Neigst du zu digitaler Weltflucht?

Artikel von Jonathan Moe
28. November 2025 — 8 Min Lesedauer

Man schrieb das Jahr 2018. Nach drei Tagen ununterbrochener Reise landeten wir endlich in unserem Gastland. Als unsere Familie für den letzten Teil unserer Reise in ein Buschflugzeug mit zehn Sitzplätzen stieg, überwältigte mich ein Gefühl von Distanz und Isolation. Dieses Gefühl verstärkte sich nur noch, als wir allmählich über ausgedehnte Sümpfe, Berge und Dschungel flogen, bis wir schließlich auf einer kleinen, unbefestigten Landebahn ankamen. Wir hatten es geschafft. Amerika war nun weit von uns entfernt.

Wie bei allen interkulturellen Missionaren war auch unsere erste Zeit voller Herausforderungen. Eine davon war, dass wir uns an den eingeschränkten Internetzugang gewöhnen mussten. Unser Internet war teuer und langsam (wenn es überhaupt funktionierte), eine gebührenpflichtige Verbindung, für die wir pro Megabyte bezahlen mussten. Wir lernten, sparsam damit umzugehen – für E-Mails, einfache Routinearbeiten und gelegentliche Telefonate nach Hause oder Posts in den sozialen Medien. Das war zwar manchmal frustrierend, aber so hatten wir viel Freizeit, die wir und unsere Missionarskollegen nutzten, um Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen. Wir aßen zusammen, spielten Gesellschaftsspiele und teilten unser Leben miteinander. Wir lernten, diese lebendige und erquickende Gemeinschaft schnell zu schätzen.

Die zweite Dienstzeit war anders. Unser Internetanbieter stellte auf eine neue Glasfaserverbindung um. Wir hatten nun einen Flatrate-Tarif mit unbegrenztem Internetzugang, genau wie in Amerika. Zunächst waren wir begeistert – wir konnten Netflix streamen, in den sozialen Medien mithalten und beliebig viele Videotelefonate führen. Doch wir erkannten allmählich, dass dieses Upgrade in gewisser Weise ein Downgrade war.

Wir verbrachten mehr Zeit drinnen als draußen, also mehr Zeit, um unsere Beziehungen in unserem Heimatland aufrechtzuerhalten, anstatt neue in unserem Gastland aufzubauen. Mehr Zeit, um auf unsere Bildschirme zu schauen, anstatt uns mit unseren Freunden zu treffen. Angezogen von dem, was wir zurückgelassen hatten, drohte unser geistiger und emotionaler Fokus zu erodieren.

Die Anziehungskraft von digitaler Weltflucht

In unserem digitalen Zeitalter ist die Versuchung, sich in die Bildschirme zu flüchten, bei jedem Christen vorhanden. Überhäuft mit Geschichten von Chaos, Katastrophen und Korruption auf der ganzen Welt, und mit Leid, Elend und Schmerzen in unserem eigenen Leben konfrontiert, wollen wir manchmal all dem entfliehen. Also schließen wir die Tür und schauen uns eine weitere Folge am Bildschirm an. Wir scrollen noch ein paar Minuten weiter. Wir kaufen online ein.

Für Missionare kann die Anziehungskraft der digitalen Weltflucht besonders stark sein. Warum ist das so?

Zum einen leben Missionare oft an Orten, wo ihnen Chaos, Katastrophen und Korruption häufig nicht nur digital, sondern auch körperlich begegnen. Ein einfacher Gang zum Supermarkt kann mit einem echten Risiko von Raub oder Überfall verbunden sein. Die Missionsarbeit kann mit dem Kontakt mit Flöhen, Krätze oder Bettwanzen einhergehen. Missionare sind oft umgeben von hungernden Kindern, häuslichem Missbrauch und Gewalt. Sie müssen fast ununterbrochen Unsicherheit in Bezug auf ihre Unterkunft, die Finanzen, die medizinische Versorgung und vieles mehr ertragen.

Zum anderen ist eine Flucht manchmal vernünftig und auch notwendig. Sogar Jesus „flüchtete“ manchmal aus seinem Dienst (vgl. Lk 5,16), und Paulus kehrte zwischen seinen Missionsreisen „nach Hause“ zurück (vgl. Apg 14,26–27). Unsere Verwundbarkeit und unser gottgegebenes Bedürfnis nach Ruhe verlangen oft einen strategischen Rückzug. Dies kann ganz besonders für Missionare gelten, die oft einem höheren Stressniveau ausgesetzt sind. Solches Wissen verleiht jeder Versuchung zur Flucht eine gewisse Legitimität – was die Versuchung nur noch verstärkt.

Und schließlich ist die Flucht heute einfacher als je zuvor. Selbst an vielen der entlegensten Orte der Welt ist das Internet in deiner Hosentasche verfügbar. Mobilfunktürme werden weiterhin aufgebaut, selbst in den abgeschiedensten tropischen Dschungeln. Die Abdeckung durch Satelliten-Internet nimmt täglich zu. Das Internet wird weltweit zunehmend verfügbarer, erschwinglicher und zuverlässiger.

Die Gefahren von digitaler Weltflucht

Missionare mögen zwar ihr Heimatland verlassen, doch ihr Heimatland verlässt sie nicht. Und diese dauerhafte Verbindung kann gefährlich werden. Doch warum?

Sofortiger und dauerhafter Zugang zu Bildern, Geschichten und Beziehungen aus der Heimat kann das Verlustgefühl, das jeden Missionar begleitet, verstärken und verlängern. Wir können traurig sein, wenn wir sehen, wie Freunde Urlaub machen, Familien zusammenkommen und ehemalige Arbeitskollegen eine Beförderung bekommen. Doch jenseits von Trauer, Zorn und Verlust können wir auch neidisch auf Freunde und Familienmitglieder sein, weil sie ein „normales“ Leben führen. Wir können uns durch das starke Verlangen, nach Hause zurückzukehren, entmutigt fühlen.

Der einfache digitale Zugang zur Heimat kann Missionare auch von ihrer Missionsarbeit und ihren Beziehungen im Gastland ablenken. Manchmal empfinden Missionare unausgesprochene (oder laut geäußerte) Erwartungen, dass sie alle ihre Beziehungen in der Heimat aufrechterhalten sollten. Partner und Kirchen erwarten möglicherweise häufige Kommunikation, Familienmitglieder möchten vielleicht regelmäßig per Videochat mit ihnen sprechen. Das sind natürlich gute Beziehungen. Doch zu viel Kontakt kann die Aufmerksamkeit ablenken und das Herz des Missionars spalten.

Strategien, um digitale Weltflucht zu vermeiden

Also, wie können Missionare – und alle Christen – der starken Sogwirkung der digitalen Weltflucht entkommen? Unsere Familie hat viel Hilfe durch das irdische Wirken Jesu erfahren, insbesondere dabei, wie er mit Einschränkungen umging und sich bewusst zurückzog.

1. Setze Beziehungen vor Ort an erste Stelle

Der ewige Sohn wurde Mensch und war als solcher physisch unter uns. Als Mensch beschränkte er sich darauf, an einem einzigen Ort zu einer einzigen Zeit zu leben, eine begrenzte Anzahl von persönlichen Beziehungen zu haben und sich um die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung zu kümmern. Akzeptiere deine Grenzen, wie es der menschgewordene Christus tat, indem du Beziehungen zu den Menschen aufbaust und unterhältst, die dir räumlich am nächsten sind.

Als die Familie Jesu ihn suchte und jemand sagte: „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen!“, ließ Jesus nicht alles stehen und liegen, um mit ihnen zu reden; er gab den Leuten, die vor ihm standen, den Vorrang (vgl. Lk 8,19–21). Wir sollten das Gleiche tun.

Nur weil du theoretisch Beziehungen auf mehreren Kontinenten aufrechterhalten kannst, heißt das nicht, dass du das tatsächlich kannst (oder versuchen solltest). Das digitale Zeitalter hat viele Einschränkungen in der Kommunikation beseitigt, doch das beinhaltet nicht unsere schöpfungsbedingten Grenzen. Lass Beziehungen, die weiter von dir entfernt sind, hinter näheren Beziehungen zurückstehen.

Unter den vielen praktischen Schritten, die wir unternehmen könnten, um unsere Grenzen als Geschöpfe zu akzeptieren, nenne ich drei, die uns geholfen haben:

Erstens: Plane regelmäßige Treffen ein. Nimm dir regelmäßig eine begrenzte Zeit, um dich mit deinen Lieben, unterstützenden Gemeinden und anderen Partnern auszutauschen – vielleicht nur einen Vormittag die Woche oder einen Tag im Monat. Wenn du einen Zeitplan erstellst, wird dir das nicht nur dabei helfen, andere auf dem Laufenden zu halten, sondern auch, dich in der übrigen Zeit auf die persönlichen Beziehungen in deiner Nähe zu konzentrieren.

Zweitens: Schränke den Zugriff auf soziale Medien ein. Versuche, den Zugang zu sozialen Medien auf ein einziges Gerät zu beschränken (am besten eins, das nicht in deine Hosentasche passt), oder ganz darauf zu verzichten. Ich persönlich verzichte inzwischen ganz auf die sozialen Medien und bereue es nicht.

Drittens: Mach regelmäßig Pausen bei der Nutzung von digitalen Geräten. Ziehe in Erwägung, einen Tag in der Woche als gerätefreien Tag festzulegen. Du wirst dich wundern, wie viel mehr Zeit du haben wirst für das Gebet und das Lesen der Heiligen Schrift, für den Umgang mit Freunden und den Kontakt zu deiner Familie.

2. Flüchte wie Christus

Als Mensch erlebte Jesus den Druck seines Dienstes und den Sog der miteinander rivalisierenden Beziehungsanforderungen. Und er „flüchtete“ auch gelegentlich. Doch er zog sich nicht unüberlegt zurück, sondern strategisch. Die Art und Weise, wie er sich zurückzog, zeigt uns, wie gesunde Erholung aussieht. Erstens flüchtete er oft in die Schöpfung – in die Berge und an einsame Orte (vgl. Mk 1,35; 6,46). Zweitens ging er oft allein oder mit seinen engsten Freunden (vgl. Mk 6,31). Drittens, und das ist am wichtigsten, floh er, um Zeit im Gebet mit seinem himmlischen Vater zu verbringen (vgl. Lk 5,16). Jesus floh nicht einfach vor den Menschen – er floh zu seinem Vater.

Gesunde Erholung kann bedeuten, allein in der Natur zu sein. Geh wandern. Mach einen Gebetsspaziergang. Geh allein campen. Doch manchmal werden deine engsten Freunde dabei sein. Nimm deine Familie oder ein paar deiner besten Freunde mit. Mach Urlaub mit einer anderen Familie. Arbeite an echten Beziehungen zu echten Menschen. Streame weniger und pflege mehr echte Kommunikation. Zu solcher Erholung können manchmal auch Fernbeziehungen gehören, aber nicht unter Ausschluss der Beziehungen, die du direkt vor dir hast.

Doch am wichtigsten ist es, dass du Zeit mit deinem himmlischen Vater verbringst, wie Jesus es tat. Seine Gewohnheiten, sich zurückzuziehen, konzentrierten sich auf das Gebet. Wo sonst könnten wir die Seelenruhe finden, nach der wir uns so sehr sehnen – das Bedürfnis nach Ruhe, das die digitale Weltflucht nur scheinbar befriedigt? In seiner Gegenwart finden wir Festmahle, Gemeinschaft und die Freiheit, mit Freude zu dienen. „Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich“ (Ps 16,11).

Wenn wir uns zurückziehen, um mit unserem Vater zu sein, werden wir das ständige Bedürfnis, uns der digitalen Weltflucht hinzugeben, nicht mehr verspüren. Und wenn wir unsere schöpfungsbedingten Grenzen annehmen, steigern wir unsere Fähigkeit, mit den Leuten Kontakt zu halten, die unser Vater unmittelbar vor uns platziert hat. Durch die Gnade Gottes werden unsere Teamkollegen ermutigt, unsere Familien werden sich verbundener fühlen, unsere Missionsarbeit wird mehr Früchte tragen, und wir werden die Kraft erhalten, mit Freude durchzuhalten.