Bibel und Theologie

Bundestheologie für Kinder

Bundestheologie für Kinder

Artikel von Meredith Lee Myers
22. September 2026 — 5 Min Lesedauer

Was erhoffst du dir, wenn du deine Kinder in den Kindergottesdienst oder zur Kinderbibelwoche schickst? Was sollen sie dort lernen? Wie können wir ihnen helfen, auch die weniger bekannten Personen der Bibel in den großen Zusammenhang einzuordnen? Und was sind die zentralen Wahrheiten, die das Leben von Christen seit jeher grundlegend verändern?

Gemeinden, Eltern und Lehrer sind dazu aufgerufen, Jesu Gebot Folge zu leisten: „Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solcher ist das Reich der Himmel!“ (Mt 19,14). Hier sind einige Themen, mit denen du beginnen kannst, um deinen Kindern schon früh die Bibel konsequent und treu nahezubringen.

1. Der Schöpfer

Wenn wir Kindern die Theologie des Bundes vermitteln, beginnen wir am besten ganz am Anfang. Gott ist der Schöpfer. Er hat alles aus dem Nichts ins Dasein gerufen. Gott offenbart sich in seiner Schöpfung, doch erst durch sein Wort verstehen wir die Bedeutung von Leben, Tod und Sünde und erkennen Jesus Christus. Martin Luther sagte: „Wenn ich aber Gottes Werke und Macht nicht kenne, dann kenne ich Gott selbst nicht; kenne ich aber Gott nicht, so kann ich Gott nicht verehren, loben, danksagen und dienen, weil ich nicht weiß, wieviel davon ich mir zuschreiben kann und für wie viel ich Gott Dank schulde.“[1]

Gott hat alles geschaffen und erhält seine Schöpfung souverän durch seinen Bund (vgl. Röm 5; 1Kor 15). Ein Bund ist ein Versprechen verbunden mit Segnungen und Verpflichtungen.[2] Gottes Bünde sind weder willkürlich noch bloß vertragliche Tauschgeschäfte. In ihnen offenbart er seine Heiligkeit und sein Wirken in der Schöpfung. Er handelt stets entsprechend seinem dreieinigen Wesen – nicht wechselhaft aufgrund von Launen, Pragmatismus oder Bequemlichkeit. Die Bibel spricht von drei grundlegenden Bünden: dem Erlösungsbund, dem Werkbund und dem Gnadenbund.

2. Christus

Die ganze Schrift weist auf Christus hin. Von 1. Mose bis Offenbarung ist die Bibel voller vielfältiger Erzählungen. Zusammen bilden sie den roten Faden der größten aller Geschichten: Gottes Gnade gegenüber seiner Schöpfung, die im Werk Christi ihren Höhepunkt findet. Die Bundestheologie verbindet das Alte und das Neue Testament miteinander und zeigt, dass sich derselbe heilige Gott sowohl in seinem Gesetz als auch im ein für alle Mal vollbrachten Werk Christi offenbart (vgl. Gal 3,24–29). Christus hat das Gesetz nicht abgeschafft, sondern den Bund der Werke durch sein vollkommenes Leben, seinen stellvertretenden Tod und seine Auferstehung erfüllt. Alle, die durch den Glauben zu ihm gehören, hat er in den Gnadenbund hineingeführt (vgl. Mt 5,17).

Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Er ist der einzige Mittler zwischen dem vollkommenen Gott und der gefallenen Menschheit. Weil der Vater seinen eingeborenen Sohn gesandt hat, weil der Sohn durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung Sühnung bewirkt hat und weil der Heilige Geist neues Leben schenkt, empfangen wir alle Segnungen des Gnadenbundes. Durch den Glauben mit Christus vereint, dürfen Christen Gott nun „Vater“ nennen. Sie dürfen den Frieden, die Gewissheit und die vollkommene Ruhe erfahren, die darin verankert sind, dass dieser Gott sich ihnen zuwendet und in eine persönliche Beziehung mit ihnen tritt.

3. Die Gemeinde

Der Gnadenbund gilt einer Gemeinschaft von Gläubigen aus allen Stämmen, Nationen und Sprachen. Im Volk Gottes gibt es weder Einzelkämpfer noch Lieblingskinder. Um die Gemeinde zu verstehen, müssen wir die Bundestheologie und die Bedeutung des überlieferten christlichen Glaubens begreifen. Hier spielt der gemeinsame Gottesdienst eine zentrale Rolle. Das Evangelium vereint das Bundesvolk Gottes unter einem gemeinsamen Bekenntnis: Jesus ist der einzige Weg (vgl. Joh 14,6). Im ersten Adam starb die Menschheit in der Sünde; im letzten Adam werden wir durch den Glauben gerechtfertigt (vgl. 1Kor 15,45). Dieser Glaube führt uns aus der Herrschaft der Finsternis ins Licht, wo alle, die den Namen Christi anrufen, nie wieder verlassen oder allein sind.

Diese Wirklichkeit gilt schon heute. Dennoch leben wir bis zur Wiederkunft Christi – oder bis er uns zu sich ruft – in einer gefallenen Welt. Der Sonntagsgottesdienst ist nicht einfach nur ein Zeitvertreib am Wochenende. Er erinnert uns vielmehr daran, wozu wir geschaffen wurden: Gott, unseren Schöpfer, immer besser kennenzulernen und an der Ruhe teilzuhaben, zu der uns der dreieinige Gott in Christus einlädt.

4. Der Ruf

Kinder des Bundes – also Kinder, die in der Gemeinschaft der Gläubigen aufwachsen und Gottes Verheißungen hören – erfahren ein besonderes Vorrecht und einen besonderen Segen: den wiederholten Ruf, auf den Wegen des Herrn zu bleiben. Wenn wir unseren Kindern die Bundestheologie vermitteln, geben wir ihnen einen Rahmen für ihr Leben, der auf der ewigen Wahrheit gründet. Bleibt unsere Unterweisung jedoch bei auswendig gelerntem Wissen oder bloßer äußerlicher Verhaltensänderung stehen, führen wir sie nicht dazu, in Christus, dem wahren Weinstock, zu bleiben. Unser Ziel ist vielmehr, unsere Kinder zum Glauben an Christus zu rufen und sie zu ermutigen, durch die von Gott eingesetzten Gnadenmittel in der Gemeinschaft mit ihm zu wachsen. Dieser Ruf im Rahmen der Ortsgemeinde entspricht genau dem Anliegen der zahlreichen Geschichten der Bibel: Menschen dazu aufzurufen, den Verheißungen Gottes zu glauben.

Diese Botschaft ist dringlich. Das müssen wir unseren Kindern vermitteln, indem wir sie geduldig unterweisen und ermahnen, den Herrn zu suchen, solange er zu finden ist (vgl. Jes 55,6). Wenn wir ihnen die Bundestheologie vermitteln, weisen wir sie auf das große Ziel ihres Lebens hin: auf den Hirten, der sie vollkommen kennt, ihnen Geborgenheit schenkt und sie zu stillen Wassern führt – in diesem Leben und in der zukünftigen Welt.


1 Martin Luther, Vom unfreien Willen: Luthers berühmte Widerlegung der Lehre von der freien Willensentscheidung, Augustdorf: Betanien Verlag, 2. Aufl., 2017, S. 33.

2 Für einen Überblick für Erwachsene über die Bundestheologie vergleiche J. V. Fesko, Signed, Sealed, Delivered: An Introduction to Covenant Theology, Grand Rapids: Reformation Heritage Books, 2022.