Liebe Eltern, keine Panik
Es ist der Albtraum aller christlichen Eltern: Der Sechstklässler kommt nach Hause und erzählt, dass Mathe heute ausfiel und stattdessen in der Klasse gefeiert wurde. „Warum?“, fragt die Mutter. „Ach, der Robert hat sich als schwul geoutet. Herr Mattes findet das total mutig. Wir sollen uns alle überlegen, ob wir nicht auch schwul sein könnten. Mourice meint, dass er vielleicht auch schwul ist. Er will auch gefeiert werden.“ Ein echter Fall, der sich in verschiedenen Varianten immer häufiger wiederholt. In den Medien der westlichen Welt erfahren wir immer öfter, wie Pädagogen, Eltern und Schüler dafür diskriminiert werden, dass sie traditionelle christliche Werte in ihren Klassenzimmern vertreten.
Eltern sehen sich vor unmögliche Alternativen gestellt, ohne auf bewährte Erfahrungswerte zurückgreifen zu können. Sie sind mit einem noch nie dagewesenen Spannungsfeld konfrontiert – sind auf fremdem Terrain mit Fragen, die es vor zwanzig Jahren gar nicht gab. Manche stecken den Kopf in den Sand, nach dem Motto: „Sowas kommt bei uns nicht vor“, oder: „Was nicht sein darf, ist nicht“. Andere schlagen den einfachen Weg ein: Sie überlassen das Kind sich selbst und dem Zeitgeist, akzeptieren und bejahen jede Entwicklung in seinem Leben und passen ihre eigene Theologie entsprechend an.
Je mehr ich von diesen Dilemmas christlicher Eltern hörte, desto mehr habe ich auf ein Buch wie das von Rachel Gilson – Liebe Eltern, keine Panik – gewartet. Die Genderideologie greift mit erschreckender Geschwindigkeit um sich. Sie überrollt die jungen Seelen von Kindern, die unmöglich die Reife und Standfestigkeit besitzen, um sich davon abzugrenzen, ohne gemobbt oder gar bestraft zu werden. Auch als Eltern die Stimme zu erheben, kostet seinen Preis.
Eine ermutigende und praxisnahe Werkzeugkiste
Durch den Verbum-Verlag wurden nun die Gedanken und Recherchen von Rachel Gilson für eine deutschsprachige Leserschaft zugänglich gemacht. Sie sind eine zeitgerechte Hilfestellung für christliche Eltern und Kindermitarbeiter in Gemeinden, um dieses Minenfeld zuversichtlich zu navigieren. Die Autorin kennt keine Tabus, wenn es darum geht, Eltern zu ermutigen, ihre Kinder rechtzeitig über Sexualität aufzuklären – bevor andere es machen.
Da die Autorin selbst mit gleichgeschlechtlichen Neigungen zu kämpfen hatte, weiß sie, wovon sie redet. Sie kennt die Zwänge des Zeitgeistes aus eigener Erfahrung, aber auch die befreiende Kraft des Evangeliums. Ihre Worte vermitteln Hoffnung und Klarheit. Eltern, Großeltern und alle, die sonst noch mit Kindern zu tun haben, erhalten Hilfestellung, um vor dem Thema Sex nicht zurückzuschrecken und es nicht aus Angst oder Unsicherheit einfach der Gemeinde oder gar der Schule zu überlassen. Dort, wo der Feind keine Tabus kennt, muss der Christ ihm zuvorkommen und die Waffen kennen, die Gott uns gegeben hat.
Dieses Buch legt uns die nötigen Werkzeuge direkt in die Hände. Noch nie hatte ich eine dermaßen praktische Anleitung in der Hand, die mir hilft, tabufrei über Sex zu reden! Zugleich geht die Autorin sensibel vor.
Wunderbar gemacht
Im ersten Kapitel wird als Grundlage eine positive Sicht auf den Körper aufgebaut. Gott hat uns herrlich geschaffen, als Junge oder als Mädchen. Dein Körper sagt dir, wer du bist – und das, was er dir erzählt, darfst du bejahen, entdecken, als Abenteuer erleben. Das Buch lässt die herkömmlichen Beklemmungen zum Thema Körper hinter sich zurück und ebenso das Empfinden, man dürfe über Sex nur im Flüsterton reden oder lieber gar nicht. Bevor Gott zu irgendetwas „Nein“ sagt, hat er ein freudiges, lautstarkes „Ja!“ gesagt. Wir sind von ihm geliebt, wunderbar gemacht und gehören zu seiner Familie.
Besonders hilfreich ist das Bemühen der Autorin, auch die Singles zu adeln. Wir sind nicht erst mit einem Partner wertvoll und „angekommen“, sondern haben dies alles bereits in Christus – mit oder ohne Partnerschaft, völlig unabhängig von unserem Geschlecht und unserer Sexualität. Dabei spielt die feste Einbindung in eine gesunde Gemeinde eine große Rolle. Dort können Kinder von klein auf „sehen und schmecken“, wie gut der Herr ist, und in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten Halt und Festigkeit finden. Sie dürfen dort auch einen Vorgeschmack davon bekommen, wie herrlich Gottes Plan für die Ehe zwischen Mann und Frau ist.
Es bleibt aber nicht bei der Theorie. Rachel Gilson bietet praktische Hinweise, wie wir unseren Kindern diese positive Vision vermitteln können:
„Wenn unsere Kinder wieder und wieder hören, auf welche Weise diese Dinge positiv auf das Evangelium hinweisen, werden sie das Warum von Gottes Sexualethik problemlos verstehen. Das wird ihnen das Verständnis für die verschiedenen ‚Neins‘, die Gott sagt, erleichtern.“ (S. 34)
Über Sex reden
Zu diesem Verständnis gehören natürlich auch offene Gespräche über Sex, und das ist das Thema des zweiten Kapitels. Die Autorin ermutigt Eltern und Erzieher, früh damit zu beginnen. Eine frühe Aufklärung schützt vor Missbrauch und etabliert uns Eltern als vertrauenswürdige Ansprechpartner, bevor die Welt den Kindern ihre abweichenden Philosophien zuflüstert. Das Buch enthält praktische Anleitungen, um das Thema mit Kindern auf kindgerechte Weise zu besprechen – Formulierungen, die man übernehmen kann, Tipps, um eigene Hemmungen abzuschütteln, und die Empfehlung, Geschlechtsteile beim Namen zu nennen (wobei die Autorin darauf hinweist, dass Kinder damit weniger Probleme als Erwachsene haben!) – und hilft so, zu einer ruhigen, zuversichtlichen Selbstsicherheit zu finden.
Wie die anderen Kapitel, so schließt auch dieses mit einer Zusammenfassung des Inhalts und praktischen Anwendungsschritten, die helfen, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Die Struktur des Buches ist insgesamt übersichtlich, man kann ihr leicht folgen.
Vom Sündenfall überschattet
So baut das dritte Kapitel ganz natürlich auf die positive Grundlage auf, die im ersten Teil gelegt wurde: Wenn Gottes Plan für unseren Körper, unsere Beziehungen, unser Geschlecht und unsere Sexualität so gut ist, warum ist dann so viel schiefgelaufen?
Es geht nun um Sünde und Gebrochenheit, um die Auswirkungen des Sündenfalls überhaupt, ohne das spezifisch auf die Sexualität zuzuspitzen. Kinder sollen lernen, Gender und sexuelle Abweichungen innerhalb des richtigen Kontexts zu verstehen, als einige Symptome unter vielen in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Fazit: „Als Christen überrascht es uns nicht, dass Menschen ihre Körper nicht so erleben, wie es vorgesehen ist, denn wir wissen von dem Sündenfall!“ (S. 63).
Und besonders wichtig: „Wir können anerkennen, dass Betroffene diese Geschlechtsdysphorie tatsächlich erleben, ohne dass wir damit Transidentitäten befürworten“ (S. 63). „Wir haben gesehen, dass der Sündenfall negative Auswirkungen auf die gesamte Schöpfung und den Körper aller Menschen hat. Das führt dazu, dass nicht immer alles nach dem ursprünglichen Plan funktioniert“ (S. 66–67).
Weil der Mensch sich für die Sünde entschieden hat, ist auch der menschliche Körper vom Sündenfall betroffen. In diesem Zusammenhang lassen sich menschliche Einschränkungen, Krankheit und Behinderungen erklären und überhaupt das Böse in dieser Welt – Symptome einer gebrochenen Schöpfung, die eines Tages wiederhergestellt wird.
Diese gebrochene Schöpfung zeigt sich auch in unserem eigenen Verhalten – in Zorn und Selbstsucht, Neid und Unzufriedenheit. Auch hier wird das Buch praktisch: Wir können Kindern durch unser Vorbild eine Sprache für die Wahrnehmung eigener Sünde vermitteln, können ihnen helfen zu erkennen, wenn sie sich an ihren Mitmenschen und vor allem an Gott schuldig gemacht haben, und ihnen Buße und Umkehr vorleben.
Weisheit für konkrete Fragen
Nachdem die Grundlage des Evangeliums gelegt ist – Sündenerkenntnis und Rettung durch Buße und eine lebendige Beziehung zu Jesus – kehrt die Autorin zum Thema Sexualität zurück. Im vierten Kapitel geht es um „Tools für Gespräche rund um LGBTQ“. Hier finden wir Hilfestellungen, wie wir unseren Kindern ein weises und differenziertes Vorgehen in Fragen von Transgender und Homosexualität beibringen können. Ein Beispiel unter vielen: Was tun, „wenn dein Kind dich fragt: ‚Können zwei Papas heiraten?‘“?
„In einem solchen Fall könnte deine Antwort in die Richtung gehen: ‚Jesus sagt zu seinem Volk, dass die Ehe nur etwas für einen Mann und eine Frau ist. Das bedeutet, dass seine Nachfolger nicht versuchen sollten, aus der Ehe etwas anderes zu machen.‘ Wenn dein Kind zu etwas mehr bereit oder etwas älter ist, könntest du mit ihm besprechen, dass nicht alle Gesetze deines Landes den Gesetzen Gottes entsprechen.“ (S. 86–87)
Auch in diesem Kapitel werden kindgerechte und lebensnahe Formulierungen und Gesprächsfäden vorgeschlagen, die zur Vorbereitung auf die Fragen dienen, die unsere Kinder stellen werden.
Wenn uns die Realität einholt
Das Buch schließt mit einer Erinnerung daran, dass wir als konsequent lebende Christen mit Verfolgung und Widerstand rechnen müssen – nicht nur in diesem Bereich. Auch das sollten wir mit unseren Kindern rechtzeitig besprechen und sie durch unser Vorbild prägen. Dies sollte aber nicht in einer furchtsamen Panikstimmung geschehen, sondern mit zuversichtlicher Freude. Die Bibel macht deutlich, dass die Nachfolge Gottes zwar einerseits mit realen Kosten, aber andererseits auch mit realen Belohnungen verbunden ist. Vor allem über diese Belohnungen soll oft und fröhlich gesprochen werden!
Nicht nur als Anhängsel zu verstehen ist das sehr wichtige letzte Kapitel „In der Familie“. Es enthält wertvolle Ermutigungen für betroffene Eltern, deren ältere Kinder dem Glauben den Rücken gekehrt haben, sich als schwul „geoutet“ haben oder in völlige Verwirrung geraten sind, weil sie nicht in einem festen Glauben verankert sind.
Empfehlenswert!
Ich empfehle das Buch von ganzem Herzen. Es besteht kein Zweifel: Der Zeitgeist greift nach unseren Kindern und Jugendlichen wie nie zuvor. Dieses Buch macht seinem Titel alle Ehre, in welchem Erziehungsauftrag wir uns auch immer befinden: Liebe Eltern, keine Panik!
Buch
Rachel Gilson, Liebe Eltern, keine Panik: Kinder in einer LGBTQ-geprägten Welt im Glauben erziehen, Bad Oeynhausen: Verbum Medien 2026, 152 Seiten, 13,90 €. Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.