Jüngerschaft in der Familie

Artikel von Scotty Anderson
27. Januar 2026 — 5 Min Lesedauer

Kein Bibeltext über Jüngerschaft verdient mehr Aufmerksamkeit als der Missionsbefehl. Dieser Auftrag – dieses Gebot – wird Jüngern gegeben (vgl. Mt 28,16), damit sie Jünger machen (vgl. Mt 28,19–20). Jesus sagt uns auch, wie das aussieht: durch die christliche Taufe und durch biblische Lehre. Bevor Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder beginnen, tun sie gut daran, sich mit dem Plan Christi zum Jüngermachen vertraut zu machen. Der von ihm vorgegebene Weg der Jüngerschaft muss Maßstab für unsere Familien sein. Das schließt sicher die Erziehung von Kindern ein, wie sie uns direkt in den Sinn kommt (vgl. Spr 13,24; 19,18; 22,15; 23,13–14; 29,15–17), verlangt aber den Eltern noch weit mehr ab.

Wenn wir die Sprüche nicht im Zusammenhang der ganzen Bibel lesen, geraten wir leicht in eine einseitige Sichtweise. Dann verstehen wir Erziehung und Lernen nur noch als das Einüben bestimmter Verhaltensweisen – so, als ließe sich menschliches Handeln allein durch Belohnung und Strafe steuern. Jesus lehrt uns jedoch, dass wir und unsere Kinder mehr sind als unser äußeres Benehmen. Wir haben Herzen – geistliche Zentren unseres Seins –, aus denen unser Verhalten hervorgeht (vgl. Spr 4,23; Mt 12,33–35; 15,10–20; Lk 6,43–45). Die Bibel lehrt außerdem, dass unsere Herzen in Verdorbenheit geboren werden (vgl. Ps 51,5; Röm 5,12). Darum müssen die Probleme in der Familie – bei Eltern wie Kindern – letztlich von innen her gelöst werden.

Das führt dich als Elternteil zurück zum Missionsbefehl. Im Kern setzt Jüngerschaft ein neues, von Sünde gereinigtes Herz voraus. Nur Christus kann dieses Werk vollbringen. Der Herr erklärt durch den Propheten Hesekiel: „Ich will reines Wasser über euch sprengen … euch ein neues Herz geben … ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut“ (Hes 36,25–27). Die Verbindung zur Taufe im Missionsbefehl liegt auf der Hand. Ganz gleich, ob du die Bekenntnistaufe oder die Säuglingstaufe vertrittst – einig sind wir uns darin: Die Taufe wird an dir vollzogen; sie ist nichts, was du selbst an dir vollziehst. Sie ist ein äußeres Zeichen, das auf die Notwendigkeit des Wirkens des Heiligen Geistes hinweist. Gläubige Eltern müssen wissen: Ohne Herzensveränderung gibt es keine echte Jüngerschaft. Der Ausgangspunkt der Nachfolge deiner Kinder lässt sich nicht von der Taufe trennen.

In der Erwartung, dass Gott derjenige ist, der die Herzen deiner Kinder verändert, kannst du dich der Aufgabe zuwenden: „Lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,20). Dabei geht es nicht einfach darum, das äußere Verhalten der Kinder anzupassen. Es ist richtig, wenn Eltern ihre Kinder erziehen – mit angemessenen Konsequenzen für Respektlosigkeit, unrechtmäßige Gewalt, sexuelle Unmoral, Diebstahl, Lüge und Unzufriedenheit; dazu gehört auch das Wort der Zurechtweisung (vgl. Spr 29,15). Doch das Gesetz hat auch eine auf Gott ausgerichtete erste Tafel (die ersten vier Gebote; vgl. 2Mose 20,2–11).

Eltern müssen „alles was ich euch befohlen habe“ ernst nehmen. Dazu gehört Jesu Aufruf zu unbedingter Treue (vgl. Joh 14,6; Lk 10,27) ebenso wie Selbstverleugnung und Nächstenliebe (vgl. Mt 16,24; 22,39), das schließt die Seligpreisungen mit ein (vgl. Mt 5,3–12), die Priorität geistlichen vor materiellen Wohlstands (vgl. 1Tim 6,17–18) und Gemeindezentriertheit (vgl. 1Petr 4,8; 1Joh 4,7; 2Tim 2,22). Jüngerschaft in diesen Bereichen erschöpft sich nicht in Strafe und Zurechtweisung. Sie bedeutet, Selbstbeherrschung zu fördern, Weisheit einzuüben, Gelegenheiten zum Dienen zu suchen, Mut zum Wagnis zu machen, in Zeiten der Entmutigung zu trösten, bei Fehlentwicklungen neu auszurichten und auch Ruhe zu gewähren. Bei der Ausbildung der zwölf Jünger hat Jesus all das in sein Vorgehen einbezogen. Dabei folgte er keinem einheitlichen Schema, sondern war aufmerksam für die jeweilige Situation, die Fähigkeiten, die sündigen Neigungen, die Bindungen und den Stand der Umkehr derer, die er auf dem Weg der Nachfolge unterwies.

Das verlangt Eltern viel ab – realistisch betrachtet mehr, als sie aus eigener Kraft leisten können. Doch Gott hat in seiner Gemeinde gnädig für das gesorgt, was ihnen fehlt. Ganzheitliche Familienjüngerschaft bedeutet eine radikale Gemeindezentriertheit, die den gewöhnlichen Gnadenmitteln Vorrang einräumt: dem gepredigten Wort, dem Gebet und den Sakramenten (das schließt auch die Gemeindezucht ein). Ein Vater, der die Gemeinde für seine Familie nicht priorisiert, entzieht den ihm Anvertrauten das lebensspendende Wort und einen segensreichen Raum für Heiligung. Damit nimmt er die „einander“-Gebote des Neuen Testaments in den Briefen an die Gemeinden nicht ernst. Ob er es aus Trägheit tut oder aus vermeintlicher „Weisheit“: Er sollte wissen, dass er keinen Segen für sich oder seine Familie erwarten darf, während er sich von den Gläubigen absondert. Mit dieser Entscheidung erzieht er etwas heran, das nicht einem Jünger Christi entspricht – welcher „die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Eph 5,2.25).

Natürlich ist keine Gemeinde perfekt. Manche sind jedoch gesünder als andere (vgl. Offb 2–3). Eine gut gewählte Ortsgemeinde, in der am Sonntag gemeinsam Gottesdienst gefeiert wird, bietet sowohl die Taufe als auch das gepredigte Wort – und darüber hinaus viele Gelegenheiten, Gott und dem Nächsten zu dienen, dem eigenen Ich zu sterben und Prioritäten zu ordnen. Durch christliche Unterweisung hört die ganze Familie auch die Stimmen der Glaubensgeschwister, die sagen: „Dies ist der Weg, den geht!“ (Jes 30,21). Die Gemeinschaft am Sonntag hilft, den Glauben in dieser Welt zu leben, ohne sich „verrückt“ zu fühlen, und lässt Nachfolge als etwas Normales erscheinen. Jüngerschaft ist ein gemeinsamer Auftrag – und sie gelingt am besten im gemeinsamen Leben der Gemeinde. Die geistliche Übung eines Lebens in der Gemeinde ist nicht der einzige Bestandteil der Familienjüngerschaft, aber sie ist der wesentlichste.