Fasziniert
„Gott ist geheimnisvoll“[1] – aber nicht verschlossen. Wer sich mit der oft rätselhaften Dreieinigkeit auseinandersetzen möchte, sich jedoch etwas überfordert fühlt, für den hat Michael Reeves sein Buch The Good God: Enjoying Father, Son and Spirit geschrieben. Die deutsche Übersetzung mit dem Titel Fasziniert: Staunen über den dreieinigen Gott erschien bei Verbum Medien. Auf rund 180 Seiten nähert sich der Autor dem Geheimnis des dreieinen Gottes, um die Freude an Gottes Schönheit neu zu wecken.
Drei Personen, aber ein Gott, der sich uns schenkt
Zu Beginn unterstreicht Reeves die Bedeutung der Trinitätslehre als eines der Fundamente des christlichen Glaubens. Anschließend führt er in zentrale Aspekte ein, die er im weiteren Verlauf vertieft.
Zunächst ist Gott nicht nur Schöpfer, sondern ewig liebender Vater. Das kann er aber nur sein, wenn er auch ein Gegenüber zum Lieben hat: seinen Sohn Jesus. Wer über Gott nachdenken möchte, muss deshalb bei der Tatsache beginnen, dass sich der Vater in Jesus Christus offenbart hat. Vater und Sohn existieren seit Ewigkeit in einer von Liebe geprägten Beziehung, in welcher der Vater das Haupt ist. Der Geist hingegen entfacht „das Wohlgefallen des Vaters am Sohn und das des Sohnes am Vater. Er entzündet so ihre Liebe und bindet sie zusammen“[2]. Alle drei sind eigene Persönlichkeiten. Reeves zeigt dabei auf, warum viele gängige Vergleiche zur Dreieinigkeit (wie etwa die drei Aggregatzustände von Wasser) hinken, und stellt ihnen ein eigenes Bild gegenüber.
Während Kapitel 2 tiefer auf die Rolle des Vaters eingeht, widmen sich die Kapitel 3 und 4 dem Sohn und dem Heiligen Geist. Das fünfte Kapitel betont schließlich die Einzigartigkeit des dreieinen Gottes. Dabei bleibt keines dieser Kapitel abstrakt oder lebensfern. Reeves zeigt stets die Relevanz dieser Wahrheiten für den Menschen auf und macht sie ihm schmackhaft. Das wiederkehrende Leitmotiv lautet: Der dreieinige Gott ist gut und möchte sich uns schenken, damit wir Freude an ihm haben können.
So heißt es: „Gott kann nicht anders, als sich zu verströmen und uns Anteil an seiner Fülle zu geben“[3]. Und ein paar Seiten weiter: „Er ist die Quelle von allem, was gut ist, und nicht ein Gott, der den Menschen die Freude am Schönen im Leben nimmt. Das Gute, das Schöne sowie das tiefste Glück finden wir in ihm – nicht außerhalb von ihm“[4].
Diese Selbsthingabe und Güte Gottes wird in der Dreieinigkeit noch stärker ausgedrückt:
„Der Vater schenkt all seine Herrlichkeit, all seine Liebe, all seinen Segen und sogar sich selbst ausschließlich und nur seinem Sohn – und dann sendet er seinen Sohn zu uns, damit wir an seiner Fülle teilhaben können. Je trinitarischer die Erlösung, desto schöner ist sie. Wir werden nicht im Sohn vor den Vater gestellt, sondern empfangen den Geist, mit dem wir gesalbt sind.“[5]
Das soll jedoch nicht bloß ein „Nice-to-have“ sein, sondern vielmehr die lebensverändernde Essenz für unseren Alltag. Nicht zu abstrakt zu bleiben, ist wohl die größte Hürde, wenn man die Dreieinigkeit auf einfache Weise erklären möchte. Reeves lässt das Evangelium in seinen leuchtendsten Farben erstrahlen, indem er die Rollen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes bei der Erlösung des von Gott abgewandten Menschen betont. Das Buch kann damit zur Vertiefung des eigenen Glaubens beitragen.
Apologetisch, aber polemisch
Wie bereits erwähnt, liegt Reeves viel daran, die Sonderstellung des christlichen, dreieinigen Gottes zu betonen. Er tut dies, indem er wiederholt andere religiöse Vorstellungen von Gott, Göttern und Gottheiten heranzieht: Der Islam, der Buddhismus, der Gnostizismus sowie verschiedene Mythologien werden sehr knapp als gegensätzliche Vorstellungen aufgeführt. Das mag an einigen Stellen den eigenen Glauben an den dreieinigen Gott stärken, bietet jedoch kaum hilfreichen Nährboden für das Verständnis anderer Religionen oder den interreligiösen Dialog. Der Hauptgrund dafür liegt in der bisweilen polemischen Ausdrucksweise des Autors, die das gesamte Buch prägt.
Damit kommen wir zum größten Kritikpunkt. Grundsätzlich versucht Reeves, sehr einfach und vor allem humorvoll zu schreiben. Das soll vermutlich die Berührungsängste des Lesers im Umgang mit dem vielschichtigen Thema der Dreieinigkeit abbauen. Tatsächlich ist das Buch dank vieler umgangssprachlicher Wendungen und lockerer Phrasen sehr zugänglich geschrieben und entlockt einem gelegentlich ein Schmunzeln. Die Kehrseite ist, dass dieser humorvolle Ton oft irritiert – besonders wenn es um andere Gottesbilder geht. Das zeigt sich an Überschriften wie „Alleinstehender Gott (Nichtraucher) sucht attraktive Schöpfung mit Sinn für Humor“[6] oder der Beschreibung Allahs als einsamer „Single-Gott“[7]. Auch Bezeichnungen wie der „populäre, sexbesessene, Bier saufende Kriegsgott“[8] der nordischen Mythologie können sauer aufstoßen. Es mag am britischen Humor liegen, den ich persönlich sehr schätze, doch an vielen Stellen wirkt die Wortwahl für ein so gewichtiges Thema banalisierend und nicht immer angemessen.
Kirchengeschichte, aber interessant
Reeves zitiert in seinem Buch nicht nur zahlreiche Bibelverse, sondern fügt immer wieder kurze kirchengeschichtliche Exkurse ein, die Wesentliches zur Debatte um die Dreieinigkeit beigetragen haben. Unser Glaube an die Dreieinigkeit hat ein Fundament, das sich auch durch Christen wie Athanasius (4. Jh. n. Chr.) oder Augustinus (4.–5. Jh. n. Chr.) bestätigt. Gleichzeitig zeigen historische Gegenbeispiele wie die Gnostiker (2.–3. Jh.) oder Friedrich Schleiermacher (18.–19. Jh.), dass Einwände gegen die Trinität keineswegs neu sind. Das unterstreicht das apologetische Anliegen des Buches.
Die Exkurse sind prägnant und leicht verständlich. Sie untermauern die Argumentation und bieten einen echten Mehrwert. Gerade weil das Interesse an Kirchengeschichte in evangelikalen Kreisen wächst, liefert das Buch hier wertvolles Orientierungswissen. Ferner unterstreicht dieser breite historische Horizont die Fachkompetenz des Autors und schafft Vertrauen. Dass Reeves tief in der reformierten Tradition verwurzelt ist, wird auch an diesen Abschnitten deutlich.
Fazit
Wer eine gut lesbare und lehrmäßig fundierte Einführung in das Geheimnis der Dreieinigkeit sucht, wird in diesem Buch fündig. Es vermittelt Freude an Gott selbst und schärft den eigenen Glauben. Lediglich der mitunter polemische Stil bleibt gewöhnungsbedürftig.
Buch
Michael Reeves, Fasziniert: Staunen über den dreieinigen Gott, Bad Oeynhausen: Verbum Medien 2026, 180 Seiten, 14,90 €. Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.
1 Michael Reeves, Fasziniert: Staunen über den dreieinigen Gott, Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2026, S. 13.
2 Michael Reeves, Fasziniert, S. 37.
3 Michael Reeves, Fasziniert, S. 62.
4 Michael Reeves, Fasziniert, S. 74.
5 Michael Reeves, Fasziniert, S. 93.
6 Michael Reeves, Fasziniert, S. 52.
7 Vgl. Michael Reeves, Fasziniert, S. 68 f.; 105.
8 Michael Reeves, Fasziniert, S. 152.