Weshalb sollte ich regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen?
1. Weil die Bibel es gebietet
Die erste Antwort auf diese Frage ist die einfachste und grundlegendste: weil die Bibel es uns gebietet! In Hebräer 10 erklärt der Verfasser seinen Lesern das große Vorrecht, das sie haben. Durch das Werk Christi haben sie – und wir – das großartige Vorrecht, in das Heiligtum zu kommen. Er spielt dabei auf das Alte Testament an, wo nur der Hohepriester das Allerheiligste im Tempel Gottes betreten durfte – und selbst das nur einmal im Jahr. Die unfassbare Wahrheit ist: Als Gläubige an Christus dürfen wir aufgrund des Todes Jesu vor den heiligen Gott treten. Der Vorhang ist zerrissen, und unser großer Hohepriester hat uns den Weg geöffnet, zu ihm zu kommen.
Der Verfasser des Hebräerbriefs nennt daraufhin drei Anwendungen, die alle mit „Lasst uns“ beginnen. Beachte, dass sie an Gottes Volk als Ganzes gerichtet sind:
- „Lasst uns hinzutreten“ (Hebr 10,22). Komm, lass dich von Christus reinigen und nimm die Vergebung an.
- „Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung, ohne zu wanken“ (Hebr 10,23). Bleib standhaft, gib nicht auf, halt an dieser Hoffnungsbotschaft fest.
- „Lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr 10,24). Du lebst den christlichen Glauben nicht allein und kannst es auch nicht. Sei auf andere ausgerichtet, wenn du zum Gottesdienst kommst.
Der Verfasser gibt dann das Gebot: „Indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht!“ (Hebr 10,25). Er stellt unseren Gottesdienstbesuch damit in den Zusammenhang eines gelebten christlichen Lebens – es ist schlicht das, was Christen tun. Wir gehen in den Gottesdienst, weil es uns selbst und anderen zum Guten dient. Indem wir uns versammeln, bleiben wir als Christen in einer Welt standhaft, die uns leicht die Hoffnung rauben kann. Die Gefahr – für die Hebräer wie für uns – besteht darin, dass wir es versäumen, uns mit dem Leib Christi zu identifizieren und am Leben der Gemeinde teilzunehmen. Im Neuen Testament war es undenkbar, dass ein Christ nicht zum Gottesdienst ging.
2. Weil wir geschaffen sind, um Gott anzubeten
Es gibt jedoch einen tieferen Grund, in den Gottesdienst zu gehen, als nur den, dass die Bibel es gebietet. Wir gehen in den Gottesdienst aufgrund dessen, wer Gott ist. Er ist unserer Anbetung und Verehrung würdig. Der Grund unserer Existenz ist, „ihn zu verherrlichen und uns für immer an ihm zu freuen“. Gott ist unser Schöpfer, Erhalter und Erlöser.
Mit den Worten des Kleinen Westminster Katechismus ist Gott „unendlich, ewig und unveränderbar in seinem Sein, in Weisheit, Kraft, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Güte und Wahrheit“ (Frage 4). Wer in einer Beziehung mit diesem Gott steht, kann gar nicht anders, als sich mit anderen zu versammeln, um ihn zu preisen. Wir sind dazu gemacht, ihn anzubeten.
Wir gehen in den Gottesdienst aufgrund dessen, wer Gott ist, und aufgrund dessen, was er für uns getan hat. Der Apostel Petrus sagt über uns: „Euch, die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid“ (1Petr 2,10). Der Herr ruft sich ein Volk heraus, „eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen“ (Offb 7,9). Ein Kennzeichen des Volkes Gottes war zu allen Zeiten, dass es sich versammelt, um seinen Namen anzurufen und gemeinsam anzubeten. Davon hören wir zum ersten Mal am Ende von 1. Mose 4: „Damals fing man an, den Namen des HERRN anzurufen“ (1Mose 4,26). Am Ende der Bibel gipfelt alles darin, dass das Volk Gottes zum Gottesdienst versammelt ist. Offenbarung 21 zeigt uns das Bild einer Braut wie einer Stadt, mit Toren in alle Himmelsrichtungen. Dieses erstaunliche Bild zeigt uns das ganze Volk Gottes – von überallher und aus jeder Zeit –, das sich versammelt, um den Gott anzubeten, der in der Mitte seines Volkes wohnt.
Wenn wir uns am Tag des Herrn mit unseren Brüdern und Schwestern treffen, ist das ein Vorgeschmack auf jenen großen Tag. Wir sollten uns das bewusst machen, wenn wir uns mit dem Volk des Herrn versammeln – nicht nur in unserer Ortsgemeinde, sondern weltweit, zusammen mit der triumphierenden Gemeinde im Himmel und den Engelsheerscharen.
Unsere irdischen Zusammenkünfte, Sonntag für Sonntag, sollen in uns die Sehnsucht nach dem ewigen Sabbat wecken. Im Alten Testament war der Sabbat besonders durch Ruhe geprägt. Dieser Aspekt des Tages des Herrn bleibt bestehen, und wir sind aufgefordert, jener ewigen Ruhe entgegenzusehen. Aber im Neuen Testament zeigt sich eine Veränderung am Tag des Herrn: Er ist nun stärker von der Anbetung geprägt.
3. Weil es ein einzigartiges Vorrecht und ein Segen ist
Ich möchte dich von dem Vorrecht überzeugen, das wir haben, uns als Gemeinde zu versammeln. Es ist äußerst töricht, andere Dinge über die Anbetung Gottes mit seinem Volk zu stellen. Wie willst du das vierte Gebot halten, wenn du dich nicht mit Gottes Volk versammelst? Es geht nicht darum, dass wir in die Kirche gehen müssen; die wunderbare Wahrheit ist, dass wir in die Kirche gehen dürfen.
Du kannst kommen und dich mit der Gemeinde versammeln – auch mit all deiner Schuld, deinen Ängsten und Sorgen. Komm mit deinen Lasten und Problemen. Der Teufel nutzt das oft, um Menschen vom Gottesdienst fernzuhalten; doch das ist genau der Ort, an dem du sein musst. In seiner Gemeinde heißt Jesus Sünder willkommen, schenkt uns einen Ort der Ruhe und erquickt uns durch die Sakramente und die Predigt seines Wortes. Er ruft uns: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Mt 11,28–30).
Höre Gottes Ruf zur Anbetung. Singe ihm zum Lob. Bekenne deine Sünden und höre Christi Zuspruch der Vergebung. Bete mit deinen Brüdern und Schwestern. Bekenne deinen Glauben mit den Heiligen aller Zeiten. Höre auf die Verkündigung des Evangeliums und sieh es in den Sakramenten der Taufe und des Abendmahls. Das kannst du nicht für dich allein tun. Gottes Volk ist zum Zusammenkommen geschaffen. So war es immer, und so wird es immer sein. Wenn du in den Gottesdienst kommst, empfängst du Segnungen vom Herrn, die du nirgendwo sonst bekommst.
Gott hat versprochen, dass er seine Gemeinde, wenn sie sich versammelt, auf eine besondere Weise segnen wird – anders als wenn sie für sich allein sind. Jesus verheißt, dass, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist (vgl. Mt 18,19–20). Der Apostel Paulus sagt im Blick darauf, dass ein Außenstehender in den Gottesdienst kommt, unser Gebet solle sein, dass er erkennt, was immer gilt: „dass Gott wahrhaftig in euch ist“ (1Kor 14,25). In der Offenbarung sagt Jesus, dass er unter den Leuchtern umhergeht, die seine Gemeinden sind (vgl. Offb 2,1). Das tut er auch heute noch, Sonntag für Sonntag, wenn seine Gemeinde zusammenkommt.
Es gibt auf dieser Welt nichts Herrlicheres, als zu Christi Gemeinde zu gehören.