Dankbar für das Geschenk der Erlösung (Teil 2/3)

Der Artikel ist der zweite Teil einer dreiteiligen Artikelserie, in der es um drei Gründe geht, dankbar für die Erlösung zu sein. (Erste Artikel hier lesen.) Christian Rekowski beleuchtet dazu die drei zentralen Begriffe „Gnade, Glauben und Gottes Geschenk“ aus Epheser 2,8-10a. Die Artikelserie geht auf eine Predigt zurück.

2.Glauben

Vielleicht hat jemand den Einwand: „Das stimmt nicht. Das Geschenk der Erlösung ist nicht ganz Gottes Werk – ich muss schließlich den Glauben dazu beisteuern, damit die Erlösung auch für mich gilt. Habe ich da nicht auch etwas dazu beigetragen?“ Wenn wir so reden, verstehen wir nicht ganz, was Glaube ist. Und welche Rolle er in unserer Erlösung spielt.

Um das zu verdeutlichen, möchte ich eine Geschichte nacherzählen, die ich von D.A. Carson gehört habe. Sie macht deutlich, dass es in einem gewissen Sinne nicht unser Glaube ist, der uns rettet:

Wir befinden uns am Vorabend des ersten Passahfestes. Vor mehr als 3000 Jahren im alten Ägypten. Zwei Juden unterhalten sich:

„Bist du auch ein wenig nervös, was heute Nacht passieren wird?“

»Eh, nee, eigentlich nicht: Gott hat uns durch seinen Diener Mose sagen lassen, was wir tun sollen. Du hast gar keinen Grund, dir Sorgen zu machen. Hast du nicht das Lamm geschlachtet und sein Blut an die Türpfosten angebracht? Habt ihr nicht bereits gepackt und euch abreisefertig gemacht? Wirst du nicht mit deiner Familie das ganze Passahlamm essen, wie Mose geboten hat?«

„Natürlich habe ich das gemacht. Ich bin doch nicht blöd. Aber es ist immer noch angsteinflößend, wenn du genauer darüber nachdenkst. Was hier in letzter Zeit alles geschehen ist: Diese Stechmücken. Und der Fluss wurde zu Blut. Die Dunkelheit. Schrecklich! Und nun diese Gefahr, dass alle Erstgeborenen getötet werden könnten. Du hast gut reden: Du hast ja drei Söhne. Ich habe nur einen einzigen. Meinen kleinen Samuel. Und heute Nacht zieht der Todesengel durchs Land. Klar weiß ich, was Gott gesagt hat und ich habe das Blut angebracht. Aber es macht mir trotzdem wirklich Angst. Ich werde echt froh sein, wenn diese Nacht vorbei ist.“

Und der andere antwortete: „Immer her damit! Ich vertraue auf Gottes Versprechen!“

Carson fährt fort:

„In dieser Nacht zog der Engel des Todes durch das Land. Welcher von den beiden hat in dieser Nacht seinen Sohn verloren? Die Antwort lautet natürlich: Keiner von beiden. Denn der Tod hat sie nicht verschont, auf der Grundlage der Stärke oder Klarheit ihres Glaubens. Sondern auf der Grundlage des Blutes des Lammes, das geopfert worden ist.“ (Videoausschnitt von D.A. Carson.)

Wenn wir denken, unser Glaube sei etwas, was wir zu unserer Erlösung beisteuern – dann geht unsere Dankbarkeit verloren. Dabei ist Glaube nur das Ergreifen des Geschenks – und nicht das Geschenk selbst.

Stellt euch vor, jemand würde euch eine Tüte Gummibärchen anbieten und hält sie euch hin. Und ihr nehmt sie aus seiner Hand. Hat sich etwas an dem Inhalt oder Umfang der Gummibärchen-Tüte geändert, als ihr sie in die Hand genommen habt? Natürlich nicht. Ein Geschenk ändert sich nicht durch unser Entgegennehmen. Wenn wir ein Geschenk ergreifen – dann bleibt das Geschenk, wie es war.

So ist es auch mit dem Geschenk der Erlösung: Die Erlösung ist bereits vollkommen. Unser Glaube trägt nichts zur Erlösung bei. Am Kreuz hat Jesus nicht einfach eine Errettung möglich gemacht. Ein System geschaffen, mit dem sich Menschen selber retten können. Sondern er hat tatsächlich gerettet. Es ist vollbracht. Und wir müssen nur im Glauben zupacken.

Unsere Dankbarkeit geht häufig verloren, weil wir denken, es rettet uns die Größe unseres Glaubens. Wir fangen an, Glauben als ein Werk zu sehen, das wir zu unserer Erlösung beitragen. Statt uns auf das Geschenk zu konzentrieren, fokussieren wir uns darauf, wie wir dieses Geschenk annehmen. Als würde es darum gehen, ob wir dieses Geschenk voller Zuversicht annehmen. Oder ängstlich und zweifelnd und kaum glaubend, dass es wirklich wir sind, die eine derartig tolle Sache geschenkt bekommen. Das ist das großartige daran: es ist egal, wie zuversichtlich oder ängstlich wir das Geschenk annehmen: Es gilt! Es wirkt! Im Glauben ist es unser!

Anstatt auf das zu vertrauen, was Jesus getan hat, wandert unser Blick. Wir fangen an, darauf zu schauen, wie glaubensstark wir uns fühlen. Und unser Glaube ist schwankend und schwach. Und folglich hören wir auf, dankbar zu sein. Denkt an die beiden Israeliten aus der Geschichte: Es war das Blut des Passahlammes, dass sie gerettet hat. So werden auch wir durch das Blut gerettet, das Jesus am Kreuz für unsere Schuld vergossen hat.

Das ist der zweite Grund, für das Geschenk der Erlösung dankbar zu sein.


Christian Rekowski ist Ältester in der FeG Rhein-Sieg (St.Augustin) und verdient seinen Lebensunterhalt als Consultant in Softwareprojekten. Er wohnt zusammen mit seiner Frau Karin und Tochter Juli in Hennef.