Diakone
„Sollte ich vielleicht meinen Ältestendienst niederlegen und lieber Diakon werden?“ Diese Frage kam mir nach dem Lesen des Buches Diakone: Wie wichtig geeignete Diener für die Gemeinde sind. Und damit hat der Autor Matt Smethurst mindestens eines seiner Ziele erreicht: „Dem Dienst der Diakone wieder zu Ehre und hohem Ansehen zu verhelfen“ (S. 111).
Zum Inhalt
Matt Smethurst möchte sein Buch über Diakone „sowohl als Manifest als auch als praktisches Handbuch für typische Gemeinden“ (S. 15) verstanden wissen. Dazu gibt er im Hauptteil des Buches einen kirchengeschichtlichen Überblick über das sich verändernde Verständnis des Diakonenamtes (Kapitel 1), interpretiert Apostelgeschichte 6 als Beginn des Diakonendienstes (Kapitel 2) und leitet dann aus 1. Timotheus 3 ab, wie Diakone sein sollen (Kapitel 3), bevor er zu ihren Aufgaben kommt (Kapitel 4). Kapitel 5 ist eine Sammlung von 20 inspirierenden Zeugnissen aus ganz unterschiedlichen Situationen, mit denen die Bedeutung von Diakonen für ein gesundes Gemeindeleben illustriert werden. Abgeschlossen wird das Ganze in Kapitel 6 mit einem Blick auf Jesus, den ultimativen Diakon, denn „das ganze Konzept des Diakonendienstes erhält seine Gestalt und seinen Sinn durch das Leben deines Erlösers“ (S. 121). Dieser Hauptteil wird durch eine Einleitung und eine Zusammenfassung eingerahmt. Im Anhang findet sich dann zum einen eine kurze Gegenüberstellung der „stärksten Argumente“ (S. 127) für oder gegen Frauen im Diakonenamt (Der Autor tendiert zu „Ja“, ruft aber zu einem nicht-dogmatischen Umgang mit diesem Thema auf.) und zum anderen ein Beispielfragebogen für Kandidaten für den Diakonendienst.
Nicht wirklich nötig für unseren Kontext in Deutschland waren für mich die – vom Umfang her recht begrenzten – Diskussionen zu den Themen „Pluralität der Ältesten“ und „ein Pastor plus Diakonenkreis ist nicht biblisch“. Aus dem Kontext der Südlichen Baptisten in den USA ist es jedoch verständlich, dass er nicht darauf verzichten konnte. Für Leser, die mit der Ekklesiologie von 9Marks vertraut sind, findet sich hier aber nichts Neues.
Für Gemeinden, in denen der Diakonenkreis als „Gegengewicht“ zu den Ältesten gesehen wird und nicht als „formale Assistenten der Ältesten“ (S. 74), ist die Korrektur von Matt Smethurst hilfreich, die man so ausdrücken könnte: „Die Idee der Gewaltenteilung steht nicht hinter dem biblischen Konzept von Diakonen und Ältesten.“
Was mich ansprach
Auch wenn ich schon mehrere Male an der Konzeption und Einführung unterschiedlicher Diakonatsstrukturen in Gemeinden beteiligt war, hat mich in diesem Buch wirklich jedes Kapitel zum Nachdenken über unsere Gemeindepraxis angeregt oder mich dazu inspiriert, mir einen Aspekt neu zu Herzen zu nehmen. Ein paar Beispiele:
- Kapitel 1: In der frühen Kirchengeschichte haben Diakone im Gottesdienst mitgewirkt (S. 18). Wie sah das praktisch aus? Und was bedeutet das heute für unsere Gottesdienstpraxis?
- Kapitel 1: „Nur allzu leicht übersieht man den geistlichen Wert der Diakone, weil ihre Rolle im Gemeindeleben so praktisch ausgerichtet ist“ (S. 19). Wo sonst übersehen wir in der Gemeinde, dass praktische Dinge geistlichen Wert haben?
- Kapitel 2: Wenn eine zentrale Aufgabe von Diakonen die kreative Problemlösung zugunsten der Einheit in der Gemeinde ist – welche Strukturen braucht es in der Gemeinde, damit Diakone diese Aufgabe möglichst effektiv wahrnehmen können? Sind Arbeitsbereiche wirklich die besten Strukturen? Oder fördern sie eher die Uneinigkeit?
- Kapitel 3: Matt Smethurst verknüpft den Aspekt „Selbstbeherrschung“ aus der Frucht des Geistes (Gal 5,23) mit den Anforderungen an Diakone aus 1. Timotheus 3,8: selbstbeherrscht im Umgang mit Zunge, Wein und Finanzen. Welche Bedeutung hat dieser Aspekt bei der Auswahl von Diakonen in unseren Gemeinden?
- Kapitel 3: „Gott geht es mehr um den Charakter als um die Begabung“ (S. 56). Während wir diese Wahrheit für Älteste vielleicht schon verinnerlicht haben, sind wir bei „praktischen“ Diensten nicht versucht, hier Begabung für wichtiger zu halten als Charakter?
- Kapitel 4: „Zeige mir eine Gemeinde mit abgelenkten Hirten und einer fehlgeleiteten Mission, und ich zeige dir, dass es eine Gemeinde ohne funktionierende Diakone ist“ (S. 70). Ich liebe es, wie viel Gewicht Matt Smethurst den Diakonen für die dauerhafte Gesundheit einer Gemeinde gibt.
- Kapitel 4: „Du möchtest niemanden als Diakon haben, der mit deiner Gemeinde unzufrieden ist“ (S. 72).
- Kapitel 4: Die Hauptaufgabe der Diakone ist es, „dafür zu sorgen, dass den Armen und Bedürftigen geholfen wird und dass in der Gemeinschaft der Heiligen niemand ohne Trost und Beistand lebt“ (S. 80). Warum ist es in unseren Gemeinden so, dass der zweite Teil dieser Aufgabe meist vom Pastor oder den Ältesten erwartet wird?
- Kapitel 4: „Evangeliumsverkündigung und Evangeliumsveranschaulichung … Was Gott zusammengefügt hat, sollte keine Gemeinde trennen“ (S. 82). Die primären Aufträge an Älteste und Diakone sind untrennbar miteinander verbunden.
- Kapitel 5: Gute Diakone scheinen häufig 1.) die Rolle eines Stoßdämpfers zwischen hauptamtlichem Pastor und Gemeinde zu haben, 2.) Leute am Rande der Gesellschaft zu erreichen und 3.) praktische Probleme aus der Welt zu schaffen, die entweder zu Streit in der Gemeinde führen würden oder den Ältesten viel Energie oder Zeit rauben würden.
- Kapitel 6: „Lieber Diakon, dein Amt hat ein Ablaufdatum, aber deine Stellung als Diener des Königs wird niemals enden. … Deine gegenwärtige Rolle als Diakon ist nur ein Praktikum für die kommende Ewigkeit“ (S. 121).
Wer sollte das Buch lesen?
Wenn du bereits als Diakon berufen bist oder darüber nachdenkst: Lies dieses Buch! Es ist einfach zu lesen und nicht zu umfangreich; es ist ermutigend und gleichzeitig herausfordernd, der großen und wichtigen Aufgabe des Diakonendienstes gerecht zu werden.
Wenn ihr als Älteste an der Menge der Aufgaben und Ansprüche der Gemeinde verzweifelt; wenn ihr immer wieder Feuerwehr spielt, weil praktische Dinge in der Gemeinde zu Unfrieden führen; oder wenn ihr eine Kluft zwischen Leitung und Gemeinde erlebt: Dieses Buch wirft die Frage auf: Sind vielleicht Diakone die von Gott vorgesehene Lösung für eure Situation?
Auch interessierte Gemeindemitglieder können dieses Buch gut lesen und ein besseres Verständnis davon gewinnen, wie Gott sich Gemeinde vorgestellt hat.
Was bei mir nachhallt
Welche Eindrücke klingen bei mir persönlich nach dem Lesen des Buches besonders nach?
- Unsere Gemeinden brauchen mehr biblische Diakone.
- Diakone sind Menschen, die viel wichtige Beziehungsarbeit in der Gemeinde leisten.
- Diakone sind Friedensstifter.
- Diakone und Älteste arbeiten auf komplementäre Weise zum Wohl der Gemeinde zusammen.
- Der Diakonendienst ist ein praktischer Dienst mit starker geistlicher Relevanz.
- Diakon zu sein, entspricht dem Wesen Jesu.
Während ich diese Rezension geschrieben habe, sendete ich an meine Mitältesten folgende Nachricht: „Ich habe gerade das Buch Diakone aus der 9Marks-Reihe rezensiert. Lasst uns morgen kurz das Thema ansprechen. Ich glaube, wir brauchen mehr Diakone in unserer Gemeinde.“ – Ihr vielleicht auch?
Buch
Matt Smethurst, Diakone: Wie wichtig geeignete Diener für die Gemeinde sind, Augustdorf: Betanien, 2026, 154 Seiten, 9,90 EUR.
Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.