Drei Waffen gegen den Stimmungskiller Social Media

Artikel von Gavin Ortlund
4. April 2022 — 6 Min Lesedauer

Die sozialen Medien scheinen oft die entgegengesetzten Werte von Gottes Reich widerzuspiegeln.

Jesus sagte: „Selig sind, die Frieden stiften” – die sozialen Medien scheinen jedoch oft gerade die Aufgeregten zu segnen. Jesus sagte: „Selig sind die Sanftmütigen” – die sozialen Medien scheinen jedoch oft die Narzissten zu segnen.

Ich bin dankbar für viele gottesfürchtige christliche Leiter, die einen vorbildlichen Umgang mit sozialen Medien vorleben. Gleichzeitig mache ich mir Sorgen, dass wir als Gemeinden oft mehr von der ungesunden Seite der Social-Media-Kultur geprägt sind, als dass wir sie zum Positiven verändern. Allzu oft werden wir in den Lärm und das Gespött hineingezogen.

Ich glaube nicht, dass die Antwort unbedingt darin besteht, soziale Medien ganz zu meiden, auch wenn dies für einige von uns sinnvoll sein mag. Wir alle sollten unsere Grenzen beachten. Doch beim gegenwärtigen Zustand unserer Kultur erfordert ein gottgefälliger Umgang mit den sozialen Medien zusätzliche Sorgfalt und Aufwand. Wir werden kaum ohne eigene Mühen in eine vorbildhafte Nutzung von Twitter und Instagram verfallen. Selbstdarstellung und Gemeinheiten werden uns schnell mitreißen.

Wie können wir damit umgehen? Ich selbst habe noch keine endgültige Antwort auf diese Frage gefunden, stelle euch aber drei Strategien für einen Anfang vor.

1. Dankbarkeit

Die sozialen Medien laden zum ständigen Vergleich ein und machen Neid zu einer ständigen Gefahr. Es wird immer jemanden mit mehr Followern geben. Es gibt immer neue Krisen, bei denen man meint, mitreden zu müssen. Und für manche wird es immer Witze geben, an denen man teilhaben möchte. Die Angst, übersehen zu werden, kann leicht zum Tyrannen werden und das Bedürfnis, die eigene Plattform zu pflegen, kann zur Last werden.

Ich habe festgestellt, dass die Übung, für die eigenen Dinge dankbar zu sein, den Kampf gegen Neid erleichtert. Es hilft, die Aufmerksamkeit, die wir unserer Plattform schenken, für tatsächlich gute Zwecke zu nutzen, anstatt dass wir sie für potenzielle gute Zwecke ausbauen. Freue dich über jeden noch so kleinen Einfluss, der dir gegeben wurde. Sei dankbar dafür. Pflege ihn wie einen kostbaren Garten in der Wüste.

„Welch ein Glück und welche Freiheit liegen darin, anderen zu dienen und sich nicht über die eigene Unauffälligkeit zu ärgern!“
 

Außerdem ist es gesund und befreiend, wenn wir unsere Einflussmöglichkeiten regelmäßig dem Herrn zurückgeben. Lege sie im aufrichtigen Vertrauen ab, sodass du, wenn der Herr es dir entzieht, viel mehr von ihm gewinnen wirst.

Dabei hilft es, sich daran zu erinnern, dass Stolz immer der Weg zur Fruchtlosigkeit ist, während Demut Freude hervorruft. Jesus kam in einer Krippe, nicht in Glanz und Glamour. Unsere Präsenz in den sozialen Medien sollte diese Tatsache in irgendeiner Weise widerspiegeln. Welch ein Glück und welche Freiheit liegen darin, anderen zu dienen und sich nicht über die eigene Unauffälligkeit zu ärgern!

2. Freundlichkeit

Ich habe oft darüber nachgedacht, dass die sozialen Medien einer der Mechanismen unserer Kultur sind, um andere öffentlich zu beschämen. Was früher am Pranger geschah, findet jetzt über Twitter statt. Das Beängstigende daran ist, dass die Menschen, die sich auf diese Art von Aktivitäten einlassen, dadurch oft mehr Aufmerksamkeit erhalten. Es ist ein ernüchternder Hinweis auf unsere Sündhaftigkeit, dass wir in bestimmten Kontexten Gemeinheit und Empörung nicht nur tolerieren, sondern sogar belohnen.

Vor dem Hintergrund dieses Trends und angesichts der Beschaffenheit dieses Mediums müssen wir uns umso mehr bemühen, Freundlichkeit zu zeigen. Bemühe dich also, bei Gelegenheit etwas Positives beizutragen. Vermeide Sarkasmus noch mehr als sonst. Sei besonders eifrig, den anderen zu ehren (Röm 12,10).

Ich weiß, dass es nicht einfach ist, und ich möchte den Wert offener Debatten und Meinungsverschiedenheiten nicht herunterspielen. Und selbstverständlich gibt es Zeiten für Zurechtweisung und Entrüstung. Einige Angriffe oder falsche Darstellungen erfordern eine deutliche und klare Antwort. Dennoch lohnt es sich, bei jedem Tweet oder Beitrag zu fragen: Fühlt sich das eher nach dem Fleisch oder dem Geist an? Zu welcher Kultur trage ich bei?

3. Pausen

Ein regelmäßiger Verzicht ist hilfreich für einen gesunden Umgang mit den sozialen Medien. Zusätzlich zu Pausen am Sonntag, in denen du dich ganz von den sozialen Medien fernhältst, könntest du auch über Folgendes nachdenken:

  • Lösche die App auf deinem Handy und nutze sie nur auf deinem Computer. Entweder immer oder nur für bestimmte Zeiten wie Wochenenden oder Familientage.
  • Lege bestimmte Orte in deiner Wohnung fest, an die du nie deine Geräte mitnimmst (z.B. dein Arbeitszimmer).
  • Verwende die Funktion „Do not disturb/Bitte nicht stören” als Standardeinstellung, damit du nicht ständig von den Geräten belästigt wirst – ständige Ablenkung ist nicht gesund für uns.

Eine weitere hilfreiche Maßnahme ist es, Menschen, die dich ständig runterziehen, stummzuschalten oder ihnen nicht zu folgen. Trau dich. Du bist nicht verpflichtet, jemandem zu folgen oder auf Kommentare einzugehen, wenn dies für deine Seele schädlich ist. Wenn ich beim Scrollen mit Neid oder Einsamkeit zu kämpfen habe, weiß ich, dass es wahrscheinlich an der Zeit ist, sich für eine Weile aus den sozialen Medien zurückzuziehen.

Wenn du dich außerdem mehr mit Menschen online auseinandersetzt als im echten Leben, dann ist es an der Zeit, die beiden auszubalancieren. Soziale Medien sollten die Interaktion von Angesicht zu Angesicht ergänzen, nicht kompensieren. Eine offensichtliche Herausforderung in einer globalen Pandemie!

Ein letzter Appell

Diejenigen von uns, die den Namen Christi tragen, müssen besonders darauf achten, wie wir miteinander reden. Unsere Interaktionen in den sozialen Medien spielen sich vor den Augen der Welt ab. Selbst bei unseren Uneinigkeiten sollten wir uns durch Liebe auszeichnen (Joh 13:35), damit wir das Evangelium der Gnade nicht durch den Dreck ziehen.

„Selbst bei unseren Uneinigkeiten sollten wir uns durch Liebe auszeichnen.“
 

Mir ist klar, dass es einige Menschen gibt, mit denen eine erbauliche Interaktion nahezu unmöglich ist. Ich denke, dass wir in solchen Fällen oft über Titus 3,10 nachdenken sollten: „Einen Menschen, der die Gemeinde spalten will, weise ab, wenn er einmal und noch einmal ermahnt ist.” Es mag hart klingen, aber es ist manchmal weise, sich völlig zurückzuhalten. Paulus hat das verstanden und das sollten wir auch.

So vieles liegt außerhalb unserer Kontrolle. Wir können das ständige Gekreische und Gewusel im Internet nicht stoppen. Aber wir können versuchen, unsere eigene Beteiligung an den Problemen zu verringern, und alles tun, was wir können, um zu einer gesünderen Kultur beizutragen.

Hier ist ein schönes Ziel, für das wir beten können: dass mehr Christen in den sozialen Medien an der Weisheit zu erkennen sind, die Jakobus beschreibt: „friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei” (Jak 3,17).

Gavin Ortlund ist Ehemann, Vater, Pastor und Schriftsteller. Er ist leitender Pastor der First Baptist Church of Ojai in Ojai, Kalifornien (USA). Er ist der Autor der Bücher Theological Retrieval for Evangelicals: Why We Need Our Past To Have A Future (Crossway, 2019) und Finding the Right Hills To Die On (Crossway/TGC, 2020).