Acht Anzeichen für ein zu bequemes Christentum

Artikel von Brett McCracken
26. Oktober 2017 — 6 Min Lesedauer

In vielen Teilen der Welt ist es sehr einfach, ein bequemes Leben als Christ zu führen. Sicherlich trifft das auch auf den Ort zu, an dem ich lebe – in Orange County, Kalifornien. Doch ist das eine gute Sache?

Ich behaupte, dass der christliche Glaube an sich unbequem ist. Ein Jünger Jesu zu sein bedeutet, sich selbst zu verleugnen (Mt 16,24), sein Kreuz auf sich zu nehmen (Lk 14,27), Verfolgungen zu erleben (Joh 15,20; 2Tim 3,12), die Bequemlichkeiten des eigenen Zuhause aufzugeben (Lk 9,58), der Priorität der Familie zu entsagen (Lk 9,59–62; 14,26), bereit zu sein, allen materiellen Besitz aufzugeben (Mt 19,21; Lk 14,33) und mit Christus gekreuzigt zu sein (Gal 2,20). Und das ist erst der Anfang.

C. S. Lewis sagte einmal:

„Ich bin nicht zur Religion gekommen, um fröhlich zu werden. Ich wusste schon immer, dass ein Portwein das täte. Wenn du nach einer Religion zum Wohlfühlen suchst, empfehle ich dir ganz sicher nicht das Christentum.“

Doch in einer Konsumgesellschaft ist unser Standardmodus, Bequemlichkeit vorzuziehen, sodass wir uns oft in einem „bequemen Christentum“ wiederfinden, ohne es gleich wahrzunehmen. Was sind einige Indikatoren dafür, dass unser Christsein zu gemütlich geworden ist, mehr einer angenehmen Flasche Portwein gleicht als einem unbequemen, schärfenden Glauben, den das Neue Testament vorstellt?

Hier sind acht Zeichen dafür, dass dein Christentum zu bequem sein könnte:

1. Es gibt absolut keine Spannung zwischen deinem Christentum und der Politik deiner Partei.

„Ein Glaube, der perfekt zu einer politischen Partei passt, ist verdächtig bequem und es mangelt ihm an prophetischem Zeugnis.“
 

Wenn du deiner politischen Partei in allem zustimmst und keinerlei Spannungen mit deinem christlichen Glauben erlebst, heißt es wahrscheinlich, dass dein Glaube zu bequem ist. Egal ob du ein langwieriger Demokrat oder ein eingefleischter Republikaner bist, ein widerstandsfähiger christlicher Glaube sollte an verschiedenen Stellen eine Dissonanz mit der Politik einer Partei verursachen.

Ein Glaube, der perfekt zu einer politischen Partei passt, ist verdächtig bequem und es mangelt ihm an prophetischem Zeugnis.

2. Es gibt keine Paradoxien, Spannungen oder ungelöste Fragen.

Wenn du niemals über die verblüffenden Grundsätze der christlichen Theologie (z. B. Dreieinigkeit, Menschwerdung, das Nebeneinander von Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung, die Gegenwart des Heiligen Geistes, um nur einige zu nennen), gegrübelt oder gerungen hast, ist dein Glaube wahrscheinlich zu bequem.

Ein gesunder und unbequemer Glaube erschüttert dich, spornt dich an und haut dich um. Es ist ein Glaube, der dich unermüdlich lässt, mehr zu erfahren, nicht zufrieden zu sein mit dem, was du schon alles über Gott erfasst hast, sondern mehr erfassen zu wollen.

3. Deine Freunde und Arbeitskollegen sind überrascht, dass du ein gläubiger Christ bist.

Ein sicheres Zeichen für einen zu bequemen Glauben ist, wenn nichts in deinem Leben dich als Jünger Jesu von anderen unterscheidet, bis zu dem Grad, dass sogar diejenigen, die dich gut kennen, nicht sagen könnten, dass du Christ bist.

Ein bequemer Christ integriert sich einfach, sieht aus, spricht und handelt genauso wie seine verlorenen Nachbarn.

4. Du denkst am Montag nie über die Sonntagspredigt nach oder kannst dich nicht an sie erinnern.

Wenn die Sonntagspredigten in deiner Gemeinde so leicht zu vergessen sind (oder du so abgelenkt bist), dass du sie kaum noch abrufen kannst, nachdem du den Gottesdienst verlassen hast, ist dein Christentum wahrscheinlich zu bequem.

Biblische Predigten sollten uns nicht gleichgültig zurücklassen. Das Wort Gottes ist „lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens“ (Hebr 4,12).

5. Niemand in deiner Gemeinde regt dich jemals auf.

Wenn du mit Leuten in eine Gemeinde gehst, mit denen es dir immer leichtfällt, zu reden, es immer eine Freude ist, Zeit zu verbringen und deren Meinungen, Geschmack und Vorlieben deinen eigenen immer sehr nahe stehen, ist dein Christentum zu bequem.

Eines der herrlichen Dinge des Evangeliums ist, dass es eine neue Gemeinschaft erschafft aus unterschiedlichen Menschen, die sich sonst oft nicht zusammenfinden würden.

6. Du fühlst dich niemals herausgefordert, sondern nur bestätigt.

„Ein gesunder Glaube preist dich nicht nur wie du bist, sondern formt und verfeinert dich unablässig in das Bild Christi.“
 

Wenn dein Christentum dich niemals mit deinen Götzen konfrontiert und deine sündigen Gewohnheiten in Frage stellt – sondern dich nur bestätigt, wie du bist ­– ist das ein deutliches Zeichen für einen zu bequemen Glauben.

Ein gesunder Glaube preist dich nicht nur wie du bist, sondern formt und verfeinert dich unablässig in das Bild Christi; was ein schöner, zugleich aber auch ein notwendigerweise unbequemer Prozess ist.

7. Du musstest noch nie ein „Wahrheit-in-Liebe”-Gespräch mit einem Mitchristen führen.

Es ist immer bequemer, einfach nur „zu leben und leben zu lassen“, wenn es ein Vergehen oder eine Sünde gibt, die angesprochen werden muss. Es ist bequemer, einfach nur mit den Achseln zu zucken, wenn wir beobachten wie andere in unserer Gemeinschaft ungesunde Entscheidungen treffen.

Doch das ist keine echte christliche Liebe.

Liebe steht nicht diametral zur Wahrheit, und wenn dein Glaube nicht miteinschließt, auch harte Wahrheiten in Liebe anzusprechen, dann ist er zu bequem.

8. Niemand in deiner Gemeinde könnte einen Bereich nennen, in dem er Wachstum in deinem Leben gesehen hat.

An das Evangelium Jesu Christi zu glauben bedeutet, an Veränderung zu glauben. Auch wenn das Leben eines Christen nicht immer linear verläuft, sollte es wachsen, nach vorne gehen und sich zum Besseren verändern.

Wenn du ein Christ bist, der nur sehr wenig gewachsen ist, sodass niemand in deiner Gemeinde irgendeinen Bereich nennen könnte, in dem du gewachsen bist, ist dein Glaube zu bequem.

„Auf der anderen Seite der Unbequemlichkeit erwartet uns die Freude in Christus.“
 

Warum ist es so entscheidend, dass wir nicht in ein bequemes Christentum verfallen? Weil ein bequemes Christentum weit entfernt ist von dem teuren, unbequemen, götzen-zerstörenden, vom Kreuz gezeichneten Weg der Jünger Jesu. Ein bequemes Christentum hat einer bequemen Konsumwelt wenig Prophetisches zu sagen. Ein bequemes Christentum hat wenig Dringlichkeit in der Mission und wenig Wachstumspotential.

Ein unbequemes Christentum hingegen führt zum Leben und zur Veränderung. Es führt dazu, uns auf Gott zu verlassen und nicht auf uns selbst, zu dienen statt bedient zu werden, ein Leben zu führen, das von Opfern gekennzeichnet ist. Es führt dazu, schwierige Dinge zu tun, schwierige Wahrheiten anzunehmen, unser Leben mit schwierigen Menschen zu teilen für denjenigen und zu der Ehre dessen, der das Schwierigste getan hat. Es mag unbequem werden, doch es wird sich lohnen. Auf der anderen Seite der Unbequemlichkeit erwartet uns die Freude in Christus.

Brett McCracken ist leitender Redakteur bei The Gospel Coalition und Autor von Uncomfortable: The Akward and Essential Challenge of Christian Community, Gray Matters: Navigating the Space Between Legalism and Liberty, und Hipster Christianity: When Church and Cool Collide. Brett und seine Frau Kira leben in Santa Ana, Kalifornien (USA). Sie gehören zur Southlands Church, in der Brett als Ältester dient.