Gemeinde

Ältester im Ehrenamt

Ein Dienst, den die Gemeinde dringend braucht

Artikel von Scott Corbin
28. September 2026 — 8 Min Lesedauer

Mein Weg in den pastoralen Dienst war alles andere als geradlinig.

Während für manche dieser Weg relativ klar und einfach verläuft – man erkennt seine Berufung, studiert Theologie, absolviert ein Praktikum und wird schließlich Pastor –, war meine Reise geprägt von vielen Umwegen und Anläufen. Der erste Anstoß kam von einem Mentor, der mich fragte, was ich mit meinem Leben anfangen wolle. „Vielleicht Lehrer werden“, antwortete ich schüchtern, worauf er erwiderte: „Ich glaube, du willst Pastor werden.“ Er hatte recht. Trotzdem hatte ich keine Ahnung, wie das in meinem Fall aussehen könnte.

Während des Theologiestudiums begegnete ich vielen Mitbrüdern, deren Berufung mir als sicher erschien. Wenn wir über die Zukunft sprachen, war deutlich zu spüren, dass es ihnen ein Anliegen war, jeden Sonntag auf der Kanzel zu stehen. Und ich? Ich predigte zwar gern gelegentlich, aber die Vorstellung, das jede Woche machen zu müssen, war mir (offen gesagt) ein wenig zu viel.

Als ich dann einige meiner Kurse erfolgreich abschloss, begann ich, über eine Promotion nachzudenken. Meine Hoffnung war, in einem schulischen Umfeld zu unterrichten oder – was noch besser wäre – ein Ausbildungsprogramm in einer Ortsgemeinde ins Leben zu rufen. Dieser Plan wurde allerdings durchkreuzt, noch bevor er Gestalt annehmen konnte, da meine Frau und ich unser erstes Kind erwarteten. Die Promotion musste warten – ich brauchte einen Job!

In seiner Vorsehung führte Gott es so, dass ich Arbeit im christlichen Verlagswesen fand, und endlich ergab alles einen Sinn. Ich liebte Bücher, las gern und erzählte gern anderen von den Büchern, die ich gelesen hatte. Warum sollte ich nicht das zu meinem Beruf machen? Es passte auch hervorragend zu meiner Persönlichkeit. Ich mag es, neue Leute kennenzulernen und mich mit Fremden zu unterhalten. Das war etwas, das ich ständig tat.

Aber was war mit meinem Wunsch, Pastor zu werden? Musste ich diesen aufgeben? Nein, ganz und gar nicht! Tatsächlich hat Gott es in seiner Gnade geschenkt, dass sich durch das ständige Auf und Ab herauskristallisierte, was ich wirklich wollte: Mein Wunsch war es, Laienältester zu werden.

Jede Gemeinde braucht gute Laienälteste

Wenn wir uns gesunde Gemeinden wünschen, brauchen wir treue Laienälteste, die bereit sind, die Herde zu weiden und den Leib Christi aufzubauen. Der Apostel Paulus hat dies gut verstanden, wie seine Aufforderung an Timotheus zeigt: „Was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren“ (2Tim 2,2). Jede Gemeinde braucht treue Männer, die bei der Leitung mithelfen. Auch wenn wir darum bemüht sein sollten, Pastoren für ihre Arbeit zu entlohnen – insbesondere diejenigen, die predigen und lehren (vgl. 1Tim 5,17) –, werden sich viele Gemeinden – wenn überhaupt – nur eine Handvoll solcher Männer leisten können. Dies gilt insbesondere für Neugründungen, Gemeinden in einem Erneuerungsprozess oder Gemeinden in Kontexten, in denen finanzielle oder demographische Faktoren die Größe des Mitarbeiterteams begrenzen.

Wie dringend Laienälteste gebraucht werden, wurde mir bei einem Besuch in einer Gemeinde, die sich mitten in einer Großstadt versammelte, erneut bewusst. Die Gemeinde befand sich gerade in einer Phase der Erneuerung und konnte sich kein großes Team leisten. Tatsächlich erzählte mir der Hauptpastor, wie schwierig es ist, in dieser geschäftigen Stadt zu arbeiten, da es wenig Konstanz in der Besucherschaft gibt. Wie in den meisten Städten in den USA fällt es den Menschen schwer, langfristig dort zu bleiben.

An dem Morgen, als ich zu Besuch war, nahm ich vor dem Gottesdienst an einer Bibelstunde teil, die von einem treuen Laienältesten geleitet wurde, der das Buch Esther auslegte. Der Hauptpastor bemerkte, welch ein Segen es sei, treue Laienälteste wie diesen Mann zu haben, die ihm dabei halfen, die Lasten des Dienstes zu tragen.

Laienälteste sind wie Aaron und Hur, die die Arme Moses im Kampf gegen die Amalekiter hochhielten (vgl. 2Mose 17,10–13). Sie helfen dabei, dranzubleiben, wenn der Dienst manchmal zu schwer erscheint.

Laienälteste sind echte Älteste

Aus zahlreichen Gesprächen mit vielen Brüdern an unterschiedlichen Orten weiß ich, dass häufig fälschlicherweise angenommen wird, ein Pastor zu sein, bedeute zwangsläufig, ein Gehalt von einer Ortsgemeinde zu beziehen. Einige dieser Männer streben eine Stelle als Hauptpastor an, während andere gern als angestellte Mitarbeiter in einer Gemeinde tätig wären. Ich danke Gott für Männer, die den Wunsch haben, der Gemeinde in Vollzeit zu dienen, aber ich fühle mich auch gedrängt, sie daran zu erinnern, dass ein Gehaltscheck keine Voraussetzung für den Pastorendienst ist.

Was den biblischen Grundsatz der Bezahlung von Ältesten betrifft (vgl. 1Tim 5,17–18), ist die Unterscheidung zwischen „Laienältesten“ und „amtlichen Ältesten“ zwar hilfreich, aber die Bibel selbst kennt nur zwei Ämter in der Gemeinde: Älteste (auch Pastoren oder Aufseher genannt) und Diakone. Es gibt kein mehrstufiges System mit höheren und niedrigeren Ältesten, sondern einfach nur Älteste! Für Laienälteste gelten dieselben Voraussetzungen und Erwartungen wie für alle anderen Ältesten (vgl. 1Tim 3,1–7; Tit 1,5–9; 1Petr 5).

Praktisch bedeutet das, dass ich als Ältester meiner Ortsgemeinde dieselben Aufgaben habe wie meine Mitältesten: Aufsicht ausüben, Gottes Wort lehren, Menschen seelsorgerlich begleiten, für Kranke beten, bei Meinungsverschiedenheiten vermitteln, Krankenhausbesuche machen, jüngere Christen in der Nachfolge anleiten und unsere Mitglieder betreuen. Diese Pflichten obliegen allen Ältesten, unabhängig davon, ob wir ein Gehalt beziehen oder nicht. Und wenngleich wir anerkennen müssen, dass die Fähigkeiten der einzelnen Männer unterschiedlich sind, bleibt der Grundgedanke derselbe: Älteste sind Älteste, egal ob sie diesen Dienst als Laien oder als angestellte Mitarbeiter ausführen.

Wähle einen Beruf, der es dir erlaubt, als Laienältester zu dienen

Angesichts des Bedarfs an treuen Ältesten stelle ich jungen Männern oft folgende Frage: Wie könnte es für euch aussehen, euer Leben und euren Beruf so auszurichten, dass ihr eurer Gemeinde als treue Laienälteste dienen könnt?

Wir alle müssen bei der Berufswahl eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigen. Zu den offensichtlichen zählen Aspekte wie Vergütung, Aufstiegsmöglichkeiten, die Lage des Arbeitsmarkts, Fähigkeiten und Interessen, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, persönliche Erfüllung und vieles mehr. Doch wie würde es aussehen, wenn angehende Laienälteste ihre Berufswahl an ihrem Wunsch ausrichten würden, ihrer Ortsgemeinde gerade in dieser Rolle zu dienen?

Es könnte bedeuten, einen Beruf zu wählen, in dem die Vergütung zwar geringer ist, der Arbeitsplan aber mehr Flexibilität bietet, um die Herde Gottes zu weiden. Es könnte bedeuten, einen Job zu wählen, in dem man wenig reisen muss, oder sich (wie in meinem Fall) für einen Beruf zu entscheiden, der sich mit dem Wunsch, Pastor zu werden, gut kombinieren lässt. Die Arbeit bei einem christlichen Verlag und der Dienst als Pastor einer Ortsgemeinde ergänzen einander tatsächlich hervorragend!

Ziehe es in Erwägung, dich für den Dienst ausbilden zu lassen

In manchen Fällen könnten angehende (oder sich bereits im Dienst befindende) Laienälteste eine theologische Ausbildung in Betracht ziehen, um ihren Dienst noch treuer ausüben zu können. Nicht jeder Älteste muss Theologie studieren, und in manchen Fällen mag dies sogar unweise sein. Männer mit einem Vollzeitjob, einer Familie und Aufgaben in der Gemeinde müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigen. Da es inzwischen jedoch eine Reihe von Optionen gibt, eine theologische Ausbildung zu absolvieren (Bibelschulen, gemeindeinterne Programme, Praktika, Fernstudium), können sich angehende Laienälteste leichter für die Variante entscheiden, die am besten zu ihrer Situation passt.

Ein Laienältester zu werden, ist keine verpasste Chance

Leider höre ich junge Männer oft sagen, sie hätten es „verpasst“, ihren Abschluss am Seminar zu nutzen, wenn sie am Ende nicht in irgendeiner Funktion als Vollzeitler im Gemeindedienst tätig sind. Wozu hat man schließlich Theologie studiert, die Studiengebühren bezahlt und den Abschluss gemacht, wenn man das Gelernte nicht „nutzt“?

Mein Rat an solche Männer lautet, einen beruflichen „Umweg“ nicht als Misserfolg, sondern als Gottes Fügung zu betrachten, durch die ihre Wünsche und Ziele weiter verfeinert werden. Könnte ein solcher „Umweg“ bedeuten, dass man kein Vollzeitler wird? Möglicherweise. Bedeutet er, dass man niemals Pastor wird? Bei weitem nicht.

Brüder, wenn ihr Gottes Wort und seine Gemeinde liebt und den Pastorendienst anstrebt, dann beschränkt diese Berufung nicht auf ein Gehalt. Zieht stattdessen in Erwägung, euer Leben so zu gestalten, dass ihr der Gemeinde Christi als treuer Laienältester dient. Die Gemeinde braucht Älteste, sowohl Laien als auch Vollzeitler. Laienälteste sind keine Ersatzlösung, sondern treue Hirten der Gemeinde, für die Christus sein Leben hingegeben hat.