Begrenzte Vorstellung, grenzenlose Trinität
Am 21. Februar 2026 findet in Kaiserslautern die E21-Regionalkonferenz Südwest zum Thema „Dreieinig – Gottes Wesen, unser Glück“ statt. Redner der Konferenz sind Daniel Knoll, Michael Wiche und Peter Krell. Eine Anmeldung ist hier möglich.
Wenn ich etwas auf meinem Tablet zeichne, gibt es da die wunderbare Funktion „Radiergummi“. Mit dieser Funktion kann man entstandene Zeichnungen ganz einfach wieder löschen.
Lasst uns diese Radierfunktion einmal gedanklich auf unsere Wirklichkeit anwenden. Wir radieren nach und nach alles Mögliche weg: Häuser, Straßen, ganze Städte, Täler, Berge, Wälder. Wir radieren Kontinente und Ozeane, ja den ganzen Planeten zusammen mit der Menschheit einfach weg. Wir radieren den Mond und die Sonne weg. Wir radieren die Sterne weg samt allen Galaxien. Wir radieren, bis das letzte Molekül und sogar Raum und Zeit selbst ausradiert sind.
Man fragt fast instinktiv: Was bleibt denn überhaupt noch übrig? Und genau hier offenbart sich ein gewaltiges Problem unserer Vorstellung. Denn das Wort „übrig“ in diesem Kontext zu benutzen, wäre nicht nur ungeeignet. Ich würde tatsächlich behaupten, dass es auch unmoralisch wäre, da es eine mickrige Vorstellung von Gott ans Licht bringen würde. Und eine mickrige bzw. falsche Vorstellung von Gott ist der Ursprung aller Probleme, die existieren.
Wenn die gesamte Schöpfung, das unermessliche Universum, plötzlich einfach weg wäre, dann wäre das, was „bleibt“, ein Wesen, das in seiner Dauer ewig und in seiner Existenz unendlich ist. Es passiert nur allzu schnell, dass wir uns Gott als ein Wesen vorstellen, das irgendwo, wenn auch unsichtbar, in diesem Universum existiert. Tatsächlich wäre es zutreffender, es gegenteilig zu formulieren, denn nicht Gott existiert im Universum, sondern das Universum existiert „in ihm“ (Kol 1,16).
Was will ich damit sagen? Gott selbst ist der Urquell aller Vollkommenheit, Herrlichkeit und Schönheit. Sowohl die Schöpfung als auch die Erlösung sind Ausstrahlungen seines Wesens. Genauso wie die Ursache von etwas größer ist als die Wirkung, so können wir sagen, dass Gott größer ist als alles, das aus seinem Wesen und Willen hervorgegangen ist.
Doch wie können oder sollen wir uns dann überhaupt dieses Ausmaß an Größe und Herrlichkeit vorstellen? Denk mal darüber nach: Wir kommen bereits beim Erschaffenen an unsere Grenzen. Wir reden umgangssprachlich von den „unendlichen Weiten des Universums“. Wir tun das deshalb, weil wir bereits bei geschaffenen Dingen, die in Raum, Zeit und Materie begrenzt sind, an die Grenzen unserer Erkenntnisse stoßen. Doch welchen Rückschluss ziehen wir aus dieser Tatsache? Sollten wir sagen: „Na ja, wenn ich mir Gott eh nicht angemessen vorstellen kann, dann lasse ich es halt ganz bleiben“? Nein, natürlich nicht. Aber wir begeben uns hier auf einen schmalen Grat, denn einerseits sollen wir uns Gott nicht mit „irdischen Bildern“ vorstellen, wie es die heidnischen Völker taten, deren Göttervorstellungen sich mit Tieren und Elementen der Schöpfung darstellen ließen. Andererseits gebraucht Gott selbst Bilder aus der Schöpfung, um uns eine angemessene Vorstellung von ihm zu vermitteln. Hier ein Beispiel:
„HERR, deine Gnade reicht bis zum Himmel, deine Treue bis zu den Wolken!“ (Ps 36,6)
Was fällt hier auf? Gott zeigt uns die Größe seiner Treue, indem er uns sagt, dass sie „bis zu den Wolken“ reicht. Streng genommen ist das eine Vorstellung, die Gottes Treue eingrenzt, denn Wolken sind nicht unendlich hoch und ziehen nicht unendlich weit. Und dennoch berührt uns dieses Bild, wenn wir als winzige Menschen zum Himmel aufschauen und daran denken, dass Gottes Treue bis zu den Wolken reicht. Es berührt uns deshalb, weil es unsere Vorstellung von Gottes Treue erweitert. Ich will es folgendermaßen ausdrücken: Jede Illustration aus der Schöpfung, die wir für Gott verwenden könnten, stellt Gott kleiner dar, als er in Wahrheit ist. Und dennoch machen sie uns Gott größer, als er es zuvor in unserer Vorstellung war. Wir sollten also immer, wenn die Heilige Schrift Bilder aus dem Erschaffenen für den Unerschaffenen gebraucht, eine liebevolle Herabneigung Gottes erkennen, der unserer allzu kleinen Vorstellung von ihm abhelfen möchte. Doch er ist tatsächlich unendlich größer. Man spricht in der Theologie zu Recht davon, dass nur Gott allein sich selbst völlig erkennen kann. Nur er allein vermag es, „die Tiefen Gottes“ zu erforschen (1Kor 2,10). Und dennoch will er von uns erkannt werden, als Vater, Sohn und Geist. Dieser Gott, diese heilige Trinität, ist es, der den Himmel zum Himmel macht.
Fazit
Ich möchte an uns appellieren, uns tiefer mit dem Wesen unseres dreieinigen Gottes zu befassen. Als Volk Gottes gehen wir zugrunde, wenn wir es vernachlässigen, ihn zu erkennen (vgl. Hos 4,6). Deshalb sollten wir sagen „So lasst uns [den Herrn] erkennen“ (Hos 6,3). Wenn wir ihn im Gebet suchen und in seinem Wort nach ihm forschen, werden wir erleben, dass der Heilige Geist unser Herz, unser Denken und unser Empfinden erweitert, sodass wir in der Erkenntnis und Anbetung Gottes wachsen. Dieses Wachstum muss niemals enden. Es wird niemals enden, weil Gott grenzenlos ist. Wir könnten es auch so ausdrücken: Es gibt nur eine einzige Sache, mit der sich zu beschäftigen niemals langweilig wird: Gott!