Leben als Christ

Gott vertrauen

Artikel von Kirk Wellum
15. Juni 2026 — 17 Min Lesedauer

Gott zu vertrauen gehört zu den Wahrheiten, von denen wir meinen, sie zu verstehen – bis wir tatsächlich dazu aufgefordert werden. Dann stellen wir fest, dass mehr dahintersteckt, als uns bewusst war. Das Vertrauen auf Gott ist ein Bestandteil des rettenden Glaubens, dem drei Elemente zugeschrieben werden: Wissen, Zustimmung und Vertrauen.[1] Alle drei Elemente gehören zusammen. Ohne das Vertrauen ist der Glaube jedoch unzulänglich und erschreckenderweise kaum vom Glauben der Dämonen zu unterscheiden, die glauben und vor Gott erschaudern, sich jedoch nicht bekehren und ihm nicht ergeben (vgl. Jak 2,19; Ps 78,22). Gott zu vertrauen ist für das christliche Leben unerlässlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass es einfach ist – besonders nicht in einer Welt, die den Verstand derer, die auf ihn vertrauen, beinahe bei jeder Gelegenheit infrage stellt. Und dennoch müssen wir Gott vertrauen. Die Bibel hat zu diesem Thema viel zu sagen und kann uns helfen – egal, in welcher Lage wir uns befinden.

Wir sind dazu aufgerufen, Gott zu vertrauen

Als Erstes müssen wir verstehen, dass wir dazu aufgerufen sind, dem Herrn zu vertrauen. In Psalm 4,5 sagt David: „Bringt Opfer der Gerechtigkeit und vertraut auf den HERRN!“ Sprüche 3,5–6 ermahnt uns: „Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne ihn auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen.“ Das christliche Leben ist von Anfang bis Ende ein Leben des Vertrauens auf Gott. Zu Beginn kehren wir um und glauben an das Evangelium (vgl. Mk 1,15), und auf dem gesamten weiteren Lebensweg sind wir dazu aufgefordert, Gott zu glauben und dem Herrn Jesus zu glauben, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (vgl. Joh 14,1.6). So erinnert uns auch der Verfasser des Hebräerbriefes: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer zu Gott kommt, muss glauben, dass er ist und dass er die belohnen wird, welche ihn suchen“ (Hebr 11,6).

Dieser Glaube, dessen zentraler Bestandteil das Vertrauen ist, unterscheidet diejenigen, die in Christus sind, von denen, die in Adam sind – dem Bundeshaupt der gefallenen Menschheit (vgl. Röm 5,12–6,14). Er wird in uns durch die Gnade und Kraft Gottes, durch sein Wort und das Wirken des Heiligen Geistes gewirkt; zugleich aber ist er etwas, das wir als Gläubige tun müssen. Es ist Teil unserer Verantwortung, „unsere Rettung mit Furcht und Zittern zu verwirklichen, denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,12–13). Um uns dazu zu ermutigen, Gott zu vertrauen und in unserer Beziehung zu ihm zu wachsen, hat die Bibel viel über Gottes Vollkommenheiten, seine Verheißungen und sein Handeln zu sagen. Zudem gibt sie uns Beispiele des Vertrauens auf Gott und beschreibt, wie dieses Vertrauen in unserem Leben zum Ausdruck kommen soll.

Die Vollkommenheiten Gottes

Weil Gott in seinem Wesen vollkommen ist, ist alles an ihm vertrauenswürdig. Die Bibel verdeutlicht diese wichtige Wahrheit auf zweierlei Weise: Erstens warnt sie vor der Torheit, irgendjemand anderem oder irgendetwas anderem als dem Herrn zu vertrauen, und zweitens beschreibt sie seine einzigartige Herrlichkeit.

In Sprüche 1,20–33 wird die Weisheit personifiziert und als eine Person dargestellt, die laut auf der Straße ruft und auf den Plätzen ihre Stimme erhebt. Sie spricht jeden an, der auf ihre Warnung hören will, und mahnt vor der Torheit, ihren Rat und ihre Zurechtweisung zu missachten. Sie tadelt die Spötter und Toren dafür, dass sie die Erkenntnis hassen und den Herrn nicht fürchten, sondern stattdessen ihren eigenen Weg gehen und ihr Vertrauen auf andere Dinge setzen. Diese Gedanken werden in den Sprüchen und anderen Schriftstellen weiter entfaltet.

Wir werden beispielsweise davor gewarnt, unser Vertrauen in Menschen zu setzen: „So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom HERRN weicht!“ (Jer 17,5). Sprüche 25,19 sagt: „Auf einen treulosen Menschen ist am Tag der Not ebenso viel Verlass wie auf einen zerbrochenen Zahn und auf einen wankenden Fuß.“ In seinem Umgang mit Israel im Alten Bund tadelte der Herr das Volk immer wieder dafür, dass es politische Bündnisse mit heidnischen Völkern einging, anstatt auf ihn zu vertrauen. „Nun, siehe, du vertraust auf jenen geknickten Rohrstab, auf Ägypten, der jedem, der sich darauf stützt, in die Hand fährt und sie durchbohrt! So ist der Pharao, der König von Ägypten, für alle, die auf ihn vertrauen!“ (2Kön 18,21; vgl. Jes 30,2–3; 36,6).

Wir werden ebenfalls davor gewarnt, unser Vertrauen in Reichtümer zu setzen: „Wer auf seinen Reichtum vertraut, der wird fallen; die Gerechten aber werden grünen wie das Laub“ (Spr 11,28; vgl. Ps 52,9; Jer 48,7; 49,4). Gleichermaßen sollen wir weder falschen Götzen (vgl. Ps 31,7; Jes 42,17), Lügen (vgl. Jer 13,25), Schönheit (vgl. Hes 16,15), unseren eigenen Wegen oder unserer militärischen Überlegenheit (vgl. Hos 10,13) noch unserem eigenen Verstand (vgl. Spr 28,26) vertrauen. Denn all das läuft letztlich darauf hinaus, uns selbst zu vertrauen (vgl. Lk 18,9). Es ist die Ursünde und die Wurzel all unserer Sünden und Auflehnung: Wir verehren und vertrauen auf uns selbst statt auf den Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit (vgl. Röm 1,25). Im Kern handelt es sich dabei um Götzendienst – wenngleich er sich in immer neuen Gestalten zeigt.

Statt unser Vertrauen auf etwas Erschaffenes zu setzen, sind wir aufgerufen, Gott, dem Herrn, zu vertrauen – und dafür gibt es viele gute Gründe. Er ist kein Geschöpf, sondern der unerschaffene, ewige Schöpfer (vgl. Hebr 11,3). Er ist nicht an die Zeit gebunden und wird niemals aufhören zu existieren. Darüber hinaus ist er in seiner Existenz von niemandem und nichts abhängig. Er hat keine Bedürfnisse, „da er doch selbst allen Leben und Odem und alles gibt“ (Apg 17,25). In der Theologie wird dies als die Aseität Gottes bezeichnet.

Die Bibel lehrt uns auch, dass Gott allgegenwärtig, allwissend und allmächtig ist. Niemand kann seinen Willen vereiteln, sich ihm widersetzen und ungeschoren davonkommen (vgl. Hi 9,12; Dan 4,35). Wie der Psalmist sagt: „Unser Gott aber ist im Himmel; er tut alles, was ihm wohlgefällt“ (Ps 115,3). Und der Apostel Paulus bekräftigt, dass Gott „alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens“ (Eph 1,11). Gottes Souveränität ist absolut – ohne dabei die menschliche Freiheit und Verantwortung in irgendeiner Weise aufzuheben oder bedeutungslos zu machen. Nichts geschieht, was er nicht bestimmt hat. Nichts trifft ihn unvorbereitet. Er kennt das Ende von Anfang an und wird alles, was er sich vorgenommen hat, vollenden und seinen Plan zur Vollendung bringen. Als Herrscher des Universums können wir ihm vertrauen, egal was geschieht. In seinen Händen sind wir geborgen. Sprüche 21,30 versichert uns: „Es hilft keine Weisheit, kein Verstand und kein Rat gegen den HERRN.“

Zusätzlich zu Gottes Aseität und Souveränität lehrt uns die Bibel, dass Gott Liebe ist (vgl. 1Joh 4,8). Gott liebt seine gesamte Schöpfung und sorgt auf vielfältige Weise für sie (vgl. Mt 5,43–48; Apg 14,17; 17,25–27). Doch er hegt eine ganz besondere Liebe für sein Volk, die es in Gemeinschaft mit ihm bringen und zur vollständigen Erlösung von der Sünde und von all seinen Feinden in dieser und in der kommenden Welt führen wird (vgl. Joh 17,23; Röm 8,29–39). Diese Liebe Gottes wird uns niemals loslassen, und wir können uns jederzeit auf ihn verlassen.

Gott ist zudem heilig – was nicht nur bedeutet, dass er transzendent und herrlich ist, sondern auch, dass er rein und ohne jegliche Sünde oder Befleckung ist: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit!“ (Jes 6,3; vgl. Offb 4,8). Angesichts der ewigen Natur Gottes sowie seiner erhabenen souveränen Macht und Majestät ist es eine gute Nachricht, dass er heilig und liebevoll ist. Es gibt nichts Böses in ihm, und nichts an seiner Liebe steht im Widerspruch zu seinem Wesen als dem Gerechten. Seine Liebe ist rein und seine Urteile ohne Fehler. „Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat – wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott ist es doch, der rechtfertigt!“ (Röm 8,32–33). Nichts kann rückgängig machen, was er getan und für gerecht erklärt hat (vgl. Röm 8,34).

Gott ist auch weise, was bedeutet, dass er das beste Ziel kennt und den besten Weg weiß, um dieses Ziel zu erreichen.[2] Es ist entscheidend, Gottes Weisheit zu verstehen, wenn wir ihm vertrauen wollen. Sie bedeutet nämlich, dass diese Welt und unser Leben in ihr einen Weg darstellen, der von göttlicher Weisheit vorgezeichnet ist. Im gegenwärtigen Moment der Erlösungsgeschichte ist Gottes Weisheit oft schwer – wenn nicht gar unmöglich – zu erkennen, denn wir können die Dinge nicht aus seiner Perspektive wahrnehmen. Doch am Ende dieses Zeitalters, wenn wir das große Ganze aus der Perspektive des kommenden Zeitalters betrachten können, werden wir erkennen, dass Gott weise ist und die ganze Zeit wusste, was er tat (vgl. Hi 12,13; Röm 16,27; 1Kor 3,19–20).

Die Vollkommenheiten Gottes wecken Vertrauen in seinem Volk, und die Heilige Schrift bezeugt diesen Zusammenhang. David sagt: „Darum vertrauen auf dich, die deinen Namen kennen; denn du hast nicht verlassen, die dich, HERR, suchen!“ (Ps 9,11), und an anderer Stelle: „Jene rühmen sich der Wagen und diese der Rosse; wir aber des Namens des HERRN, unseres Gottes“ (Ps 20,7; vgl. 13,6; 21,8; 52,10; Jes 26,4).

Die Verheißungen Gottes

Wir können Gott vertrauen, weil sein Wort wahr ist und weil er seine Versprechen hält (vgl. Joh 17,17; 4Mose 23,19). Über denjenigen, der auf Gott vertraut, spricht der Herr diesen Segen aus: „Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Zuversicht der HERR geworden ist!“ (Jer 17,7). Er wird gesegnet werden, weil der Herr nicht lügen kann und alle seine Versprechen halten wird. Die Bibel ist voll davon, was Petrus als „überaus große und kostbare Verheißungen“ bezeichnet – Verheißungen, die sich auf unser vollendetes Heil und unseren Eintritt in das ewige Reich unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus beziehen (vgl. 2Petr 1,3–11). Diese Verheißungen sind nicht nur an sich schon wunderbar, sondern wir können uns auch auf sie als Gottes Wort an uns verlassen, dessen Erfüllung alles übersteigen wird, was wir erbitten oder uns vorstellen können (vgl. Eph 3,20). Unser Herr hat beispielsweise verheißen, uns nie aufzugeben oder zu verlassen (vgl. Hebr 13,5), alle Tage bei uns zu sein bis an das Ende der Weltzeit (vgl. Mt 28,20), das gute Werk, das er in uns angefangen hat, auch zu vollenden (vgl. Phil 1,6) – nämlich sein Volk von seinen Sünden zu retten (vgl. Mt 1,21).

Des Weiteren hat der Herr verheißen, uns trotz der zahlreichen Feinde – sowohl menschlicher als auch dämonischer Natur –, die uns zerstören wollen, zu beschützen. Er ist der gute Hirte, der sich um seine Schafe kümmert, und er versichert uns, dass uns niemand aus seiner Hand oder der Hand des Vaters reißen kann (vgl. Joh 10,28–29). Keiner Waffe, die gegen uns, die Diener des Herrn, geschmiedet wird, soll es gelingen, und wir werden jede Zunge, die sich gegen uns vor Gericht erhebt, widerlegen, denn der Herr hat verheißen, uns Recht zu verschaffen (vgl. Jes 54,17). Paulus spielt auf diese große Verheißung an, wenn er schreibt, dass niemand Gottes Auserwählten etwas vorwerfen kann, denn Gott ist es, der rechtfertigt, und niemand kann sie verurteilen, da Christus gestorben und von den Toten auferstanden ist und für sein Volk Fürsprache einlegt, wodurch er dessen endgültiges Heil garantiert (vgl. Röm 8,31–39). Was gemeinhin als die „Seligpreisungen“ in der Bergpredigt bekannt ist (vgl. Mt 5,3–12), sind nicht nur Beschreibungen der von Gott gesegneten Bürger seines Reiches, sondern wiederholte Verheißungen des Segens für jene, die durch seine Gnade verwandelt wurden – Verheißungen, die ihnen der Prediger der Bergpredigt durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten gesichert hat, wie es das Matthäusevangelium verkündet.

Die Taten Gottes

Gott ist vertrauenswürdig, weil er in der Geschichte gewirkt hat, um seinen Heilsplan für sein Volk zu verwirklichen. Am Anfang hat Gott die Welt nicht im Stich gelassen, sondern einen Erlöser gesandt, um die verlorenen Kinder Adams zu retten. Paulus spricht davon, dass die Gläubigen in Christus vor Grundlegung der Welt auserwählt wurden, damit sie heilig und tadellos vor ihm seien (vgl. Eph 1,4). Im Verlauf der Jahre hat Gott daran gearbeitet, das Kommen seines Sohnes vorzubereiten, und „als die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen“ (Gal 4,4–5). Er hat nicht nur den gläubigen Juden das Heil geschenkt, sondern auch den gläubigen Heiden, sodass wir nun, wenn wir in Christus sind, Teil des Israel Gottes sind (vgl. Gal 6,16).

Alle vier Evangelien berichten über das Leben, den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung Jesu von den Toten (vgl. Mt 27–28; Mk 15–16; Lk 23–24; Joh 19–21). Die Apostelgeschichte erzählt von seiner Himmelfahrt und von der Ausgießung des verheißenen Heiligen Geistes am Pfingsttag (vgl. Apg 1–2; Hebr 1,1–3). Sie berichtet anschließend vom Ursprung, dem Wachstum und der Ausbreitung der Gemeinde – zuerst unter den Juden, dann unter den Samaritern und schließlich unter den Heiden. Dieses rettende Wirken Gottes setzt sich heute durch die Predigt des Evangeliums und das Zeugnis der christlichen Gemeinde fort und wird andauern, bis er sein ganzes Volk von seinen Sünden gerettet und es aus allen Nationen versammelt hat, wie es symbolisch anhand zweier prophetischer Bilder in Offenbarung 7 dargestellt wird. Auch wenn dies nur ein kleiner Einblick in das ist, was Gott in Christus und durch das Wirken des Heiligen Geistes getan hat und gegenwärtig tut, reicht es aus, um uns Halt zu geben und uns allen Grund zu bieten, auf Gott zu vertrauen.

Beispiele des Vertrauens

In der biblischen Erzählung finden wir viele inspirierende Beispiele des Gottvertrauens. Die ausführlichste Behandlung dieses Themas findet sich in Hebräer 11, wo uns vom Glauben – und damit vom Vertrauen – einer großen „Wolke von Zeugen“ berichtet wird (vgl. Hebr 12,1). Dazu gehören Abel, Henoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Sara, Mose, der Überrest Israels, Rahab, Gideon, Barak, Simson, Jephtah, David, Samuel und die Propheten sowie viele weitere, die nicht namentlich erwähnt werden. Aus dieser Liste geht hervor, dass uns die alttestamentlichen Schriften viele Beispiele dafür liefern, wie das Vertrauen auf Gott in dieser gefallenen Welt mit all ihren Schwierigkeiten konkret gelebt wird.

Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Menschen wie Abraham (vgl. 1 Mose 22,1–19), David (vgl. 1 Sam 17; Ps 26,1; 28,7; 52,10), Hiob (vgl. Hi 13,15; 19,23–27) sowie Daniel und seine drei hebräischen Freunde Hananja, Misael und Asarja, die voller Mut auf Gott vertrauten (vgl. Dan 3,1–30; 6,1–29).

Im Neuen Testament vertrauten Menschen wie Zacharias und Elisabeth (vgl. Lk 1,5–25), Maria und Josef (vgl. Lk 1,26–38; Mt 1,18–25), Johannes der Täufer (vgl. Mt 3,1–17; Lk 3,1–22; Joh 1,19–34) und die Apostel – einschließlich Paulus – auf Gott, jeder in seinen eigenen Lebensumständen und auf dem Weg, den Gott für ihn bestimmt hatte (vgl. Petrus an Pfingsten: Apg 2; Petrus und Johannes: Apg 3–4; Stephanus: Apg 7; Paulus: Apg 16,16–40; 20,17–38; 27,13–44; 2Tim 1,12; 2,8–11; 4,1–18).

Wie das Vertrauen auf Gott in unserem Leben als Christen zum Ausdruck kommt

  • Wenn wir auf Gott vertrauen, werden wir ihm als unserem souveränen Herrn gehorchen, weil wir glauben, dass er weiß, was das Beste ist. Ungehorsam und Vertrauen können nicht nebeneinander bestehen; wenn wir Gott vertrauen, werden wir auf seinen Wegen wandeln und tun, was er uns sagt. Der Prophet Samuel tadelte König Sauls Ungehorsam mit den Worten: „Siehe, Gehorsam ist besser als Schlachtopfer und Folgsamkeit besser als das Fett von Widdern!“ (1 Sam 15,22). Wie es in dem Kirchenlied Wenn wir wandeln im Herrn von John H. Sammis aus dem Jahr 1887 heißt, müssen wir „[gehorsam] folgen und traun".
  • Das Vertrauen auf Gott hilft uns, auf ihn zu warten, wenn er sich Zeit lässt oder schweigt – sei es in Bezug auf unsere Gebete oder auf die Erfüllung seiner Verheißungen. Wenn er sich Zeit lässt, hat das einen guten Grund. Sein Handeln gründet auf seiner Weisheit und Liebe. Bevor David den Thron Israels bestieg, lernte er, auf den Herrn zu warten. Er schreibt: „Harre auf den HERRN und bewahre seinen Weg, so wird er dich erhöhen, dass du das Land erbst. Wenn die Gottlosen ausgerottet werden, wirst du es sehen!“ (Ps 37,34). Wir müssen dasselbe tun.
  • Das Vertrauen auf Gott bewahrt uns davor, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, als wüssten wir besser als Gott, was wir tun sollen. Abraham – obwohl er im Allgemeinen ein wunderbares Beispiel für das Vertrauen auf Gott ist – versuchte zusammen mit seiner Frau Sara, die Erfüllung von Gottes Verheißung eines Sohnes durch Hagar, Saras ägyptische Magd, herbeizuführen; Hagar gebar Abraham Ismael (vgl. 1Mose 16). So sollte sich die Verheißung jedoch nicht erfüllen, und ihr Handeln hatte viele unvorhergesehene Folgen.
  • Wenn wir Gott vertrauen, werden wir keine Angst haben. „Siehe, Gott ist mein Heil; ich will vertrauen und lasse mir nicht grauen; denn Jah, der HERR, ist meine Kraft und mein Lied, und er wurde mir zur Rettung!“ (Jes 12,2). Angst entsteht, wenn wir unseren Blick von Gott abwenden und anfangen, auf unsere Umgebung zu schauen. Sowohl im Leben als auch angesichts des Todes müssen wir uns an ihn klammern (vgl. Ps 23).
  • Wenn wir auf Gott vertrauen, werden wir mit dem zufrieden sein, was er uns gegeben hat. Wir wissen, dass er seinem Volk Gutes versprochen hat und dass er nichts zurückhält (vgl. Röm 8,32). Er sagt uns, wir sollen ihn um unser tägliches Brot bitten und zuerst nach seinem Reich trachten. Wir müssen darauf vertrauen, dass er unsere Bedürfnisse Tag für Tag nach seinem Willen stillen wird (vgl. Mt 6,11.25–34).
  • Wer auf Gott vertraut, wird im Glauben handeln. Da der Christ weiß, wer Gott ist, was er versprochen hat, was er getan hat und wie sein Volk in Zeiten der Versuchung, der Finsternis, der Verlassenheit, des Unglücks und der Bedrängnis, aber auch in Zeiten der Freude und des Überflusses auf ihn vertraut hat, sollte er mutig und entschlossen sein. In den bekannten Worten von William Carey (1761–1834): Wer Gott vertraut, wird „Großes von Gott erwarten und Großes für Gott wagen“.

Weiterführende Literatur


1 John Gill, Body of Divinity, Bd. 1, Grand Rapids: Baker Book House, 1978, S. 411.

2 Vgl. Wayne Grudem, Biblische Dogmatik: Eine Einführung in die systematische Theologie, Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2013, S. 212.