Leben als Christ

Die wahren Gründe, warum wir die Bibel nicht lesen

Artikel von Marshall Segal
11. September 2026 — 9 Min Lesedauer

Warum liest du nicht öfter in der Bibel?

Uns fallen vielleicht sofort eine ganze Menge plausibler Ausreden ein: „Mein Job war in letzter Zeit sehr anstrengend.“ „Mein Kind schläft nachts nicht durch.“ „Ich kann nur morgens Sport treiben.“ „Ich fange wieder damit an, wenn mein Leben etwas ruhiger wird.“ Oh, wie sehr liebt Satan doch diese lächerlich kleinen Hürden, denen wir erlauben, uns von der Bibel fernzuhalten. Glaub mir, ich habe schon einige Zeit damit verschwendet, hinter jeder dieser Hürden festzusitzen.

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, lassen sich viele moderne Ausreden auf eine einzige reduzieren: Ich bin im Moment einfach zu beschäftigt.

Wirklich?

Bin ich wirklich zu beschäftigt, um auf Gott zu hören? Bin ich zu beschäftigt, um meine Seele durch sein lebendiges und wirksames Wort beleben zu lassen? Bin ich zu beschäftigt, um die Weisheit zu empfangen, die ich in all meiner Geschäftigkeit so dringend brauche? Bin ich zu beschäftigt, um meine trüben Augen wieder für die höchste geistliche Wirklichkeit zu öffnen? Bin ich zu beschäftigt, um meinen leicht ablenkbaren Geist auf die wichtigsten Dinge zu konzentrieren? Bin ich zu beschäftigt, um den süßesten Honig zu kosten und das feinste Gold zu empfangen? Sind wir wirklich zu beschäftigt?

Das sind wir nicht – und das wissen wir auch. Warum lesen wir dann nicht öfter in Gottes Wort? Zum Teil deshalb, weil wir uns die wahren Gründe nicht eingestehen wollen.

Der Kampf gegen geistlichen Analphabetismus

Wir möchten den größten Nöten unserer Zeit mit einer bibeldurchtränkten, christuszentrierten Theologie begegnen. In erster Linie widmen wir uns den immerwährenden Bedürfnissen jeder Generation: Christus und das Evangelium, Sünde und Heiligkeit, die Gemeinde und Gebet, Himmel und Hölle. Wir sind uns jedoch auch bewusst, dass jede Generation ihre eigenen dringenden Bedürfnisse hat. Deshalb setzen wir uns mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinander und fragen Gott, wie wir dazu beitragen können, sie zu bewältigen.

Mit diesem Artikel möchten wir dem besorgniserregenden Rückgang des Lesens entgegenwirken – insbesondere des Bibellesens. Einer Studie zufolge lesen 84 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner täglich fünf Minuten oder weniger. Laut Lifeway lesen nur 31 Prozent der US-amerikanischen evangelischen Kirchgänger täglich in der Bibel. Das bedeutet, dass weniger als 10 Prozent aller erwachsenen US-Amerikaner täglich in der Bibel lesen. Das ist eine Krise, wenn man Römer 10,14–17 glaubt:

„Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? … Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.“

Leben und Tod hängen von unserer Fähigkeit ab, auf Gott zu hören – und dazu müssen wir lesen (oder zumindest zuhören, wenn jemand vorliest). Gott offenbart sich selbst, seinen Willen und sein Evangelium durch Worte. Daher kann man argumentieren, dass Lesen das Wichtigste ist, was wir tun können – aber heute lesen immer weniger Menschen überhaupt noch, geschweige denn in der Bibel. In einer Zeit, in der immer weniger gelesen wird, müssen wir den Menschen die lebenswichtige, freudige Gewohnheit beibringen, Gott in seinem Wort zu begegnen.

Warum du nicht in der Bibel liest

Warum lesen wir also nicht in der Bibel? Wenn wir über unsere Geschäftigkeit hinausblicken und uns fragen, was Gott uns in seinem Wort sagt, erkennen wir mehrere tiefere Ursachen. Nachfolgend möchte ich einige der größten Hindernisse für ein beständiges, erfüllendes Bibellesen aufzählen. Ich frage mich, welches davon am treffendsten beschreibt, weshalb du deine Bibel vernachlässigst.

Erstens herrscht eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber der göttlichen Offenbarung. Wir leben in einer zunehmend analphabetischen Kultur, und in diesem Niedergang erleben wir eine Pandemie der Gleichgültigkeit gegenüber Gottes Selbstoffenbarung. Viele (sogar bekennende Christen) könnten die Bibel nicht effektiv lesen, auch wenn sie es wollten (Analphabetismus), aber sie wollen es nicht einmal (Gleichgültigkeit). Jesus warnt davor, dass manche Menschen „das Wort hören, aber die Sorgen dieser Weltzeit und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach anderen Dingen [ein]dringen und das Wort [ersticken], und es [sich als] unfruchtbar“ (Mk 4,18–19) erweist. Wir wünschen uns, dass du die Bibel lesen willst.

Zweitens versäumen es viele, die Bibel zu lesen, zu verstehen und danach zu leben, weil sie von hartnäckigem Stolz und geistlicher Unreife geprägt sind. Diese Leser schaffen es nicht, durchzuhalten und zu wachsen, weil sie sich damit begnügen, die Bibel aus großer Höhe zu umkreisen – wie ein Flugzeug, das bequem die Warteschleife am Zielflughafen fliegt, aber bislang nicht am Ziel ist. Sie weigern sich, zu reifen, denn Reife erfordert Unterordnung und das Eingehen von Risiken. Gott warnt die Unreifen: „Denn obgleich ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr es wieder nötig, dass man euch lehrt, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise“ (Hebr 5,12). Da sie zu stolz sind, sich irgendjemandem oder irgendetwas außer sich selbst unterzuordnen, nehmen sie das Wort nicht mit Sanftmut auf (vgl. Jak 1,21), sodass sie das Leben und die Kraft der Schrift verpassen.

Drittens beobachten wir einen weitverbreiteten funktionalen Analphabetismus, der zu einer beunruhigenden Unsicherheit bei der Auslegung führt. Damit Menschen in Gottes Wort tiefgehende Gemeinschaft mit Gott erleben können, müssen sie einige grundlegende Methoden kennen, um einen Text richtig zu lesen. In Sprüche 2 werden wir ermahnt:

„Mein Sohn, wenn du meine Worte annimmst und meine Gebote bei dir bewahrst, sodass du der Weisheit dein Ohr leihst und dein Herz der Einsicht zuwendest; wenn du um Verständnis betest und um Einsicht flehst, wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschst wie nach Schätzen, dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes erlangen.“ (Spr 2,1–5)

Gott verspricht, Verständnis zu schenken, aber nur denen, die aufmerksam zuhören, um Hilfe beten und beharrlich nach Einsicht verlangen wie jemand, der nach einem Schatz sucht. Wie viele haben keine Ahnung, wo und wie sie suchen sollen? Manchen, denen es scheinbar an Hunger nach der Heiligen Schrift mangelt, fehlt einfach die Fähigkeit und der Mut, sie selbst zu lesen.

Viertens hat sich die Aufmerksamkeitsspanne erschreckend verkürzt, insbesondere durch unser immer schneller werdendes Lebenstempo. Der Verfasser von Psalm 119 betet:

„Lass mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote,
denn ich habe Lust an ihm.
Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen
und nicht zur Habgier!
Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen;
belebe mich in deinen Wegen!“
(Ps 119,35–37; Hervorhebung hinzugefügt)

Selbst mit grundlegenden Hilfsmitteln zum Textverständnis müssen wir in der Lage sein, länger als sechzig oder neunzig Sekunden still zu sitzen und uns zu konzentrieren. Wir müssen das tun, was Martha versäumt hat, als sie sich abmühte, Jesus zu dienen, während Maria zu seinen Füßen saß und ihm zuhörte. „Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles; eines aber ist not. Maria aber hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden!“ (Lk 10,41–42). Richtiges Bibellesen erfordert Zeit und Konzentration, und vielen Menschen mangelt es heute bedauerlicherweise an beidem.

Dies sind nur einige der tieferen Hindernisse für eine beständige und lebendige Gemeinschaft mit Gott in seinem Wort. Wenn du bereit bist, noch genauer hinzuschauen, wirst du vielleicht tieferliegende Gründe für deine eigenen Schwierigkeiten beim Bibellesen erkennen. Vielleicht verspürst du dann eine tiefere, noch eindringlichere Einladung, zu kommen und das Festmahl zu genießen.

„Ich habe das Buch gefunden“

In 2. Könige 22 bestieg der gute König Josia den Thron in Israel und beschloss, das Geld der Staatskasse für die Instandsetzung des Tempels zu verwenden. Als die Handwerker, Bauleute und Maurer ihre Arbeit aufnahmen, stieß der Hohepriester zufällig auf ein Buch. Hilkija sagte zum Schreiber: „Ich habe das Buch des Gesetzes im Haus des HERRN gefunden!“ (2Kön 22,8). Der Schreiber brachte das Buch zu Josia und las es vor dem König. „Und es geschah, als der König die Worte des Buches des Gesetzes hörte, da zerriss er seine Kleider“ (2Kön 22,11).

Wir wissen nicht, wie lange das Buch bereits verloren gewesen war, aber es scheint, als seien es mindestens ein paar Generationen gewesen, zurück bis zu Josias gottlosem Großvater Manasse. Als Josia begriff, was er da hörte, brach ihm das Herz und es schlug zugleich höher. Er war erschüttert darüber, wie sehr das Buch vernachlässigt worden war (vgl. 2Kön 22,13). Und er fasste erneut den Entschluss, alles wiederherzustellen und zu befolgen, was Gott geboten hatte (vgl. 2Kön 23,3).

Vielleicht hat dieser Artikel eine ähnliche Auswirkung auf dich wie 2. Könige 22 auf Josia. Wenn du den verfallenen Tempel deiner täglichen Andachten durchforstest und herausfinden möchtest, warum du nicht beständiger und engagierter warst, als du es gern gewesen wärst, dann hoffen wir, dass du die Kraft und das Wunder dieses Buches wiederentdeckst. Wenn Gott dir Gnade erweist, wirst du vielleicht den Wunsch verspüren, deine Kleider in tiefer Reue zu zerreißen. Dies ist Gottes gnädige, kostenlose Einladung an dich, zurückzukommen und das Festmahl zu genießen:

„Wohlan, ihr Durstigen alle,
kommt her zum Wasser;
und die ihr kein Geld habt,
kommt her, kauft und esst!
Kommt her und kauft
ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
Warum wiegt ihr Geld ab für das, was kein Brot ist,
und euren Arbeitslohn für das, was nicht sättigt?
Hört doch auf mich, so sollt ihr Gutes essen,
und eure Seele soll sich laben an fetter Speise!
Neigt eure Ohren und kommt her zu mir;
hört, so wird eure Seele leben!“
(Jes 55,1–3)

Welchen Halt könnte regelmäßigeres Bibellesen deiner unruhigen Seele verschaffen? Welchen Frieden für deine Not, welchen Rat für deine Verwirrung, welche Perspektive für deine Orientierungslosigkeit, welche Hoffnung für deine Zukunft? Warum setzt du dich nicht hin und liest die Bibel?