Was passiert mit deiner Seele, wenn du stirbst?

Artikel von Kim Riddlebarger
21. November 2025 — 5 Min Lesedauer

Wir alle haben schon einmal darüber nachgedacht. Was geschieht in dem Moment, wenn wir unseren letzten Atemzug tun, unser Herz aufhört zu schlagen und unsere Seele unseren nunmehr toten Körper verlässt? Ehrlich gesagt, haben die meisten von uns Angst vor dem Sterben, auch wenn wir den Tod selbst nicht fürchten. Sterben ist oft ein schmerzhafter Kampf. Häufig findet es in einer sterilen, klinischen Umgebung statt und ist in der Regel ein unschöner Prozess. Wenn wir Christen jedoch der Verheißung glauben, dass der Tod der Eintritt in das ewige Leben in der Gegenwart des Herrn ist, und wenn wir darauf vertrauen, dass Christus die Macht hat, Tote aufzuerwecken, brauchen wir keine Angst davor zu haben, was nach dem Tode sein wird, auch wenn uns vor dem Sterbeprozess bange ist.

Es gibt Unmengen von Geschichten und Legenden über Tod und Sterben. Das liegt zum Teil daran, dass die Heilige Schrift den Sterbevorgang nicht beschreibt, obwohl sie von mehreren Personen berichtet, die starben und von Jesus wieder zum Leben erweckt wurden. Lazarus kommt mir dabei unter anderem in den Sinn (vgl. Joh 11) und der Sohn der Witwe von Nain in Lukas 7,11–17. Allerdings besitzen wir keine Berichte aus erster Hand (auch nicht von Lazarus), was diese Menschen beim Sterben erlebt haben. Wir können uns nur fragen, was Lazarus gedacht haben mag, als er ein zweites Mal starb, diesmal um ins ewige Leben einzutreten. 

Nun wissen wir zwar, wie unser Auferstehungsleib einmal aussehen wird, da Paulus uns eine bemerkenswerte Beschreibung der vollständigen Verwandlung gibt, die stattfindet, wenn Christus wiederkommt und wir unvergänglich auferstehen (vgl. 1Kor 15,35–49). Aber es gibt nur wenige biblische Aussagen über den Zwischenzustand – jene Zeitspanne, in der die Seelen der gläubigen Verstorbenen auf die Auferstehung ihres Leibes und die endgültige und vollständige Aufhebung des Fluchs, d.h. des Todes warten.

Die Frage, was mit unserer Seele passiert, wenn wir sterben, führt zu Spekulationen. Ich erinnere mich daran, was meine fromme Großmutter, die Tochter eines Pastors, von ihren Nachtwachen bei sterbenden Gemeindemitgliedern erzählte. Sie beschrieb, wie Sterbende oft kurz vor ihrem letzten Atemzug die Augen öffneten, nach oben blickten, eine Art Freude und Erwartung zum Ausdruck brachten und sich dann dem Unvermeidlichen ergaben. Sie glaubte, dass diese Heiligen einen kurzen Blick auf das oder den werfen durften, was oder wer sie erwartete. Das mag sein, aber es ist ebenso wahrscheinlich, dass die biochemischen Reaktionen im Gehirn, wenn der Körper seine Funktionen einstellt, alle möglichen sensorischen Aktivitäten hervorrufen. Solche Berichte, so wahrheitsgemäß sie auch sein mögen, sind anekdotisch und keine Grundlage auf der man eine Lehre aufbauen könnte.

Wir alle haben schon Geschichten über Menschen gehört, die angeblich gestorben und dann aus dem Jenseits zurückgekehrt sind. Solche Erzählungen sind faszinierend, was das Aufkommen eines ganzen Buchgenres erklärt, das sich mit Nahtoderfahrungen beschäftigt. Es handelt sich um Geschichten über den Aufenthalt des Autors im Himmel, bevor er zurückkehrt, um ein Buch über seine Erfahrungen zu schreiben. Diese Bücher berichten in der Regel von Begegnungen mit verstorbenen Angehörigen, enthalten oft Beschreibungen des Himmels (meist übertriebene irdische Szenen), Berichte über Begegnungen mit Jesus, Gespräche mit Gott und Beschreibungen himmlischer Dinge.

All diese vermutlich fiktiven Berichte stehen jedoch im Widerspruch zu dem, was wir aus der Bibel über den Eintritt in die Gegenwart Gottes wissen. Ich denke dabei an Jesaja 6,1–7. Jesaja hat eine Vision des Herrn und reagiert überwältigt von seiner Unwürdigkeit. Die biblischen Berichte über Gottesbegegnungen – wie Moses’ Blick auf die Herrlichkeit des Herrn (vgl. 2Mose 33,18–23) – lösen Angst, wenn nicht gar Schrecken aus, in der Gegenwart des heiligen Gottes zu sein. Die biblischen Berichte passen nicht zu der beiläufigen, wenn nicht gar trivialen Art von Literatur, die mit „ich habe den Himmel gesehen“ oder „ich bin mit Jesus gegangen“ beginnt. Da die Bibel weder den Sterbeprozess noch die Gedanken Sterbender beschreibt, haben viele versucht, diese Lücke mit erfundenen Geschichten zu füllen. Leider waren sie dabei sehr erfolgreich, sodass viele Menschen diese Legenden als Wahrheit betrachten.

Glücklicherweise gibt uns die Bibel zwei Anhaltspunkte hinsichtlich des Zwischenzustands, die uns helfen, uns auf den Tod vorzubereiten. Erstens beschreibt Paulus an mehreren bekannten Stellen ausdrücklich, was mit Gläubigen zwischen ihrem Tod und der Wiederkunft Christi geschieht. Gemäß 2. Korinther 5,8 lehrt er, dass ein Gläubiger bei seinem Tod sofort in die Gegenwart des Herrn eingeht. Der Apostel schreibt: „Wir sind aber getrost und wünschen vielmehr, aus dem Leib auszuwandern und daheim zu sein bei dem Herrn.“ Paulus spricht auch davon, dass er sich wünscht, „aufzubrechen und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre“ (Phil 1,23). Wenn wir sterben, sind wir sofort „bei Christus“ in der Gegenwart Gottes. Das meinen wir normalerweise, wenn wir vom Himmel sprechen.

Zweitens gibt uns die himmlische Szene, die Johannes in Offenbarung 4–6 beschreibt, einen Einblick in die bisher ungesehene Wirklichkeit, die wir nach unserem Tod erleben werden. Wir, die wir allein auf Christus vertraut haben, werden uns den bereits erlösten Heiligen vor dem himmlischen Thron in der Gegenwart Gottes anschließen. Wir sind bei Bewusstsein, wissen, wo wir sind, und preisen Gott voller Freude. Diese himmlische Szene ist einfach das klarste Bild, das uns zeigt, was mit unserer Seele geschieht, wenn wir sterben. In diesen drei Kapiteln vermittelt Johannes ein herrliches Bild vom Himmel, wo Gott unter seinem Volk wohnt, bis unsere Leiber am Ende der Zeit auferstehen. Das ist der Himmel, wenn wir Erlösten in der Gegenwart des heiligen Gottes wohnen und unserem Schöpfer und Erlöser alle Ehre und Ruhm geben.

Obwohl diese Szene wunderbar ist und in vielerlei Hinsicht unser Verständnis übersteigt, ist es bemerkenswert, dass die Heiligen im Himmel rufen: „Wie lange, o Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?“ (Offb 6,10). Diejenigen, die bereits in Gottes Gegenwart vor seinem Thron stehen – d.h. die vor uns gestorben sind und sich nun im Zwischenzustand, der Zeit zwischen Tod und Wiederkunft des Herrn befinden –, sehnen sich nach dem Tag, an dem Jesus Christus am Tag der Auferstehung und des Gerichts auf die Erde zurückkehrt.

Was geschieht also mit den Seelen der Gläubigen, wenn wir sterben? Wir treten sofort in die herrliche Gegenwart des Herrn ein, wo wir auf die Auferstehung unseres Leibes am Ende der Zeit warten.