Warum ihr (mehr) Kinder bekommen solltet

Artikel von Kevin DeYoung
6. Februar 2026 — 24 Min Lesedauer
In diesem Artikel bezieht sich Kevin DeYoung häufig auf Daten und Entwicklungen aus dem US-amerikanischen Kontext. Die beschriebenen demografischen Trends und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen zeigen sich jedoch genauso in Europa bzw. den deutschsprachigen Ländern.

Das Bedeutendste, was derzeit in der Welt geschieht, ist möglicherweise etwas, das gerade nicht geschieht: Männer und Frauen bekommen keine Kinder mehr. Die biblische Logik wurde umgekehrt und der unfruchtbare Schoß ruft aus: „Es ist genug!“ (Spr 30,16). Das paradigmatische Leiden des Alten Testaments ist nun das große Begehren der Völker. Rahel wollte ohne Kinder nicht länger leben (vgl. 1Mose 30,1). Unsere Generation hingegen scheint zu dem Schluss gekommen zu sein, dass nichts dem Leben mehr im Wege steht als Kinder.

Sicher, die Menschheit pflanzt sich immer noch fort – aber in den meisten Ländern nicht schnell genug, um sich selbst zu ersetzen. Die Messung der zusammengefassten Geburtenziffer (Total Fertility Rate; TFR) ist keine exakte Wissenschaft, weshalb die Zahlen je nach Quelle variieren, aber die Trends sind unbestreitbar. Außerhalb Afrikas, wo 41 der 50 Länder mit der höchsten Geburtenrate liegen, sieht die demographische Zukunft der Welt nicht gerade rosig aus. Viele der großen europäischen Länder – wie Bulgarien, Griechenland, Ungarn, Polen, Portugal und Spanien – haben eine TFR von 1,5 Geburten pro Frau oder weniger, was katastrophal unter der Ersatzrate von 2,1 liegt. Vor allem Italien geht einer düsteren Zukunft entgegen, da das Land mit nur 1,22 eine der niedrigsten TFRs der Welt hat. Praktisch jedes Land in Europa – darunter die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Belgien, Finnland und Dänemark – hat eine TFR unter 1,8. Nur Frankreich kommt mit einer TFR von 2,03 annähernd an die Ersatzrate heran. Der Rückgang ist unaufhaltsam. Die russische Bevölkerung schrumpft bereits. Die Bevölkerung Deutschlands wird in den nächsten dreißig Jahren voraussichtlich von 83 Millionen auf rund 70 Millionen zurückgehen. Wenn sich dieser Trend nicht umkehrt, wird die Bevölkerung Europas von heute 750 Millionen bis zum Ende des Jahrhunderts auf weniger als 500 Millionen sinken.

Die Zahlen für Ostasien sind noch schlechter. Hongkong, Macau, Singapur und Taiwan haben jeweils eine TFR von etwa 1,0 (Südkorea liegt bei 0,81). Diese Länder lassen das alternde und schrumpfende Japan mit seiner TFR von 1,37 fast schon dynamisch erscheinen. Und unabhängig davon, welche militärische und wirtschaftliche Macht China auch immer besitzen mag, gibt es dort immer weniger Kinder. Trotz der Ablösung der berüchtigten Ein-Kind-Politik durch eine Zwei-Kind-Politik im Jahr 2016 und dann durch eine Drei-Kind-Politik im Jahr 2021 ist die Geburtenrate in China weiter gesunken. Noch 2019 prognostizierte die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften, dass Chinas Bevölkerung 2029 ihren Höchststand erreichen würde. Der Rückgang hat jedoch bereits begonnen. Laut der Akademie der Sozialwissenschaften Shanghai ist Chinas Bevölkerung im Jahr 2022 (im Vergleich zum Vorjahr) zum ersten Mal seit der Großen Chinesischen Hungersnot (1959–1961) wieder um etwas mehr als 1 Prozent zurückgegangen.

Die Vereinigten Staaten schienen viele Jahre lang eine Ausnahme von der Regel der sinkenden Geburtenraten in den Industrieländern zu sein. Im Jahr 2007 lag die TFR in den USA bei 2,1, während sie in der Europäischen Union unter 1,6 lag. Seitdem ist die Geburtenrate in den USA jedoch um 20 Prozent gesunken und liegt einigen Schätzungen zufolge bei nur noch 1,73. Was vor weniger als einer Generation noch wie eine amerikanische Ausnahmeerscheinung aussah, entpuppt sich aus heutiger Sicht lediglich als eine Verzögerung.

Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte haben Menschen weniger Kinder bekommen. In den meisten Ländern liegt die Geburtenrate pro Frau deutlich unter der Ersatzrate, und selbst in Ländern mit einer hohen TFR (etwa in Subsahara-Afrika) sinkt die Rate. Die Menschheit scheint ihrer selbst überdrüssig geworden zu sein.

Die Gründe für den Rückgang der Geburtenrate sind zweifellos vielfältig. Manche Paare wünschen sich Kinder, können aber keine bekommen; andere haben mit wirtschaftlichen Problemen oder gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen. Aber die Geburtenrate sinkt nicht weltweit, ohne dass tieferliegende Ursachen im Spiel sind (insbesondere wenn die Menschen auf der ganzen Welt objektiv gesehen reicher, gesünder und komfortabler leben als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit). Auch wenn jeder Einzelne seine Entscheidungen aus vielerlei Gründen trifft, leiden wir als Spezies unter einem tiefen seelischen Leiden – einem metaphysischen Unwohlsein, das dazu führt, dass wir Kinder als Belastung für unsere Zeit und als Hindernis für unser Streben nach Glück betrachten. Unser Leiden ist ein Mangel an Glauben, und nirgendwo ist dieser Unglaube so erschreckend wie in den Ländern, der einstmals christlichen Welt. „Ich will deinen Samen mehren wie die Sterne des Himmels“, versprach Gott einem erfreuten Abraham (1Mose 26,4). Heute, in den Ländern der Nachkommen Abrahams, erscheint dieser Segen den meisten eher wie ein Fluch.

1968 prognostizierte Paul Ehrlich in seinem Buch Die Bevölkerungsbombe eine weltweite Hungersnot und ein Rennen in den Untergang. Fünfzig Jahre später ist die Bombe immer noch nicht hochgegangen. Heute müssen wir eher einen Bevölkerungsrückgang als einen Bevölkerungsboom fürchten. Die Liste der „sehr schlimmen Dinge“, wie Jonathan Last die Folgen sinkender Geburtenraten in seinem 2013 erschienenen Buch What to Expect When No One’s Expecting nennt, ist lang und deprimierend: eine alternde Gesamt- und eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung, eine sinkende Steuerbasis, ein Rückgang der technologischen und industriellen Dynamik, Schwierigkeiten bei der Partnersuche, leerstehende Gebäude und eine bröckelnde Infrastruktur, ungedeckte Sozialleistungen und eine allgemeine Unruhe, weil immer mehr Menschen älter und kränker werden, während immer weniger Menschen da sind, die sich um sie kümmern (können). Ein zukünftiger Präsident könnte gezwungen sein, den Wahlkampfslogan „Es ist Mitternacht in Amerika“ zu prägen.

Last betont wirtschaftliche und nationale Belange, also die Art von Entwicklungen, die die Aufmerksamkeit von Präsidenten und Parlamenten auf sich ziehen. Die Probleme sinkender Geburtenraten und des damit einhergehenden Zusammenbruchs der Familie reichen jedoch viel tiefer. Whittaker Chambers verwarf seinen Atheismus, als er das Wunder des Ohrs seiner kleinen Tochter studierte. Als er seine Tochter beim Essen in ihrem Hochstuhl beobachtete, kam ihm ein „unwillkürlicher und unerwünschter“ Gedanke: „Diese komplizierten, perfekten Ohren“ konnten „nur das Werk eines gewaltigen Schöpfers sein“. Der Glaube kann unser Herz für Kinder öffnen, aber Kinder können uns auch die Augen des Glaubens öffnen.

Werden keine Familien mehr gegründet, wird auch der Glaube nicht weitervermittelt. Das ist Mary Eberstadts Argument in How the West Really Lost God: Der Niedergang der Familie ist nicht nur eine Folge des religiösen Niedergangs, sondern eine seiner Ursachen. Religiöse Menschen neigen eher dazu, Familien zu gründen, aber es stimmt genauso, dass dem Leben in einer Familie etwas innewohnt, das die Menschen zur Religion hinzieht. Man braucht hier nicht zu rätseln, was zuerst kommt; was zählt, ist die untrennbare Verbindung: Glaube und Familie stehen und fallen gemeinsam.

Es gibt viele plausible Gründe für diesen Zusammenhang. Die christliche Geschichte spielt sich innerhalb der Matrix der Familie ab: von der Erwartung von Evas Schlangenzertreter, über den verheißenen Samen der Patriarchen, hin zum großen Sohn Davids und zur Geburt des Christuskindes von Maria mit Josef an ihrer Seite. Die Anwesenheit von Kindern treibt Eltern oft in die Kirche – sei es, um Hilfe bei ihrer Erziehung zu erhalten, oder weil die Erfahrung, Kindern das Leben zu schenken, uns hilft, unseren Schöpfer zu begreifen. Die Opfer, die man als Eltern bringen muss, sind dieselben Opfer, die einem das Leben als Jünger Jesu abverlangt.

Die Verbindung zwischen Glaube und Familie wirkt auch in die entgegengesetzte Richtung. Eberstadt bemerkt: „In einer Zeit, in der viele Menschen ein Leben führen, das im Widerspruch zum traditionellen christlichen Moralkodex steht, wird die bloße Existenz dieses Kodexes zum Blitzableiter für Kritik und Schmähungen – was manche Menschen weiter von der Kirche entfernt“ (Hervorhebung im Original). Anders gesagt: Wenn deine Eltern geschieden sind, du mit zwei Müttern aufgewachsen bist, du derzeit mit deiner Freundin zusammenlebst oder du von der Vorstellung der Monogamie und des Kinderkriegens nicht besonders begeistert bist, dann ist der christliche Glaube (der für Sünder schon immer ein Skandal war) mit einer zusätzlichen Anstößigkeit verbunden, mit der frühere Generationen nicht konfrontiert waren. „Die Menschen mögen es nicht, wenn man ihnen sagt, dass sie falsch handeln“, bemerkt Eberstadt, „oder dass diejenigen, die sie lieben, falsch gehandelt haben. Aber das Christentum kommt nicht darum herum, diese Botschaft zu vermitteln.“ Zweifellos hat die Säkularisierung die Formierung von Familien untergraben. Genauso sicher hat allerdings auch der Zusammenbruch der intakten Familie mit verheirateten Eltern und Kindern den christlichen Glauben schwerer verdaulich gemacht. Die größte Plausibilitätsstruktur für den Glauben liefern nicht intellektuelle Argumente, sondern das Leben in einer Familie.

Carle C. Zimmermans Family and Civilization (1947) ist als Buch über Familientypen in Erinnerung geblieben, aber im Grunde geht es in dem Buch um Fruchtbarkeit. In Anlehnung an Augustinus und Thomas von Aquin argumentiert Zimmerman, dass die Ehe historisch gesehen drei Funktionen hatte: proles, fides und sacramentum. Das heißt, das Wohl der Ehe (und des Familienlebens im weiteren Sinne) ist abhängig vom Kinderkriegen, sexueller Treue und der Beständigkeit des Ehebundes (unabhängig davon, ob man eine katholische Sichtweise der Sakramente vertritt oder nicht). Petrus Lombardus ordnete die ehelichen Güter etwas anders an und platzierte die Treue vor der Zeugung von Kindern. Zimmerman stellt jedoch fest, dass Augustinus und Thomas von Aquin das Bekommen von Kindern (oder, vor der Eheschließung, die entsprechende Absicht) als ersten und entscheidenden Schritt für die Entwicklung von ehelicher Treue und Beständigkeit betonen. Ohne Kinder (oder die Bereitschaft, Kinder zu bekommen) verlieren die beiden anderen Verpflichtungen ihre moralische und logische Kohärenz.

Bereits 1947 erkannte Zimmerman, dass die atomistische Familie – die Familie, die auf individualistischen Annahmen über Glück und die Rolle der Ehe basiert – zu schnellen und unbegründeten Scheidungen führen würde; dass lockerere Familienstrukturen als Lösung für Familienprobleme angeboten, diese Probleme jedoch nur verschlimmern würden; dass die Stigmatisierung von Ehebruch schwinden würde; dass die Geburtenrate sinken würde; und dass sexuelle Perversion normalisiert werden würde. Er sagte auch voraus, dass der Rückgang der Geburtenrate unter Intellektuellen diese ermutigen würde, die Gültigkeit und Rechtmäßigkeit der Ehe selbst infrage zu stellen; dass es zwei Generationen dauern würde (verlangsamt durch Einwanderung), bis der Verfall der Familie offensichtlich würde; und dass die christliche Kirche die einzige kulturelle Institution sein würde, die in der Lage wäre, eine Sichtweise der Familie zu fördern, die auf mehr als nur persönlicher Erfüllung beruht.

Eine weitverbreitete Ansicht besagt, die Antibabypille habe unweigerlich zu einem Rückgang der Geburtenrate geführt. In seinem 2018 erschienenen Buch Birth Control and American Modernity untersucht Trent MacNamara Zeitungsberichte und die Rhetorik populärer Moralisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, um zu zeigen, dass der Rückgang des Natalismus (also einer Haltung, die Kinderreichtum und Bevölkerungswachstum aktiv fördert, Anm.d.Red.) eher in sich wandelnden Normen begründet liegt und nicht so sehr in neuen Technologien. Die Amerikaner beschlossen nicht, weniger Kinder zu bekommen, weil ihnen das Land ausgegangen war oder die Industrialisierung Kinder als Helfer bei der Landarbeit weniger nützlich gemacht hatte. Diese gängigen Erklärungen ergeben wenig Sinn (als ob Kinder direkt nach der Geburt zum Kühemelken eingesetzt werden könnten und nicht gefüttert, gekleidet und versorgt werden müssten). Die Gründe, warum Amerikaner weniger Kinder bekamen, waren zugleich simpler und umfassender. Für die meisten war eine Kombination aus moralischem Pragmatismus und liberalem sozialem Optimismus ausschlaggebend. Die Amerikaner des 20. Jahrhunderts waren überzeugt, dass die neuen Technologien ihren (weniger zahlreichen) Kindern ein Leben ermöglichen würden, das besser war als ihr eigenes. Sie betrachteten Geburtenkontrolle als vernünftigen wirtschaftlichen Altruismus. Sie legten mehr Wert auf beobachtbare Ergebnisse als auf Erste Prinzipien. Vor allem glaubten sie, betont MacNamara, dass weniger Kinder mehr Sicherheit und größeres Glück bedeuteten. Fast ein Jahrhundert später hat sich an dieser moralischen Kalkulation wahrscheinlich kaum etwas verändert.

Die neue Herausforderung unserer Zeit ist die wahrgenommene Bedrohung einer sich anbahnenden Klimakatastrophe. Bei einem liberalen Elitejournalisten las ich kürzlich, dass die Frage, die ihm nach Vorträgen und bei Abendessen am häufigsten gestellt wird, lautet, ob man überhaupt Kinder bekommen sollte, wenn man bedenkt, dass diese ja zur „Klimakrise“ beitragen. Einmal ganz abgesehen von den Debatten, die wir über die Wissenschaft oder die Lösung des Klimawandels führen könnten, sind die intellektuellen Annahmen hinter dieser Frage zutiefst menschenfeindlich. Die Bibel ermutigt uns, die Schönheit der Schöpfung Gottes zu sehen, und die Bibel ist nicht gleichgültig gegenüber Fröschen, Hunden und Glühwürmchen. Alles, was Odem hat, lobe den Herrn (vgl. Ps 150,6). Aber der Erzählbogen der Bibel ist weder geozentrisch (die Erlösungsgeschichte handelt nicht hauptsächlich von der Erde) noch biozentrisch (sie dreht sich nicht hauptsächlich um Pflanzen und Tiere). Die Geschichte der Bibel ist anthropozentrisch. Gott sandte seinen Sohn, um diejenigen zu retten, die nach seinem Bild geschaffen wurden. Ferner sind wir als diejenigen, die nach seinem Bild geschaffen wurden, keine fremde Spezies auf diesem Planeten, keine bösartigen Tumore, die nur verschlingen und zerstören. Wir sind Mitschöpfer. Wir sind dazu bestimmt, den Garten zu bebauen. Wir können Probleme lösen und die Welt lebenswerter machen. Wenn die Klimakrise so schlimm ist, wie uns gesagt wird, werden dauerhafte Lösungen aus den Bemühungen unserer Kinder hervorgehen, nicht aus ihrer Auslöschung.

Es ist auffällig, wie sehr sich unsere Vorstellung vom guten Leben von Jesajas eschatologischer Vision unterscheidet. In Jesaja 65 offenbart der Prophet die Ankunft des neuen Himmels und der neuen Erde. Diese Vision enthält Elemente, die alle Menschen schätzen würden: Frieden, Wohlstand, Schutz. Aber die Vision ist auch überraschend häuslich: Wir hören von Kindern, die nicht mehr im Säuglingsalter sterben, und von Kindern, die als Segen statt als Unglück geboren werden. Wir lesen vom Bauen und Bewohnen von Häusern, vom Anlegen von Weinbergen und vom Essen ihrer Früchte. Das Bild ist familiär und generationsübergreifend, mit einem alten Mann, einem jungen Mann, einem Säugling und Nachkommen zusammen mit ihren Eltern. Die heutige Vorstellung vom guten Leben ist stärker individualistisch und konsumorientiert. Das gute Leben hat sich vom Zuhause zum Marktplatz, zu Orten der Unterhaltung und in die inneren Tiefen des Selbst verlagert. Segen findet man, wenn man dem Zuhause entflieht – auf Reisen, beim Konsum, in der Freiheit von den Fesseln des häuslichen Lebens.

Es geht mir an dieser Stelle nicht darum, ein theologisches Argument für oder gegen Verhütung vorzulegen. Die schwierige Lage, in der wir uns befinden, erfordert nicht, dass Christen jede Form der Familienplanung ablehnen. Selbst als Vater von neun Kindern bin ich kein Verfechter maximaler Fruchtbarkeit. Meine Frau hatte das Glück, relativ problemlose Schwangerschaften zu haben (das kann ich natürlich leicht sagen!), und wir haben mehr Platz und ein höheres Einkommen als viele andere Familien. Unsere Opfer sind nicht mit denen vergleichbar, die ein Paar mit einer Schar von Kindern gebracht hätte, das 1930 in einer armseligen Wohnung in New York City lebte. Ich fordere christliche Paare nicht dazu auf, so viele Kinder wie möglich zu bekommen.

Ich fordere sie allerdings sehr wohl dazu auf, mehr Kinder zu bekommen. Wie viele mehr, kann ich nicht sagen. Viele Paare müssen Risiken in Bezug auf Alter, Krankheit, Fehlgeburten oder schwierige Schwangerschaften abwägen. Aber „mehr als zwei Kinder“ und „mehr Kinder, als du glaubst, bewältigen zu können“, könnten ein guter Anfang sein. Die Differenz zwischen der Geburtenrate von religiösen und nichtreligiösen Amerikanern wächst seit zwei Jahrzehnten und ist heute größer denn je. Diese Differenz reicht nicht aus, um den Verlust der sogenannten „Nones“ (Menschen ohne Religionszugehörigkeit) aus den Reihen der Kirche auszugleichen – aber sie könnte es, wenn die TFR religiöser Amerikaner von knapp über der Ersatzrate auf etwa 2,4 Kinder pro Person ansteigen würde. Anders gesagt: Der Unterschied zwischen drei und zwei Kindern (vorausgesetzt, die Kultur des Glaubens zu Hause und in der Gemeinde ist stark genug, um diese Kinder im Glauben zu halten) könnte den Unterschied ausmachen zwischen einem Amerika, in dem die Religion im Niedergang begriffen ist, und einem Amerika, in dem sie auf dem Vormarsch ist.

Leider macht es das heutige Leben in Amerika nicht einfach, viele Kinder großzuziehen. Das erinnert mich an einen Satz des Komikers Jim Gaffigan (ein Katholik und Vater von fünf Kindern): „Große Familien sind wie Wasserbettgeschäfte. Früher gab es sie überall, heute sind sie einfach nur noch seltsam.“ Parkplätze und Parkhäuser sind nicht für Kleinbusse mit fünfzehn Sitzplätzen ausgelegt. Meine Familie isst fast nie auswärts (wofür viele Restaurantbesucher dankbar sind). Mit unserer ganzen Familie zu fliegen, ist ohne viel Planung und Sparen wahnsinnig teuer (und auch ganz grundsätzlich der reinste Wahnsinn). Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen in unserem sich vorrangig in der Gemeinde abspielenden Leben unsere große Familie sehr unterstützt, begegnen wir manchmal Fremden, die uns unterschwellig vermitteln: „Seid ihr eigentlich dumm oder einfach nur ignorant?“ Als unsere Kinder die öffentliche Schule besuchten, hörten wir ständig, dass die Geschichten und Beispiele im Unterricht „die Vielfalt unserer Gemeinschaft widerspiegeln“ müssten, was immer mehr Geschichten über LGBTQ-Familien bedeutete, aber niemals über Großfamilien, die zur Kirche gehen.

Eine Kultur mit sinkender Geburtenrate gewöhnt sich an immer kleinere Familien. Dieser Kreislauf lässt sich nur schwer durchbrechen. Eltern mit weniger Kindern fokussieren sich stärker auf die Kinder, die sie haben; und je mehr sich Eltern auf ihre Kinder konzentrieren, desto weniger können sie sich vorstellen, mehr als ein oder zwei Kinder zu haben. Selbst gute Eltern – vielleicht sogar die besonders guten – sind anfällig für die sogenannte „Kindarchie“, wo Kinder das Kommando haben und von Müttern und Vätern erwartet wird, dass sie ihren Kindern alles sind. Wie können Eltern mehr als ein paar Kinder haben, wenn jedes Kind seine Eltern als ständigen Begleiter, Camp-Leiter, Gourmetkoch, Urlaubsplaner, Trainer und allgegenwärtiges Sicherheitsnetz beansprucht? Ganz zu schweigen von den riesigen Autositzen, die ein- und ausgebaut werden müssen, den unzähligen Formularen, die in jeder Lebensphase ausgefüllt werden müssen, und den Kosten für die Kindererziehung in einer Zeit, in der von jungen Menschen erwartet wird, dass sie viel konsumieren und wenig beitragen. Es erfordert eine hartnäckige Weltfremdheit, damit Eltern es wagen, ihren Kindern mehr zu geben, indem sie ihnen weniger geben.

So wichtig die Geburtenrate für die Gesundheit (und Existenz) einer Nation auch ist, so wenig haben pronatalistische Regierungen mit ihren Maßnahmen bisher erreicht. Als Japan 1990 die demografische Alarmglocke läutete und einen interministeriellen Ausschuss zur „Schaffung eines gesunden Umfelds für die Geburt und Erziehung von Kindern“ einrichtete, lag die TFR bei 1,54. Nach dreißig Jahren „Angel Plans“, „Childcare Leave Acts“, einem „Plus One Plan“ und einem „Next Generation“-Gesetz liegt Japans TFR bei 1,36. Das soll nicht heißen, dass Regierungen keine familienfreundliche Steuerpolitik betreiben und entsprechende Gesetze verabschieden sollten. Ich bin sehr dafür, das Aufziehen von Kindern leichter zu machen und kostengünstiger zu gestalten. Regierungen können Menschen dabei helfen, die Kinder zu bekommen, die sie sich wünschen. Sie haben sich allerdings als nicht fähig erwiesen, Menschen davon zu überzeugen, Kinder zu bekommen, die sie nicht wollen.

Als Konservative müssen wir realistisch einschätzen, was wir auf Erden erreichen können. Der Zerfall der Familie wird sich nicht in fünf Jahren beheben lassen – vielleicht in fünfzig, wenn Gott es schenkt. Dennoch können wir unseren Teil dazu beitragen, die soziale Gesundheit hier und jetzt zu fördern und Samen für eine spätere Ernte zu säen. Zu diesem Zweck möchte ich zwei bescheidene Vorschläge unterbreiten.

Erstens: Wir müssen die Institution und das Wohlergehen der Familie in den Mittelpunkt eines erneuerten Konservatismus rücken. Man muss nicht mit allen Kritikpunkten von Yoram Hazony am klassischen Liberalismus übereinstimmen, um zu erkennen, dass seine vorgeschlagene „Wiederentdeckung“ der Familie im konservativen Denken längst überfällig ist. Viele der philosophischen Väter des Liberalismus waren überhaupt keine Väter: Spinoza, Locke, Hume, Mill und Bentham waren alle kinderlos, und Rousseau gab seine fünf Kinder in Waisenhäuser. Konservative müssen einen Weg finden, die von Gott gegebenen Rechte des Einzelnen zu verteidigen und gleichzeitig zu bekräftigen, dass die Ausübung dieser Rechte in erster Linie innerhalb der Familie stattfindet. Ein solcher Konservatismus wird nicht nur auf vage definierten „Familienwerten“ bestehen. Er wird entschlossen an der Überzeugung festhalten, dass alle Bemühungen, die Familie als etwas anderes als eine vorpolitische Institution zu definieren, die in der Geschlechtsdifferenzierung und Fortpflanzung verwurzelt ist, nicht zu einer gesunden Zivilisation führen werden.

Zweitens: Wenn es wichtig ist, die Familie in den Mittelpunkt unseres Konservatismus zu rücken, ist es umso wichtiger, sie in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen – natürlich nicht als einen Götzen, aber als eines der besten Dinge, von denen Gott möchte, dass wir ihnen nachgehen. Christliche Schulen sollten überdenken, ob sie ihre Schüler nur auf das Studium und den Beruf vorbereiten oder ob auch die Vorbereitung auf das Familienleben Teil ihres Auftrags ist. Pastoren und Priester sollten ihren Gemeindemitgliedern klarmachen, dass der direkteste Weg, die Welt zu verändern, damit beginnt, Windeln zu wechseln. Allzu oft bürden christliche Leiter ihren Gemeindemitgliedern unmögliche Lasten auf, indem sie darauf bestehen, dass sie eine Vielzahl sozialer Missstände lösen und zu Experten in tausend verschiedenen Bereichen werden, und vergessen dabei, ihnen zu versichern, dass es ein erfülltes Leben ist, zu heiraten, Kinder in der Kirche großzuziehen und verheiratet zu bleiben. Vor allem Frauen müssen wissen, dass Mutterschaft keine geringere Berufung ist, keine Unterbrechung des „eigentlichen“ Lebens oder ein Hindernis dafür, einer „wirklichen“ Bestimmung zu folgen (was in der Regel bedeutet, mehr wie Männer zu sein). Ich würde gern einmal sehen, dass eine christliche Hochschule in ihrem Alumni-Magazin eine Hausfrau und Mutter in den Mittelpunkt stellt. So wie christliche Schulen für sich werben, würde man nie auf die Idee kommen, dass die meisten ihrer Absolventinnen einmal Mütter werden oder ein normales Familienleben eine ehrenvolle Berufung ist.

Ebenso müssen wir die Ehe als einen Austausch von Verpflichtungen verstehen, nicht nur von Emotionen und Erfahrungen. Wir müssen außerdem eingestehen (so beängstigend das für mich als Vater von vier Teenagern auch klingt), dass viele junge Männer und Frauen früher heiraten sollten. Der Babyboom der Nachkriegszeit war genau genommen ein Heiratsboom. Nicht die durchschnittliche Familiengröße stieg stark an, sondern die Zahl der Menschen, die Familien gründeten. Seit 1950 ist das Durchschnittsalter der Frauen bei der ersten Heirat von knapp über zwanzig Jahren auf fast achtundzwanzig Jahre gestiegen. Frauen bekommen unter anderem deshalb weniger Kinder, weil sie weniger Jahre verheiratet sind, in denen sie Kinder bekommen können. Und sicherlich wird es für beide Geschlechter nicht einfacher, der Verlockung von Pornographie und Unzucht zu widerstehen, wenn das sexuelle Verlangen zehn oder fünfzehn Jahre lang heißläuft, bevor überhaupt an eine Heirat gedacht wird. Die Bibel sagt an keiner Stelle, dass du deine Ausbildung abgeschlossen, als Rucksacktourist Europa bereist oder ausreichend Netflix-Zeit anberaumt haben musst, bevor du eine Ehe schließt. Sie sagt allerdings sehr wohl, dass es besser ist, zu heiraten, als in Begierde zu brennen (vgl. 1Kor 7,9).

Wir müssen vor allem glauben, was uns die Bibel sagt: Kinder sind eine Gabe und Leibesfrucht ist ein Geschenk (vgl. Ps 127,3). Kinderkriegen ist nichts für schwache Nerven. Kinder sind teuer, chaotisch und anstrengend. Sie nehmen deine Zeit in Anspruch und können dir das Herz brechen. Sie werden dich wahrscheinlich nie so sehr lieben, wie du sie liebst. Seien wir ehrlich: Kinder sind eine Last. Aber sie sind auch eine der größten irdischen Segnungen. Haben wir Rahels verzweifelten Schrei auf den Kopf gestellt und Gott angefleht, uns keine Kinder zu schenken, damit wir uns selbst nicht sterben müssen? Die Verheißung an Abraham, Nachkommen zu haben, war für ihn kein Fluch, und sie ist auch kein Fluch für uns. Ein Mann wie ein Krieger mit Pfeilen in der Hand und eine Frau wie ein fruchtbarer Weinstock und Kinder wie Olivenzweige um den Tisch herum – das sind die Segnungen des Herrn aus Zion.

Auf der ganzen Welt sehen wir, dass Glaube und Familie gemeinsam stehen und fallen. Konservative und religiöse Menschen haben mehr Kinder als ihre liberalen und säkularen Mitbürger. Selbst innerhalb der Kirche sind die großen Konfessionen zum Teil deshalb geschrumpft, weil ihre Mitglieder sterben, ohne dass gläubige Kinder sie ersetzen. Konservative Gemeinden sind gewachsen (oder haben zumindest ihren Stand gehalten), weil ihre Gemeindemitglieder Kinder bekommen und viele dieser Kinder die Gemeinden nicht verlassen haben. Die Sanftmütigen werden die Erde erben, insbesondere diejenigen, die demütig genug sind, Kinder großzuziehen.

Am Ende ist Kinder zu bekommen nicht nur ein Akt stumpfen Gehorsams, und nicht einmal einfach nur ein Akt des Glaubens. Es ist ein Akt der Transzendenz. Wenn ich meinem Kind beim Verlassen des Hauses sage: „Denk daran, dass du ein DeYoung bist“, ermahne ich es nicht nur, im Einklang mit unseren Werten zu handeln, sondern ich trage unseren Familiennamen hinaus in die Welt – an Orte, an denen ich nicht sein kann, und in eine Zukunft, die für mich zu fern ist, um sie zu erreichen. „Und ich will dich zu einem großen Volk machen“, sagte Gott Abraham zu, „und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein“ (vgl. 1Mose 12,2). Die Bibel ist voll von Genealogien, die zeigen, dass wir ein Volk mit einer Vergangenheit und einer Zukunft sind. Wenn 1. Mose 5 die Linie von Adam bis Noah nachzeichnet, erinnert der Refrain „und er starb“ an den Fluch des Todes – aber dass jeder Mann einen Sohn hatte, erinnert an die Verheißung, die durch jede Geburt weitergetragen wird (vgl. 1Mose 3,15). Der Gott, der die Ewigkeit in unsere Herzen gelegt hat (vgl. Pred 3,11), will uns auch Kinder in den Schoß legen (vgl. Mal 2,15). Begreifen wir das eine, wird uns auch das andere klar.