Alte Lieder, neue Lieder
Warum der Auftrag der Gemeinde wichtiger ist als der Musikstil
Eines der häufigsten Spannungsfelder in unseren Gemeinden ist wohl die Musik bzw. das Liedgut. Insbesondere in Gemeinden, die schon länger bestehen, findet sich der bekannte Generationenkonflikt. Präferenzen und Geschmäcker gehen auseinander, was die Auswahl der gemeinsam gesungenen Lieder und die Art der musikalischen Begleitung betrifft. Manche Christen warnen eindringlich vor modernen Lobpreisliedern. Diese werden oft als flach, unterhaltungsfixiert, weltlich oder gar häretisch bezeichnet. Umgekehrt weisen andere darauf hin, dass es traditionellen Hymnen oft an Relevanz oder Zugänglichkeit fehlt – mit veralteten Melodien und unverständlicher Sprache könne man insbesondere die jüngeren Generationen und Außenstehende nicht mehr erreichen. Allzu leicht werden diese innergemeindlichen Gräben unnötig vertieft, indem man ein falsches Dilemma erzeugt (entweder alte Hymnen oder moderner Lobpreis).
Diesem Spannungsfeld möchte ich mich in diesem Artikel nähern und Antworten finden auf Fragen wie: „Sollten wir alten Hymnen den Vorrang geben gegenüber modernen Liedern?“, „Ist es in Ordnung, nur noch moderne Lieder zu singen?“ oder „Sollten wir eine Ausgewogenheit zwischen alten und neuen Liedern anstreben?“
Der Konflikt in der Kirchengeschichte
Tatsächlich begleiten musikalische Konflikte die Kirchengeschichte von Anfang an: Es gab Streit um Instrumente, Singweisen, erlaubte Metren und Harmonien. Selbst viele unserer heutigen „klassischen“ Hymnen galten anfangs als zu modern oder innovativ und brauchten Jahrzehnte, bis sie als gottesdiensttauglich akzeptiert wurden.
Schon in der frühen Kirche wurde ein Kulturkampf um den „richtigen“ Klang der Gemeindemusik ausgefochten. Während Harfen, Flöten und Trompeten im antiken Rom zum Alltag gehörten, waren sie vielen Kirchenvätern ein Dorn im Auge. Diese Instrumente waren für sie untrennbar mit dem „heidnischen“ Lebensstil verbunden – mit ausschweifenden Festen, Theateraufführungen und Kulten, die nicht zum christlichen Ideal passten.
Clemens von Alexandria (um 200 n.Chr.) wollte nur ein einziges Instrument gelten lassen: das Wort des Friedens. Alles andere – von der Flöte bis zur Zimbel – war für ihn Kriegswerkzeug oder Jahrmarktsmusik.[1] Bischof Cyprian wurde noch deutlicher. Musiker seien fast schon undankbar gegenüber ihrem Schöpfer: „Warum mit den Fingern auf Saiten herumzupfen, wenn Gott dem Menschen doch eine Zunge zum Singen gegeben hat?“[2] Johannes Chrysostomos schloss sich dieser Meinung an: „Hier braucht man weder eine Zither noch gespannte Saiten, noch ein Plektrum, noch Kunst, noch irgendein Instrument; aber wenn du möchtest, kannst du selbst zur Zither werden, indem du die Glieder des Fleisches züchtigst und eine vollkommene Harmonie zwischen Geist und Körper herstellst.“[3]
Die Heftigkeit dieser Verbote zeigt uns aber auch etwas über die Stimmung im Volk: Die Gläubigen wollten ihre Instrumente offenbar mit in die Kirche bringen! Der Druck „von unten“ muss enorm gewesen sein. Dennoch setzten sich die Kirchenväter durch – und zwar so nachhaltig, dass die Kirchenmusik fast ein ganzes Jahrtausend lang eine rein vokale Angelegenheit blieb. Die Stimme war das einzige erlaubte Medium – ohne Begleitung.
Professionalismus in der Gemeindemusik
Leider wurde diese Vokalmusik auch zunehmend professionalisiert und weniger gemeinschaftlich. Priester, die entsprechend geschult wurden, übernahmen den Gesang in den Kirchen. Das einfache Volk durfte zuschauen und zuhören. Es entstanden professionelle Sängerschulen (schola cantorum). Da die Liturgie immer komplexer und kunstvoller wurde, konnten ungeübte Laien die schwierigen Melodien nicht mehr mitsingen. Der Theologe Scott Aniol sieht in dieser Art von Gemeindemusik einen Sacerdotalismus.[4] Sacerdotalismus (von lateinisch sacerdos „Priester“) bezeichnet eine theologische Haltung oder kirchliche Struktur, die das Priestertum und die priesterliche Vermittlung zwischen Gott und Mensch ins Zentrum stellt.
Biblischer Lobpreis ist gemeinschaftlich und emotional
Dem entgegen steht jedoch die neutestamentliche Perspektive, dass wir nur einen Mittler zwischen Gott und Menschen haben, nämlich Jesus Christus (vgl. 1Tim 2,5), und wir alle dazu berufen sind, einander zuzusingen (vgl. Kol 3,16–17). Dieses hat zum Ziel, dass das Wort Christi reichlich in unseren Herzen wohnen soll. Jeder Gläubige hat den Auftrag, auf diese Weise das Wort von Christus zu verkünden.
Auch schon zur Zeit des Alten Testaments war der Lobgesang eine zutiefst gemeinschaftliche Angelegenheit. In 2. Mose 15 lesen wir, wie Mose und Mirjam – als Reaktion auf Gottes große Rettung durch das Meer hindurch – die Gemeinde im Lobpreis anleiteten. Psalm 149,1 fordert die ganze Gemeinde zum Lob Gottes auf: „Die Gemeinde der Heiligen soll ihn loben“ (LU). Dutzende weitere Beispiele stoßen in dasselbe Horn.
Die Reformation – mit der Rückkehr zum Wort Gottes als alles normierender Norm – brachte daher auch einen Paradigmenwechsel im christlichen Gemeindegesang. Sowohl Luther als auch Calvin betonten die Wichtigkeit des gemeinsamen Gesangs in der eigenen Sprache, der musikalisch für alle Menschen zugänglich sein sollte – im Gegensatz zu dem lateinischen Sprechgesang und Chant, der damals in der Kirche vorherrschte. Calvin ließ nur die Psalmen zu, während Luther auch den Wert christlicher Poesie und selbst geschriebener Lieder schätzte, solange sie eine theologisch zutreffende Sicht auf Gott und sein Evangelium vermittelten.
Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wird im Zusammenhang mit dem Lobgesang und der Anbetung Gottes eine große Bandbreite an Instrumenten und musikalischen Stilen erwähnt. Für manche Psalmen finden wir konkrete Angaben, welche Melodie (z.B. Ps 69,1: „Nach der Melodie ‚Lilien‘“) und welche Instrumente (z.B. Ps 8,1: „Auf der Gittit“) verwendet werden sollen. Das zeigt uns, dass die musikalische Umsetzung hinsichtlich der emotional vielfältigen Wirkung von Musik nicht willkürlich sein sollte. Lieder der Buße sollen mit elegischen Melodien begleitet werden, Lieder über die Erhabenheit Gottes mit pathetischen, feierlichen Melodien und Lieder über die Auferstehung Christi und seinen Sieg über den Tod mit energetischen und fröhlichen Melodien.
Das gleiche Prinzip gilt für den Einsatz der Instrumente. In den Psalmen finden wir Anordnungen zum Gebrauch von Akkordinstrumenten (z.B. Harfe und Zither), Melodieinstrumenten (z.B. Posaune und Flöte) und Rhythmusinstrumenten (z.B. Tamburin und Pauke). Und das ist auch nicht verwunderlich, denn Gott hat Musik offenkundig so geschaffen, dass sie aus diesen drei Elementen (Harmonie, Melodie und Rhythmus) besteht und von ihnen getragen wird. Instrumente bieten ein großes Spektrum an Klangfarben, Spielweisen, Einsatzmöglichkeiten und musikalischen Zwecken. So können wir durch ihren gezielten Einsatz die vielfältigen Facetten des Wortes Gottes und des Evangeliums, die wir einander zusingen sollen, adäquat unterstreichen und sie durch eine passende Form anreichern.
Warum das alles? Wieso genügt es nicht, Gottes Wort einfach nur zu lesen und die Musik ganz wegzulassen? Jonathan Edwards drückte es so aus:
„Die Pflicht, Gott zu lobsingen, scheint ausschließlich dazu bestimmt zu sein, religiöse Gefühle zu wecken und zum Ausdruck zu bringen. Es kann kein anderer Grund angeführt werden, warum wir uns vor Gott in Versen statt in Prosa ausdrücken sollten, und zwar mit Musik, sondern nur, dass es unserer Natur und unserem Wesen nach so ist, dass diese Dinge unsere Gefühle wecken.“[5]
Gemeindemusik und Kultur
Um den Kreis zu schließen, möchte ich noch ergänzen, dass es durchaus weise sein kann, aufgrund kultureller Gegebenheiten die Auswahl von Instrumenten oder musikalischen Stilen einzuschränken. Wir leben als Gläubige in der Welt und nicht losgelöst von der Welt, wenngleich wir nicht von der Welt sind (vgl. Joh 17,14–16). Daher wird es immer kulturelle Aspekte geben, die wir nicht einfach außer Acht lassen können. Während es heute allgemein im westlichen Christentum völlig normal ist, Jeans zu tragen, hätte es für einen Christen in den 50er Jahren ein bedenkliches Signal gesendet. Das Tragen von Jeans wurde damals zu einem Symbol für Rebellion und jugendlichen Trotz gegen Autoritäten, Konformität und soziale (sowie religiöse) Normen. Entsprechend sollte man die Aussagen mancher Kirchenväter und Pastoren der frühen Kirche in Bezug auf Instrumente nicht überstrapazieren oder zweckentfremden, denn auch sie waren Kinder ihrer Zeit.
Jonathan Gibson und Mark Earngey betrachten in ihrem großartigen Buch Reformation Worship auf knapp 700 Seiten die Liturgien der Reformatoren und kommen zu einer wichtigen Erkenntnis: Wenn unterschiedliche Präferenzen, kulturelle Gegebenheiten und Bibelauslegungen aufeinandertreffen, sollten wir uns vom Prinzip der Liebe, der Freiheit und der Einheit leiten lassen. Calvin schreibt:
„Weil [der Herr] nicht beabsichtigte, uns durch äußere Disziplinarvorschriften und Zeremonien im Detail vorzuschreiben, was wir tun sollten (denn er sah voraus, dass dies vom jeweiligen Zeitgeist abhängt, und hielt keine einzige Form für alle Zeitalter für geeignet), müssen wir uns hier auf jene allgemeine Regeln stützen, die er uns gegeben hat, damit alles, was die Notwendigkeit der Kirche für Ordnung und Anstand erfordert, an diesen gemessen wird.“[6]
Welche allgemeinen Regeln sind das? Hier einige Beispiele:
- „Lasst alles bei euch in Liebe geschehen!“ (1Kor 16,14)
- Seid „eifrig bemüht …, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens.“ (Eph 4,3)
- „Alles lasst zur Erbauung geschehen!“ (1Kor 14,26)
- „Ich will mit dem Geist lobsingen, ich will aber auch mit dem Verstand lobsingen.“ (1Kor 14,15b; vgl. auch 1Kor 14,5ff)
Zwischenresümee
Musik und Gesang in der Gemeinde ist dezidiert gemeinschaftlich und nicht performativ. Musik ist von Gott geschaffen und hat offenkundig die Kraft, Emotionen zu fördern. Nach biblischem Vorbild sollte daher die Auswahl von Liedern, Melodien, Stilen und Instrumenten nicht dem eigenen Ermessen überlassen sein, sondern mit einer entsprechenden künstlerischen Sensibilität geschehen. Das Ziel des Gemeindegesangs ist, das Wort Christi reichlich in unseren Herzen wohnen zu lassen. Bei allem, was wir tun, und somit auch bei den Entscheidungen, die wir hinsichtlich unserer Gottesdienstgestaltung und Gemeindemusik treffen, sollen wir uns von den allgemeinen Prinzipien der Liebe, Einheit, Erbauung der Gemeinde und Verständlichkeit leiten lassen.
Anwendung auf die Frage der Liedauswahl
Wagen wir nun den Versuch, diese Prinzipien am Thema Liedauswahl zu konkretisieren, und wenden uns damit wieder den eingangs gestellten Fragen zu. Wir tun das anhand von drei Thesen:
1. Eine Ausgewogenheit zwischen alten Hymnen und neuen Liedern kann sinnvoll sein, ist aber nicht die erste Priorität
Traditionelle Hymnen (wie z.B. „O Gnade Gottes“, „Großer Gott wir loben dich“ oder „O Haupt voll Blut und Wunden“) sind dafür bekannt, theologischen Tiefgang mit guter Singbarkeit zu vereinen. Tatsächlich wurden sie seinerzeit speziell für den gemeinschaftlichen Gesang geschrieben. Moderne Lobpreislieder sind dagegen oft musikalisch komplexer, beinhalten teils schwierig zu singende Synkopen oder einen größeren Tonumfang und einen komplizierteren Aufbau. Diese Zuschreibungen gelten jedoch nicht immer. Auch in den vergangenen Jahrhunderten wurden Lieder geschrieben, die theologisch flach, fragwürdig oder sogar falsch waren und die zu Recht den Test der Zeit nicht bestanden. Ebenso gibt es neue Lieder, die sich wunderbar singen lassen und die durchtränkt sind von Gottes Wort und seinem Evangelium.
Wer in einer Gemeinde für die Auswahl des Liedguts verantwortlich ist, sollte sich also nicht in erster Linie fragen, ob alte und neue Lieder ausgewogen vertreten sind. Wichtiger ist, ob die Gemeinde mit den ausgewählten Liedern ihrem gottgegebenen Auftrag gerecht werden kann, sich durch das gegenseitige Zusingen mit dem Wort Christi zu füllen. Wenn das für deinen Gemeindekontext bedeutet, (fast) ausschließlich alte Hymnen oder Psalmen zu singen, dann ist das der richtige Weg für euch. Wenn du aber Gemeindegründer in einer urbanen Umgebung bist und dein künstlerisches und pastorales Empfinden dir nahelegt, Lieder mit modernem Wortschatz zu bevorzugen, dann geh diesen Weg. Insbesondere bei diesem Thema müssen wir aber auch kritikoffen bleiben und persönliche Präferenzen von unserer Verantwortung für die Gemeinde Gottes trennen.
2. Die Lieder, die wir auswählen, sollten Gottes Wahrheiten mit unseren Emotionen verbinden
Wenn Gott Musik so geschaffen hat, dass sie unsere Gefühlswelt anspricht, dann sollten wir darauf achten, dass unsere Lieder sich dazu eignen, dies umzusetzen. Manche Christen sind der Meinung, für „richtiges Psalmensingen“ sei es notwendig, die Psalmen Wort für Wort, ohne Metrik und ohne Instrumente zu singen, also in einer Art Sprechgesang. Ironischerweise werden bei dieser Herangehensweise aber gerade die Prinzipien, die aus den Psalmen stammen, außer Acht gelassen. Die Psalmen geben uns Anweisungen, welche Melodie bei einem Lied zu verwenden ist, welches Instrument dazu gespielt werden soll und wo musikalische Pausen einzufügen sind. Offensichtlich geht es um mehr als nur um das korrekte Rezitieren der Worte. Wir dürfen den emotionalen Aspekt nicht aus dem Blick verlieren.
Vermutlich würden die meisten von uns sagen, dass die heutige Lobpreismusik auf diesen Aspekt den größeren Wert legt. Es gibt jedoch auch hier deutliche Gegenbeispiele. Wenn ich „O Haupt voll Blut und Wunden“ höre, bekomme ich Gänsehaut. Durch die Dichtkunst von Paul Gerhardt und die kompositorischen Fähigkeiten von Johann Sebastian Bach entstand eine musikalisch-inhaltliche Passung, die atemberaubend ist. Wenn du mit dem Thema Emotionen Schwierigkeiten hast und deshalb moderne Lobpreislieder tendenziell ablehnst, dann lies die Psalmen doch mal unter diesem Blickwinkel und achte darauf, wie sich schon die Hymnenschreiber vergangener Generationen die großartige Kraft der Musik zunutze gemacht haben.
3. Die Liebe, die Einheit der Gemeinde und ihre Erbauung sind wichtiger, als einer bestimmten Form gerecht zu werden
Wir haben bereits festgestellt, dass alles, was wir im Gottesdienst tun, in Liebe geschehen, die Einheit der Gemeinde fördern und zur Erbauung der Gemeinde dienen soll. Liebe kann in diesem Kontext bedeuten, dass ich als Verantwortungsträger Lieder mit aufnehme, die zwar meinem persönlichen Geschmack nicht ganz entsprechen, die aber beispielsweise den Senioren meiner Gemeinde bei der Umsetzung von Gottes Auftrag helfen, sich gegenseitig das Wort Christi zuzusingen. Es kann auch bedeuten, dass ich auf bestimmte Lieder im Gottesdienst verzichte, die ich zwar persönlich sehr mag, die aber sprachlich oder musikalisch für einen Großteil der Gemeinde nicht zugänglich sind. Wenn die Gläubigen im Gottesdienst dadurch abgelenkt werden, dass ein Lied unverständliche Aussagen enthält, tut das dem großen Ziel des Gemeindegesangs Abbruch.
In einer Mehrgenerationengemeinde lässt es sich wohl kaum vermeiden, dass unterschiedliche Geschmäcker aufeinanderprallen. In diesem Fall ist von allen Seiten die Bereitschaft zur Einheit gefragt, die sich auch darin zeigt, von Herzen jene Lieder mitzusingen, die mir persönlich nicht liegen. Die Verantwortungsträger einer Gemeinde sollten dieses Thema daher auch in der Lehre berücksichtigen. Eine Gemeinde muss verstehen, warum sie singt und dass der gemeinsame Gesang nicht nur zur Ehre Gottes dient, sondern auch die Einheit untereinander fördern soll.
Jeder von uns hat seine Präferenzen und seinen persönlichen Geschmack. Jeder hat Wünsche, was in der eigenen Gemeinde und im Gottesdienst noch geändert werden könnte. Sich über das Ausmaß dieser Tatsache bewusst zu werden, kann ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein. Deshalb möchte ich mit einem herausfordernden Zitat von Earngey und Gibson abschließen, das wir uns als Prüfstein vor Augen stellen können:
„Jede liturgische Reform beweist ihren Wert jedoch letztlich dadurch, dass sie zeigt, ob es ihr mehr um einen schönen Erlöser als um einen schönen Gottesdienst geht. … Eine Reformation, deren Ziel lediglich darin besteht, zu bestimmten Formen des Gottesdienstes aus einer anderen Epoche zurückzukehren, wird letztlich nichts bewirken. Sie ist bloßer Traditionalismus – der tote Glaube der Lebenden. Eine Reformation hingegen, deren Ziel es ist, die Herzen der Menschen durch seinen Sohn, durch sein Wort und seine Sakramente in der Gnade und Kraft seines Geistes zu Gott, dem Vater, zu erheben, wird viel bewirken. Dies ist christlicher Gottesdienst in der Tradition der christlichen Kirche – es ist der lebendige Glaube der Toten. Ein solcher Gottesdienst dient dem Wohl des Volkes Gottes und der Ehre seines Namens.“[7]
1 1 Clemens von Alexandrien, The Paedagogus, II,4, online unter: https://www.newadvent.org/fathers/02092.htm (Stand: 03.06.2026).
2 Cyprian von Karthago, De Spectaculis, online unter: https://www.documentacatholicaomnia.eu/03d/0200-0258,_Cyprianus_Carthaginensis,_Libri_de_Spectaculis_[Schaff],_EN.pdf (Stand: 03.06.2026).
3 Johannes Chrysostomus, Exposition of Psalms 41, online unter: https://classicalchristianity.com/2010/06/23/st-chrysostom-on-church-music/ (Stand: 03.06.2026).
4 Vgl. Scott Aniol, „The Participants of Corporate Worship“, online unter: https://g3min.org/the-participants-of-corporate-worship/?srsltid=AfmBOorEE0fuEQZJPp3J53RxV-WSUfq62vwjlgqrA2ecaxvM6XunN-V7 (Stand: 03.06.2026).
5 Jonathan Edwards in: John E. Smith (Hrsg.), The Works of Jonathan Edwards, Bd. 2, Religious Affections, New Haven: Yale University Press, 1959, S. 114–115.
6 Jonathan Gibson, Mark Earngey, Reformation Worship: Liturgies from the Past for the Present, Greensboro: New Growth Press, 2018, S. 46.
7 Gibson, Earngey, Reformation Worship, S. 74.