Weder Hirtin der Frauen noch Bienenkönigin
Über die Erwartungen an den Dienst von Pastorenfrauen in der Gemeinde
Die Herde Gottes zu hüten ist eine der aufregendsten, bereicherndsten und lohnenswertesten Aufgaben, die ein Mensch in diesem Leben übernehmen kann. Der pastorale Dienst ist jedoch kein leichtes Unterfangen. Dieses Amt setzt einen Menschen einer Vielzahl schwieriger Prüfungen, quälender Fragen, tiefer Enttäuschungen und herzzerreißender Schmerzen aus – hinzu kommt eine gewaltige Fülle von Verantwortlichkeiten, die für den Dienst unerlässlich sind. Bei alldem tragen wir die Last, eines Tages Rechenschaft vor Gott für die Aufsicht über seine Herde ablegen zu müssen, für die der gute Hirte sein Leben hingegeben hat.
Wir sind einer solchen Berufung nicht gewachsen. Zum Glück aber ist Gott reich an Barmherzigkeit. Zum Glück hat Jesus uns den Tröster gesandt, der uns in unserer Schwachheit beisteht. Und zum Glück stellt Gott den meisten Pastoren auch eine Hilfe aus Fleisch und Blut zur Seite – eine Frau, die unseren Weg mitgeht und die Lasten des Dienstes mit uns trägt.
Die Frau eines Pastors ist eine seltene Erscheinung mit einer besonderen Berufung. Sie ist „ein Fleisch“ mit dem Pastor. Lebt er seines Amtes würdig, bedeutet das: Sie ist ein Fleisch mit einem Mann, der einen schweren Dienst tut. Lebt sie ihrer Berufung würdig, dann hat sie das „normale“ Leben für Gott aufgegeben. Eine treue Pastorenfrau sucht kein Mitleid. Aber ihr steht die seelsorgerliche Fürsorge ihres Mannes zu, wenn sie versucht, den Erwartungen zu genügen und gleichzeitig herauszufinden, wie und in welchem Umfang sie der Gemeinde dienen kann, die er leitet.
Wie kann ein Pastor seiner Frau also helfen, Erwartungen an ihren Dienst zu stellen, die sie ermutigen und nicht erdrücken?
1. Sei dir bewusst, welche Aufgabe deine Frau hat
Die Heilige Schrift legt spezifische Qualifikationen für Pastoren fest und beschreibt deren Aufgaben. Für die Frau eines Pastors gibt es solche Beschreibungen nicht. Gottes Wille für die Frau eines Pastors ist also identisch mit seinem Willen für jede andere Frau in der Gemeinde. Wie die anderen Frauen ist auch sie dazu berufen, ein Leben in Gottesfurcht zu führen (vgl. 1Tim 2,9–10; 5,9–10), eine treue Mutter zu sein (vgl. Tit 2,3–5; Spr 31,28) und ihren Mann als Gehilfin zu unterstützen (vgl. 1Mose 2,18–19; Spr 31,28; 1Tim 3,4–5). Wie die anderen Frauen ist auch sie dazu berufen, sich mit den einzigartigen Gaben, die Christus ihr in seiner Souveränität gegeben hat, zur Erbauung des Leibes Christi einzusetzen, dem sie als eines der Glieder dient (vgl. 1Kor 12,4–7.18–20; Eph 4,1–7).
Die Schrift fordert deine Frau nicht auf, die „Hirtin der Frauen“ zu sein. Sie ist aber auch nicht die „Bienenkönigin“, die nichts mit den einfachen Arbeiterbienen zu tun hat und sich bedienen lässt, anstatt selbst zu dienen. Du musst zuallererst biblische Erwartungen an den Dienst deiner Frau stellen. Der nächste Schritt besteht nun darin, deine Frau wirklich zu kennen.
2. Hilf deiner Frau, entsprechend ihren Begabungen zu dienen
Überlege, ob die einzigartigen Gaben, die der Heilige Geist deiner Frau geschenkt hat, zu den Aufgaben passen, die sie derzeit in der Gemeinde übernimmt. Ist sie mit Aufgaben überlastet, die nicht ihren Begabungen entsprechen? Dann liegt das wahrscheinlich an unbiblischen Erwartungen, die sie daran hindern, der Gemeinde so zu dienen, wie Christus es für sie vorgesehen hat.
Beispielsweise kann es sein, dass deine Frau nur ungern die Leitung der Frauenarbeit oder einen Lehrdienst unter Frauen übernimmt, sich aber trotzdem dazu verpflichtet fühlt. Als ihr Pastor bist du dafür verantwortlich, sie von allen Erwartungen zu entlasten, die bei ihr das Gefühl auslösen, bestimmte Aufgaben übernehmen zu müssen. Wenn deine Frau eher für Aufgaben im Hintergrund begabt ist, ermögliche ihr, solche Aufgaben zu übernehmen. Lass nicht zu, dass sie unter der Last einer bestimmten Aufgabe leidet, nur weil jemand anderes von ihr erwartet, dass sie diese übernimmt. Wenn deine Frau nicht als Lehrerin oder Leiterin begabt ist, ist es falsch, solche Aufgaben von ihr zu erwarten, nur weil sie mit dir verheiratet ist.
Wenn du überlegst, wie deine Frau ihre geistlichen Gaben am besten in der Gemeinde einsetzen kann, vergiss nicht: Sie ist weder die Frau deines Vorgängers noch die Frau des Pastors einer anderen Gemeinde, die du vielleicht kennst. Durch Gottes Gnade und Berufung ist sie die Person, die sie ist. Ermögliche ihr, Aufgaben und Dienste zu übernehmen, die zu den Gaben passen, mit denen der Heilige Geist sie ausgestattet hat. Er hat sie nicht zufällig oder ohne Grund in deine Gemeinde gestellt. Der Heilige Geist hat einen Auftrag für deine Frau. Er möchte, dass sie ihn entdeckt und zu seiner Ehre und zur Erbauung der Gemeinde ausübt (vgl. Eph 4,15–16).
Wenn du dich bemühst, den Dienst deiner Frau an ihren geistlichen Gaben auszurichten, stößt du möglicherweise auf Widerstand. Deine Bemühungen könnten mit den Erwartungen kollidieren, die manche Gemeindemitglieder an sie haben. Wie kannst du ihr helfen, diese Hürden zu überwinden?
3. Lass nicht zu, dass Gemeindemitglieder unangemessene Erwartungen an den Dienst deiner Frau stellen
Es gibt biblisch begründete Erwartungen, die jedes Gemeindemitglied zu Recht an andere Gemeindemitglieder richten darf. Manche neigen jedoch dazu, unangemessene Erwartungen an die Frauen von Pastoren zu stellen. Es ist deine Aufgabe, deine Frau vor diesem Druck zu schützen.
Diese Warnung gilt vielleicht besonders für jüngere Pastoren, die die Leitung kleinerer Gemeinden mit festgefügten Strukturen übernehmen. In solchen Fällen kann es gut sein, dass die Frau des neuen Pastors schon an der Tür mit einer unausgesprochenen Liste von Erwartungen empfangen wird. Natürlich solltest du auf weise Gemeindemitglieder hören, wenn du die Wünsche und Gewohnheiten der Gemeinde kennenlernen möchtest. Du musst deine Frau jedoch vor Erwartungen an ihren Dienst schützen, die sie unter Druck setzen, es anderen recht zu machen, statt ihr zu ermöglichen, einen Dienst gern zu übernehmen. Es kann allerdings auch sein, dass sie sich selbst unter solchen Druck setzt und deshalb Korrektur braucht.
4. Lass deine Frau nicht allein festlegen, was von ihr im Dienst erwartet wird
Ein Pastor kann sich zurückziehen und es seiner Frau überlassen, festzulegen, was von ihr im Dienst erwartet wird – schließlich ist er selbst ja so beschäftigt. Doch der Heilige Geist ruft dich dazu auf, deine Frau zu kennen und zu lieben. Konkret bedeutet das, sie zu einem Dienst zu ermutigen, der ihren Gaben entspricht und sie darin unterstützt, dich in deiner Rolle als Ehemann und Pastor zu begleiten.
Dazu gehört auch, ihr dabei zu helfen, sich nicht zu überlasten oder zu überfordern. Ja, von Zeit zu Zeit wird sie auch Aufgaben übernehmen, die ihr keine Freude machen. Aber lass sie nicht allein, wenn sie zu Aufgaben gedrängt wird, die sonst liegenbleiben würden, weil niemand sie übernehmen will. Es liegt in deiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Dienste, die sie übernimmt, sie nicht völlig auslaugen. Sie zu lieben und für sie zu sorgen, kann sogar bedeuten, sie von bestimmten Aufgaben ganz zu entlasten und auszuhalten, dass Gemeindemitglieder enttäuscht sind, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt werden.
Viele Frauen von Pastoren haben einen sanftmütigen Geist und ein dienendes Herz und halten entschlossen enormem Druck stand. Es ist jedoch etwas ganz anderes, wenn andere sie unter Druck setzen, Aufgaben zu übernehmen, auf die sie nicht vorbereitet sind, und Erwartungen zu erfüllen, denen sie unmöglich gerecht werden können. Wenn deine Frau unter solchen Erwartungen leidet, führt das zu großer Frustration und Erschöpfung. Dadurch wird sie in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter geschwächt und entwickelt zunehmend das Gefühl, unzulänglich zu sein und zu versagen. Das schränkt schließlich auch ihren Mann in seiner Rolle als Pastor ein und schadet der ganzen Gemeinde, der sie doch dienen möchte. Als ihr Mann und ihr Pastor musst du sie davor bewahren, in eine solche Abwärtsspirale zu geraten.
5. Richtet euren Blick als Ehepaar gemeinsam auf die Ewigkeit
Was ist also die Aufgabe deiner Frau? Sie ist die Frau eines Pastors – und nicht mehr als das. Sie ist die Frau eines Pastors – aber auch nicht weniger als das. Mit der Zeit lernt sie, dieser hohen und edlen Berufung zu folgen, ihren Mann in seinem Dienst zu unterstützen und ihr Leben ihrem Herrn zu weihen. Dafür wird sie von der Welt keinen Beifall bekommen. Vielleicht wird sie von Gläubigen Anerkennung erfahren, aber auch deren Erwartungen wird sie mit der Zeit enttäuschen. Doch wenn sie Gottes Willen tut und ihre Gaben treu zum Wachstum der Gemeinde einsetzt, für die Jesus gestorben ist, wird sie Gottes Wohlgefallen erleben.
Inmitten all ihrer Bemühungen müsst ihr beide den Blick nach vorne richten. Denkt daran: Wenn sie in der Ewigkeit vor ihrem Herrn steht, wird dort kein rechthaberisches Gemeindemitglied mit einer Checkliste voller Erwartungen stehen, um sie zu beurteilen und zu sagen: „Gut gemacht, du guter und treuer Knecht.“ Diese unschätzbaren Worte wird ihr Herr selbst sprechen. Sein Urteil ist an jenem Tag das Einzige, was zählt. Und es ist auch heute das Einzige, was zählt. Er möchte, dass sie sich freudig und ganz in seinen Dienst stellt, statt freudlos und völlig ausgelaugt zu sein. Begleite sie in Liebe auf diesem Weg! Richte deinen Blick auf den Tag, an dem die Freuden und Mühen des Lebens der vollkommenen Freude weichen.