1500 Jahre alte pastorale Weisheit von Johannes Chrysostomos

Ich lese gern die Werke von Christen, die die Heilige Schrift tiefgehend studiert, aber in unterschiedlichen Zeitperioden und Kontexten als ich gelebt haben. Das hilft mir, die zeitlosen Wahrheiten der Bibel zu erkennen. Ein Beispiel dafür ist das Buch Über das Priestertum von Johannes Chrysostomos. Chrysostomos lebte ungefähr 349–407 und ist am meisten bekannt für seinen ausgiebigen Predigtdienst und seinen Dienst als Erzbischof von Konstantinopel. Trotz der 1500 Jahre, die zwischen uns liegen, kann ich nur die nachhaltige Relevanz der Schrift Über das Priestertum für den christlichen Dienst von heute bestätigen. Wie bei anderen Autoren der frühen Kirche stimme ich nicht allen Ansichten von Chrysostomos zu. Aber trotzdem schätze ich seine Ermahnungen über das gewichtige Wesen des Pastorendienstes, die Bedeutung des Charakters und die Gefahr der Menschenfurcht. Ich sollte anmerken, dass ich die Worte Priester, Pastor, Bischof und Ältester als das gleiche neutestamentliche Amt bezeichnend verstehe (1Tim 3,1-7; Tit 1,5-9).

Die Gewichtigkeit des pastoralen Dienstes

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Weil dem Pastor die Obhut von Christi Schafen aufgetragen ist, kann „die Größe des Amts“ kaum überbetont werden (2.1). Indem er die Nachfolger Christi liebt, so Chrysostomos, sammelt sich der Pastor „eine große und unaussprechliche Belohnung“ (2.1). Aufgrund der Bedeutung des pastoralen Dienstes für Christus überrascht es nicht, dass Hebräer 13,17 Pastoren lehrt, dass sie Gott eines Tages Rechenschaft geben müssen für diejenigen, die unter ihrer Obhut stehen. Als Chrysostomos über diesen Vers reflektierte und die Bedeutung, einmal dem allmächtigen Gott Rechenschaft geben zu müssen, schrieb er: „Die Furcht vor dieser Warnung rührt beständig meine Seele auf“ (6.1).

Die Aufgabe des Priesters ist so folgenreich aufgrund der Tatsache, dass obwohl sein Werk „zwar auf der Erde ausgeführt wird, es doch zu den himmlischen Ämtern gehört“ (3.4). Die Angelegenheiten der Ewigkeit, die einem Pastor anvertraut sind, machen „die außergewöhnliche Heiligkeit des Amtes“ aus (3.4). Chrysostomos, der hier vielleicht mit ein bisschen Übertreibung redet, sagt, dass Pastoren „von Gott eine Autorität erhalten haben, die so viel größer ist, wie der Himmel kostbarer als die Erde und Seelen kostbarer als die Leiber sind“ (3.5). Als Folge dieser göttlichen Autorität, die den Ältesten gegeben wurde, „ist die Strafe ewigwährend“ für „diejenigen, die das Priesteramt nicht auszuüben wissen“ (4.2).

Die Worte des Chrysostomos über den christlichen Dienst sind heute sehr aktuell. Erstens, man sollte den Pastorendienst nie als nur einen Job ansehen. Während Christen in Berufen wie Arzt, Mechaniker und Lehrer arbeiten und dadurch Gott verherrlichen und ihm wichtig sein können, gehen diese Berufe doch mit keinen ewigen Angelegenheiten von Himmel und Hölle um. Dem Pastor geht es letztlich nicht um die Angelegenheiten dieses Lebens, sondern er ist, wie Spurgeon schrieb, „beschäftigt mit persönlich geführten Reisen zum Himmel“ (Autobiography, 2.131). Ferner umfassen diese säkularen Berufe nicht das formelle Reden als Botschafter Gottes. Das ist der Grund, warum diese Männer wissen sollten, „dass wir [geistlichen Lehrer] ein strengeres Urteil empfangen werden!“ (Jak 3,1). Es ist nicht ohne Grund, dass Chrysostomos zögerte, Priester zu werden (2.4).

Zweitens, Älteste und ihre Gemeinden sollten sorgfältig überlegen, bevor sie neue Pastoren anerkennen. Aufgrund der Gewichtigkeit des Amtes, dem Auftrag, für die Schafe Christi zu sorgen, und der Realität des Gerichts für schlechte Hirten, reicht es einfach nicht aus, ein paar Predigten eines Kandidaten anzuhören und ein paar Gespräche mit ihm zu führen, um ihn schließlich anzustellen.

Die Wichtigkeit, Männer mit dem besten Charakter zu finden

Chrysostomos schrieb, dass „wir diejenigen vorschlagen sollten, die andere so weit in ihrem christlichen Charakter überragen, wie Saulus die ganze hebräische Nation in seinem Körperwuchs“ (2.2). Qualifizierte Pastoren kommen, wie William Perkins über ein Jahrtausend später bemerkte, wie „einer unter tausend“ vor (Of the Calling of the Ministry).

Eines der wichtigsten Gebiete, auf dem ein Pastor sich auszeichnen sollte, ist sein Charakter. Chrysostomos wusste, dass die Bewertung des Charakters eines Mannes Zeit und Anstrengung erfordert. Er mahnte, dass „in solchen Angelegenheiten eine sorgfältige Prüfung gemacht werden soll, und derjenige, der einen anderen als qualifiziert für das Priesteramt vorschlägt, nicht nur mit dem öffentlichen Bericht zufrieden sein, sondern vor allem selbst den Charakter des Mannes prüfen sollte“ (2.4). Es ist erstaunlich, dass Chrysostomos, der als „Prediger mit der goldenen Zunge“ für sein rhetorisches Talent bekannt war, den Charakter eines Mannes – nicht seine Fähigkeit, eine Menschenmenge anzuziehen – als Wichtigstes erachtete. Chrysostomos glaubte, wie Augustinus bald darauf schrieb, dass „eloquente Redner Vergnügen, weise Redner Erlösung vermitteln“ (Von der christlichen Lehre). Auf diese Weise gibt Chrysostomos nur die biblische Lehre wieder, dass Pastoren einen christusähnlichen Charakter besitzen müssen (1Tim 3,1-7 Tit 1,5-9; siehe Über das Priestertum 2.4; 4.2).

Die Relevanz dieses Punktes ist heute genauso wichtig. Zum Beispiel sollten Menschen, die dafür verantwortlich sind, einen Pastor anzustellen, niemals eine Person vorschlagen, ohne ihren Charakter zu kennen. Kürzlich trafen ich und zwei weitere Älteste uns mit einem potentiellen Ältesten, um ernste Fragen über seinen Charakter zu stellen. Wir sorgten uns mehr um seine Liebe zu seiner Frau als um seine Fähigkeit, Menschen durch seine Predigten anzuziehen. Auf gleiche Weise sollten Gemeinden heute, die von Ältesten geführt werden, diese Gruppe nicht als Verwaltungsrat ansehen, sondern als Männer, deren Charakter den Charakter Chrisi widerspiegelt. Wie Chrysostomos wusste, gehören ein hohes Spendenaufkommen oder besondere rhetorische Fähigkeiten nicht zu den Qualifikationen eines Pastors.

Pastoren sollten keine Menschfurcht haben

Chrysostomos argumentierte, dass, wenn ein Prediger „vom Gedanken an Applaus übermannt wird, sowohl ihm als auch der Menge Schaden zugefügt wird, weil er in seinem Verlangen nach Lob besorgter ist, so zu reden, dass er Gefallen erregt statt geistlichen Nutzen anzuregen“ (5.2). Ebenso nutzte Chrysostomos die Analogie eines fähigen Malers, „der nicht verzagt sein und das Bild als schlecht erachten sollte, nur, weil Unwissende es verurteilen“ (5.6), um den Punkt zu machen, dass Pastoren sich durch die Kritik von manchen Menschen nicht aus der Fassung bringen lassen sollten. Selbst außerhalb des Predigtkontextes sollte ein Pastor nichts auf „Verleumdung und Neid“ geben (5.4).

Abschließend kann man sagen, dass, obwohl Johannes Chrysostomos in einer bemerkenswert anderen Zeitperiode lebte und Ansichten hatte, die ich nicht teile, Über das Priestertum hilfreiche Reflektionen enthält über die Bedeutung und die hohe Berufung des Pastorendienstes. Jeder Mann, der Pastor werden möchte, sollte sich den Nachdruck von Chrysostomos auf die Gewichtigkeit der Aufgabe, die Bedeutung des Charakters und die Gefahr der Menschenfurcht zu Herzen nehmen.


Dieser Artikel von Eric Beach erschien zuerst bei 9Marks Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.