„Darf ich mich unterhaken?“
Gottes Geschenk der Generationen
Vor ein paar Monaten wurde ich zu einem Frauenfrühstück in einer Gemeinde eingeladen. Ich sollte einen evangelistischen Impuls zum Thema „Generationen“ vorbereiten und darüber sprechen, wie Jung und Alt voneinander lernen können.
Ich war beeindruckt, wie viele unterschiedliche Frauen an diesem Tag gerade wegen dieses Themas zusammenkamen. Unter den 18- bis 70-jährigen Gästen waren auch zahlreiche Frauen, die nur sporadisch oder noch gar nicht die Gemeinde besuchten. Mir schien, dass dieses Thema bei vielen einen Nerv traf: Die Frauen wollten mit anderen Generationen ins Gespräch kommen. Das Miteinander zwischen den Generationen ist wertvoll.
Wie dürfen wir dies als Gemeinde zu Gottes Ehre leben? Was ist dabei das Wichtigste?
Hier kommen ein paar Gedanken, die hoffentlich ein Segen und eine Ermutigung für unser übergenerationales Gemeindeleben sind, damit wir unter Frauen – und natürlich auch unter Männern – ganz neu entdecken, was Titus 2,3–5 für unseren Alltag bedeutet.
Warum brauchen wir einander?
Was geht dir durch den Kopf, wenn du an andere Generationen denkst? Als Kind und Jugendliche waren mir andere Altersgruppen mehr oder weniger egal. Was zählte, waren vor allem Gleichaltrige. Alles darüber oder darunter war uninteressant. Je älter ich wurde, desto mehr veränderten sich jedoch mein Blick und mein Herz. Heute denke ich, dass die verschiedenen Generationen einer der wertvollsten Schätze sind, die Gott uns gegeben hat.
Wie kostbar dieser Schatz wirklich ist, wurde mir bewusst, als ich zum ersten Mal Mutter wurde. Zwar hatte ich vorher Bücher und Artikel über das Elternsein gelesen, aber kein Buch der Welt konnte mich auf das vorbereiten, was ich dann real erlebte. Auf einmal lief nichts mehr nach Plan. Ich war müde und mit allem überfordert. Obwohl man mit einem kleinen Kind nie ganz allein ist, fühlte ich mich häufig sehr einsam. Ich war oft erschöpft und ratlos und dachte, ich sei die Einzige, die mit diesen Dingen zu kämpfen hatte.
Was ich in dieser Zeit wirklich brauchte, waren andere Frauen, die das alles schon durchgemacht und trotzdem nicht den Verstand verloren hatten. Genau das schenkte mir Gott in unserer Gemeinde. Jemand lud mich zum Frauenbibelkreis ein. Dort traf ich Frauen aus den unterschiedlichsten Lebensphasen: Einige waren Single, manche verheiratet, ein paar waren ebenfalls junge Mütter, andere hatten schon ältere Kinder oder sogar Enkel. Sie verstanden mich, gaben mir Rat, beteten für mich, für unser Kind sowie für unsere Ehe und standen mir bei. In einer Phase, in der mir oft die Puste ausging, durfte ich mich bei diesen erfahrenen Frauen unterhaken. Kein Buch der Welt hätte das leisten können.
Nicht nur ältere Frauen sind ein Schatz. Seit zwei unserer Kinder Teenager sind, erkenne ich auch, wie viel ich von der jüngeren Generation lernen kann. Ich merke, dass eine 20-jährige Studentin meine 14-jährige Tochter noch einmal ganz anders versteht als ich, weil sie altersmäßig näher an ihr dran ist. Es ist bereichernd, ihre Perspektiven zu hören.
Warum brauchen wir einander also über Altersgrenzen hinweg? Weil jede Generation eine andere Perspektive mitbringt. Wenn wir nicht voneinander lernen, berauben wir uns selbst eines wertvollen Schatzes.
Was geben wir der nächsten Generation weiter?
Ich weiß nicht, was du als das Wichtigste ansehen würdest, das über alle Generationen hinweg unbedingt weitergegeben werden sollte. Der persönliche Rat von Frauen, die mir im Leben vorausgingen, war für mich als junge Mutter unschätzbar wertvoll. Dabei ging es mir nie um bloße „Lifehacks“ für ein perfektes Zuhause, erfolgreiche Kinder oder das richtige Fitnessprogramm. Solche Strategien versagen, wenn das Leben plötzlich Kopf steht. Wir brauchen kein fehlerfreies Selbstmanagement, sondern ein Fundament, das durch alle Krisen hindurch trägt. Wir suchen eine Botschaft, die langfristig unser Leben verändert und erfüllt, egal in welcher Generation wir leben.
In der Bibel fordert Gott an vielen Stellen sein Volk auf, bestimmte Dinge unbedingt an die nächste Generation weiterzugeben. Ein sehr prägnantes Beispiel dafür steht in Psalm 78,3–7:
„Was wir gehört und gelernt haben und was unsere Väter uns erzählt haben, das wollen wir ihren Kindern nicht vorenthalten, sondern den Ruhm des HERRN erzählen dem späteren Geschlecht, seine Macht und seine Wunder, die er getan hat. Denn er hat ein Zeugnis aufgerichtet in Jakob und ein Gesetz gegeben in Israel; und er gebot unseren Vätern, es ihren Kindern zu verkünden, damit das spätere Geschlecht es wisse, die Kinder, die noch geboren werden sollten, damit auch sie aufständen und es ihren Kindern erzählten; damit diese auf Gott ihr Vertrauen setzten und die Taten Gottes nicht vergäßen und seine Gebote befolgten.“
Das Volk Israel sollte seinen Nachkommen von Gottes Ruhm erzählen. Es ging um seine großen Wundertaten: wie er sie aus der Sklaverei befreit, sie geführt und ihnen die Treue gehalten hat, obwohl sie selbst untreu waren. Warum sollten sie das weitergeben? „Damit diese auf Gott ihr Vertrauen setzten und die Taten Gottes nicht vergäßen und seine Gebote befolgten“ (Ps 78,7).
Was sind die Ruhmestaten Gottes, die wir unseren Kindern heute weitergeben sollten? Ich habe neulich meine älter werdenden Eltern gefragt, was ihnen für uns Kinder am wichtigsten war und ist. Ihre Antwort war schlicht und einfach: „Das Wichtigste ist und war immer, dass ihr eines Tages zu Jesus findet und mit ihm lebt! Alles andere ist zweitrangig.“
Wer Jesus nachfolgt, dem leuchtet diese Antwort sofort ein: Die frohe Botschaft, das Evangelium von Jesus, ist das Wichtigste, das wir weitergeben können! Doch auch wenn wir das theoretisch wissen, geht es uns im Alltag manchmal wieder abhanden. Darum ist es gut, sich immer wieder bewusst zu machen, warum die Gute Nachricht wichtiger ist als alles andere.
Warum ist Jesus das Wichtigste?
Jesus allein kann unser größtes Problem lösen. Als Frauen stehen wir im Alltag vor vielen Herausforderungen: Wir zweifeln an unserem Selbstwert, vergleichen uns neidisch mit anderen, kämpfen mit zyklischen Hormonschwankungen oder machen uns Sorgen um die Zukunft. Jede Frau ist auf die eine oder andere Weise mit diesen und ähnlichen Problemen konfrontiert.
Obwohl all diese Nöte real und relevant sind, stellen sie nicht unser Hauptproblem dar, sondern sind nur Symptome. Das eigentliche Problem liegt darin, dass wir von Natur aus unabhängig von Gott, unserem Schöpfer, leben. Wir kreisen um unsere eigenen Pläne und fragen selten danach, was er für uns vorsieht. Jede Generation ist so. Wir sind so. Auch unsere Kinder sind so. Im Grunde resultieren alle anderen Probleme, die wir auf dieser Erde erleben, genau daraus. Wir leben nicht so, wie wir eigentlich sollten, und schaden dabei uns selbst und anderen. Es ist das Problem der Sünde in unserem Herzen. Sünde zerstört! Sie macht uns schuldig vor Gott und führt uns immer weiter weg von ihm, ja, sogar in den ewigen Tod. Das ist unser allergrößtes Problem, aus dem sich keiner von uns selbst befreien kann.
Jesus hat genau dieses Problem der Sünde für uns gelöst, indem er zu uns kam und am Kreuz unseren Platz einnahm. Weil er die Strafe für unsere Schuld verbüßt hat, dürfen wir wieder eine lebendige und bereinigte Beziehung zu unserem Schöpfer haben. Das ist der Wendepunkt der ganzen Weltgeschichte und der Punkt, an dem unser größtes Problem gelöst wurde. Darum ist die Nachricht von Jesus das Wichtigste, das wir allen anderen Generationen weitergeben können.
Heißt das, dass wir mit Jesus keine Probleme mehr auf Erden haben? Nein, aber Jesus hilft uns, mit allem besser umzugehen – selbst mit all unseren „Frauenproblemen“ (von denen ehrlicherweise oft auch Männer betroffen sind).
- Jesus schenkt uns einen unveränderlichen Selbstwert, der nicht davon abhängt, was die Welt über uns denkt und sagt, sondern allein davon, was er über uns sagt und was er für uns getan hat.
- Er schenkt uns einen tiefen Lebenssinn. Wir leben nicht mehr nur für uns selbst, sondern mit und für Gott. Dafür wurden wir erschaffen, und nur so finden wir echte Erfüllung.
- Er schenkt uns Liebe für Menschen, die wir von uns aus niemals lieben könnten – weil Jesus uns geliebt hat, als wir noch Sünder waren.
- Er schenkt uns Geduld und Frieden, selbst wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es uns wünschen, weil wir wissen dürfen, dass er alles unter Kontrolle hat und uns gut führt.
- Und er schenkt uns Hoffnung auf ein ewiges Leben bei ihm, wo alles Leid und aller Schmerz der Welt eines Tages ein Ende haben werden.
Jesus nimmt uns nicht jede weltliche Sorge ab, aber er hat unser größtes Problem bereits gelöst. Deshalb dürfen wir selbst mitten im Sturm Frieden erfahren, bis wir eines Tages bei ihm sind. Das ist die wunderbare Botschaft von Gottes Herrlichkeit, die wir durch das Evangelium verkünden dürfen!
Diese Gewissheit prägte auch das Denken meiner Eltern: Wenn wir Kinder Jesus haben, dann haben wir alles, was wir wirklich brauchen. Dieselbe Erfahrung durfte ich als junge Mutter durch die Frauen aus meiner Gemeinde machen. Sie gaben mir zwar auch praktische Tipps zum Familienalltag, aber am meisten schätze ich, dass sie meinen Blick immer wieder auf Jesus lenkten. Woche für Woche erinnerten sie mich an das, was im Leben wirklich zählt, und halfen mir, in jeder Herausforderung neue Hoffnung bei ihm zu suchen. Ihr Gebet und ihre geistliche Ermutigung tragen mich bis heute durch alle Höhen und Tiefen.
Generationen verbinden: Wie sieht das im Alltag aus?
Ich weiß, dass jede von uns in einer anderen Lebenssituation steckt. Manche von uns leben als Single, manche sind verheiratet, manche haben Kinder. Die einen studieren, die anderen arbeiten oder sind vielleicht schon im Ruhestand. Wir alle haben unterschiedliche Kapazitäten. Gott kann und will jede von uns dort gebrauchen, wo wir gerade stehen – und mit den Kräften, die wir haben.
Hier sind ein paar praktische Beispiele:
- Besuche einen Frauenbibelkreis in deiner Gemeinde. Das sind in der Regel Orte, an denen Frauen aus unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen, um Jesus gemeinsam nachzufolgen. Für mich war das wie ein Rettungsring im Lebenschaos. Falls es keinen Frauenkreis gibt, dann bete doch darüber, ob Gott dir Mut und Türen schenkt, einen zu gründen.
- Gehe als Mutter mit jüngeren Kindern zu einer Spielgruppe deiner Gemeinde oder verabrede dich regelmäßig mit anderen Müttern zu „Playdates“. Nebenbei könnt ihr darüber reden, was euch gerade beschäftigt, füreinander beten und euch auf Jesus ausrichten. Auch die kurzen Gespräche nach dem Gottesdienst sind hier oft Gold wert.
- Triff dich gezielt mit nur einer Person, wenn du keine kleinen Kinder (mehr) hast und es dir möglich ist, dich regelmäßig etwas länger und ungestörter mit jemandem auszutauschen. Sogar wenn es nur alle ein bis zwei Monate klappt, ist es das wert. Redet, lest zusammen in der Bibel und betet miteinander.
- Nutze digitale Möglichkeiten, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen: Schickt euch Sprachnachrichten oder geistliche Lieder und erzählt einander, was Gott gerade in eurem Leben tut und wofür ihr Gebetsunterstützung braucht.
Es gibt ganz bestimmt noch viele andere Wege, miteinander über Generationen hinweg ins Gespräch zu kommen und sich gegenseitig Halt zu geben. Was feststeht, ist: Wie auch immer deine Situation gerade aussieht, Jesus möchte durch Menschen wie dich und mich – ganz normale Menschen – andere Generationen erreichen. So hat er es schon immer gemacht, und so möchte er es auch heute noch tun.
„… damit diese auf Gott ihr Vertrauen setzten und die Taten Gottes nicht vergäßen“ (Ps 78,7).