Die Herausforderung des Mutterseins meistern
Dieser Frühling bringt einen großen Wendepunkt in meinem Leben als Mutter mit sich: Mein jüngstes Kind wird seinen Schulabschluss machen. Es ist eine Ziellinie, die das Ende dieser Erziehungsphase markiert. Ich habe es seit Längerem kommen sehen, und es erfüllt mich mit gemischten Gefühlen: Freude über meinen Sohn, der in den nächsten Lebensabschnitt startet, und Traurigkeit bei dem Gedanken, ihn nicht mehr jeden Tag zu Hause zu sehen. Ich habe das Ziel erreicht, auf das wir Mütter alle zusteuern – und doch bin ich voller Ungewissheit darüber, was auf der anderen Seite auf mich wartet.
Als ich damals meine Reise als Mutter antrat, fühlte ich mich von all dem Unbekannten schlichtweg überfordert. All dem Neuen fühlte ich mich nicht gewachsen. Mir fehlte die nötige Weisheit für schwierige Erziehungsentscheidungen, und ich hatte ständig Angst, Fehler zu machen. Seitdem bin ich als Mutter durch viele schwere Zeiten gegangen und rechne damit, dass noch mehr vor mir liegen. Und doch kann ich zurückblicken und erkennen, wie Gottes Gnade am Werk war und wie seine Treue mir in all meinen Nöten begegnet ist.
Egal, wo du auf deinem Weg als Mutter gerade stehst – in den frühen Jahren, mittendrin, oder in der Phase, in der das Nest leer geworden ist –, Gott begegnet dir genau dort, wo du bist. Er schenkt seine Gnade. Das sehen wir bei drei Müttern in der Bibel. In jeder ihrer Lebenslagen versorgte Gott sie mit allem, was sie brauchten, und schenkte ihnen seine Gnade.
Gott sieht und kennt dich
In der Geschichte von Hagar begegnen wir einer werdenden Mutter, die von Gott mitten in ihrer Not gesehen wurde. Als Saras Magd wurde sie Teil eines Plans, den ihre Herrin schmiedete, um Gottes Verheißungen auf eigene Faust zu verwirklichen (vgl. 1Mose 16). Als sie vor Saras Zorn in die Wüste floh, begegnete Gott ihr und zeigte ihr seine Gnade. Dort nannte sie Gott El Roi: „‚Du bist der Gott, der [mich] sieht‘ … Habe ich hier nicht dem nachgesehen, der mich sieht?“ (1Mose 16,13). Als sie sich später wieder in der Wüste befand und dachte, sie und ihr Sohn würden sterben, sah Gott sie. Er hörte ihre Schreie. Er begegnete ihren Bedürfnissen erneut mit seiner Gnade: „Fürchte dich nicht; denn Gott hat … erhört“ (1Mose 21,17).
Wenn wir als Mütter kämpfen, begegnet Gott uns mit seiner überreichen Gnade. Er ist El Roi, der Gott, der sieht. Er sieht unsere Ängste, unseren Kummer und unsere Unsicherheiten. Er kennt unsere Sorgen um die Kinder. Er hört unsere Hilferufe und schenkt Rettung. Der größte Beweis dafür ist unsere Rettung von der Sünde am Kreuz. Dort gab Gott seinen eigenen Sohn hin, um die Strafe zu bezahlen, die eigentlich wir verdient hätten. Durch den Glauben an das, was Christus für uns getan hat, sind wir von der Sünde befreit und gehören nun zu Gott: „Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (Röm 8,31–32).
Der gleiche Gott, der Hagar in der Wüste sah, sieht und hört auch unsere Hilferufe.
Gott rettet aufgrund seiner Bundesliebe
Im Buch Ruth begegnen wir Naemi, die im Land Moab alles verlor. Ihr Mann starb, und danach ihre beiden Söhne. Ihre Trauer war erdrückend; sie konnte sich nicht vorstellen, jemals wieder Freude zu erleben. Doch Gott sorgte für sie durch ihre Schwiegertochter Ruth, die ihr Volk verließ, um Naemi auf ihrem Heimweg nach Bethlehem zu begleiten. Dann sorgte er auf den Feldern dafür, dass Ruth einen liebevollen Mann fand – und Naemi einen Enkel. Ein Leitmotiv ihrer Geschichte ist Gottes chesed-Liebe. Diese Liebe ist weit mehr als bloße Freundlichkeit; sie ist die auf seiner Bundestreue basierende Verpflichtung Gottes seinem Volk gegenüber.
Gott begegnet Müttern in verzweifelten Lagen mit seiner chesed-Liebe. Wenn du als Mutter in einer herausfordernden Situation steckst, wenn du eine harte Phase des Elternseins erlebst, kannst du Gottes beständiger Liebe zu dir vertrauen. Eine Liebe, die treu ist. Eine Liebe, die rettet und versorgt. Eine Liebe, die ihre Zusagen hält. Eine Liebe, die niemals versagt.
Der gleiche Gott, der Naemi in ihrer Trauer rettete und ihr und Ruth chesed-Liebe erwies, bleibt auch dir in seiner Liebe treu.
Gott rüstet dich für deinen Auftrag aus
Eines Tages begegnete die junge Maria dem Engel Gabriel, der ihr verkündete, dass sie den Retter der Welt zur Welt bringen würde. Ich weiß noch gut, wie unzulänglich ich mich als frischgebackene Mutter fühlte; ich kann mir daher kaum ausmalen, wie es für Maria gewesen sein muss, so eine Nachricht zu erhalten. Ihr Lied erinnert uns daran, wie Gott durch seine Gnade in deinem Leben wirkt: „Denn große Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name; und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten“ (Lk 1,49–50).
Gott beruft uns nicht als Mütter, weil wir bereits Experten sind. Er wählt uns nicht dazu aus, die uns anvertrauten Kinder großzuziehen, weil wir so fähig oder weise wären. Vielmehr rüstet er uns aus seiner überreichen Gnade für die Aufgaben des Mutterseins aus: „Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und [zum Wandel in] Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch [seine] Herrlichkeit und Tugend“ (2Petr 1,3). Er gibt uns alles, was wir brauchen, um unsere Kinder zu erziehen. Er schenkt Weisheit, Kraft und Ausdauer. Das sind gute Nachrichten für Mütter.
Derselbe Gott, der Maria mit seiner Gnade überschüttete, gießt diese Gnade auch über dir aus.
Fasse Mut
Das Leben dieser Mütter in der Bibel zeugt von Gottes Gnade und seiner beständigen Treue.
Liebe Mutter, egal, wo du heute stehst – vertrau darauf, dass Gott dir dort mit seiner Gnade begegnet.