Die Bedeutung der Gemeinde für deinen Kampf um Reinheit
Auf dem Weg der Nachfolge einander im Glauben stärken
Die Gemeinde ist eines der wichtigsten Mittel, die Gott einsetzt, damit wir im Glauben ausharren und Jesus ähnlich werden. Ohne eine evangeliumszentrierte Gemeinschaft wirst du weder geistliches Wachstum erleben noch in der Heiligung vorankommen.[1]
Gott gibt uns die Gemeinde, damit wir Versuchungen widerstehen und uns in eine bessere Richtung bewegen können, hin zu einem besseren Land. Unser Glaubensweg ist von der freudigen Gewissheit geprägt, dass Gott mit uns ist und wir bald bei ihm sein werden. Aber auf diese Reise können wir uns nicht alleine begeben, sondern nur gemeinsam. Du brauchst andere Christen und diese brauchen dich. Im Folgenden möchten wir darüber nachdenken, wie Gott dir durch die Gemeinschaft einer Gemeinde helfen will, sexuelle Sünden zu bekämpfen und im Glauben auszuharren.
1. Dient einander
Wenn Gott dich zu sich ruft, ruft er dich in die Gemeinde. Unsere Vereinigung mit Jesus verbindet uns zwangsläufig mit anderen Gläubigen. Eine gesunde Gemeinde verkündet treu Christus und ist bestrebt, ihren Mitgliedern dabei zu helfen, für ihn zu leben. Die tiefe Gemeinschaft und die innerlich stärkenden Freundschaften, die wir im Ringen um Reinheit brauchen, entstehen am besten in unserer Ortsgemeinde.[2]
Sich verbindlich einer Gemeinde anzuschließen, ist für einen Gläubigen keine freiwillige Option, sondern ein Gebot.[3] Die Anweisungen, „einander jeden Tag zu ermahnen“ und „unsere Versammlung nicht zu verlassen“, setzen voraus, dass wir uns bewusst versammeln (vgl. Hebr 3,13; 10,24–25; 13,17). Sie setzen voraus, dass wir uns aktiv und regelmäßig über unseren geistlichen Zustand austauschen. Lass es mich so sagen: Aus der Perspektive der Schrift sollte es für einen Christen nicht normal sein, eine einzige Woche ohne ein Gespräch mit einem anderen Gläubigen zu verbringen, das seine Seele stärkt, die Sünde bekämpft und Christus ehrt.[4] Wir sind geschaffen, um einander zu kennen und voneinander erkannt zu werden.
Man sagt, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen. Ich sage, dass es eine Gemeinde braucht, um einen Christen im Glauben wachsen zu lassen. Viele Jahre lang ging ich in eine Gemeinde, blieb aber isoliert. Ich kam, betete und arbeitete sogar mit, erlebte jedoch nichts von der beständigen Liebe, die eine neutestamentliche Gemeinde auszeichnet. Das war natürlich hauptsächlich meine Schuld und die Auswirkungen waren verheerend. Niemand kannte den Zustand meiner Seele oder wusste, wie sehr sie von versteckter Sünde erstickt wurde.
Noch einmal: Sünde gedeiht im Dunkeln, aber sie verdorrt im Licht. Das heißt, sie verkümmert, wenn sie in einer gottesfürchtigen Gemeinschaft offen bekannt wird. Selbstsucht, volle Terminkalender und geistliche Trägheit sind Feinde der Liebe, die uns hilft, Jesus nachzufolgen. Du kannst nicht jedem in deiner Gemeinde auf die gleiche Weise helfen, aber du kannst einige enge Freunde unterstützen.
2. Warnt euch gegenseitig
Der Apostel Jakobus versichert uns feierlich:
„Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt, und es führt ihn einer zur Umkehr, so soll er wissen: Wer einen Sünder von seinem Irrweg zur Umkehr führt, der wird eine Seele vom Tod erretten und eine Menge Sünden zudecken.“ (Jak 5,19–20)
Jesus verließ den Himmel, um die Verlorenen zu suchen und zu retten, die verirrten Schafe zu suchen und uns den Vater zu zeigen, der den verlorenen Söhnen entgegenläuft, um sie in die Arme zu schließen (vgl. Lk 15,1–32; 19,10). Die gleiche Sünderliebe, die Jesus auszeichnete, sollte auch in seinem Volk vorhanden sein. Satan versucht jedoch mit List, uns davon abzuhalten, so füreinander zu sorgen. Während Satan den einen in seine Falle lockt, wiegt er die anderen trügerisch in der Gewissheit, sie sollten ihn besser in Ruhe lassen, um als seine Freunde nicht neugierig und verurteilend zu erscheinen.
Aber Gottes Volk darf nicht tatenlos zusehen, wie andere von der Sünde verschlungen werden, denn es heißt: „Ermahnt einander vielmehr jeden Tag, solange es ‚Heute‘ heißt, damit nicht jemand unter euch verstockt wird durch den Betrug der Sünde!“ (Hebr 3,13). Dieser Vers geht davon aus, dass Gläubige die Gefahr der Sünde ernst nehmen, aktiv darüber diskutieren, wie sie bekämpft werden kann und ständig den Tag ersehnen, an dem sie nicht mehr sündigen werden.
Wenn jemand in diese Falle geraten ist, ahmen wir Jesus nach, indem wir dem Betroffenen nachgehen. Der Apostel Paulus mahnt: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht“ (Gal 6,1). Wenn wir versuchen, zu ermahnen und Versöhnung zu stiften, sollten wir uns von dem Gefühl der Dringlichkeit und vom Gebet leiten lassen, nicht von Zorn oder Verärgerung.
Wenn du in Sünde verstrickt wärst, wer würde kommen, um dich zu retten? Baust du ganz bewusst transparente Beziehungen zu anderen Gläubigen auf, in denen ihr einander Rechenschaft gebt? Gott gibt seinem Volk klare Warnungen, damit es lernt, im Glauben auszuharren. Wenn ein Gläubiger hört, dass „unser Gott ein verzehrendes Feuer ist” und ohne Heiligkeit „niemand den Herrn sehen wird“, dann motiviert ihn dies, im Glauben an Jesus festzuhalten.[5] Die Gemeinde ist das von Gott bestimmte Mittel, um sicherzustellen, dass die Warnungen in seinem Wort regelmäßig verkündet werden.
3. Rettet einander
Christen sind Menschen, die untereinander „wahrhaftig in der Liebe“ sind (Eph 4,15). Das bedeutet, dass wir einander so sehr lieben, dass wir ehrlich über unsere Kämpfe sprechen und uns so umeinander kümmern, dass wir anderen in ihren Kämpfen beistehen. Wir gehen einander nach und sprechen über unangenehme Lebensbereiche, in denen wir sündigen, weil wir wissen, dass Isolation der Feind der Reinheit und Dunkelheit der Nährboden für Sünde ist.
„Authentisch“ zu sein ist jedoch kein Selbstzweck. Satan freut sich, wenn Menschen offen über ihre Sünden sprechen – solange sie keine Schritte in Richtung Buße unternehmen. Es gibt eine Heuchelei, die sich den Schein der Ernsthaftigkeit gibt, wobei sogar Tränen beim Bekennen einer Sünde vergossen werden können, ohne dass echte Schritte zur Veränderung gegangen werden. Wir müssen gesunde Beziehungen aufbauen, in denen wir uns gegenseitig barmherzig zu Ehrlichkeit und Buße anspornen.
Baust du bewusst intensive Beziehungen auf, in denen du göttliche Ermutigung, Bekenntnis und Zurechtweisung gibst und empfängst?
4. Kämpft gemeinsam
Sprichst du regelmäßig mit anderen Gläubigen über Jesus? Bist du ein Wegweiser für verirrte, strauchelnde Schafe? Satan will nicht, dass wir einander an den unerschöpflichen Reichtum erinnern, den wir in Jesus haben. Jesus ist Gottes endgültiges Wort, der Auferstandene, der uns befähigt, zu tun, was in seinen Augen wohlgefällig ist. Er hat Mitgefühl mit unseren Schwächen und will uns in Zeiten der Not Gnade schenken. Jesus ist unser sicherer und fester Anker, der uns in den stürmischen Meeren der Versuchung festhält (vgl. Hebr 6,19–20). Jesus ist unser auferstandener Hohepriester, der ewig lebt, um für uns Fürsprache einzulegen. Sein vollendetes Werk garantiert unsere Erlösung und versichert uns, dass Gott unserer Sünden nie mehr gedenken wird.[6] Jesus tritt in Gottes Gegenwart für uns ein und hilft uns, an unserem Bekenntnis festzuhalten, in der Hoffnung auf die verheißene Belohnung.[7]
Wenn Gefühle der Unzufriedenheit uns zur Sünde verleiten wollen, schauen wir auf Jesus, der verspricht, uns niemals zu verlassen oder aufzugeben (vgl. Hebr 13,5–6). Auch wenn sich unsere Gefühle, Emotionen und unser körperliches Durchhaltevermögen ständig ändern, ruht unsere Hoffnung auf ihm, der gestern, heute und in Ewigkeit derselbe ist (vgl. Hebr 13,8).
Während wir uns heute gegenseitig mit diesen Wahrheiten ermutigen, richten wir unseren Blick auf den Tag in der Ewigkeit, an dem wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu muss im Zentrum unserer Gedanken, Herzen und Gespräche sein.[8]
Schon jetzt bereitet sich Jesus darauf vor, für diejenigen zurückzukehren, die ihn sehnsüchtig erwarten (vgl. Hebr 9,28; 10,13). Während wir also auf diesen schnell näher rückenden Tag warten, sollten wir einander auf dem Weg zum Himmel unterstützen. Mögen wir uns wöchentlich versammeln, um unsere Augen auf ihn zu richten, indem wir sein Wort empfangen, singen, beten, taufen und am von ihm gestifteten Abendmahl teilnehmen. Dann mögen wir uns aufteilen, um die Verlorenen zum Glauben zu rufen, während wir uns gegenseitig helfen, seinen Geboten zu gehorchen. Mögen wir dies Tag für Tag tun, bis es nicht mehr „heute“ heißt.
Komm bald, Herr Jesus. Komm bald.
1 Es gibt natürlich Ausnahmen von der Regel, aber Stolz verleitet uns dazu, uns von anderen zu isolieren und das zu entschuldigen, zu unserem eigenen Nachteil.
2 Mt 28,16–20; Apg 2,38–47; Eph 2,11–22; 1Joh 1,3.
3 Man kann die neutestamentlichen Gebote, einander zu dienen, nicht befolgen, ohne sich einer örtlichen Gemeinschaft von Gläubigen anzuschließen, die sich kennen, lieben und füreinander sorgen.
4 Epheser 4,25–32 (neben anderen Schriftstellen) beschreibt das christliche Leben ausdrücklich als ein Beziehungsgeflecht, in dem man gemeinsam gegen die Sünde kämpft und nach christusähnlicher Reinheit strebt.
5 Der Hebräerbrief enthält fünf eindringliche Warnungen davor, Christus zu verlassen (2,1–4; 3,7–4,13; 5,11–6,20; 10,19–39; und jene Zitate aus 12,12–29). Ähnliche Warnungen finden sich im gesamten Neuen Testament, darunter Matthäus 5,13; 24,13; Johannes 8,31; 15,6; Römer 11,22; 1. Korinther 9,27; 10,12; 15,1; Kolosser 1,22–23; 1. Timotheus 4,1; 2. Timotheus 2,12; 1. Johannes 2,19; 2. Johannes 1,9; Judas 20; Offenbarung 2–3; 14,12; 21,7.
6 Das Thema des sitzenden Jesus spielt im Hebräerbrief eine wichtige Rolle (vgl. Hebr 1,3; 8,1; 10,12; 12,2). Im alttestamentlichen Tempel gab es keine Stühle, weil die Arbeit eines Priesters niemals beendet war. Jesus jedoch thront in Herrlichkeit, weil sein Werk vollbracht ist – wie er durch seine Aussage am Kreuz versichert: „Es ist vollbracht!“
7 Hebr 7,25; 8,12; 9,12.24; 10,17.23.
8 Hebr 12,12; Jes 40,1–2; Luk 21,28; 1Thess 4,18; 5,11–14.