Wie kann ich ein gottesfürchtiger Vater sein?
Die Heilige Schrift ist voller göttlicher Anweisungen darüber, was Väter tun und was sie lassen sollen. Das zeigt sich auch in der zweifachen Anweisung des Apostels Paulus: „Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Eph 6,4). Neben Anweisungen enthält die Heilige Schrift auch zahlreiche positive und negative Beispiele für das Vatersein. Besonders eindrücklich sind die negativen Beispiele gottesfürchtiger Männer, deren Kinder nicht in den Wegen ihres Vaters wandelten, sondern vom Herrn abwichen. Die Vielzahl der Beispiele scheint zu zeigen, dass es für Väter ein Muster gibt, auf das sie achten sollten. Eine weitverbreitete und verheerende Sünde bei einem Kind wäre, wenn der Vater sie angesprochen hätte, vielleicht nicht so geendet.
Diese Geschichten aus dem Alten Testament wurden von Gott nicht nur als Anleitung für Eltern gegeben, aber gleichzeitig sind sie auch nicht weniger als das. Sie bieten uns daher sowohl Warnungen als auch Gelegenheiten zu lernen, wie wir unsere Kinder (und uns selbst) am besten zur Frömmigkeit führen können. Nein, wir können nicht die Retter unserer Kinder sein. Doch aus Gnade gibt Gott uns Vätern die Möglichkeit, unsere Kinder aktiv auf Jesus Christus hinzuweisen. Er vergibt uns nicht nur bereits begangene Sünden, sondern bewahrt uns auch vor größeren Sünden und ihren Folgen. Schauen wir uns dazu ein paar Szenen aus 1. Mose an.
Adam: Der Zorn Kains
Die Folgen von Adams und Evas Sünde in 1. Mose 3 zeigen sich in der ersten Familie sehr schnell. Kaum lernen wir ihre Söhne Kain und Abel kennen, bricht schon ein Konflikt im Haus aus. Kain war zornig darüber, dass Gott das Opfer seines Bruders dem seinen vorzog. Obwohl Gott Kain direkt anspricht (vgl. 1Mose 4,6), lässt er von seinem Zorn nicht ab und entlädt ihn schließlich im Mord an seinem Bruder Abel. Fortan war Kain zum Leben als Flüchtling und Umherirrender verurteilt. Gab es bei Kain Anzeichen eines solchen Temperaments, die man hätte ansprechen können? Ist Adam dazwischengegangen, oder saß er untätig daneben – so wie damals, als Eva von der Schlange verführt wurde?
Isaak: Die Impulsivität Esaus und die Hinterlist Jakobs
Die Schrift berichtet, dass der haarige Esau „ein tüchtiger Jäger, ein Mann des freien Feldes“ war (1Mose 25,27), doch er schien so impulsiv zu handeln wie die Tiere, die er erlegte. Sein Erstgeburtsrecht für eine Schüssel Eintopf an seinen Bruder zu verkaufen, nur weil er vom Feld erschöpft war, war keine kluge Entscheidung (vgl. 1Mose 25,30–34). Hatte er die Folgen seines Entschlusses nicht bedacht, bevor er den Bedingungen zustimmte? Jahre später heiratete Esau eine Fremde, obwohl sein Vater Isaak ihn angewiesen hatte, „keine Frau von den Töchtern Kanaans [zu] nehmen“ (1Mose 28,6). Vielleicht tat er es aus Trotz gegenüber seinem Vater und wegen des Schmerzes über die Täuschung, die er durch seinen Bruder erlitten hatte; dennoch musste er die Folgen tragen: mit einer fremden Frau zu wohnen und außerhalb des Bundesvolkes Gottes zu leben. Hätte sein Vater Isaak Esau früh dazu gebracht, die Folgen seiner schlechten Entscheidungen zu erkennen, wären die späteren Konsequenzen dieselben gewesen?
Die Geschichte, wie Jakob Ziegenfell anlegte und die Kleider seines Bruders anzog, um seinen alternden und sehschwachen Vater zu täuschen, ist gut bekannt. Aber gab es nicht schon früher Anzeichen für Jakobs Täuschung, als er seinem Bruder das Erstgeburtsrecht ablistete? Lebte er damit nicht genau seinem Namen entsprechend – mit der doppelten Bedeutung „Fersenhalter“ und „Betrüger“, den ihm seine Eltern gegeben hatten? Als sein Zwillingsbruder Esau erkannte, dass er betrogen worden war, rief er aus: „Er heißt mit Recht Jakob; denn er hat mich nun zweimal überlistet! Mein Erstgeburtsrecht hat er weggenommen, und siehe, nun nimmt er auch meinen Segen!“ (1Mose 27,36). Noch ironischer ist: Isaak wurde genauso getäuscht und belogen, wie er selbst Abimelech getäuscht und belogen hatte (vgl. 1Mose 26,7). Hätte Isaak sich seiner eigenen Täuschung gestellt – was hätte er seinen Sohn lehren können?
Jakob: Die Unzufriedenheit Dinas und der Hochmut Josefs
Die einzige namentlich genannte Tochter Jakobs in der Bibel ist Dina. In 1. Mose heißt es über sie: „[Dina] ging aus, um die Töchter des Landes zu sehen“ (1Mose 34,1). Mit dem Land ist die heidnische, fremde Stadt Sichem gemeint. Was bewog sie, ihr eigenes Haus zu verlassen, um bei den Frauen der nächsten Stadt etwas zu suchen? In Sichem stieß sie auf die wahre Bosheit des Landes, als sie von einem Mann, der sie ausnutzte, furchtbar missbraucht wurde. War Jakob so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er die suchenden Blicke seiner Tochter übersah, die sie von zu Hause fortführten und schließlich in dieses schreckliche Erlebnis mündeten?
Der junge Josef hatte zwei Träume: Träume von seiner Erhöhung und Träume davon, dass sich seine Brüder vor ihm verneigen. Diese Träume schürten den Zorn seiner Brüder gegen ihn. Woher wussten sie von diesen Träumen? Sie wussten es nur, weil Josef es ihnen erzählt hatte. War das jugendliche Unreife, oder entsprang es einem stolzen Herzen – Stolz, der vielleicht durch Jakobs Bevorzugung Josefs (vgl. 1Mose 37,3) angefacht wurde? Hatte Jakob nicht aus seinen Erfahrungen mit seinen Eltern und seinem Bruder die Folgen solcher Bevorzugung gelernt?
Ein Aufruf an Väter
Wenn die Zeit es erlauben würde, könnten wir unsere Betrachtung auf Manoach und Simson, Eli und seine Söhne, Samuel und seine Söhne oder David und Absalom ausweiten. Mein Anliegen ist es nicht, über Väter herzuziehen, noch bloß das hypothetische Spiel „Was wäre, wenn“ zu spielen. Gott gebrauchte die sündigen Situationen dieser Väter und Kinder für seinen Erlösungsplan, was zeigt, dass seine Gnade wirklich größer ist als all unsere Sünden.
Auch wenn Gott über all das souverän ist, bewahrt das weder die Betroffenen noch uns als Familien vor den schmerzlichen Folgen der Sünde. All die genannten Sünden – auch wenn die Liste nicht vollständig ist – sind nicht nur Sünden aus alter Zeit, sondern begegnen uns ständig in unseren Kindern und oft auch bei uns als Vätern. Wenn du ähnliche sündige Neigungen bei deinen Kindern siehst, solltest du als Vater nicht tatenlos zusehen und hoffen, es werde schon nichts Schlimmes passieren. Die oben erzählten Geschichten zeigen, wie unwahrscheinlich das ist. Vielmehr sollst du die Herzen und Gedanken deiner Kinder mit der Wahrheit erreichen und prägen und sie, wenn sie sündigen, liebevoll durch Vergebung und Buße auf den rechten Weg zurückführen. Als Vater bist du berufen, auf dem Weg des Glaubens ein Hirte und Wegweiser für deine Kinder zu sein. Mögest du für deine Kinder wie die Stimme sein, von der Jesaja spricht: „Und deine Ohren werden das Wort hören, das hinter dir her so spricht: ‚Dies ist der Weg, den geht!‘, wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abbiegen wollt“ (Jes 30,21).
Verlieren wir bei all den Beispielen von Vaterschaft in der Bibel nicht das eine vollkommene Beispiel aus dem Blick: die Vater-Sohn-Beziehung, die niemals zerbrochen, nicht ins Wanken geraten ist und niemals versagen wird. Lasst uns, jenseits all dessen, was Väter tun oder lassen sollen, darin ruhen, was in Christus getan ist, der seinem Vater bis in den Tod vollkommen gehorchte. Aus dieser Vater-Sohn-Beziehung fließen alle Gnade, Barmherzigkeit und Kraft für uns als Väter, während wir in Gottesfurcht wachsen und uns danach sehnen, dass unsere Familien denselben Weg gehen.