Herr, hilf mir, meine Eltern zu lieben
Die Beziehung zu unseren Eltern ist eine der ersten und prägendsten Verbindungen unseres Lebens. Die Bibel fordert uns auf, Vater und Mutter zu ehren – doch im Alltag ist das oft leichter gesagt als getan. Gerade dann stellt sich die Frage, wie die Liebe zu unseren Eltern konkret aussehen kann.
In Gesprächen mit anderen erwachsenen Kindern begegnet mir immer öfter ein bestimmtes Muster:
„Ich liebe meine Eltern, aber die räumliche Distanz zwischen uns hat unserer Beziehung zugesetzt.“
„Ich liebe meine Eltern, aber ich weiß nicht, wie ich mit ihnen sprechen soll, wenn wir in so vielen Punkten unterschiedlicher Meinung sind.“
„Ich liebe meine Eltern, aber ich bin erschöpft und habe im Moment einfach nicht die Kraft, in unsere Beziehung zu investieren.“
„Ich liebe meine Eltern, aber …“ – vielleicht hast du das auch schon gesagt.
Geh ins Gebet
In meinen frühen Zwanzigern kam ich selbst an einen Punkt, an dem ich sagte: „Ich liebe meine Eltern, aber ich weiß nicht, wie ich sie angesichts ihrer Scheidung ehren soll.“ Gott lehrte mich jedoch, dass es möglich ist, meine Eltern zu lieben und zu ehren, weil Christus mich zuerst geliebt hat (vgl. 1Joh 4,19).
Einen Großteil dieser Veränderung hat Gott im Gebet gewirkt. Ich habe erfahren, wie er meine Haltung meinen Eltern gegenüber gewandelt hat. Seitdem hilft er mir, sie mit seinen Augen zu sehen – besonders wenn ich mich an seinem Wort orientiere.
Vertrau dem Herrn deine „Ich liebe meine Eltern, aber …“-Gefühle an. Nutze die Gelegenheit, für deine Haltung ihnen gegenüber zu beten: Bring deine Schwäche vor Gott und bitte ihn, dein Herz zu verändern, damit du deine Eltern tiefer lieben kannst.
Selbst wenn das Verhalten deiner Eltern es dir unmöglich macht, eine enge und sichere Beziehung zu ihnen zu pflegen, kannst du dennoch im Gebet für sie eintreten. Das Gebet ist ein guter erster Schritt des Gehorsams, der es dir ermöglicht, deine Eltern selbst aus einiger Distanz zu ehren.
Hier sind fünf Impulse aus Römer 12, die dir helfen können, gehaltvolle und bewusste Gebete für deine Eltern zu formulieren – ganz gleich, ob es deine leiblichen oder adoptierten Eltern sind, ob sie engagiert oder distanziert, liebevoll oder kühl, gebrechlich oder rüstig, gläubig oder ungläubig sind. Wie auch immer ihre Lebenssituation aussieht oder wie sie dir begegnen: Wenn du sie wirklich lieben willst, führt kein Weg am Gebet vorbei.
Fünf Dinge, die du beten kannst
Gott, ich will meine Eltern richtig lieben. Schenke mir die Gnade, die ich brauche, um ...
1. ... sie zu ehren
„In der Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor!“ (Röm 12,10)
Im Alten Testament bedeutet das Wort „ehren“ wörtlich „Gewicht verleihen“. Bitte Gott, dir dabei zu helfen, deine Eltern zu ehren, indem du ihnen das angemessene Gewicht in deinem Herzen und in deinem Leben gibst. Bete, dass du unseren gnädigen Retter widerspiegelst. Gott hat uns geehrt, indem er uns trotz unserer sündigen Verfassung mit Christus in die himmlischen Regionen versetzt hat (vgl. Eph 2,5–6).
2. ... für sie zu beten
„Seid fröhlich in Hoffnung, in Bedrängnis haltet stand, seid beharrlich im Gebet!“ (Röm 12,12)
Du bist in einer besonderen Stellung – du kannst einer der treuesten Fürsprecher für deine Eltern sein. Bitte Gott, dir zu helfen, sie zu lieben, indem du weiterhin für sie vor dem Thron der Gnade eintrittst. In welchen Bereichen brauchen deine Eltern gerade dein treues Gebet? Bring diese Anliegen jetzt vor Gott und danke ihm dafür, dass er dich hört.
3. ... sie einzuladen
„Übt willig Gastfreundschaft!“ (Röm 12,13)
Danke Gott dafür, dass er dich in seine Familie aufgenommen hat und dich an seinem Tisch sitzen lässt. Bitte ihn, dir zu zeigen, wie du deine Eltern in dein Zuhause und dein Leben einladen kannst. Bete darum, aus Liebe zu Gott und zu deinen Eltern bereit zu sein, Zeit, Mittel und Bequemlichkeit zu opfern.
4. ... sie zu segnen
„Segnet, die euch verfolgen; segnet und flucht nicht!“ (Röm 12,14)
Egal, ob du eine gute oder eine schwierige Beziehung zu deinen Eltern hast: Bete um Gottes Segen für sie! Bitte den Herrn, sein Angesicht über ihnen leuchten zu lassen und ihnen Gnade und Frieden zu schenken. Danke Gott für deine Eltern – und für die anderen Bezugspersonen in deinem Leben – und erinnere dich an konkrete Situationen, in denen Gott Menschen aus dieser Generation gebraucht hat, um dir zu dienen.
5. ... in Frieden mit ihnen zu leben
„Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden.“ (Röm 12,18)
Als Christen sind wir dazu berufen, dem Vorbild Christi zu folgen und mit allen Menschen in Frieden zu leben – auch mit unserer Familie, soweit es an uns liegt. Wir müssen diesen Frieden nicht aus eigener Kraft aufbringen. Der Friedefürst befähigt uns, Frieden mit anderen zu schließen. Bitte ihn, dir heute seinen Frieden zu schenken.
Die Kraft des Gebets
Die Bibel sagt uns, dass das Gebet eines Gerechten viel vermag, wenn es ernstlich ist (vgl. Jak 5,16). Dazu gehört auch die Kraft, die uns hilft, unsere Eltern richtig zu lieben. Wenn du demütig mit deinen Bitten vor Gott kommst, ist er treu und gibt dir alles, was du brauchst, um deine Eltern zu ehren, sie einzuladen, zu segnen, für sie zu beten und mit ihnen in Frieden zu leben.
Der Herr will diejenigen segnen, die beharrlich beten und danach streben, ihre Eltern zu lieben und zu ehren. Mögest du – gemeinsam mit deiner Familie – diesen Segen erfahren, wenn ihr tut, was in seinen Augen wohlgefällig ist.