Love Story

Rezension von Simon Hamalega
19. März 2026 — 7 Min Lesedauer

Wir lieben gute Geschichten. Sie packen uns, laden uns auf eine Reise ein, rühren uns zu Tränen, entlocken uns ein Lächeln, halten die Spannung hoch, führen uns an fremde Orte und bringen uns zum Nachdenken. Glen Scrivener lebt mit seiner Familie in England und ist Autor und Evangelist. Er schreibt in seinem kompakt gehaltenen Buch (74 Seiten) von einer Love Story, die alle geschriebenen, verfilmten und an Bettkanten erzählten Geschichten in den Schatten stellt. Es ist ein kleines Buch über einen großen Mythos, der wirklich geschah.

Scrivener zeigt uns in Love Story die Liebesgeschichte des Schöpfers mit seinen Geschöpfen. Dabei skizziert er zunächst die große Vorgeschichte (Kapitel 2) – eine Liebe, die schon vor und während der Schöpfung existierte –, bevor er auf die Liebe selbst eingeht, auf Jesus: Liebe beugt sich tief herab (Kapitel 3), Liebe leidet (Kapitel 4), Liebe opfert sich (Kapitel 5) und Liebe steht wieder auf (Kapitel 6). Doch zu Beginn spricht er im ersten Kapitel von der „wahren Geschichte“.

Im besagten Kapitel geht er auf die Bekehrung des berühmten Autors, Apologeten und Theologen C.S. Lewis ein, der unter anderem durch seinen engen Freund und Mittelerde-Schöpfer J.R.R. Tolkien zum Glauben an Jesus kam. Lewis liebte Märchen und Mythen, und doch stand ihm eine ernüchternde Wahrheit vor Augen: Diese Geschichten dienen uns als Fluchtmöglichkeit von der Realität, aber sie selbst sind nicht Realität. Tolkien erzählte seinem Freund, dass die Geschichte von der Passion und der Auferstehung Jesu – ja, die ganze Geschichte des christlichen Glaubens – die Geschichte aller Geschichten ist. Sie ist sozusagen ein wahres Märchen, und es dreht sich um die Auferstehung von Jesus. Die Evangelien berichten von der märchenhaften Liebesgeschichte, die im Gegensatz zu allen von Lewis und Tolkien so geliebten Mythen wirklich wahr ist. Die Jesus-Geschichte, das Evangelium, ist die Erfüllung aller Sehnsüchte aus den anderen Geschichten – das hat Lewis verstanden, und das führt Scrivener in Love Story aus.

Liebe, die schon immer war

Im zweiten Kapitel „Die Vorgeschichte“ schreibt Scrivener, dass der Rest der Geschichte ab der Schöpfung eine Geschichte der großen Liebe sein muss, weil Gott in Ewigkeit eine Gemeinschaft in einer Einheit ist. Eine göttliche Pluralität, die als Einheit handelt. Liebe ist nicht statisch, sie ist lebendig und drückt sich aus. Das geht nicht, wenn man einsam und allein ist. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind schon immer durch untrennbare Bande der Liebe verbunden. Sie waren nie einsam und sind auch nicht auf uns Menschen angewiesen. Und doch ist die Liebesgeschichte Gottes eine, die gefallene Menschen einlädt, Teil der göttlichen „Love Story“ zu werden. Michael Reeves schrieb einmal passend dazu: „Der Vater liebt so sehr, dass er uns in die liebevolle Gemeinschaft, die er mit seinem Sohn genießt, einbeziehen möchte.“[1]

Ein Gott, der auf die Knie geht

Wie der Vater das tut, führt Scrivener in den Kapiteln 3 bis 6 aus. Er tut es durch den Sohn. Ab hier skizziert er die Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu als Ausführung der größten Liebesgeschichte aller Zeiten. Wenn es um die Herabneigung dieser Liebe geht, zeigt diese sich z.B. bei Jesu Fußwaschung der Jünger. Jesus wird zum Sklaven, um seinen Jüngern zu dienen: „Jesus bemerkt, dass noch niemand die Füße seiner Jünger gewaschen hat. Macht nichts, der Sohn Gottes ist ja vor Ort“ (S. 28). Scrivener möchte dem Leser zeigen, wie das Herz Gottes sich in Jesus und seinem Handeln widerspiegelt. Er ist ein Gott, der sich herabneigt, aber dabei nicht aufhört, der souveräne Gott zu sein: „Indem sich Jesus das Handtuch umbindet, nimmt er keinen Urlaub von seiner Göttlichkeit, sondern so sieht wahre Göttlichkeit aus“ (S. 31). Gott durchbricht die Erwartungen vieler Atheisten, dass sich der Schöpfer doch übernatürlich am Sternenhimmel offenbaren solle, wenn es ihn wirklich gibt. Aber wie ist Gott? „Wie ist Jesus? Er ist eine Million Meilen davon entfernt, ein Gott zu sein, der eben mal die Sterne umgruppiert, damit wir uns vor ihm beugen. Er ist der Gott, der auf die Knie geht, um sich um unser Chaos zu kümmern“ (S. 31).

Scrivener führt uns die Stellvertretung Jesu vor Augen, indem er unter anderem kurz auf den „Kelch des Zorns“ eingeht, den der Gottlose bis zum letzten Tropfen austrinken muss (Ps 75,9), und den Jesus für uns ausgetrunken hat. Die ganze Welt steht Schlange vor diesem Kelch, in dem der ganze Schrecken der Hölle konzentriert zu finden ist. „Und dann sehen Sie auf einmal hinter dem Kelch Jesus. Er steht nicht in der Schlange; es ist ja nicht sein Kelch. Aber was ist das? Er hat sich vor den Kelch hingekniet, in tiefster Angst und Qual. Er denkt daran, wie es sein wird, wenn er ihn für uns trinkt“ (S. 42).

Weil Ostern alles erklärt

Im Kapitel „Liebe steht wieder auf“ erreicht das Buch seinen Höhepunkt, wenn es um die Osterbotschaft geht. Der feinfühlige Apologet Scrivener schreibt, dass wir immer an eine Ostergeschichte glauben. Eine Leben-aus-dem-Tod-Geschichte. Und wenn wir nicht an den lebendigen Gott der Bibel glauben, dann z.B. an ein Leben-aus-dem-Tod-Universum (Entstehung des Universums und des Lebens aus dem Nichts). Doch ohne einen Leben-aus-dem-Tod-Gott ist das völlig unmöglich. Ostern versichert uns, dass wir in einem Leben-aus-dem-Tod-Universum leben, weil es einen Leben-aus-dem-Tod-Gott gibt, und Ostern beweist das. Das Osterwunder gibt allem einen Sinn, auch unserem Leben:

„Wenn wir die Sache so betrachten, erkennen wir, dass das Absurde nicht der Glaube an die Auferstehung ist; dieser Glaube erklärt vielmehr alles andere, was sonst absurd wäre. Unsere Herzen finden einen Sinn, sobald wir an Ostern glauben.“ (S. 69)

Ein Buch, das Herzen öffnet

Dieses Buch ist ein wunderbares Geschenk für jemanden, der sich mit dem Glauben an den Gott der Bibel schwertut, und der mit Jesus persönlich wenig anfangen kann. Es bietet sich aufgrund des Inhalts als Geschenk v.a. zu Ostern oder Weihnachten gut an. Vor allem, wenn die Person ein schweres und von Gesetz geprägtes Bild des Christentums hat, wird dieses Buch helfen, Christsein neu zu denken. Durch die Kürze des Buches lassen sich sicher auch Lesemuffel darauf ein, sich dieses Buch „anzutun“. Zudem ist Scriveners Schreibstil verständlich und packend; auch ohne „Glaubenshintergrund“ fühlt man sich schnell angesprochen.

Aber auch Christen werden erfrischt und berührt beim Lesen – so ging es mir. Die Schönheit des Evangeliums wurde mir noch größer. Scrivener schafft es, dem Leser die Liebe des Retters mit den biblischen Texten als Grundlage vor Augen zu malen, und das aus einer seelsorgerlichen Perspektive:

„Solch ein Gott, der seine Macht zeigt, indem er seine Gebote in den Himmel schreibt, könnte vielleicht unseren Gehorsam und unsere widerwillige Anerkennung erzwingen – aber nie und nimmer unsere Herzen gewinnen. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – der Gott der Bibel ist anders. Er ist der Gott der größten Liebesgeschichten. … Er begegnet uns in der tiefsten Tiefe, ganz unten, wo seine Leute sitzen und leiden. Anstatt seine Gebote in die Sterne zu schreiben, erniedrigt er sich in eine Krippe, ja, geht an ein Kreuz. Während wir Skeptiker zu den Sternen hochschauen und ein Zeichen fordern, taucht dieser Gott unvermutet als blutiges Opfer direkt vor unserer Haustür auf. Und warum tut er das? Weil Liebe sich tief herabbeugt, sich klein macht, sich erniedrigt.“ (S. 26)

Wir lieben gute Geschichten. Glen Scrivener hat mich daran erinnert, dass die Geschichte von Jesus die größte „Love Story“ ist, und dass wir diese vor allem deshalb lieben, weil sie von seiner barmherzigen, unverdienten Liebe zu uns handelt. Er ermutigt uns, in den Evangelien zu lesen, um uns diese Liebe vor Augen zu führen, wenn wir sie aus den Augen verloren haben. Um Jesus zu „sehen“. In den Evangelien sind die Worte von Jesus festgehalten,

„und das für alle Zeiten und für jede Situation: wenn Sie Zweifel haben, wenn es drei Uhr morgens ist und Sie nicht schlafen können, wenn ein lieber Mensch stirbt oder wenn Sie gerade Ihren Arbeitsplatz verloren haben. Sie können Jesus jederzeit ‚sehen‘, wenn Sie ihre Bibel aufschlagen und ihm in jener alten Liebesgeschichte begegnen.“ (S. 72)

Ein Leser schreibt in seiner Kundenrezension: „Wer sich nach einer neuen Perspektive auf den christlichen Glauben sehnt oder ein inspirierendes Buch für Freunde sucht, die dem Glauben fernstehen, sollte ‚Love Story‘ unbedingt lesen.“ Meine volle Zustimmung!

Buch

Glen Scrivener, Love Story: Der Mythos, der wirklich geschah, Dillenburg: CV, 2025, 80 Seiten, 4,90 €. Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.


1 Michael Reeves, Fasziniert: Staunen über den dreieinigen Gott, Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2026, S. 96.