Bibel und Theologie

Gott, unser Hirte

Artikel von William Boekestein
11. August 2026 — 3 Min Lesedauer

Das Bild eines Hirten, der sich um seine Schafe kümmert, vermittelt Geborgenheit und Trost – vorausgesetzt, es handelt sich dabei um einen guten Hirten. Aber manchmal missachten von Gott eingesetzte Obrigkeiten das fünfte Gebot. Es verlangt von Leitern, „ihre Untergebenen zu lieben … solche, die … sie schützen und ihnen alles das verschaffen, was sie für Seele und Leib nötig haben“ (Großer Westminster Katechismus, 129).

In seiner Güte hat Gott seinem Volk Könige geschenkt, um es vor Feinden zu schützen, Priester, um es in seiner Gnade zur Ruhe kommen zu lassen, und Propheten, um vor Sünde zu warnen und Glauben und Buße vorzuleben. Doch die Vorsteher Israels versagten. Zu Hesekiels Zeit tadelte Gott die falschen Hirten, die sich selbst weideten, die Schafe ausbeuteten und über sie „mit Gewalt und Härte“ herrschten (Hes 34,2–4). Eigentlich sollten Hirten die Herde vor Wölfen schützen – doch manchmal sind sie selbst die Wölfe. Leiter belasten die Gewissen von Gläubigen, indem sie Forderungen stellen, die Gottes Wort nicht kennt, oder wenn sie ihr Amt zum eigenen Vorteil ausüben. So nähren sie ihre Gier nach Ansehen und Kontrolle (vgl. 1Petr 5,2). Die Folgen sind verheerend:

„Auf allen Bergen und hohen Hügeln irren meine Schafe umher, und über das ganze Land sind meine Schafe zerstreut; und niemand ist da, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.“ (Hes 34,6)

Die Israeliten wurden im wahrsten Sinne des Wortes zerstreut und nach Assyrien und Babylon ins Exil geführt. Was noch schlimmer war: Viele Verschleppte verirrten sich geistlich. Misshandelte Schafe können dem biblischen Glauben gegenüber verbittert werden und moralisch auf Abwege geraten. Einige verlassen Gottes Bund und vertrauen ihm nicht länger als ihrem Hirten.

Doch wir dürfen wissen: Gott legt seinen Hirtenstab niemals aus der Hand. Er führt damit seine Schafe und wehrt ihre Feinde ab. Gott wird „alle bösen Tiere im Land ausrotten, dass [die Schafe] in der Steppe sicher wohnen und in den Wäldern schlafen können“ (Hes 34,25). Leiter, die „Gewalt über [Gottes Schafe] ausüben“, müssen sich seinem gerechten Zorn stellen (Mt 20,25). „Siehe, ich komme über die Hirten“, spricht der Herr (Hes 34,10). Machtmissbrauch wird für Gottes Kinder, die „ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe“, nicht das letzte Wort haben (Mt 9,36). In Christus erfüllt Gott seine Verheißung aus dem Buch Hesekiel: „Das Verlorene will ich suchen und das Verscheuchte zurückholen und das Verwundete verbinden; das Schwache will ich stärken“ (Hes 34,16). Jesus, der Hirte nach Davids Art (vgl. Hes 34,23), ruft uns zu: „Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“ (Joh 10,11).

Wenn du unter einem untreuen Hirtendienst gelitten hast, darfst du deinen Blick über den Schmerz hinaus auf „den großen Hirten der Schafe“ (Hebr 13,20) richten. Unser höchster Prophet, vollkommener Hohepriester und ewiger König wird „dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen“. Darum können wir mit Zuversicht sagen: „Der Herr ist mein Helfer, und deshalb fürchte ich mich nicht vor dem, was ein Mensch mir antun könnte“ (Hebr 13,5–6). Gottes Hirtenfürsorge umfasst die ganze Wirklichkeit unseres Lebens. Hesekiel spricht von Fruchtbarkeit, Sicherheit, Befreiung von Unterdrückung, Schutz vor Gefahren, Frieden und echter Erfüllung (vgl. Hes 34,25–29). Der gute Hirte wird uns zu den Quellen lebendigen Wassers führen und jede Träne von unseren Augen abwischen (vgl. Offb 7,17). Er wird uns durch das Tal des Todesschattens führen und uns zum Festmahl des lebendigen Gottes bringen.