Ein wertvolles Geschenk

Rezension von Andreas Münch
29. Januar 2026 — 7 Min Lesedauer

Zu den Pflichten des Elternseins gehört es, Kinder auf das Leben vorzubereiten. Das beinhaltet auch die Thematisierung von grundlegenden Aspekten des Menschseins – wie den Umgang mit unserer Sexualität. Jetzt ist es eine Sache, Kinder darüber aufzuklären, woher die Babys kommen (was für viele schon eine besondere Herausforderung ist). Eine ganz andere Sache ist es, sie auf das Leben in einer sexualisierten Gesellschaft vorzubereiten.

Statistisch gesehen kommen Kinder heute bereits im Grundschulalter das erste Mal mit Pornographie in Berührung. Als Eltern müssen wir unsere Kinder deshalb schon früh für das Thema sensibilisieren.

Die Frage ist nur: Wie machen wir das? Wie sprechen wir unverkrampft über die Gefahren der Pornographie oder überhaupt über das Thema Sex? Hier möchte das Buch Ein wertvolles Geschenk: Kindgerecht über Gottes guten Plan für Sexualität reden von John Perritt Hilfestellung geben.

Achtjährige und sexualisierte Sprache

Am Beginn des Buches beschreibt der Autor unter der Überschrift „Hinweise für Erwachsene“ eindrücklich, was ihn dazu veranlasst hat, dieses Buch zu schreiben. Eines Tages kam seine Tochter mit einer Freundin zu ihm:

„Die beiden erzählten mir, dass zwei Jungs auf der Straße sie gefragt hätten, ob sie Sex mit ihnen haben wollten. Meine Tochter und die beiden Jungs waren acht Jahre alt und das andere Mädchen etwa sechs … das muss man erst einmal verdauen.“ (S. 8)

Auch wenn fraglich ist, ob die Jungs überhaupt wussten, wovon sie sprachen, so verdeutlicht diese Episode auf dramatische Weise, wie sexualisiert unsere Gesellschaft geworden ist. Wir haben als Eltern also keine andere Wahl – wir müssen mit unseren Kindern darüber reden. So schreibt der Autor weiter:

„Das Buch, das du in der Hand hältst, solltest du zusammen mit dem dir anvertrauten Kind lesen. Es ist für Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren gedacht. Einige von euch werden vielleicht protestieren, weil sie denken, dass 7-Jährige zu jung dafür sind, aber bedenkt bitte, dass das Durchschnittsalter, in dem Kinder mit Pornographie in Berührung kommen, heute bei 8 Jahren liegt. Würdest du nicht wollen, dass Kinder die Wahrheit aus Gottes Wort über Sex erfahren, bevor sie die Lüge der Welt hören?“ (S. 9)

Es geht John Perritt dabei nicht um Panikmache, sondern um liebevolle Aufklärung, bei der Gottes gute Absichten mit unserer Sexualität im Vordergrund stehen.

Kein klassisches Aufklärungsbuch

Eltern sollten sich bewusst sein, dass dieses Buch – anders als der deutsche Titel es vielleicht vermuten lässt – kein Aufklärungsbuch über Sex ist. Hier wird nicht erklärt, woher die Babys kommen. Dieses Wissen wird vorausgesetzt. Es ist vielmehr ein Aufklärungsbuch darüber, wie man damit umgeht, wenn Freunde in der Schule einem die ersten pornographischen Inhalte zeigen oder sexuelle Sprache verwenden (der englische Originaltitel lautet „Not if, but when: Preparing our Children for Worldly Images“). Eltern sollten also im Vorfeld mit den Kindern über Sex gesprochen haben oder gegebenenfalls dieses Wissen zu Beginn der Lektüre auffrischen.

Was das Buch besonders macht

Da Männer und Frauen bzw. Jungen und Mädchen Sexualität in der Regel unterschiedlich wahrnehmen, ist das Buch zweigeteilt, sodass es eine Variante für Jungen und eine für Mädchen gibt. Beide sind in einem Buch vereint und wurden geschickt durch ein Wendecover umgesetzt. Das erleichtert es Vätern bzw. Müttern, geschlechterspezifisch über das Thema zu sprechen.

Vom Schwimmbadbesuch zur biblischen Sexualethik

Der Inhalt ist in beiden Varianten ähnlich. Es beginnt jeweils mit der Szene, wo ein Junge bzw. ein Mädchen von einem Schwimmbadbesuch mit den Freunden nach Hause kommt und dem Vater bzw. der Mutter erzählt, dass die Freunde zunächst in sexualisierter Sprache über das andere Geschlecht gesprochen und später Nacktfotos auf dem Handy gezeigt haben. An diesen Vorfall anknüpfend erklären die Eltern ihren Kindern, was es mit Pornographie auf sich hat und was Gott sich nach den Aussagen der Bibel für uns Menschen in Bezug auf unsere Sexualität wünscht.

Sex wird als Gottes Geschenk an uns Menschen dargestellt und die einzelnen Kapitel hangeln sich an dem Thema des „Geschenks“ entlang. In insgesamt 8 Kapiteln wird unter anderem erläutert, dass die Bibel uns eine Gebrauchsanweisung für das Geschenk gibt (Rahmen und Zeitpunkt für Sex), dass wir das Geschenk aber auch zu früh auspacken können (das sexuelle Verlangen zu früh wecken), dass wir das Geschenk zerstören können (die Auswirkungen von Pornographie), aber auch, was der Zweck des Geschenks ist (Gottes Liebe in Jesus Christus zum Ausdruck bringen).

Begleitet wird der Text von wunderschönen Illustrationen von Alice Mastropaolo. Am Ende von jedem Kapitel gibt es eine Infobox mit einer passenden Bibelstelle, der Hauptaussage des Kapitels und einer Erkenntnis, die die Kinder für sich mitnehmen oder über die man mit ihnen weiter ins Gespräch kommen kann.

Biblische Fundierung ohne erhobenen Zeigefinger

Der Autor schafft es wirklich gut, kindgerecht über das Thema Pornographie zu sprechen. Es wird klar vermittelt, dass Pornographie dem Wesen nach böse und schlecht für uns Menschen ist, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen, nach dem Motto: „Wehe, wenn du dir so etwas noch mal anschaust!“

Sex wird als das dargestellt, was er ist: Gottes gutes Geschenk. Daher wird auch das Vorhandensein sexueller Wünsche grundsätzlich als etwas Gutes dargestellt. So sagt der Vater zu seinem Sohn Tom an einer Stelle:

„Gott hat uns alle als sexuelle Wesen geschaffen, aber diese Wünsche gehören in den richtigen Rahmen. Pornographie stiehlt Teile von Gottes Geschenk und benutzt sie auf falsche und böse Weise. Ein Grund dafür, dass deine Freunde von Pornographie verführt werden, liegt also darin, dass sie als sexuelle Wesen erschaffen wurden. Deshalb hat es dir auch gefallen, was du gesehen hast.“ (S. 19)

Und etwas später:

„Tom, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, weil du im Leben sexuelle Wünsche haben wirst. Denk daran, dass Gott dich so geschaffen hat.“ (S. 22)

Gerade diese Unterscheidung fand ich enorm hilfreich: Nicht unser sexuelles Verlangen an sich ist das Problem, sondern die Verdrehung durch die Pornographie.

Neben den biblischen Einsichten, empfand ich es auch als nützlich, dass der Autor kurz auf die Einsichten der Wissenschaft zu sprechen kommt, wie Pornokonsum sich auf unser Gehirn auswirkt und süchtig macht (auch wenn dieser Aspekt für manche Kinder wohl noch etwas zu hoch ist).

Verbesserungswünsche

Drei Dinge sind mir beim Lesen aufgefallen: Der erste Punkt ist, dass es beim Vorlesen etwas seltsam anmutet, wenn die Eltern als Redende mit Namen („Henry“, bzw. „Anna“) genannt werden, anstatt einfach „Mama“ und „Papa“ zu sagen. Das hat bei meinen Jungs gelegentlich für etwas Verwirrung gesorgt.

Der zweite Punkt ist, dass ich mir eine präzisere Definition von Pornographie gewünscht hätte. Im Kapitel „Das Geschenk verdrehen“ erklären die Eltern: „Zu Pornographie gehören zum Beispiel Bilder von Menschen, die nackt oder nur wenig bekleidet sind“ (S. 19). Gerade weil das Buch die menschliche Sexualität grundsätzlich gutheißt, wäre es meines Erachtens hilfreich gewesen, näher zu beschreiben, was Pornographie ist, und dass nicht automatisch jede Darstellung eines nackten Körpers oder Körperteils gleich Pornographie ist.

Der dritte Punkt ist, dass es noch förderlich gewesen wäre, darauf einzugehen, dass Pornographie auch deshalb problematisch ist, weil viele der Darsteller unfreiwillig teilnehmen. Das wäre noch ein weiterer Aspekt gewesen, wie Pornographie Menschen entwürdigt, und den man Kindern auch gut hätte erklären können.

Empfehlung

Ungeachtet dieser drei Kritikpunkte, empfehle ich dieses Buch allen Eltern von Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren. Wer sich grundsätzlich mit der Vermittlung dieses Themas schwertut, wird hier eine echte Hilfe erhalten. Wie gesagt, ist die Frage leider nicht, ob unsere Kinder mit Pornographie in Berührung kommen, sondern wann!

Doch so gravierend und weitverbreitet das Thema auch ist, so endet John Perritt hoffnungsvoll, wenn er am Ende schreibt:

„Wenn du ein Erwachsener bist, der Angst um ein Kind hat, das in einer Welt voller Pornographie aufwächst, dann sei gewiss, dass dein himmlischer Vater dich als sein Kind liebt und deine Schutzbefohlenen gnädig durch diese dunkle Welt führen wird.“ (S. 30)

Buch

John Perritt, Ein wertvolles Geschenk: Kindgerecht über Gottes guten Plan für Sexualität reden, Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2025, 60 Seiten, EUR 15,90. Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.