von Priestern. 

3. Gemeinsame Anbetung im Neuen Testament

Was bedeutet das für die gemeinsame Anbetung in der neutestamentlichen Zeit? Das Erste, was wir verstehen sollten, ist, dass die alttestamentlichen Begriffe für Anbetung auf das ganze Leben der Gläubigen angewendet werden. In Römer 12,1 schreibt Paulus:

„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.“

Wir opfern nicht mehr Tiere, sondern geben uns selbst Gott hin. Das ganze Leben als Christ ist ein Opfer für den Dienst an Gott. Oder denken wir an Hebräer 13,15:

„Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen! Das ist: Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“

Lob ist unser Opfer und wir bringen es ständig – nicht nur für eine Stunde am Sonntagmorgen. Die Frucht der Lippen, die Gottes Namen bekennen, beinhaltet Loblieder, doch viel mehr etwas anderes: mutiges Bekennen des Evangeliums, Worte der Wahrheit und Liebe an andere weiterzugeben und jedes Wort, das wir sprechen, unter Christi Herrschaft zu bringen.

Das bedeutet, dass „Anbetung“ nicht etwas ist, was wir hauptsächlich in der Kirche am Sonntag tun. Stattdessen sollte Anbetung unser ganzes Leben ausmachen. Für Christen ist Anbetung nicht auf heilige Zeiten und Orte beschränkt. Da wir durch den Glauben mit Christus vereint sind, also demjenigen, der Gottes Tempel ist, und Gottes Geist in uns lebt, sind wir sowohl als Einzelne als auch als Gemeinschaft der Tempel Gottes (1Kor 3,16-17; 6,19; vgl. Eph 2,22).

Was macht die gemeinsame Anbetung im Neuen Bund dann aus? Die gelesene und gepredigte Schrift (1Tim 4,14); gemeinsam gesungene Psalmen, Loblieder und geistliche Lieder (Eph 5,18-19; Kol 3,16); Gebet (1Tim 2,1-2.8); die Feier der Sakramente der Taufe und des Abendmahls (Mt 28,19; 1Kor 11,17-34); einander zu Liebe und guten Werken anzuspornen (Hebr 10,24-25).

Eine der auffälligsten Dinge der gemeinsamen Anbetung im Neuen Bund ist die konsequente Ausrichtung auf die Erbauung des gesamten Leibes. Paulus schreibt:

Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade! (Kol 3,16)

Wir lehren und ermahnen einander, während wir zum Herrn singen. Wir bauen einander auf, indem wir Gott preisen. Paulus geht sogar so weit zu sagen, dass alles in der versammelten Gemeinde mit dem Blick auf die Erbauung des Leibes Christi getan werden sollte (1Kor 14,26).

Was einzigartig an dem wöchentlichen Treffen der Gemeinde ist, ist nicht unsere persönliche Anbetung, sondern dass wir durch die gemeinsame Anbetung einander im Glauben anspornen.

Wegen des Neuen Bundes, den Christus eingeleitet hat, hat die gemeinsame Anbetung eine ganz andere Struktur als die gemeinsame Anbetung unter dem Alten Bund. Statt einige Male im Jahr, geschieht die gemeinsame Anbetung nun wöchentlich. Statt sich am Tempel in Jerusalem zu versammeln, treffen sich die Gläubigen in Ortsgemeinden an unterschiedlichen Orten, an denen sie leben. Gottes Gegenwart ist nicht länger auf das Allerheiligste beschränkt und wird nicht länger von den Priestern beschützt, sondern Gott lebt nun durch den Geist in jedem einzelnen Christen und Christus ist gegenwärtig, wo auch immer sich sein Volk versammelt (Mt 18,20). Statt eine ausführliche Liste von Opfern und Gaben zu bringen, versammeln sich Christen, um Gottes Wort zu hören, zu predigen, zu beten, zu singen und es in den Sakramenten zu sehen. All das zielt auf den Aufbau des Leibes in Liebe ab, so dass wir alle zur Glaubensreife in Christus kommen (Eph 4,11-16).

4. Die ganze Bibel für die gemeinsame Anbetung

Wie sollten wir dann in der Schrift suchen, was sie uns über die gemeinsame Anbetung lehrt?  

Erstens, denke ich, dass es wichtig ist zu bekräftigen, was die Schrift tatsächlich über den regelmäßigen Gottesdienst lehrt. Erinnere dich daran, dass, während das ganze Leben Anbetung ist, das wöchentliche Treffen der Gemeinde eine besondere Rolle im christlichen Leben spielt (Hebr 10,24-25); d.h. Gottesdienstbesuch ist nicht optional für Christen. Das bedeutet, dass im Endeffekt alles, was die Gemeinde in der Anbetung tut, von den Mitgliedern gefordert wird. Paulus ermahnt Christen, sich nicht durch von Menschen gemachten Regeln oder Traditionen ein schlechtes Gewissen machen zu lassen (Kol 2,16-23).  

Ich behaupte, dass dieses biblische Prinzip sich zusammenfassen lässt mit dem, was historisch das „Regulative Prinzip“ der Anbetung genannt wurde.Das bedeutet, dass Gemeinden in ihrer gemeinsamen Anbetung nur die Dinge tun, die von der Schrift vorgegeben sind, entweder explizit durch einen Befehl oder durch ein normatives Beispiel. Etwas anderes zu tun würde bedeuten, die christliche Freiheit zu gefährden. Gemeinden sollten also in die Schrift schauen, um festzulegen, wie sie gemeinsam anbeten sollen und sollten nur das tun, was die Schrift sagt, das wir tun sollten.  

Das wirft die Frage auf, was die Schrift genau sagt, dass wir es tun sollten? Um es präziser zu formulieren: Wie können wir entscheiden, welche Bibelstellen über Anbetung normativ bindend sind? Um diese Frage ausreichend beantworten zu können, müsste man ein Buch schreiben; ich will hier nur einige kurze Gedanken dazu skizzieren. 

Um zu entscheiden, was die Bibel zum Thema Anbetung lehrt, braucht man ein wenig Fingerspitzengefühl, da die Schrift an keiner Stelle einen ausgereiften normativen Gottesdienstablauf vorstellt. Doch es gibt einige Anweisungen im Neuen Testament, die für alle Gemeinden bindend sind. Der Gemeinde in Ephesus und Kolossä wurde aufgetragen, zu singen (Eph 5,18-19; Kol 3,16) und über die Gemeinde in Korinth wird auch gesagt, dass sie gesungen hat (1Kor 14,26). Das vermittelt den Eindruck, dass Gemeinden singen sollten. Wenn Paulus Timotheus befahl, die Schrift zu lesen und zu predigen – in einem Brief, der Timotheus helfen soll zu verstehen, wie eine Gemeinde geführt werden soll (1Tim 3,15; 4,14) – legt das nahe, dass Schriftlesungen und Auslegungspredigten Gottes Wille nicht nur für die eine Kirche waren, sondern für alle Kirchen. 

Andererseits scheinen andere Befehle wie „grüßt einander mit dem heiligen Kuss“ (Röm 16,16), universale Prinzipien („Begegnet einander in christlicher Liebe“) auszudrücken, in einer Art und Weise, die nicht für alle Kulturen gelten. 

Des Weiteren haben einige kontextgebundene Befehle eine breitere Anwendung, wie wenn Paulus die Korinther anspornt, Geld am ersten Tag der Woche zur Seite zu legen. Das war eine spezielle Kollekte an die Christen in Jerusalem, doch alle Gemeinden werden aufgefordert ihre Lehrer finanziell zu unterstützen (Gal 6,6), sodass die Kollekte sehr wohl Teil der gemeinsamen Anbetung ist.

Bisher haben wir uns nur mit dem Neuen Testament beschäftigt. Was ist aber mit dem Alten? Schließlich finden wir dort viele Anweisungen zur Anbetung:

Lobet ihn mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen! Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen! Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln! (Ps 150,3-5) 

Heißt das, um biblisch sein zu können, müssen unsere Gottesdienste Trompeten, Lauten, Harfen, Tamburine, Tanz, Saiteninstrumente, Flöten und Zimbeln beinhalten? Ich denke nicht!

Wir müssen dran denken, dass die Psalmen ein Ausdruck der Anbetung unter dem mosaischen Bund sind, was einige Schreiber des Neuen Testaments mit „Altem Bund“ (Hebr 8,6) bezeichnen. Nun nachdem der in Jeremia 31 verheißene Bund gekommen ist, ist der Alte Bund überholt. Wir stehen nicht länger unter dem mosaischen Gesetz (Röm 7,1-6; Gal 3,23-26). Deswegen sind die Formen der Anbetung aus der Zeit Moses nicht mehr bindend für uns. Im Tempel dienten Priester, von denen einige sich auf die liturgische Musik spezialisiert hatten (1Chr 9,33). Psalm 150 vermittelt also keine Schablone für die christliche Anbetung; stattdessen ruft er im Alten Bund zu einer Anbetung auf, die mit dem Tempel und dem levitischen Priestertum zu tun hat.

Das an sich löst noch nicht die Frage danach, welche Art von instrumentaler Begleitung für das gemeinsame Singen im Gottesdienst angemessen ist. Das bedeutet, dass ein einfacher Bezug auf das Vorbild des Alten Testaments nicht angebracht ist, genauso wenig wie ein Verweis aufs Alte Testament Tieropfer legitimieren würde. An dieser Stelle vernachlässigen viele christliche Traditionen eine biblische Theologie der Anbetung, indem sie nur sehr selektiv auf das alttestamentliche Vorbild verweisen, so als ob einige Elemente des levitischen Priestertums und der Tempelanbetung sich übertragen lassen auf die Zeit des Neuen Bundes. Sicherlich formt vieles aus dem Alten Testament unsere Art und Weise der Anbetung. Die Psalmen lehren uns, Gott mit Ehrfurcht und Staunen, mir Freude und Bewunderung, Dankbarkeit und Fröhlichkeit anzubeten. Doch das Alte Testament schreibt der neutestamentlichen Gemeinde weder die Elemente noch die Form der Anbetung vor.

In diesem Sinn bietet das Neue Testament eine neue Verfassung für Gottes neues Bundesvolk, so wie das Alte Testament als Verfassung für Gottes Volk unter dem Alten Bund dient. Gott hat einen Rettungsplan und ein Volk, das er rettet, doch die Art und Weise wie Gottes Volk mit ihm in Beziehung tritt, ändert sich grundlegend nach Christi Kommen und der Errichtung des Neuen Bundes. 

Das ist der Grund, warum wir alle uns zur Verfügung stehenden Werkzeuge der biblischen Theologie anwenden sollten – die Bündnisse zusammensetzen, die Beziehung zwischen Typen und Antitypen verstehen, Verheißungen und Erfüllungen beachten, Kontinuitäten und Diskontinuitäten voneinander abgrenzen – um zu einer Theologie der gemeinsamen Anbetung zu gelangen. Als Christi neues Bundesvolk, mit dem innewohnenden Heiligen Geist, beten wir im Geist und in der Wahrheit an, in Übereinstimmung mit dem, was Gott in seinem Wort angeordnet hat. 


Bobby Jamieson ist Assistenzpastor in der Capitol Hill Baptist Church in Washington, DC. Der Artikel erschien zuerst bei 9Marks. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.

 

1 Eine biblische Theologie der Anbetung, die meinen Ansatz hier maßgeblich beeinflusst hat ist David Peterson, Engaging with God: A Biblical Theology of Worship (InterVarsity Press, 1992).

Eine grundlegende Einleitung, die die Geschichte der Bibel durch die Linse des Themas der Sammlung von Gottes Volk versteht: Christopher Ash, Remaking a Broken World: A Fresh Look at the Bible Storyline (Authentic, 2010).

Um die Entwicklung des Themas „Tempel“ im gesamten Kanon besser zu verstehen, empfehle ich folgendes Buch: G. K. Beale, Der Tempel aller Zeiten: Die Wohnung Gottes und der Auftrag der Gemeinde(dt. Ausgabe Betanien, 2011).

Für eine kurze Verteidigung des regulativen Prinzips empfehle ich Jonathan Leeman, “Regulative Like Jazz,” und die ersten drei Kapitel von Give Praise to God: A Vision for Reforming Worship, Hg. Philip Graham Ryken, Derek W. H. Thomas, and J. Ligon Duncan, III (Presbyterian & Reformed, 2003).