Wenn deine Kinder das Sagen hätten
In der Bibel lesen wir, dass Josia mit acht Jahren König wurde. Es ist schwer vorstellbar, welche Arten von Entscheidungen er zu fällen hatte. Was würdest du tun, wenn du die mächtigste Person im Königreich und noch ein Kind wärst?
Wenn meine Kinder das Kommando hätten, würde es zu jeder Mahlzeit Eis oder Kekse geben. Genau genommen wären Eis und Kekse für meine Kinder eine vollwertige Mahlzeit. Wir würden viel mehr Pizza essen und unser Gemüsekonsum würde stark zurückgehen. Wir würden ständig ihre Freunde treffen, aber niemals Hausaufgaben machen. Unser Budget für Computerspiele und Kinobesuche würde in die Höhe schießen. Es würde weder Schlafenszeiten noch Wecker geben. Häusliche Pflichten würden der Vergangenheit angehören – außer für mich, denn ich hätte immer noch Geschirr, Wäsche und andere Dinge zu reinigen, nach dem Gutdünken meiner Kinder. Wenn meine Kinder das Sagen hätten, würde es keine Regeln mehr für die Nutzung von Handys und anderen elektronischen Geräten geben. Ich würde meine Ersparnisse ausgeben, die für den Ruhestand gedacht waren, und mich sogar verschulden, damit wir uns ein Trampolin, einen Pool, mehr Haustiere und eine üppige Zahl großer und aufwendiger LEGO-Sets zulegen könnten.
Wie würde das Leben bei dir zu Hause aussehen, wenn deine Kinder das Sagen hätten? Was würde es zum Abendessen geben? Wofür würden deine Kinder Geld ausgeben? Was würden sie jeden Tag machen wollen?
Würdet ihr als Familie jemals gemeinsam in der Bibel lesen, wenn deine Kinder darüber bestimmen würden? Welche Rolle würde die Lehre bei der Wahl einer Gemeinde für deine Kinder spielen? Würdet ihr überhaupt jemals eine Gemeinde besuchen, wenn deine Kinder darüber zu entscheiden hätten? Wie würde sich euer Miteinander verändern, wenn deine Kinder die Grundregeln für Verhalten, Entschuldigungen und Versöhnung festlegen würden?
Wie würden dich deine Kinder behandeln, wenn sie das Sagen hätten? Würden sie dich mit ihren Entscheidungen ehren, oder würden sie Wege finden, auf denen du dich selbst erniedrigen müsstest, um ihnen Ehre zu erweisen? Wenn deine Kinder das Sagen über dein Leben hätten, würden sie dir dienen oder schlicht erwarten, dass man ihnen dient?
Kinder als Könige
Kinder sind wunderbar. Ich liebe Kinder. Doch Kinder geben schreckliche Götter und Herren ab. Wenn Kinder das Sagen haben, treffen sie kindische Entscheidungen. Die meisten Kinder würden ihre Macht missbrauchen. Sogar die liebsten Kinder können zu Tyrannen werden, wenn ihnen genügend Macht gegeben wird. Es ist selten, ein Kind zu finden, das im Umgang mit Selbstverleugnung und Selbstlosigkeit erfahren ist. Sich „kindisch“ zu verhalten, wird oft mit dem Gegenteil assoziiert – nämlich mit ausschweifenden, egoistischen Wünschen.
Ich habe Familien erlebt, in denen die Wünsche ihrer Kinder für die Eltern der wichtigste Maßstab waren. Das ist eine Form von Götzendienst. Sie ist verwurzelt in etwas Gutem, einem Segen von Gott: in Kindern. Doch diese Liebe gerät außer Kontrolle, wenn es den Eltern wichtiger wird, ihren Kindern zu gefallen, anstatt sie anzuleiten. Es ist ein Problem, wenn dir die Zuneigung deiner Kinder wichtiger wird, als Gott mit deiner Kindererziehung zu verherrlichen.
Wenn du danach strebst, deinen Kindern zu gefallen, führt das auch nicht dazu, in der nächsten Generation Belastbarkeit, Reife und Gottesfurcht wachsen zu lassen. Wenn Kinder nur das tun, was sie tun wollen, und immer das bekommen, was sie wollen, entsteht in ihnen keine Gottesfurcht, sondern Anspruchshaltung. Wenn wir uns den Wünschen unserer Kinder anpassen – wenn wir also unsere eigene Weisheit gegen die Meinung unserer Kinder eintauschen –, mögen wir unseren Kindern vielleicht gefallen und unser Leben vorübergehend einfacher machen. Doch so tun wir unseren Kindern keinen echten Dienst – und wir helfen ihnen auch nicht, Jesus nachzufolgen. Vielmehr stellen wir unsere Kinder dann auf einen Thron, der nur Gott zusteht.
Selbstbeherrschung
Gott sei Dank, dass unsere Kinder nicht unsere Herren werden sollten! Familien, die zu Christus gehören, sollten von Selbstbeherrschung geprägt sein, nicht von der Herrschaft der Kinder. Das Wort „Selbstbeherrschung“ klingt so, als ob Gott sagen würde: „Ihr seid eure eigenen Herren!“ Das ist aber nicht das, was der Geist in uns bewirkt. Es ist viel besser als das! Wenn wir zu unseren eigenen Herren werden würden, wäre das nicht besser, als wenn unsere Kinder das Sagen hätten. Die Frucht des Geistes ist nicht die Macht, Herr über unser eigenes Leben zu werden. Was für eine Freiheit wäre das, wenn wir von einem Tyrannen befreit werden würden, nur um ihn dann durch einen anderen zu ersetzen? Nein, wir sind auch nicht unsere eigenen Herren.
Gott gibt dir die Kraft, Versuchungen zu widerstehen, und leitet dich, das Gute zu wählen – selbst wenn das ein schwierigeres Leben bedeutet. Die Gabe der Selbstbeherrschung ist dir zum Segen gegeben. Du musst nicht die sündhaften Dinge tun, die dir richtig erscheinen. In Christus werfen wir die Sünde weg, die uns so leicht verstrickt, und gehen einen besseren Weg: Gottes Weg.
Das alles geht auf die Lüge zurück, der Eva im Garten Eden glaubte. Eva dachte, dass es besser für sie wäre, wie Gott zu sein und Gott zu ersetzen. Sie gab ihren sündigen Begierden nach und lehnte Gottes Autorität über ihr Leben ab. Das machte sie jedoch nicht frei, sondern zur Sklavin ihrer eigenen Sünde. Jeder Herr, der nicht Gott ist, ist ein Götze.
Selbstbeherrschung ist die befreiende Kraft des Geistes, die uns frei macht. Nicht um uns selbst zu beherrschen oder von etwas anderem beherrscht zu werden, sondern um sagen zu können: „Wir ordnen uns dem besten Herrn unter: Jesus.“ Selbstbeherrschung macht uns frei davon, unter der Herrschaft von jemand anderem als Christus, unserem König, zu stehen. Es ist die Kraft des Heiligen Geistes in uns, die uns befähigt, niemandem zu gehorchen als Gott allein. In Christus sind Sünde und unsere selbstsüchtigen Wünsche nicht länger unsere Herren. Jesus allein ist unser König. Was für eine Befreiung! Wenn unser Herz nach Sünde verlangt, müssen wir der Versuchung nicht nachgeben. Der Geist schenkt uns die nötige Selbstbeherrschung. Manchmal setzt uns sogar die Liebe zu unseren Kindern und das Verlangen, ihnen zu gefallen, unter Druck, sodass wir uns von Christus entfernen. Auch dem müssen wir nicht nachgeben. Der Geist gibt uns die nötige Selbstbeherrschung.
Selbstbeherrschung hat zwei Ursachen. Sie ist ein von Gott gegebenes Verlangen, das zu tun, was Gott möchte. Außerdem ist sie eine von Gott gegebene Kraft, ihn in allem zu ehren, was wir tun. Selbstbeherrschung ist die Freiheit von dem Verlangen, Gott ungehorsam zu sein, und Freiheit von dem Schaden, der entsteht, wenn wir Gott durch unser Leben entehren.
Deine Kinder zu lieben bedeutet nicht, dass du ihnen gehorchen musst. Stattdessen bedeutet es, deine Kinder in der Liebe zu ihrem Gott zu erziehen – egal, was es kostet. Lasst uns ein Leben führen und eine Familie haben, deren höchste Priorität der Wille Gottes und seine Ehre sind. Lasst uns jede Versuchung ausmerzen, die uns dazu bringt, ihn durch uns selbst oder durch das Wohlgefallen irgendeines Menschen zu ersetzen.
Manchmal fällt es uns sehr schwer zu bemerken, wann wir dazu übergegangen sind, anderen Herren zu folgen. Deshalb beschreibt Gott das Ganze als Falle. Er sagt: „Menschenfurcht ist ein Fallstrick“ (Spr 29,25). Ein Fallstrick ist eine versteckte Falle. Du stehst unwissentlich in Gefahr. Wenn wir unser Leben so führen, dass wir Entscheidungen danach treffen, was die Menschen um uns herum zufriedenstellen könnte – ganz so, als wären sie unsere Herren –, begeben wir uns in Gefahr. Wenn wir dafür leben, unsere Kinder glücklich zu machen, mag unser Leben zwar „einfacher“ werden, aber auch gefährlicher.
Jesus sagt: „Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt; und viele sind es, die da hineingehen“ (Mt 7,13). Und der Verfasser der Sprüche erinnert uns an Folgendes: „Mancher Weg erscheint dem Menschen richtig, aber zuletzt führt er ihn doch zum Tod“ (Spr 14,12). Wenn wir uns den gottlosen Launen unserer Kinder anpassen oder sie mehr lieben als Gott, handeln wir zwar auf eine Weise, die „normal“ und verbreitet ist, aber nichts zur Gerechtigkeit und Heiligkeit unserer Familie beiträgt.
Hier kommt die gute Nachricht: Du musst dich nicht den Launen irgendeines weltlichen Herrn unterwerfen. Paulus ruft die Gläubigen dazu auf, ja, er fleht sie regelrecht an: „Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch in eurem Wesen verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“ (Röm 12,2). Die Frucht des Geistes ist Selbstbeherrschung. Sich vom Geist führen zu lassen, führt zu unglaublicher Stärke in dir. Du kannst flussaufwärts rudern. Du kannst bergauf laufen. Du kannst anders erziehen – frei von jeglicher Unterdrückung durch Herren, die nicht Christus sind.
Wir haben ein Verlangen zur Sünde, aber die Sünde ist nicht unser Herr. Wir leben in einer Kultur, die uns nicht zu Christus hinführt, doch auch unsere Kultur ist nicht unser Herr. Wir lieben unsere Kinder, aber sie sind nicht unsere Könige. Wir haben ein Herz, das den Wegen Gottes feindselig gegenübersteht, doch sind wir nicht unsere eigenen Herren. Die gute Nachricht ist: Unser Herr gibt uns die Kraft, ihm nachzufolgen.