Die Gen Z wendet sich dem Okkultismus zu – wie sollten wir damit umgehen?

Artikel von Brandon Cooper
15. Dezember 2025 — 7 Min Lesedauer

In Ingmar Bergmans Film „Das siebente Siegel“ (1957) begegnet der Protagonist – ein desillusionierter Ritter, der von den Kreuzzügen zurückkehrt – einer Hexe, die kurz davor steht, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Während sie gefesselt wird, sagt der Protagonist ihr, dass er den Teufel treffen möchte. Als sie den Ritter nach dem Grund fragt, antwortet er: „Ich möchte ihn nach Gott fragen. Wenn jemand etwas über ihn weiß, dann er.“

Damit hat er nicht ganz Unrecht, oder?

Sicherlich hat Satan ein besseres Verständnis davon, wer Gott ist – von seiner Existenz (ganz zu schweigen von der Existenz einer ganzen spirituellen Welt jenseits unseres menschlichen Gesichtsfeldes), seiner Macht, seiner Herrlichkeit – als jeder bloße Mensch. Niemand hat Gott je gesehen (vgl. Joh 1,18), aber Satan schwang sich des Öfteren in Gottes Gegenwart empor (vgl. Hi 1,6).

Vielleicht wenden sich deshalb so viele junge Menschen der Gen Z (= Generation Z: die circa zwischen 1995 und 2010 Geborenen) dem Okkultismus zu. Immerhin bedeutet, sich mit den dunklen Mächten zu beschäftigen, dass man „mehr Dinge im Himmel und auf Erden“ entdeckt, als einen sonst – vor dem Hintergrund des aufgeklärt-entzauberten Rationalismus des modernen Humanismus zumindest – träumen ließe. Das ist die Chance, den Teufel nach Gott zu fragen.

Was geht hier vor und warum?

Eine erst kürzlich vom Springtide Research Institute durchgeführte Umfrage unter 13- bis 25-Jährigen ergab, dass mehr als die Hälfte Tarotkarten oder Wahrsagerei praktiziert, wobei 17 Prozent dies täglich tun und ein weiteres Viertel einmal pro Woche. Eine Barna-Studie aus dem Jahr 2023 ergab, dass zu diesem Zeitpunkt nur 16 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung sich die Zukunft vorhersagen ließen. Das zeigt eine schwerwiegende demographische Veränderung an. Bemerkenswert daran ist, dass laut der besagten Barna-Studie 20 Prozent der Erwachsenen schon mal ein Ouija-Brett (ein Hilfsmittel für spiritistische Praktiken, Anm. d. Red.) benutzt haben, 17 Prozent sich schon mal die Hand lesen ließen, 10 Prozent Heilsteine für gesundheitliche Zwecke benutzten und 6 Prozent schon mal versucht haben, einen Zauber zu beschwören oder gar selbst einen Zaubertrank anzurühren. Das Interesse an Spiritualität im Allgemeinen, also an offenkundig Übernatürlichem, steigt zwar besonders bei der jüngeren Generation an, ist aber in der gesamten Bevölkerung verbreitet.

Die spirituelle Neugier unserer Kultur deutet auf das Scheitern des Projekts der Entzauberung der Welt hin. Die New Atheists (dt. die Neuen Atheisten; es handelt sich um eine Bewegung v.a. aus den USA) wollten eine ganze Generation davon überzeugen, dass Gott nicht gut ist, dass Religion alles vergiftet und es uns besser gehen wird, wenn wir rückständige Mythen und überholten Aberglauben ablegen. Ihnen zufolge stand die Menschheit (vor Kurzem noch) an der Schwelle zu einem neuen und glorreichen Zeitalter des aufgeklärten Rationalismus und wissenschaftlichen Materialismus.

Doch der Materialismus beraubt die Welt ihrer Wunder. Wir alle sehnen uns nach mehr als dem, was wir berühren und sehen können. Wir sehnen uns nach Gerechtigkeit, nach Schönheit, Wahrheit, Liebe und Hoffnung. So begannen sogar einige der lautesten und feindseligsten Atheisten, Nostalgie für den verlorenen Sinn auszudrücken. Wenn wir nur eine zufällige Anordnung von Molekülen sind – chemischer Abschaum auf einem mittelgroßen Planeten ohne Bedeutung –, dann ist nichts, was wir tun, wirklich von Bedeutung. Wir sind dann nur glorifizierte Amöben, die gedankenlos nach ihrer sie vorbestimmenden DNA tanzen. Das mag für manche intellektuell befriedigend sein, aber psychologisch – man könnte sogar sagen, spirituell – ist es lähmend und beraubt uns aller Transzendenz (des Übernatürlichen).

Es ist kein Wunder, dass wir ein wiederaufflammendes Interesse am Spirituellen beobachten. Gott hat die Ewigkeit in unsere Herzen gelegt (vgl. Pred 3,11). Wir können das Gefühl nicht abschütteln, dass wir für mehr geschaffen sind als für ein kurzes Leben in Nichtigkeit. So schlüpft eine ganze Generation langsam in das Rüstzeug des Ritters und tanzt mit dem Fürsten der Finsternis – nur um einen flüchtigen Blick reflektierenden Lichtes zu erhaschen.

Aber was sollten Christen mit diesem neu geweckten Interesse an so altbekannten und zweifelhaften Praktiken zu tun haben?

Herausforderung

Während die Kirche sich zwar daran erfreuen mag, dass die Gen Z zumindest ein neu entdecktes spirituelles Interesse bekundet, müssen wir die Herausforderungen klar ins Auge fassen. Schließlich haben viele, die sich mit New-Age-Spiritualität und dem Okkulten beschäftigen, bewusst die Entscheidung gefasst, sich nicht (mehr) mit dem Christentum auseinanderzusetzen. Sie sind aufgewachsen in einer Gesellschaft mit christlichen, kirchlichen (und vor allem in den USA reformatorischen) Wurzeln, und bis zu einem gewissen Grad sind sie gegen biblische Lehre immunisiert worden.

In Was unrecht ist an der Welt äußerte G. K. Chesterton die berühmte Feststellung: „Das christliche Ideal wurde nicht ausprobiert und für mangelhaft befunden. Es wurde als schwierig empfunden und daher nicht ausprobiert.“

Das ist nicht die Meinung derjenigen, die sich alternativen Quellen spiritueller Wahrheit zuwenden. Christen, die dieses Publikum erreichen wollen, müssen sich bemühen, starke Vorurteile zu überwinden, Neugierde für die Geschichte des Evangeliums zu wecken und aufzuzeigen, wie wenig die populäre Meinung vom Christentum verstanden hat.

Aber die Spiritisten der Gen Z davon zu überzeugen, dass sie das Christentum nicht kennen, ist nur die halbe Miete. Christus fordert uns auf, „zu kommen und zu sterben“. Die alternative Spiritualität hingegen lädt Menschen dazu ein, die absolute Kontrolle über ihre Gedanken, Wünsche und Entscheidungen aufrechtzuerhalten. Tarotkarten, Handleser und Horoskope ermöglichen es Glückssuchenden, die Kontrolle über ihr Leben zu bewahren; demnach stärken diese mit alledem ihre persönliche „Autonomie“.

Doch wir als Christen wissen nicht, was morgen sein wird; deshalb dämpfen wir jeden unserer Pläne mit einem „so Gott will“ (vgl. Jak 4,15) und überlassen jede Entscheidung der Autorität des Herrn. Das Brauen eines Liebestranks verspricht einer jungen Frau, sie könne das Objekt ihrer Begierde förmlich besitzen. Jesus aber ruft uns dazu auf, uns selbst zu verleugnen und unsere egoistischen Gelüste an den Nagel zu hängen. Magie ist einfach – aber Jüngerschaft ist kostspielig. Als Christen bieten wir einer Generation, die nach Selbstverwirklichung strebt, Selbstverleugnung an. Die Herausforderung ist real. Die Chance ist es auch.

Chance

Die heranwachsende Generation beschreitet einen schon ausgetretenen Pfad. Doch in seiner weisen Vorsehung führt Gott seine eigensinnigen Kinder, oft auf Umwegen, zu sich heim. Bevor Gott den Kirchenvater Augustinus zu Seinem Wort zurückbrachte, führte Er ihn zu den Platonikern (einer philosophischen Strömung) und öffnete seinen Geist für die Möglichkeit tieferer (spiritueller) Realitäten. Augustinus musste sich erst einmal strecken, bevor er ins Rennen gehen konnte. In seinen Bekenntnissen erinnert er sich wie folgt: „Dass ich auf diese Bücher verfallen bin, bevor ich deine Schriften durchdachte, das wolltest du wohl deswegen, damit der Eindruck, den sie auf mich machten, gut in meinem Gedächtnis bewahrt bleibe.“

Könnte dasselbe auch für diejenigen gelten, die sich mit Okkultismus beschäftigen, diejenigen, die Satan nach Gott fragen? Wenn Horoskope, Tarotkarten und Handlesen den Geist einer Generation für die Möglichkeit tieferer spiritueller Realitäten öffnen, können wir beten, dass Gott dies zu seiner Ehre und zu ihrem Besten nutzen mag. Wie viele Menschen werden in ihren „Bekenntnissen“ – die sie vor einer ehrfürchtigen Gemeinde am Taufbecken ablegen – Gottes Willen anerkennen, dass er sie nicht nur trotz, sondern (zumindest indirekt) auch mittels Pendel und Heilsteinen zu Christus geführt hat?

Aufgrund von Gottes Gnade werden wir durch die Kraft unserer eigenen ordinären Zeugnisse auch eine Rolle in ihren Geschichten spielen dürfen. Die Generation Z mag jetzt noch den Teufel befragen, aber wir können ihnen Gottes perfekte Antwort geben. Petrus erwartete, dass die Heiden seiner Zeit sich über die Hoffnung wundern würden, die gewöhnliche Christen ausstrahlten (vgl. 1Petr 3,15). Ebenso dürfen wir erwarten, dass die modernen Heiden uns nach unserer unbesiegbaren Freude, unserem Frieden, unserer Liebe und Hoffnung fragen werden. Was Menschen suchen, wenn sie ein Medium aufsuchen, besitzen wir im Überfluss. Was sie sich ersehnen, wenn sie einen Zaubertrank brauen, ist uns in Christus – unwiderruflich – geschenkt worden.

Möchtest du die Zukunft wissen? Wir kennen den, der sie in seinen Händen hält, der einen jeden Tag für seine herrlichen Zwecke befohlen hat. Möchtest du sicher sein, dass du dein ganzes Leben lang geliebt wirst? Gott hat dir seine unermessliche Liebe auf diese Weise demonstriert: Obwohl du mit Ouija-Brettern herumexperimentierst, nur um die Stimme von Geistern zu vernehmen, sandte er seinen einzigen Sohn, um für deine Sünden zu sterben.