Was sagt die Bibel zum Frauenpastorat?
Die Frage, ob Frauen als Pastorinnen oder Älteste dienen dürfen, geht vielen Christen sehr nahe. Vielleicht hast du selbst schon erlebt, wie dieses Thema in Gemeinden für Zündstoff sorgt oder sie sogar spaltet. Da es sich um eine so kritische und sensible Angelegenheit handelt, ist es entscheidend, direkt in die Bibel zu schauen. Welches Licht wirft das Wort Gottes auf dieses umstrittene Thema?
In 1. Timotheus 2,8–15 gibt der Apostel Paulus klare Anweisungen, wie eine Gemeinde ihr Leben so gestalten kann, dass es Gott gefällt. Paulus schreibt hier an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus, der damals unter großen Herausforderungen der Gemeinde in Ephesus diente. Er sah sich mit falscher Lehre (vgl. 1Tim 1,3–11; 6,2–10) und Unordnung im Gottesdienst (vgl. 1Tim 2,1–15) konfrontiert. Die Gemeinde benötigte auch klare Anweisungen zu den Qualifikationen und Aufgaben ihrer Amtsträger, der Ältesten und Diakone (vgl. 1Tim 3,1–5,25).
Nachdem Paulus Anweisungen zum Gebet gegeben hat (vgl. 1Tim 2,1–7), wendet er sich dem Verhalten von Männern und Frauen im öffentlichen Gottesdienst zu (vgl. 1Tim 2,8–15). Dabei spricht er Probleme an, die bei den jeweiligen Geschlechtern oft besonders präsent sind. Männer sollen „ohne Zorn und Zweifel“ beten (1Tim 2,8). Frauen sollen Gottesfurcht über Glamour stellen (vgl. 1Tim 2,9–10).
Dann kommt Paulus auf einen weiteren Punkt zu sprechen, der die Beteiligung von Frauen betrifft, und beginnt dabei mit einer sehr positiven Feststellung: „Eine Frau soll in der Stille lernen, in aller Unterordnung“ (1Tim 2,11). Der Apostel bekräftigt das Recht der Frauen, im Gottesdienst anwesend zu sein und zusammen mit den Männern das gelesene und verkündete Wort Gottes zu lernen. In dieser Hinsicht sind weibliche Jünger Jesu den männlichen Jüngern Jesu gleichgestellt.
Paulus verbietet dann Frauen, „zu lehren“ und „dass sie über den Mann herrscht“ (1Tim 2,12). Stattdessen sollen sie sich „still verhalten“. Frauen sollen sich mit dem beschäftigen, wozu Gott sie berufen hat – nämlich stille Lernende zu sein. Sie sollen sich nicht mit den in Vers 12 beschriebenen Tätigkeiten befassen.
Was sind das für Tätigkeiten? Paulus erwähnt zwei. Die erste ist das Lehren. Der Kontext ist hier wichtig. Paulus verbietet Frauen nicht jegliche Lehrtätigkeit – auch nicht in der Gemeinde. Vielmehr verbietet Paulus Frauen das öffentliche Predigen und Lehren des Wortes Gottes, wenn die Gemeinde in öffentlichem Gottesdienst versammelt ist. Diese Aufgabe ist den Ältesten der Gemeinde vorbehalten (vgl. 1Tim 3,2; 4,11–16). Die zweite ist die Ausübung von Autorität über Männer. Im folgenden Kapitel wird Paulus die geistliche Autorität den Ältesten der Gemeinde anvertrauen, qualifizierten Männern, die sich als kompetente Vorsteher ihrer eigenen Familien erwiesen haben (vgl. 1Tim 3,5). Wir können das Verbot von Paulus in Vers 12 folgendermaßen zusammenfassen: Frauen ist es nicht gestattet, das Amt eines Ältesten in der Gemeinde zu bekleiden oder dessen Funktionen auszuüben.
In den Versen 13–14 liefert Paulus Gründe für diese Anweisung. Paulus erinnert Timotheus an die Reihenfolge, in der Gott Adam und Eva erschuf: „Denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva“ (1Tim 2,13). Dann weist er Timotheus darauf hin, wie unsere ersten Eltern in die Sünde fielen: „Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber wurde verführt und geriet in Übertretung“ (1Tim 2,14). Damit spricht Paulus Adam nicht von der Verantwortung für den Fall frei. Im Gegenteil: Adams Sünde geschah gegen das klare Licht von Gottes Wort (vgl. 1Mose 2,15). Paulus sagt hier auch nicht, dass Eva besonders leichtgläubig war; er stellt lediglich fest, dass sie die verbotene Frucht aß, nachdem sie von der Schlange getäuscht worden war.
Wie stützen diese Worte nun seine Anweisungen? Sie tun dies auf mindestens zwei Arten. Erstens ist das Verbot für Frauen, zu lehren und Autorität auszuüben, wie in Vers 12 beschrieben, in der Art und Weise verwurzelt, wie Gott die Menschen erschuf (vgl. 1Tim 2,13). Es ist also in der Schöpfung begründet. Paulus’ Anweisung war deshalb nicht auf die damalige Situation in Ephesus beschränkt und gilt auch nicht nur für das 1. Jahrhundert. Man kann sie sicher nicht auf eine eingeschränkte Sichtweise eines antiken jüdischen Mannes zurückführen. Dieses Verbot spiegelt die Ordnung wider, die Gott in der Schöpfung für Männer und Frauen festgelegt hat.
Zweitens dient die Geschichte vom Sündenfall als warnendes Beispiel. Als Eva versuchte, wie Gott zu sein und seinem Wort ungehorsam war, folgte eine Katastrophe (vgl. 1Mose 3,5). Es kommt nie etwas Gutes dabei heraus, wenn man die heilsame Ordnung verlässt, die Gott zu unserem Wohl eingesetzt hat. Aus diesem Grund, so fährt Paulus fort, sollten Frauen nicht versuchen, das zu erstreben, was Gott ihnen verboten hat. Sie sollten sich dem widmen, wozu Gott sie berufen hat. Gott beruft die meisten Frauen (aber nicht alle) zur Ehe und zur Kindererziehung (vgl. 1Tim 2,15). Wenn eine gläubige Frau diese Berufung „im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung“ annimmt, findet sie darin eine Bestätigung des Heils, das Gott ihr in Christus geschenkt hat.
Wir brauchen diese Worte von Paulus heute mehr denn je. Sie zeigen uns das Muster, das Gott für Männer und Frauen in seiner Gemeinde festgelegt hat, und machen uns die Gefahr bewusst, von dieser Ordnung abzuweichen. Aber sie legen uns nicht nur Verbote auf, sondern präsentieren eine überzeugende Vision. In einer Zeit, die Frauen oft als intellektuell und moralisch minderwertig ansah, betonte Paulus, dass Frauen genau wie Männer das Recht haben, Lernende in der Schule Christi zu sein (vgl. 1Tim 2,11). Sie sollen sich in Gottesfurcht schmücken – nicht nur, wenn sie sich wöchentlich mit der Gemeinde zum Gottesdienst versammeln (vgl. 1Tim 2,9), sondern auch im Alltag, wenn sie sich um ihre Kinder kümmern (vgl. 1Tim 2,15). Es sind gerade diese stillen und gewöhnlichen Momente des Lebens, in denen Gott seine Gnade auf außergewöhnliche Weise wirken lässt. Und das ist eine wirklich gute Nachricht für alle Menschen, egal in welcher Zeit sie leben.