Wie können wir verhindern, im Dienst auszubrennen?

Artikel von Ian Hamilton
28. April 2026 — 5 Min Lesedauer

Auch unter treuen Dienern des Evangeliums kommt Burnout im geistlichen Dienst immer häufiger vor. Es gibt viele Gründe, warum gottesfürchtige Pastoren und Lehrer sich im Dienst ausgebrannt fühlen. Die zunehmende Ablehnung einer feindseligen Welt kann entmutigend und deprimierend wirken. Noch niederschlagender kann die Tendenz einiger Evangelikaler sein, sich mehr von der Kultur als von der Bibel formen zu lassen. Hinzu kommt, dass manche treue Diener von Natur aus sehr sensibel sind. Dann kann jeder Widerstand – ob groß oder klein – als überwältigend empfunden werden.

In diesem kurzen Beitrag möchte ich den Blick auf die Traurigkeit und Müdigkeit richten, die auch die menschliche Natur unseres Herrn Jesus Christus geprägt haben. Damit will ich nicht sagen, dass Jesus einen Burnout im Dienst erlebte. Aber die Bibel stellt unseren Retter als den vollkommenen Menschen des Glaubens vor – als den Knecht des Herrn, an dem sich jeder Diener des Evangeliums orientieren soll. Darum möchte ich zwei Dinge hervorheben: Erstens, dass selbst unser sündloser Herr schwere und beinahe erdrückende Belastungen im Dienst erlebte – eine Tatsache, die oft übersehen wird. Und zweitens, worauf Jesus seinen Blick richtete, während er diese Belastungen trug.

Jesus kennt die Lasten des Dienstes

Betrachten wir zunächst diese erstaunlichen Worte:

„Und er sprach zu mir: Mein Knecht bist du, Israel, an dem ich mich verherrlichen werde. Ich aber sagte: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verbraucht.“ (Jes 49,3–4 ELB)

Wenn ich unterrichte, frage ich meine Studenten oft: „Wer hat diese Worte gesprochen?“ Noch nie hat jemand die richtige Antwort gegeben. Diese Worte wurden von Jahwes treuem, sündlosem Diener gesprochen, dem einen, durch den er verherrlicht werden würde. Sie stammen von den Lippen des Herrn Jesus Christus.

Diese beiden Worte, „nichts“ und „vergeblich“, sind tief bewegend. Im Hebräischen bedeutet „nichts“ tohu, ein Wort, das wir in 1. Mose 1,2 finden: „Die Erde aber war wüst (tohu).“ „Vergeblich“ bedeutet hevel, das Wort, das wir im Buch Prediger unter der Formulierung „Nichtigkeit der Nichtigkeiten“ finden. Kurz vor seinem Kreuzestod blickte Jesus auf seinen Dienst zurück und erlebte eine Zeit tiefen inneren Leidens – ohne dabei zu sündigen. Der Widerstand war so unerbittlich und seine eigenen Jünger so träge und schwerfällig, dass er das volle Gewicht der Trauer des Psalmisten fühlte, der schrieb, dass die Dunkelheit sein einziger Freund war (vgl. Ps 88,18).

Jeder Christ sollte wissen, und jeder Diener Gottes muss wissen, dass wir einen Retter haben, der die Trauer und Erschöpfung seiner Diener kennt, weil er sie selbst erlebt hat. Treue im Dienst des Evangeliums ist kostspielig. Denken wir an die Worte des Psalmisten: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“ (Ps 42,6). Er ist am Boden, nicht weil er ungehorsam war, sondern weil er die Erfahrung des Gottesknechtes Jesus Christus vorausahnt.

Die entscheidende Wahrheit ist daher: Wenn sich treue Diener des Herrn in tiefen Wassern des Lebens und des Dienstes befinden, die über ihre Gedanken und Herzen branden (vgl. Ps 69,1–2), haben sie einen treuen Retter, der den Weg der tiefsten Erschöpfung und Traurigkeit gegangen ist. Er kennt dein Wesen, er erinnert sich, und er weiß, dass du Staub bist (vgl. Ps 103,14).

Jesu Glaube bestimmte sein Handeln

Auf die Klage in Jesaja folgt sofort eine zweite Aussage: „Doch steht mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott“ (Jes 49,4).

Als Jesus Christus, Gottes sündloser Sohn, sein treuer Diener, die Tiefen der Prüfungen und Bedrängnisse im Dienst erlebte, brachte er dennoch sein beunruhigtes Herz und seinen Geist in der Treue Jahwes zur Ruhe. Er bewahrte ein unerschütterliches Vertrauen in Gottes Güte und das Versprechen der Belohnung für seine Mühen, selbst als er von Kummer und Traurigkeit heimgesucht wurde. Der Glaube an die Güte und Liebe des himmlischen Vaters wird auch uns befähigen, den Sturm zu überstehen und stehenzubleiben, auch wenn um uns herum alles zu zerfallen scheint.

Einige Diener Gottes sind berufen, in einer Dunkelheit zu wandeln, in der es kein Licht zu geben scheint. Denke über diese eindrucksvollen Worte in Jesaja 50,10 nach:

„Wer unter euch fürchtet den HERRN? Wer gehorcht der Stimme seines Knechtes? Wenn er im Finstern wandelt und ihm kein Licht scheint, so vertraue er auf den Namen des HERRN und halte sich an seinen Gott!“

Durch Jesaja macht der Herr deutlich: Wenn ein Burnout droht, unser Leben zu zermürben und uns im Dienst für ihn und seine Gemeinde lahmzulegen, dann ist es vor allem die Erinnerung daran, wer Gott ist, die uns trägt.

Genau diese Erfahrung machte auch unser Erlöser. Es war sein Glaube an Gott, der ihn davon abhielt, aufzugeben und umzukehren, als alles dunkel wurde, während er allein und verlassen am Kreuz von Golgatha hing. In seiner Verlassenheit hielt er dennoch im Glauben an Gott fest: „Mein Gott, mein Gott …“ (Ps 22,1; Mt 27,46; Mk 15,34). Dunkelheit umgab ihn – doch gerade in dieser Dunkelheit leuchtete sein Glaube umso heller.

Fazit

Es gibt viele Gründe für das Ausbrennen im Dienst: persönliche Kämpfe, familiäre Spannungen, Spannungen in der Gemeinde, nationale Unruhen, internationale Krisen. Was auch immer die Gründe sein mögen, Jesus sagt zu jedem seiner durch sein Blut erkauften und innig geliebten Menschen: Habe Glauben an Gott – den Vater, der dich mit ewiger Liebe liebt, den Sohn, der sich für dich hingegeben hat und ewig lebt, um für dich Fürbitte zu leisten, und den Heiligen Geist, der in dir wohnt, um dir zu helfen (vgl. Jer 31,3; Röm 8,26; Hebr 7,25). Habe Glauben an Gott und halte an ihm fest, so wie es unser Erlöser tat.