Zehn prüfende Fragen für deine Ehe

Artikel von Kevin DeYoung
27. November 2015 — 4 Min Lesedauer

Ich habe mich erst kürzlich mit einem Freund unterhalten, der der Meinung war, dass Lachen ein gutes Zeichen dafür ist, wie gut es einer Ehe geht. Natürlich gilt etwas anderes für Zeiten des Leids. Aber verschwindet das Lachen völlig, ist wohl auch das Vertrauen und der Friede verloren gegangen. Das Ehepaar, das gemeinsam lacht, bleibt zusammen.

Das hat mich nachdenklich gemacht: Welche anderen Fragen können helfen, die Gesundheit unseres Ehelebens zu überprüfen? Ich habe 10 Fragen zusammengestellt, die vielleicht hilfreich sein könnten:

Betet ihr gemeinsam?

Das ist wohl die schwierigste Frage, weshalb ich sie als erstes anbringe. Ich kenne viele gute Ehen, in denen Mann und Frau noch nicht so viel beten, wie sie gerne würden. Aber ich kenne keine schlechte Ehe, in der Mann und Frau kontinuierlich gemeinsam beten.

Nehmt ihr einander wahr?

Ich erinnere mich nicht mehr an viel aus dem Film Dave (der Streifen aus den 90ern über einen Doppelgänger, der einen verstorbenen Präsidenten vertritt), aber ich erinnere mich an eine Szene, in der der falsche Präsident dabei erwischt wird, wie er auf die Beine seiner „Frau“ starrt. Später erklärt die Frau, dass sie von diesem Moment an wusste, dass es nicht ihr Mann, sondern sein Doppelgänger war, der sie angesehen hatte. Ihr Mann hatte sie nämlich schon seit Jahren nicht mehr so angesehen. Stelle dir diese Frage: Merken andere, dass du deinen Ehepartner attraktiv findest?

Haltet ihr Händchen?

Haltet ihr Händchen im Kino, auf der Couch, beim Spazierengehen, während des Gebets, im Auto? Wir alle finden es faszinierend, wenn alte Ehepaare Händchen halten. Als Kind habe ich mich immer gefreut, wenn ich gesehen habe, wie meine Eltern beim Autofahren Händchen gehalten haben (ja, das ist nicht ganz ungefährlich). Wenn dieser einfache Akt der Zuneigung fehlt, fehlt euch vielleicht mehr, als dir bewusst ist.

Wann hast du das letzte Mal „Es tut mir leid!“ gesagt?

Nicht als Ausrede. Nicht mit Zähneknirschen. Ich spreche von einer ehrlichen, ernst gemeinten Entschuldigung aus einem zerbrochenen Herzen.

Wann hast du dich das letzte Mal bedankt?

Ich meine hier nicht ein „Dankeschön“ aus Höflichkeit, weil dir etwa das Salz gereicht wurde. Ich spreche über den Ausdruck von Dankbarkeit für das Ausräumen der Spülmaschine, für das Ausschlafenlassen, für die Arbeit, um die Familie zu versorgen, für das tägliche Versorgen der Kinder oder für die Zubereitung deines Lieblingsessens.

Wann habt ihr euch das letzte Mal überrascht?

Vor einigen Wochen habe ich meiner Frau Blumen gekauft. Es gab dafür keinen besonderen Anlass. Ich hatte einfach das Gefühl, sie schon lange nicht mehr überrascht zu haben. Überrascht ihr euch gegenseitig immer noch mit Geschenken, mit kleinen Ausflügen, mit einem Kuss „aus dem Nichts“ oder damit, dass du einfach früher Feierabend machst (oder länger wach bleibst)?

Wann habt ihr eure Kinder das letzte Mal „in Verlegenheit“ gebracht?

Kinder sollten ab und zu ihre Augen verdrehen, weil Mama und Papa mal wieder rumblödeln. Sie sollten sehen, wie ihre Eltern tanzen, sich einen Kuss geben und miteinander lachen. Kinder tun zwar so, als würde sie das nerven, aber im Innern lieben sie es. Unsere Kinder müssen sehen, dass ihre Eltern eine gute Zeit miteinander haben.

Wann seid ihr das letzte Mal ausgegangen und habt über anderes als die Kinder gesprochen?

Man muss nicht unbedingt Geld ausgeben. Ihr könnt auch einfach Spazierengehen. Versucht einfach zwischendurch, die Kinder aus der Unterhaltung rauszuhalten und euch nicht auf sie zu fixieren, wenn sie gar nicht dabei sind.

Was würden andere über deinen Ehepartner denken, wenn du über ihn/sie sprichst?

Es kommt immer wieder vor, dass wir über unseren Ehemann/unsere Ehefrau sprechen – in Hauskreisen, bei Gebetstreffen, im Gespräch mit Freunden, der Familie oder dem Pastor. Wenn eine Person all das, was du in einem Monat über deinen Ehepartner gesagt hast, zusammenfassen würde – was für ein Bild würde diese Person bekommen? Welches Bild unseres Ehepartners vermitteln wir in Gesprächen mit anderen?

Denkst du mehr darüber nach, was du nicht gibst oder darüber, was du nicht bekommst?

Wir alle werden in unseren Ehen auch verletzt. Wir werden enttäuscht. Bleiben wir mit jemandem bis zu unserem Tod, wird es automatisch dazu kommen, dass wir ab und zu falsch behandelt werden. Aber sind wir nur auf die Fehler des anderen fixiert oder geben wir auch Raum für unser eigenes Verbesserungspotenzial? So wie Christus zu lieben, bedeutet, hingebungsvoll zu lieben, auch wenn wir nicht so geliebt werden, wie wir es vielleicht verdienen.

Kevin DeYoung ist Hauptpastor der Christ Covenant Church in Matthews, North Carolina (USA), Vorstandsmitglied bei The Gospel Coalition und Assistenzprofessor für Systematische Theologie am Reformed Theological Seminary (Charlotte, USA). Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter Gott beim Wort nehmen und Leg einfach los. Kevin und seine Frau Trisha haben neun Kinder.