Why God Makes Sense in a World That Doesn't

Rezension von Gavin Ortlund und Matt Smethurst
31. März 2022 — 10 Min Lesedauer

Kein typisches Apologetik-Buch

Apologetische Bücher konzentrieren sich in der Regel auf rationale Argumente für Gottes Existenz und die Wahrheit des Christentums. Solche Bücher sind nützlich, denn irrationale Argumente sollten wir auf jeden Fall ablehnen. Doch heutzutage beginnen die Einwände gegen das Christentum meist auf einer höheren Ebene. Vielen Skeptikern geht es nicht in erster Linie darum, ob unser Glaube wahr ist – sie bezweifeln, dass er überhaupt gut ist. Der christliche Glaube erscheint inzwischen nicht mehr nur unverständlich, sondern auch unmoralisch.

Gavin Ortlund, Pastor und Betreiber des YouTube-Kanals Truth Unites (dt. „Wahrheit vereint“), möchte die Skeptiker aus einem neuen Blickwinkel ansprechen. In seinem kürzlich erschienenen Buch Why God Makes Sense in a World That Doesn’t: The Beauty of Christian Theism (dt. „Warum Gott Sinn ergibt in einer Welt, die keinen Sinn ergibt: Die Schönheit des christlichen Glaubens“) erhebt Ortlund einen hohen Anspruch: Der Supranaturalismus und insbesondere der christliche Glaube ist „plausibler, eleganter, menschenwürdiger und hoffnungsvoller“ als der Naturalismus. Er ist die sinnvollste Antwort auf unsere größten Fragen und entspricht am besten unserer Lebenserfahrung. Ortlund schöpft aus ungewöhnlichen Quellen – zum Beispiel aus Mathematik und Musik – um zu zeigen, dass die christliche Weltanschauung in der Tat wunderschön ist und auf tiefster Ebene damit übereinstimmt, wie wir die Welt erleben.

„Vielen Skeptikern geht es nicht in erster Linie darum, ob unser Glaube wahr ist – sie bezweifeln, dass er überhaupt gut ist. Der christliche Glaube erscheint inzwischen nicht mehr nur unverständlich, sondern auch unmoralisch.“
 

Ich fragte Gavin Ortlund im folgenden Interview nach seinem einzigartigen Ansatz, warum er Nihilisten wie Nietzsche mehr respektiert als moderne Atheisten wie Sam Harris, warum „Gewissheit“ nicht notwendig ist und vieles mehr.

Matt Smethurst: „Unsere Zeit“, schreibst du, „erfordert einen etwas anderen Ansatz in der Apologetik“ (S. xii). Was meinst du damit?

Gavin Ortlund: Erstens leben wir in einer Zeit, in der viele Menschen ihre Hoffnung verloren haben. Es gibt viel Desintegration, Desillusionierung, Enttäuschung und Verzweiflung. Zweitens leben wir gehetzt und abgelenkt; der größte Gegner der Apologetik ist in der Regel nicht die Argumentation, sondern die Gleichgültigkeit. Drittens ist unsere Zeit von Empörung und Polarisierung gekennzeichnet. Daher konzentriert sich die Kritik an der Religion oft mehr darauf, ob sie gut ist, als darauf, ob sie wahr ist.

Ich glaube, dass unser Ansatz in der Apologetik diesen Realitäten Rechnung tragen muss. Wir müssen das Evangelium in Bezug auf alle drei Transzendentalien – das Gute, das Wahre und das Schöne – formulieren. Dieser klassische apologetische Ansatz hat tiefe theologische Wurzeln. Aber es ist auch wahrscheinlicher, dass er gerade jetzt Gehör findet und unsere nicht-christlichen Freunde und Nachbarn im Tiefsten anspricht.

In meinem Buch verwende ich also vier klassische Argumente. Ich binde sie jedoch in einen erzählerischen Rahmen ein und weise auf ihre Bedeutung für das Gute und Schöne hin. Dabei behaupte ich, dass das Christentum eine plausible und glaubwürdige Geschichte erzählt – und eine rundum bessere als der Naturalismus.

Smethurst: Du behauptest, dass die Art und Weise, wie wir die Realität erleben, ein Hinweis und keine Illusion ist. Wieso hat diese Unterscheidung Aussagekraft?

Ortlund: In meinem Buch mache ich auf verschiedene Aspekte der menschlichen Erfahrung aufmerksam, die ein Gefühl der Transzendenz und einer tieferen Bedeutung hervorrufen – zum Beispiel unsere Freude an der Musik oder unsere Erfahrung der Liebe. Für eine naturalistische Weltanschauung sind bedeutsame Gefühle, die mit Musik und Liebe verbunden sind, letztlich illusorisch. Sie sind lediglich ein Nebenprodukt des evolutionären Prozesses – unbeabsichtigte Nebenerzeugnisse von Anpassungsmechanismen, die sich aus anderen Gründen entwickelt haben. Mit einer theistischen Weltanschauung hingegen können wir das Gefühl der Transzendenz in der Musik oder der Liebe als einen Hinweis auf das erleben, was letztlich jenseits der Welt liegt.

Ich verwende hier folgende Metapher:

  • Im Naturalismus ist die menschliche Wahrnehmung der Transzendenz in der Musik oder der Liebe wie Opium für einen Sterbenden – angenehm, weil sie uns von der Realität ablenkt.
  • Für den Theismus ist die menschliche Wahrnehmung der Transzendenz in der Musik oder der Liebe wie ein Fenster für einen Gefangenen – angenehm, weil sie uns auf die Realität verweist.

Die Frage ist nicht nur, welche Alternative plausibler ist. Sie lautet auch: Mit welcher dieser Alternativen können wir tatsächlich leben? (Während du über die Antwort nachdenkst, erinnere dich daran, was du für die Person auf dieser Welt empfindest, die du am meisten liebst.)

Smethurst: C. S. Lewis‘ klassisches Trilemma – Jesus war entweder ein Lügner, ein Verrückter oder Gott – hat bleibenden Wert, aber viele Skeptiker bestehen darauf, dass das erhabene Bild eines göttlichen Christus in der Heiligen Schrift auf etwas anderes hinausläuft: auf eine Legende, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Was würdest du darauf antworten?

Ortlund: Es ist wichtig, Lewis‘ brillante Argumentation um diese vierte Möglichkeit einer Legende zu erweitern, denn Skeptiker wie Bart Ehrman sagen, dass Jesus gar nicht behauptet hat, Gott zu sein. In Kapitel 4 führe ich Argumente gegen diese Möglichkeit an. Um es kurz zusammenzufassen: Selbst wenn wir die radikalste, überkritische Einstellung gegenüber den Evangelien zulassen würden, gäbe es immer noch zahlreiche Passagen, in denen Jesus mit göttlicher Autorität handelt. Beispiele dafür sind seine Heilung des Gelähmten in Markus 2,10 oder seine Antwort an Kaiphas in Markus 14,62. Weil die Pharisäer wussten, was Jesus hier sagte, beschuldigten sie ihn der Gotteslästerung.

Darüber hinaus ist es erwähnenswert, dass wir wirklich gute Beweise dafür haben, dass die Evangelien historisch zuverlässige Dokumente sind. Sie wurden sehr zeitnah zu den Ereignissen geschrieben, über die sie berichten – und zwar zu einem Zeitpunkt, als diejenigen, die sie erlebt haben, sich noch gut an sie erinnern konnten. Wissenschaftler wie Richard Bauckham haben darauf hingewiesen, mit welcher Sorgfalt die Geschichten aus dem Leben Jesu in den dazwischen liegenden Jahrzehnten durch mündliche Überlieferung weitergegeben wurden. So waren diese Geschichten oft mit namentlich genannten Augenzeugen verbunden. Auch enthalten die Evangelien eine enorme Fülle konkreter Details, die zur Zeit ihrer Abfassung nachprüfbar oder eben widerlegbar gewesen wären. Und die Evangelien enthalten vieles, das für die frühe christliche Bewegung peinlich gewesen wäre, wenn es nicht der Wahrheit entsprochen hätte. Denken wir nur an die häufige Unfähigkeit der Jünger oder die Tatsache, dass Frauen zu den ersten Augenzeugen der Auferstehung gehören.

Als ich mit meinen Nachforschungen begann, glaubte ich, es gäbe bessere philosophische Argumente für Gott als geschichtliche Argumente für Christus. Ich habe meine Meinung geändert. Die historischen Beweise, die für eine göttliche Darstellung der Person Christi sprechen, sind völlig überzeugend.

Smethurst: Du scheinst mehr intellektuellen Respekt vor früheren, ernsten Atheisten zu haben wie Nietzsche, Sartre oder der Figur des Iwan (aus Die Brüder Karamasow) als vor ihren positiv gestimmten, modernen Gegenspielern wie Sam Harris. Weshalb?

Ortlund: Ich glaube, die früheren Atheisten waren ehrlicher darin, die Konsequenzen des Atheismus logisch zu Ende zu denken. Moderne Atheisten wie Sam Harris möchten eine hohe Wertschätzung für Philanthropie zeigen. Er versucht, dafür eine objektive Grundlage in der Wissenschaft und der Rationalität zu finden, verwechselt aber meiner Meinung nach die erkenntnistheoretische Grundlage der Moral (wie wir sie kennen) mit ihrer ontologischen Basis (woher sie eigentlich kommt). Philosophen wie David Baggett haben gezeigt, dass es in einem naturalistischen Weltbild sehr schwierig ist, eine ontologische Basis für eine moralische Verpflichtung zu finden. (Nicht für moralische Gefühle, sondern für moralische Verpflichtung.)

Philosophen wie Nietzsche und Sartre (und Iwan Karamasow) haben dies klar erkannt und ehrlich zum Ausdruck gebracht. Ich respektiere das.

Smethurst: Obwohl du dich in diesem Buch nicht ausführlich mit dem „Problem des Bösen“ befasst – wie kann ein guter Gott so viel scheinbar sinnloses Böses und Leid zulassen? –, bleibt dies doch ein gewaltiger, tiefgreifender Einwand gegen den christlichen Glauben. Ich glaube, dass du mit einem schmerzgeplagten Menschen anders reden würdest, doch wie reagierst du normalerweise auf einen gutgläubigen Skeptiker, der diesen verständlichen Einwand erhebt?

Ortlund: Ich denke, es gibt eine Reihe von sinnvollen Antworten auf das Problem des Bösen, wie etwa die Verteidigung des freien Willens oder der höheren Güter. Letztlich verliert das Problem meiner Meinung nach an Kraft, weil es voraussetzt, dass wir wissen, was ein unendlich guter Gott unter bestimmten Umständen tun würde. Wie können wir das wissen?

„Wir müssen dem wirklichen Leid der Menschen um uns herum immer mit Mitgefühl begegnen, und oft ist die beste Antwort kein Argument, sondern eine Umarmung.“
 

In einer naturalistischen Weltanschauung ist es schwierig, einen objektiven Maßstab für Gut und Böse zu finden. Deshalb stellt das Problem des Bösen für uns alle – Gläubige und Skeptiker gleichermaßen – ein Problem dar. In meinem Buch formuliere ich es so: Der Theismus mag nicht vollständig erklären, warum es das Böse gibt, aber der Naturalismus kann nicht einmal sagen, dass es das Böse gibt. Denn wenn es keinen übernatürlichen Maßstab für das Gute gibt, warum ist das Böse dann wirklich falsch und nicht einfach nur unangenehm?

Ich glaube zwar nicht, dass das Problem des Bösen den Glauben letztlich besiegt, man sollte es aber auch nicht leichtfertig abtun. Wir müssen dem wirklichen Leid der Menschen um uns herum immer mit Mitgefühl begegnen, und oft ist die beste Antwort kein Argument, sondern eine Umarmung.

Smethurst: Gegen Ende deines Buches unterscheidest du zwischen Gewissheit und Wahrscheinlichkeit. Warum ermutigst du die Zweifler, erstere nicht zu über- und letztere nicht zu unterschätzen?

Ortlund: Wir treffen viele Lebensentscheidungen auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten. Ich glaube, dass ein hohes Maß an Wahrscheinlichkeit häufig ausreicht, um jemanden dazu zu bringen, die Ansprüche des Christentums ernsthaft in Betracht zu ziehen. An diesem Punkt übernimmt oft der Heilige Geist die Führung. Es kann hingegen vorkommen, dass das Streben nach völliger Gewissheit sogar Schaden anrichtet, weil man versucht ist, seine Argumente überzubewerten.

„Wir werden nicht für das verantwortlich gemacht, was wir nicht wissen, sondern dafür, ob wir aufgrund dessen, was wir wirklich wissen, die bestmögliche Entscheidung treffen.“
 

Am Ende des Buches argumentiere ich (in Anlehnung an Blaise Pascal und Søren Kierkegaard), dass unsere Ungewissheit tatsächlich eine Rolle in der Psychologie des Glaubens spielt. Mit anderen Worten: Wenn wir in jeder Hinsicht totale Sicherheit hätten, könnte diese für das, was Gott in uns tun will, sogar kontraproduktiv sein.

Wenn der Anspruch des Christentums wahr ist, dann tobt ein Kampf in den tiefen Regionen unseres Herzens, wo wir es mit Gott zu tun haben. Wir werden nicht für das verantwortlich gemacht, was wir nicht wissen, sondern dafür, ob wir aufgrund dessen, was wir wirklich wissen, die bestmögliche Entscheidung treffen. Wenn also jemand das Christentum angesichts überzeugender Hinweise für wahrscheinlich hält, aber mit mangelnder Gewissheit kämpft, lautet mein Rat: Bitte Gott, sich dir zu offenbaren. Halte dann die Augen offen und sei unvoreingenommen. Ich vermute, du wirst nicht lange auf eine Antwort warten müssen. Gott ist in der Lage, zu uns durchzudringen.

Buch

Gavin Ortlund, Why God Makes Sense in a World That Doesn't: The Beauty of Christian Theism, Baker Academic, 2021, 240 Seiten, ca. 11,80 Euro.

Matt Smethurst ist geschäftsführender Redakteur bei The Gospel Coalition. Er und seine Frau, Maghan, haben drei Kinder und leben in Louisville, Kentucky (USA).

Gavin Ortlund ist Ehemann, Vater, Pastor und Schriftsteller. Er ist leitender Pastor der First Baptist Church of Ojai in Ojai, Kalifornien (USA). Er ist der Autor der Bücher Theological Retrieval for Evangelicals: Why We Need Our Past To Have A Future (Crossway, 2019) und Finding the Right Hills To Die On (Crossway/TGC, 2020).