Er ist wahrhaftig auferstanden!
Fünf gute Gründe, an die Auferstehung Jesu zu glauben
„Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“ So grüßen sich seit Jahrhunderten Christen am Ostermorgen. Wir sagen das nicht nur aus Tradition, sondern weil wir es für wahr halten. Wir glauben daran, weil Gottes Wort es bezeugt. Lange dachte ich: Das genügt. Ob man die Auferstehung auch historisch begründen kann, hielt ich für zweitrangig. Der Glaube kommt schließlich durch die Verkündigung des Evangeliums und nicht durch kluge Argumente.
Vor einigen Jahren änderte sich jedoch meine Ansicht. Ich hielt einen Vortrag über Evangelisation und sagte dabei – durchaus selbstsicher: „Kein Mensch kommt zum Glauben, weil er ein Buch über die Historizität der Auferstehung liest. Menschen kommen durch das Wort vom Kreuz und durch authentische christliche Liebe zum Glauben.“ Kaum hatte ich diesen Satz ausgesprochen, meldete sich ein Zuhörer. „Ehrlich gesagt“, antwortete er, „bin ich genau auf diesem Weg Christ geworden. Ich hielt den christlichen Glauben für irrational, bis ich mich ernsthaft mit den Argumenten für die Auferstehung Jesu beschäftigt habe.“
Natürlich ist das Wort vom Kreuz zentral, und gelebte Nächstenliebe unverzichtbar. Doch diese Begegnung machte mir deutlich, dass die Frage nach der Historizität kein Randthema ist, sondern das Herz des Evangeliums berührt. Paulus formuliert es unmissverständlich: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich und euer Glaube vergeblich“ (1Kor 15,14). Der christliche Glaube steht und fällt mit seinem historischen Anspruch. Wenn das, was das Christentum bekennt, nicht geschehen ist, ist es hinfällig. Eben darum betonten die ersten Jünger den geschichtlichen Charakter ihrer Botschaft. Lukas schreibt davon, wie er „von Anfang an sorgfältig nachgeforscht“ hat (Lk 1,3; vgl. Apg 1,1–3). Johannes bezeugt, was er gesehen und betastet hat (vgl. 1Joh 1,1). Und Petrus betont, dass er keinen „klug ersonnenen Mythen“ gefolgt ist (2Petr 1,16). Die Autoren des Neuen Testamentes erklären ihre Botschaft als historische Tatsachen.
Weil die Historizität von Ostern also so bedeutsam ist, wollen wir uns nachfolgend fünf Argumente anschauen, die uns helfen, mit noch größerer Zuversicht bekennen zu können: Christus ist wahrhaftig auferstanden!
1. Die Bedeutung des Begriffs „Auferstehung“
Bevor wir die Historizität der Auferstehung prüfen können, müssen wir die Bedeutung des Begriffs klären, und zwar nicht für den zeitgenössischen Skeptiker, sondern für den Juden des 1. Jahrhunderts. Was meinten die ersten Jünger, wenn sie von der Auferstehung sprachen?
Schon vor der Geburtsstunde der Gemeinde spricht das Alte Testament von Auferstehung. Daniel 12,2 berichtet von Menschen, die „im Staub der Erde schlafen“, und kündigt an, dass sie „erwachen“ werden. Wie der Schlaf hier als Metapher für den Tod steht, bezeichnet das Erwachen dessen Umkehrung. Es geht nicht um ein geistliches Fortbestehen, sondern um Leben nach dem Tod.
Diese Erwartung findet sich auch in außerbiblischen Texten. In 2. Makkabäer 7,11 bekennt ein zum Tode verurteilter Mann die Hoffnung, Gott werde ihm die abgetrennten Glieder zurückgeben. In Vers 14 spricht er ausdrücklich von der Auferweckung der Toten. Auch hier meint Auferstehung die Umkehrung der physischen Realität des Todes.
Zur Zeit Jesu war diese Bedeutung fest etabliert. Lukas berichtet vom Streit zwischen Pharisäern und Sadduzäern über die Auferstehung (vgl. Apg 23,6–8). Dabei ging es nicht um die Bedeutung des Begriffs, sondern um seine Wirklichkeit. „Auferstehung“ war klar definiert. Umstritten war allein, ob sie eintreten würde oder nicht.
Auch außerhalb des jüdischen Umfelds war verständlich, was damit gemeint war. Als Paulus in Athen von der Auferstehung sprach, reagierten einige mit Spott (vgl. Apg 17,32). Nicht ein Missverständnis war der Grund, sondern inhaltliche Ablehnung. Die Vorstellung einer leiblichen Auferweckung widersprach ihrem griechisch-philosophischen Denken.
Vor diesem Hintergrund ist die Aussage der ersten Christen eindeutig. Mit „Auferstehung“ meinten sie die leibliche Überwindung des Todes. Die historische Frage lautet daher nicht, ob Jesus in den Gedanken seiner Anhänger weiterlebte oder symbolisch gedeutet werden kann, sondern ob Gott ihn tatsächlich von den Toten auferweckt hat.
2. Die unmittelbare Verkündigung
Ein häufiger Einwand lautet, die Auferstehung sei kein ursprünglicher Bestandteil der Botschaft gewesen, sondern das Ergebnis einer späteren theologischen Entwicklung. Der Tod Jesu sei nachträglich neu interpretiert worden. Voraussetzung einer solchen These ist ein zeitlicher Abstand zwischen Kreuzigung und Auferstehungsglauben, in dem sich diese Überzeugung allmählich entwickelte.
Die frühesten Quellen sprechen eine andere Sprache. In 1Kor 15,3–5 gibt Paulus eine Überlieferung weiter, die er selbst empfangen hatte. Paulus erinnert hier an die Botschaft, die er den Korinthern schon bei seiner ersten Verkündigung überbracht hatte. Bedenkt man, dass der Brief meist in die Mitte der 50er Jahre n. Chr. datiert wird, wird klar, dass wir uns damit erstaunlich nahe an den Ereignissen selbst befinden. Die formelhafte Gestalt des Textes deutet auf ein festes, frühes Bekenntnis: Christus ist gestorben, begraben und auferweckt worden und anderen erschienen. Die Auferstehung erscheint nicht als spätere Deutung, sondern als von Anfang an verkündigtes Ereignis.
Paulus berichtet zudem, dass er kurz nach seiner Bekehrung Petrus und Jakobus in Jerusalem getroffen habe (vgl. Gal 1,18–19). Seine Verkündigung steht damit in direkter Verbindung zur Jerusalemer Urgemeinde und damit zu dem Kreis, der den Ereignissen zeitlich und örtlich am nächsten war. Auch die Apostelgeschichte bezeugt, dass die Auferstehung von Anfang an im Zentrum der christlichen Verkündigung stand. Petrus ruft der Menge in Jerusalem zu: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen“ (Apg 2,32; vgl. 3,15). Die Botschaft wird nicht Jahrzehnte später in einem fernen Kontext formuliert, sondern unmittelbar am Ort der Ereignisse selbst. Gerade in Jerusalem – wo Kreuzigung und Grab bekannt waren – wird die Auferstehung öffentlich verkündigt und mit dem Anspruch bezeugt, auf Augenzeugen zurückzugehen.
Die frühesten Zeugnisse kennen keinen Zeitabschnitt ohne Auferstehungsverkündigung. Von Beginn an wird der gekreuzigte Jesus als der von Gott Auferweckte bezeugt. Ein Zeitraum, in dem man ihn anders erinnerte, lässt sich nicht erkennen. Wer die Auferstehung dennoch als spätere Entwicklung versteht, muss erklären, wie sich diese Überzeugung so rasch – und gerade in Jerusalem – durchsetzen konnte.
3. Das Zeugnis vom leeren Grab
Die Verkündigung einer leiblichen Auferstehung setzt ein leeres Grab voraus. Genau davon aber berichten die Evangelien. Sie überliefern, dass Jesus von Josef von Arimathäa bestattet (vgl. Mk 15,43–47; Mt 27,57–60; Lk 23,50–53; Joh 19,38–42) und dass dieses Grab am dritten Tag leer vorgefunden wurde (vgl. Mk 16,1–6; Mt 28,1–6; Lk 24,1–6; Joh 20,1–10). Auch wenn sie sich in einzelnen Details unterscheiden, so sind sie sich doch in der Sache einig. Die Übereinstimmung im Grundbefund bei gleichzeitigen Differenzen in den Details spricht tatsächlich eher für eine unabhängige Überlieferung als eine nachträgliche Harmonisierung der Texte.
Bemerkenswert ist zudem, dass in allen vier Evangelien Frauen als erste Zeuginnen des leeren Grabes genannt werden (vgl. Mk 16,1; Mt 28,1; Lk 24,10; Joh 20,1). In der damaligen jüdischen Gesellschaft besaß ihr Zeugnis kein hohes öffentliches Gewicht. Wäre die Erzählung frei gestaltet worden, hätte man naheliegenderweise auf anerkannte männliche Zeugen zurückgegriffen. Dass dennoch Frauen ausdrücklich genannt werden, spricht eher für eine gewachsene Überlieferung als für eine nachträgliche Konstruktion.
Hinzu kommt, dass früh eine alternative Erklärung im Umlauf war. Matthäus berichtet, die jüdischen Führer hätten das Grab sichern lassen, um einen Diebstahl zu verhindern (vgl. Mt 27,62–66). Nach der Auferstehungsverkündigung wurde dennoch die Behauptung verbreitet, die Jünger hätten den Leichnam gestohlen (vgl. Mt 28,13–15). Diese Erklärung setzt voraus, dass das Grab tatsächlich leer war, was in Anbetracht bewaffneter römischer Wachen schwer zu erklären ist.
Nicht zuletzt wurde die Auferstehung in Jerusalem selbst verkündigt (vgl. Apg 2,32; 3,15). Ein noch verschlossenes Grab hätte diese Botschaft dort unmittelbar widerlegen können.
Das leere Grab für sich genommen beweist die Auferstehung nicht. Es gehört jedoch zu dem historischen Befund, der einer Erklärung bedarf. Sofern Jesus noch im Grab lag, ist erklärungsbedürftig, wie sich die Auferstehungsverkündigung in Jerusalem durchsetzen konnte. Wurde der Leichnam hingegen entwendet, stellt sich die Frage, wie einfache Fischer und Handwerker ein von den Römern versiegeltes und bewachtes Grab öffnen konnten.
4. Die Begegnung mit dem Auferstandenen
Zum Zeugnis vom leeren Grab tritt der Bericht von Erscheinungen hinzu. Das Neue Testament spricht nicht von religiösen Visionen oder inneren Eindrücken, sondern von erfahrbaren Begegnungen. Jesus wird gesehen (vgl. 1Kor 15,5–8), spricht mit seinen Jüngern (vgl. Lk 24,36–39), zeigt seine Wunden (vgl. Joh 20,27) und isst vor ihren Augen (vgl. Lk 24,42–43). Lukas betont ausdrücklich, dass die Jünger zunächst meinten, einen Geist zu sehen, und dass Jesus gerade deshalb seine leibliche Gegenwart unter Beweis stellt (vgl. Lk 24,37–39).
Bemerkenswert ist zudem, mit welcher Nüchternheit die Reaktionen der Jünger dargestellt werden. Sie erscheinen nicht als leichtgläubige Enthusiasten, sondern als Menschen, die zunächst unsicher sind und erschrecken. Thomas verlangt ausdrücklich, die Wundmale zu sehen und zu berühren (vgl. Joh 20,25–27); Zweifel und Bestürzung werden offen benannt (vgl. Mt 28,17; Lk 24,37). Die Überlieferung idealisiert ihre Hauptfiguren nicht, sondern zeigt, dass der Glaube an die Auferstehung sich erst gegen anfängliche Skepsis durchsetzen musste.
Zudem beschränken sich die Erscheinungsberichte nicht auf einzelne Personen. Paulus nennt neben Petrus und Jakobus die Zwölf sowie „mehr als fünfhundert Brüder“ (1Kor 15,6). Die Behauptung betrifft unterschiedliche Individuen und Gruppen. Damit steht eine rein subjektive Erklärung vor erheblichen Schwierigkeiten, da individuelle Halluzinationen weder kollektiv noch in identischer Form auftreten.
Schließlich bleibt die öffentliche Konsequenz dieser Überzeugung. Die Jünger verkündigen die Auferstehung in Jerusalem (vgl. Apg 2,32), trotz Verboten und Drohungen (vgl. Apg 4,18–20). Sie nehmen Misshandlungen in Kauf (vgl. Apg 5,40–41). Paulus selbst berichtet von Gefängnis, Verfolgung und Lebensgefahr (vgl. 2Kor 11,23–27). Diese Überzeugung verschaffte ihnen keinen Mehrwert, sondern führte zu Widerstand und Verfolgung.
Mehrere Personen und Gruppen bekannten übereinstimmend, dem gekreuzigten Jesus leibhaftig begegnet zu sein, und hielten daran trotz Verfolgung fest. Wer die Auferstehung bestreitet, muss erklären, wie diese Überzeugung ent- und bestehen konnte.
5. Die Bekehrung der Widersacher
Als letztes Argument sollen an dieser Stelle die Lebensgeschichten von Paulus und Jakobus angeführt werden. Paulus war kein Suchender, sondern ein entschiedener Gegner der jungen Gemeinde. Er bezeichnete sich selbst als Verfolger der Christen (vgl. Gal 1,13; Phil 3,6). Seine Bekehrung führte er ausdrücklich auf eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus zurück (vgl. 1Kor 15,8). Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem Verfolger einer der prägendsten Verkündiger des Evangeliums. Diese Entscheidung brachte ihm keinen Vorteil, sondern Gefängnis, Verfolgung und Lebensgefahr (vgl. 2Kor 11,23–27). Mit seiner Hinwendung zu Christus verlor er – irdisch betrachtet – alles und gewann nichts.
Auch Jakobus, der Bruder Jesu, gehörte zunächst nicht zum Kreis der Glaubenden. Die Evangelien halten nüchtern fest, dass Jesu Brüder seinem Wirken nicht vertrauten (vgl. Joh 7,5; Mk 3,21). Später begegnet er uns als führende Gestalt der Jerusalemer Gemeinde (vgl. Gal 1,19; 2,9). In 1Kor 15,7 wird ihm eine eigene Erscheinung des Auferstandenen zugeschrieben. Der einstige Skeptiker entwickelte sich zu einer führenden Gestalt der Jerusalemer Gemeinde.
Beide Berichte sind bemerkenswert, weil sie sich weder durch Gruppendruck noch durch anfängliche Begeisterung erklären lassen. Paulus gab eine gesicherte religiöse Stellung auf und schloss sich einer verfolgten Minderheit an. Jakobus bekannte seinen zuvor gekreuzigten Bruder öffentlich als den von Gott auferweckten Herrn.
Diese Biografien beweisen die Auferstehung nicht. Sie zeigen jedoch, dass der Osterglaube nicht allein aus der Loyalität enger Anhänger entstand. Gegner und Skeptiker wurden zu führenden Stimmen der jungen Bewegung und führten diese Wandlung selbst auf eine Begegnung mit dem Auferstandenen zurück. Wer die Auferstehung ablehnt, muss erklären, was eine solche Wende auslöste.
Fazit
Das Neue Testament berichtet von der Auferstehung Jesu nicht als Symbol oder Legende, sondern als historisches Geschehen. Von Anfang an verkündigten die Christen keine Idee, sondern ein Ereignis. Sie taten es in Jerusalem, am Ort der Kreuzigung, unter Berufung auf ein leeres Grab und unabhängige Zeugenberichte. Der Befund wog so schwer, dass selbst anfängliche Skeptiker und Gegner der jungen Bewegung zu tragenden Säulen der Christenheit wurden.
Historische Überlegungen können keinen Glauben erzwingen. Doch sie können die Offenbarung der Heiligen Schrift mit nachvollziehbaren Argumenten unterstreichen und unsere Gewissheit vertiefen. Wer die Auferstehung bestreitet, muss den vorliegenden Befund in sich schlüssig anders erklären, wenn er einen wissenschaftlichen Anspruch erheben will.
Darum feiern Christen bis heute Ostern: Sie glauben, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat, und ihre biblische Überzeugung gründet auf einem tragfähigen historischen Fundament. Wir haben also gute Gründe zu bekennen: Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!
Weiterführende Lesempfehlungen
Michael R. Licona, The Resurrection of Jesus: A New Historiographical Approach, Downers Grove (IL): IVP Academic, 2010.
Josh McDowell, Die Tatsache der Auferstehung, Bielefeld: CLV, 6. Aufl., 2013.
Jürgen Spieß, Die Auferstehung Jesu aus der Sicht eines Althistorikers, FTH Podcast, 04.02.2022, online unter: https://fth.de/fthpodcast/dr-juergen-spiess-die-auferstehung-jesu-aus-der-sicht-eines-althistorikers/ (Stand: 24.03.2026).
Lee Strobel, Der Fall Jesus: Ein Journalist auf der Suche nach der Wahrheit, Wetzlar: Gerth Medien, 9. Aufl., 2025.
N.T. Wright, Die Auferstehung des Sohnes Gottes, Marburg: Francke-Buch, 2014.